51

BILD-Telefonie

Seit gestern ruft hier die halbe Presselandschaft an, denn ich bin durch diesen Artikel zu den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg, an dem ich mein Abi gemacht habe, zu einem der offenbar wenigen Ansprechpartner unter den Ex-Schülern geworden. Die Anrufe gingen dabei schon vor meinem Artikel los, ich habe ihn geschrieben, um die Anrufe abkürzen und Journalisten mittels des Posts auf meine Kenntnisse hinweisen zu können. Ich habe anderen Medien das Zitat des Artikels genehmigt. Genügen tut das den meisten natürlich nicht. Es muss doch etwas exklusiver sein.

Die Journalistinnen und Journalisten vom Tagesspiegel, vom Berliner Kurier, von der Berliner Zeitung, vom Stern, vom RBB und von der Berliner Morgenpost — sie alle hatten dabei Verständnis dafür, dass ich inhaltlich auf meinen Artikel verweise und darüber hinaus keine Interviews zu dem Thema gebe, einfach deshalb nicht, weil ich kein Zeuge bin. Was ich zu sagen habe steht im Artikel, die Täter- und Opfer-Namen, die mir zu Ohr gekommen sind, werde ich nicht nennen, da ich diese nur aus zweiter Hand habe. Man stelle sich vor, was es auslösen könnte, wenn ich ohne eigenes, sicheres Wissen den Namen eines möglicherweise Unschuldigen als Verdächtigen nennen würde. Es gibt Dinge, die der Schulleitung, den Opfern, der Mediatorin und der Polizei überlassen werden sollten.

Jeder der oben erwähnten Anrufer fragte freundlich, ob dieser oder jene Satz zitiert werden dürfe, ob man Teile des Artikels verwenden könne. Was aus einzelnen Artikeln geworden ist, weiß ich noch nicht, aber ich hatte den Eindruck fairer und sachlicher Kurzgespräche.

Mit der BZ ist es dann schon etwas schwieriger, was weniger überrascht, mit dem SPIEGEL aber leider auch. Während man sich am Ende des streckenweise sehr aufgeregten Spiegel-Telefonats zumindest wieder auf einen sachlichen Ton und gegenseitiges Verständnis einigen konnte, nachdem ein zweiter Kollege eingesprungen war, blieb die Journalistin der BZ ungebrochen beharrlich bis penetrant. Neben Namen und Orten hätte sie gerne auch noch alte Klassenfotos und die E-Mail-Adressen einiger unserer Kommentatoren zur Kontaktaufnahme gehabt (bekommen hat sie nichts davon).

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass Journalisten Recherche betreiben und dass ich dabei als eine von mehreren Stellen angesprochen werde. Dabei ist jedoch die durchaus als aufdringlich zu bezeichnende Hartnäckigkeit einiger Anrufer, denen meine Weigerung der Namensnennung nicht passt, extrem anstrengend und die Gier nach der Exklusivinfo in diesem Zusammenhang ziemlich eklig.

Ich hoffe, dass sich andere ehemalige Mitschüler, die sicher auch kontaktiert werden, nicht bedrängt fühlen, voreilige und damit möglicherweise falsche Aussagen zu treffen. Und ich hoffe gleichzeitig, dass es Schüler gibt, die mit Sicherheit richtige Aussagen treffen können.

Noch einmal ganz anders verlaufen übrigens Telefonate mit der BILD. Das geht dann so:

BILD: „Hallo, hier ist die BILD-Zeitung, wir haben mit großem Interesse ihren Artikel gelesen und möchten uns mit Ihnen heute nachmittag auf eine halbe Stunde treffen.“

Ich: „Ich gebe keine Interviews zu dem Thema und ich rede nicht mit der BILD-Zeitung.“

BILD: „Was?“

Ich: „Ich rede nicht mit der BILD-Zeitung.“

BILD: „Wieso denn nicht? Wegen BILD?“

Ich: „Ja, wegen BILD.“

Anruferin: „Na dann müssen wir halt ihr Blog lektorieren.“

Ehemalige Mitschüler, die Kontakte zur Presse suchen, leite ich gerne — auf Wunsch auch anonym oder mit mir als „Zwischenstopp“ — an die mir seriöser erscheinenden Medien weiter. Um die E-Mail-Adressen, die ihr in den Kommentaren hinterlasst, braucht ihr euch keinerlei Sorgen zu machen, sie werden von uns nicht weitergegeben. Wer Kontakt mit mir aufnehmen möchte, kann dies jederzeit unter johnny at spreeblick punkt com tun.

51 Kommentare

  1. 01

    Ekelhaftes Pack! (Nicht du, Johnny!)

  2. 02

    @Achim B.: Tja. Die meisten schienen okay zu sein. Die Ausnahmen lassen einen den Druck des Chefredakteurs spüren. Und BILD: Hätte man was anderes erwartet?

  3. 03
    peter

    doofe frage, aber lektorieren heißt doch den inhalt des beitrags auf die zielgruppe umzuschreiben oder?

  4. 04

    @peter: So habe ich das auch verstanden, ja.

  5. 05
    Tom

    ‚Mal ehrlich, dass die halbe „Presselandschaft“ angerufen hat, könnte man wiederum als nicht unpraktische Publizität verstehen. Das Thema ist auf jeden Fall ernst und bitter. Aber in Zeiten, da Presse über allem steht, der Presserat seit Jahren still ist… Die Meldung ging nicht privat, sondern über SPREEBLICK ‚raus, also „presse-geschäftlich“.

  6. 06

    @Tom: Was genau meinst du? Sollte ich mich lieber vor die Kameras und Mikros setzen, um die PR besser zu nutzen?

  7. 07
    Martin

    Ich vermute mal Du hättest auch nichts gesagt, wenn Du dir Deiner Informationen sicher gewesen wärst.
    Die Beharrlichkeit der Journalisten will ich allerdings nicht so scharf kritisieren. Ohne diese würden schließlich auch keine Wirtschafts – und Politskandale aufgedeckt werden. Eine notwendige Berufskrankheit.

  8. 08
    Grit

    Mannmannmann, das ist jetzt das Gegenteil von Vertuschen.
    Alles schön medienwirksam ausbreiten, damit auch ja kein Bildzeitungsleser sein Kind ins CK schickt!
    Den Opfer ist jetzt sicher nicht damit geholfen, zusätzlich noch eine Aufdeckung ihrer Identität durch die Medien zu fürchten. Hoffentlich sind alle Beteiligten jetzt so sensibel und professionell genug, daß nichts in die Medien kommt, was dort nicht hingehört…

  9. 09

    Genau die richtige Reaktion in Richtung Bild. Respekt!

    Haben sie dir auch noch ein Informationshonorar angeboten o.ä? Das ist angeblich auch normal bei der Bild, um Informanten dann doch zum Reden zu bewegen.

  10. 10
    ABC

    @ Johnny Häusler

    um dich etwas zu entlasten, möchte ich auf ein Buch hinweisen, aus dem die Journalisten zitieren können, wenn sie sich mit dem Thema von homosexuellen Priestern und mit dem Thema von Kindesmissbrauch durch Priester befassen möchten. Hier ist immerhin ein Erzbischof on the record, zwar nicht zum Canisius-Kolleg, aber zu vergleichbaren Schulen in in den USA

    Rembert Weakland
    A Pilgrim in a Pilgrim Church: Memoirs of a Catholic Archbishop

    http://www.amazon.com/Pilgrim-Church-Memoirs-Catholic-Archbishop/dp/0802863825/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1264766720&sr=8-1

    Rembert Weakland (geboren 1927) ist der erste katholische Bischof, der sich in seinen in 2009 erschienenen Memoiren offen mit seiner Homosexualität auseinandersetzt. Er hatte ungefähr 1977 eine Beziehung zu einem damals 35jährigen Mann. Von diesem wurde er dann 1998 erpresst. Laut seiner Darstellung wollte er zu dieser Beziehung zu einem erwachsenen Mann, die damals bereits beendet war, stehen. Ihm wurde aber in Rom geraten, die Sache zu vertuschen und stattdessen Schweigegeld zu zahlen. Seite 387: „At the time, I was weighing whether I should resign as archbishop and fight Marcoux’s accusations in the open or stay on and try to resolve the situation quietly. I knew a public fight would damage my reputation, but it seemed the only way to put an end to it. This old priest disagreed. He felt the „Roman“ way of handling such matters, „for preserving the good name of the Church“, was to take the more discreet option of reaching an agreement with Marcoux….“

    Als ehemaliger Erzbischof von Milwaukee von 1977 bis 2002 ist Rembert Weakland auch Zeitzeuge zum Umgang der Katholischen Kirche in den USA zu den Mißbrauchsskandalen. Darüber schreibt er z.B. Auf Seite 351 ff des Buches.

    Über seine eigene Kindheit schreibt er, dass er bevor er 1940 auf eine Internatsschule des Benediktinerordens geschickt wurde vom Ortspfarrer gewarnt wurde, er solle sich vor einem bestimmten Pater X dort in Acht nehmen. S.40 „The week before leaving Father Betrand called me into his study in the rectory for final instructions. Briefly and without any real explanation he told me to avoid a Father X since he was known to prey sexually on young boys.“ Über die Schule schreibt er, dass er dort eine hervorragende Erziehung bekam, er schreibt aber auch auf Seite 45: „One event, however, I believe it was at the beginning of our junior year, marked the class profoundly. During recreation, when we were hanging out and chatting, one of the students reported that a priest-teacher was messing around, grabbing students indecently, touching them etc. I recalled my pastor’s Father Bertrand’s warning about Father X, but this was not he; it was Father Y. I was one among the boys that urged that those involved tell our superior the whole story. They did. The consequences were unsettling. The priest was gone immediately. The superior talked to almost every student in the high school. Some who were involved left right away; some left at the end of the year; some stayed on. I never knew how it was determined who fell into which category, who left voluntarily and who did not. No one mentioned help for those who had been abused. The prevailing view about them was, „They will forget all about it as they grow older.“ I have often wondered if I had been right in insisting the superior be told since I had not expected that anyone would be expelled. No public explanations were ever given.“

    Soweit zum Vorgehen des von den Benediktinern geführten Internats in St. Vincent, Latrobe, Pennsylvania in den 40ziger Jahren. Die Schule handelt zwar sofort, aber der Täter und die Opfer werden von der Schule verwiesen, damit dort wieder Reinheit einkehrt.

    Rembert Weakland ist inzwischen im Ruhestand und lebt in Milwaukee. Der Benediktinerorden verweigert ihm den Aufenthalt in einem Benediktinerkloster als Ruhesitz, weil man dort die negativen Reaktionen von Sponsoren auf seine Memoiren befürchtet.

    Ich finde es mutig für einen Angehörigen des Jahrgangs 1927 sich so offen mit seinem Leben auseinanderzusetzen.

  11. 11

    @Martin: Hätte ich sichere Informationen, würde ich diese weitergeben, allerdings zuerst wohl an die Polizei. Das hätte ich aber dann auch schon vorher getan.

    Sicher hast du recht, das ist der Job und wie gesagt: Im Grunde ist Recherche natürlich okay. Es ist der Ton und die Art und Weise bei einigen, die einfach abstoßend ist und die Tatsache, dass man Antworten, die nicht so toll druckbar sind, nicht akzeptieren will.

    Das ist alles wirklich schwierig: Einerseits können Journalisten selbstverständlich bei der Aufklärung helfen, andererseits hatte ich an einigen Stellen nicht den Eindruck, dass es darum geht.

  12. 12
    Nick Charles

    Finde das eigentlich ziemlich albern, Gespräche mit BILD von vornerein auszuschließen und das dann noch als große Leistung hier zu verkaufen…

    Nichts dagegen die Aussage zu verweigen, aber dann mit dieser fadenscheinigen Begründung. Peinlich. Wie kommt sowas wohl beim Gegenüber an? Es ist doch nicht alles nur schwarz und weiß.

    Aber das all die Zeitungen anrufen, hat Johnny schon geschmeichelt, oder.

  13. 13

    @Nick Charles: Schmeicheln tun mir andere Dinge als Anrufe, weil man ergooglen kann, welche Schule ich besucht habe. Und was meinst du mit „fadenscheinig“? Ich spreche gerne mit Journalisten, wenn meine Erfahrung mir sagt, dass meine Worte halbwegs korrekt wiedergegeben werden, was bei der BILD nicht der Fall ist. Was du daran als „Leistung verkaufen“ interpretierst, ist allein deine Sache.

  14. 14
    Nick Charles

    @johnny: Ist natürlich alles dein gutes Recht. Bin auch kein Fan der Bild-Zeitung und würde mir natürlich auch gut überlegen, ob und was ich denen sagen würde… Aber das von vornerein auszuschließen, das dem Anrufer unter die Nase zu reiben und dann noch zuveröffentlichen…

    weiß nicht.. finde man sollte prinzipiell ein Gespräch mit keinem ausschließen (Verbrecher, etc ggf. natürlich ausgenommen…) Und du schreibst ja, dass die Anrufer von BZ und Spiegel auch nicht viel besser waren… Mit denen scheinst du aber gerne geredet zu haben…

    Aber du bekommst ja auch wie üblich von unter 25-Jährigen die kein Impressum auf ihrem Blog haben großen Applaus… Deine Reaktion scheint ja dann doch nicht so verkehrt sein… Hätte wahrscheinlich ähnlich gehandelt… Ein gutes Zeichen?

  15. 15
    mickey

    @Nick Charles: und auf was willst du jetzt raus?

  16. 16
    aint misbehavin

    @Nick Charles: „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht.“ (Max Goldt) Es ist völlig korrekt, Gespräche mit der BILD von vornherein auszuschließen.

  17. 17
    Nick Charles

    Ja, war klar, dass sofort ein Schlaumeier mit dem abgestandenen Zitat eines drittklassigen Autoren ankommt. Vergisst es am besten… Bye.

  18. 18
    Grit

    @nickcharles. Da fühle ich mich aber sehr geschmeichelt, das ich noch als Mid-Twen durchgehe.

  19. 19

    @Nick Charles: Also ich kann nicht für Johnny sprechen und ich bin auch in keiner Weise nachgefragt, aber ich schließe Gespräche (so wie Du ja auch) mit bestimmten Personen (seien es natürliche oder juristische) aus.

    Keine Ahnung inwiefern das verwerflich sein sollte, wenn ich mir meine Gesprächspartner selbst aussuche.

    Verordnete Pflicht-Kommunikation kann nur in die Hose gehen.

    Und das mit dem Impressum verstehe ich nicht. Bye …

  20. 20

    @Nick Charles: Bei gewissen Organen ist es durchaus sinnvoll ein Gespräch von vornherein auszuschliessen. Insbesondere dann, wenn die eigene Erfahrung einem sagt, was dieses Organ für eine Art Berichterstattung betreibt. Denn was Du denen einmal als Futter gegeben hast, kannst Du hinterher nicht mehr lenken.

  21. 21

    @Nick Charles: Vielleicht muss ich meine Reaktion etwas erklären: Es ist einfach unmöglich, es allen Leuten recht zu machen. Wenn ich hier was schreibe, gibt es von manchen den Vorwurf der Eigen-PR — dabei ist mein Interesse an Artikeln wie dem da oben tatsächlich, das, was hier gerade passiert, weiterzugeben. Ich habe wirklich viel Erfahrung mit Journalisten, aber diese beiden Tage waren der Hammer und ich finde das, was ich schrieb, schon bemerkenswert, auch wenn ich es teilweise nachvollziehen kann.

    Es nervt manchmal, wenn mir bei jedem zweiten Artikel irgendein Kalkül vorgeworfen wird, das es nicht gibt, und dein Kommentar hatte diesen Anschein — wenn ich falsch lag, bitte ich um Entschuldigung.

    Wollte ich diese hässliche Geschichte für mich oder Spreeblick ausschlachten, könnte ich das massiv tun. Dass ich es nicht tue, ist kein Verdienst, sondern meine Entscheidung, die auf Erfahrungen basiert, dass ich diese hier wiedergebe, ist die Natur dieses und anderer Blogs. Ich tue das hier nicht, um mich von wildfremden Menschen beschimpfen zu lassen und auch nicht, um zu zeigen, was für tolle Entscheidungen ich fälle.

    Dabei ist völlig okay: Manche mögen mich und was ich tue bzw. können es nachvollziehen, anderen geht es einfach nur auf den Senkel und sie vermuten hinter allem das schlechteste. Damit kann ich leben, erlaube mir dann aber halt ab und zu auch entsprechende Antworten.

    Ich finde, dass einige Leute oft etwas zu sehr von ihrer Sicht der Welt und ihrer Sozialisation ausgehen und das dann auf mich oder andere übertragen (ok: das tun wir am Ende alle, geht ja kaum anders) und bitte einfach nur darum, einen Moment länger nachzudenken und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Dein Satz mit den „unter 25-Jährigen ohne Impressum“ bspw. zeigt, dass es offenbar um etwas anderes geht. Worum genau? Nervt es dich, dass Leute mich in meiner Entscheidung verbal unterstützen? Warum sind das deiner Meinung nach „unter 25-Jährige ohne Impressum“, die du offenbar nicht so magst. Was hat das miteinander zu tun?

    Was die Presse angeht: Im Grunde war ich zuerst auch der Meinung, keine Unterschiede machen zu müssen, ich unterteile schon lange nicht mehr nach „Springer und nicht Springer“, das funktioniert einfach nicht und ist albern. Und tatsächlich habe ich ja niemandem ein Interview gegeben, selbst den meiner Meinung nach vertrauenswürdigen Medien nicht. Dennoch fand ich einige Anrufe — nochmal — bemerkenswert. Und dass ich mit der BILD in so einem Fall generell nicht rede, mag man lächerlich finden, ist aber nunmal so.

    Und weil ich gerade dabei bin: Du schreibst, dass du dir auch gut überlegen würdest, mit wem du redest. Dazu hast du in einer Situation wie dieser aber keine Zeit. Du planst nicht, sondern du reagierst. Du hast grundsätzlich sehr nette Menschen am Telefon, die du nicht kennst, die dich sehr geschickt in ein Gespräch verwickeln, das hinterher zitiert wird, wenn du diese Zitate nicht ausdrücklich ausschließt. Man stellt dir Fangfragen, bei denen jede andere Antwort als „dazu sage ich nichts“ ein Fehler sein kann. Man versucht, mit Vermutungen, die man als Tatsachen darstellt, Bestätigungen zu bekommen („Wussten Sie denn auch, dass Herr XY einer der Täter ist?“) und stellt dich hinterher als Quelle dar.

    Da hilft nur Training, und obwohl ich davon ein bisschen habe, lege ich mich oft genug trotzdem auf die Klappe. Rhetorik ist ein mächtiges Werkzeug und du kannst davon ausgehen, dass viele Journalisten, die man für dieses Thema „auf die Straße“ schickt, dieses Werkzeug besser beherrschen als du oder ich. Aus gutem Grund, und oft genug profitieren wir als Leser ja auch davon. Aber auf der anderen Seite der Telefonleitung ist das einfach enorm anstrengend und kann in einer solchen Geschichte schwerstens nach hinten losgehen.

  22. 22
    Nick Charles

    @Johnny: Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich habe vollstes Verständnis. Gerade im direkten Kontakt oder im Effekt reagiert man oft anderes, als es im Lehrbuch steht… Deine Reaktion war aber auch vollkommen ok… Das war auch nicht mein Vorwurf… Auch nicht der Eigen-PR, etc…. Ich hätte sicherlich nicht immer die Geduld, etc. wie du auf Anschuldigungen, etc. überhaupt einzugehen…

    Mich stören nur generell Paauschalisierungen wie „Springer ist scheiße“, „Alle Moslems potenzielle Terroristen“, etc. Und dann findet sich schnell ein johlender digitaler Mob, der begeistert Zustimmung brüllt… Ob nun bei PI, Stefan Niggemeier oder Welt Online… Bei deiner Äußerung „žIch rede nicht mit der BILD-Zeitung.“ und der Überschrift hatte ich zuerst einen ähnlichen Verdacht… Dieser Artikel war dann wohl vielleicht der falsche Ort…

    Das mit „unter 25-Jährigen ohne Impressum“ war pure Polemik, weil sich das zufällig mit den ersten Kommentatoren gedeckt hat… Oder einfach meine Art von Humor… Aber was rede ich, ich trete hier ja (leider aus gutem Grund) völlig anonym auf… :-)

  23. 23

    @Nick Charles: Okay, „Kriegsbeil“ begraben. Danke fürs Antworten! :)

  24. 24
    Hans Dampf

    jetzt ignoriert doch diesen Nick Charles einfach, heute ist Freitag und der Typ ist offensichtlich ein Troll….

    Ich finde es richtig manchen Zeitungen einfach keine Interviews zu geben, zumal die BILD und viele ähnliche Magazine gerne mal die Worte im Mund verdrehen und sich dann auf das Interview berufen – wenn kein Interview gemacht wurde ist dieses Problem nicht vorhanden.

  25. 25
    david

    @Hans Dampf: Wieso denn N.C. ignorieren? Er hat es sich eben nicht leicht gemacht, sondern kritisiert und nachgefragt. Das kann man gut oder schlecht finden, aber im Ergebnis haben wir eine äußerst interessante Antwort von Johnny. Das ist doch das Geniale an solchen Orten wie diesem hier: Endlich bekommt man ein wenig Einblick in eine Welt, die sonst völlig verschlossen bleibt. Diskussion statt Rezeption. Besser geht’s doch nicht.

  26. 26
    krisenkind

    Toller Artikel!
    Mal schön zu sehen, wie grosse Zeitungen versuchen ihre Informationen zu beschaffen.

  27. 27

    @david: „Diskussion statt Rezeption.“
    Danke für dieses wunderbare Zitat. Auf den Punkt gebracht!

  28. 28
    plan9

    ot:
    schade… jetzt ist mir hans dampf dazwischengegrätscht, dabei wollte ich johnny und nick zu diesem konstruktiven und deeskalierenden schlagabtausch beglückwünschen. gerade weil’s im netz so selten vorkommt.

    zum thema:
    der presse keine auskunft zu geben, ist jedermanns gutes recht.
    genauso wie es das recht und sogar die pflicht der presse ist, fragen zu stellen.
    dabei macht in der tat der ton die musik.
    ich hab in meiner journalistenlaufbahn einige „kein kommentar“e kassiert, auch schonmal mit dem zusatz „ich mag ihre gazette nicht“, obwohl ich nie für BILD oder eine andere boulevard-zeitung geschrieben habe. ich konnte damit leben, meine brötchengeber meistens auch.
    manchmal hatte ich auch gelegenheit, meinen boulevard-kollegen bei „kein kommentar“-antworten über die schulter zu schauen und konnte mich einer mischung aus bewunderung und ekel nicht erwehren, wenn sie ungerührt weiter insistierten und dabei sogar einen tick verständnisvoller und charmanter wurden, um doch noch eine genervt gezischte antwort vom gegenüber zu bekommen.
    und ich konnte mir auch immer sehr gut vorstellen, wie sich das gegenüber in den arsch beisst, wenn es sich tags drauf in sinnentstelltem zusammenhang zitiert liest. denn meistens ist nicht das zitat verändert worden, sondern „nur“ der kontext.
    die gefahr ist bei boulevard-zeitungen einfach höher als bei sog seriösen.
    insofern finde ich es durchaus angebracht, einen boulevard-reporter, in diesem fall eben einem von der BILD, wissen zu lassen, dass man ihm und seinem arbeitgeber nicht über den weg traut.

    und die reaktion von diesem BILD-reporter war ja echt noch gemäßigt.

  29. 29

    Wenn die BZ Namen will, dann gib ihnen doch Namen: Einmal kurz ins Impressum auf der Webseite der BZ geschaut und sie kriegen was sie wollen.

  30. 30
    yeeah

    „Ich: „žIch rede nicht mit der BILD-Zeitung.“

    BILD: „žWieso denn nicht? Wegen BILD?“

    Ich: „žJa, wegen BILD.““

    sehr gut!!!

  31. 31
    yeeah

    OT: irgendwie funktioniert die edit-funktion seit ff 3.6 nich mehr^^
    gibts jemanden,der die selben probleme hat?

  32. 32

    Das darum herumgerede ist genug.

    Für jeden etwas dabei.
    ———————————–
    http://www.DCTP.tv

    Alles Gute
    @PiPi

  33. 33

    Auch, wenn es sicher überflüssig ist, Johnny für sein prinzipientreues Handeln zu gratulieren, finde ich es großartig, dass mit diesem Artikel ein (weiteres) integres Vorbild für Verhalten in derartigen Situationen bereitsteht. Insofern finde ich das Ausbreiten und Erläutern dieser Medienerfahrungen wenig selbstherrlich, vielmehr hilfreich.

  34. 34

    Es ist in der Tat erhellend aber auch erschreckend, wenn man als Journalist oder Medienschaffender auf einmal selbst zum Objekt der Berichterstattung wird – sei es aufgrund eines solchen Falles, eine Unglücks oder ähnlichem. Irgendwie hat man ja Verständnis für die Kollegen, die versuchen ihren Job zu machen und Details herauszukitzeln, andererseits ist das in einer solchen Situation aber auch abschreckend. Vor allem jedoch weiß man, wie auch Johnnys Reaktion zeigt, halbwegs professionell mit solchen Anfragen umzugehen.
    Ich frage mich da immer mit Schaudern, wie das wohl Menschen geht, die nicht so viel Erfahrung mit Medien haben.

  35. 35

    Und am Ende wird man plötzlich von wildfremden Leuten auf der Straße angesprochen, weil Fotos von einem, die man selbst noch nie gesehen hat, inkl. „Portrait zur Person“ und Angaben zu Familie und Wohnort in Zeitungen erschienen sind.

    Das sind zwar alles keine Geheimnisse (steht in meinem Fall in der Wikipedia — worauf man ebenfalls kaum Einfluss drauf hat, sobald man als „Person des öffentlichen Interesses“ gilt), fühlt sich aber dennoch merkwürdig an, wenn einen vorher niemand gefragt oder informiert hat. Mein Bild in Zeitungen ist mir in anderen Zusammenhängen lieber. Aber nun gut.

    Ich bin jedenfalls froh, dass ich keine anderen Aussagen getroffen habe als in meinem Artikel, ich glaube, das war die richtige Entscheidung. Und offenbar hat es ein bisschen geholfen, einen Ex-Mitschüler in der Zeitung zu sehen, da sich danach noch viele andere Ehemalige mit viel direkteren Erfahrungen gemeldet haben. Wenn das so war, soll es mir Recht sein.

    @Alex: Das denke ich auch oft „¦ bei mir ist das nicht so wild, meine Familie kennt das Spiel und nimmt das sehr gelassen. Aber für jemanden, der mit Öffentlichkeit sonst nichts zu tun hat und haben will? Du sagst ein paar Sätze am Telefon, jemand treibt ein Foto von dir auf und am nächsten Tag kennt dich dein ganzes Viertel in einem Zusammenhang, der u.U. auch noch etwas „korrigiert“ oder gar konstruiert sein kann.

  36. 36

    Alles richtig gemacht, Herr Häusler, immer wieder schön, auch von solchen Menschen zu lesen :D

  37. 37

    Zu „žBlog lektorieren“ fällt mir ein, hatte da nicht neulich eine Journalistin einen Blogger wegen eines Zitates abgemahnt „¦? ,-)

    So oder so, Mitte nächster Woche ist das Drama journalistisch kein Thema mehr. Spätestens.

  38. 38

    @Johnny Haeusler:
    Lieber Johnny (Ich wiederhole mich)

    Mach bitte so Konsequent weiter.
    Sei so offen für alles neue wie die
    Leserschaft.

    Mein ja nur
    @ PiPi

  39. 39
    Nick Charles

    Die BZ schreibt heute (Samstag) vom „Internetforum“ Spreeblick und zitiert einige Schüler, glaub ich… Weiß aber nicht mehr genau und hatte mich nur gefragt, wo das herkommt… wahrscheinlich aus den Kommentaren, etc… habe ich vorhin beim Pizzamann am Rosentaler Platz (sehr zu empfehlen übrigens) gelesen…

  40. 40

    @Nick Charles: Ja, da wurde aus den Kommentaren zitiert. Das ist auch okay, finde ich, ist ja keine geschlossene Site.

  41. 41
    Siamfisch

    Hi Johnny,
    bin trotz Differenzen in der Vergangenheit immer sehr angetan, wie souverän Du selbst die heikelsten Situationen und Themen behandelst ohne Deine Fairness auch dem anders Denkenden gegenüber zu verlieren. Deine Unaufgeregtheit, gerade auch, wenn Du persönlich angegangen wirst, finde ich schon sehr bewundernswert und beneide Dich um diese (manchmal sicherlich nur scheinbare) Gelassenheit.
    R-E-S-P-E-C-T

  42. 42

    Es gibt wohl zwei Ebenen in diesem Thema. a) die direkt Betroffenen, welchen sicherlich so Einiges erneut hochkommt.

    b) Die jeweils Verantwortlichen des Kollegiums und vor allem des Ordens, welche offensichtlich von Anfang an, also seit 1980, dann 1991, dann 2005 von diesen Vorgaengen wussten, offenbar aber nicht konkret reagiert haben. Der Warnschuss 2005 wurde ebenfalls unter den Teppich gewischt und nun laesst sich der Deckel nicht mehr auf dem Topf halten. JETZT ergreift der Rektor die Flucht nach vorne…

    Bedauerlich: Nicht der die Vorfaelle vor 30 Jahren schaden meiner Auffassung nach dem CK, sondern die Art und Weise, wie die Verantwortlichen mit diesem Thema umgegangen sind. Der eigenen Schulethik widersprechend, die Wahrheit Stück für Stück gerausrückend und erst dann, wenn der Druck der Medien gross genug ist.

    Dies meine Eindrücke der letzten zwei Tage, dokumentiert in meinem Blog.

  43. 43
    katkixx

    „Ich rede nicht mit BILD.“ – Diesen Satz hört ein BILDreporter mehr als selten und ringt ihm auch nur ein müdes Lächeln ab, denn selten ist der/die Angesprochene Endstation. Es gibt immer irgendeine Alternative.
    Man sollte sich auch nicht zu sehr auf die Zeitung einschießen, schließlich liefert sie nur das, was die Mehrheit lesen will. Die Redaktionen sind übrigens von Studenten als Praktikumsplätze („…wollte mal sehen, wie es bei euch zugeht….“) sehr beliebt. Nicht wenige bleiben ganz.
    Was man BILD vorwirft, kann man allen vorwerfen, sie ziehen alle am selben Strang und der Druck (der Leser) ist für jeden gleich.
    Aber gegen BILD johlt es sich traditionsgemäß am besten.

  44. 44
    plan9

    @katkixx
    die mehrheit von was?

  45. 45

    @katkixx: Die Bild hat sich erfolgreich ihr Image aufgebaut und ich sehe keinen Grund, sie dafür jetzt in Schutz zu nehmen. Sie ist ein Boulevardblatt ohne Hintergrund und Tiefgang, berichtet mal mehr, mal weniger die Wahrheit, oft genug ungenau recherchiert und lieber mit falschen Tatsachen um sich werfend als mit jounalsitisch genauer Arbeit zu glänzen.

    Und das ist das, worin sich andere große Zeitungen von de Bild unterscheiden. Das Redaktionsplätze bei Praktikanten und Studenten beliebt sind – ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen :-D

  46. 46

    @Siamfisch: Dankschön. Wäre ja auch schlimm, wenn man in den letzten Jahren hier nichts gelernt hätte. :) Dazu gehört: Der andere meint es vielleicht nicht so, wie ich es verstehe. Und: Nicht sofort im Affekt antworten, sondern erst mit dem zweiten Anlauf. Klappt übrigens nicht immer, hilft aber oft. Freut mich, wenn es funktioniert und nicht in gegenseitigen Beschuldigungen endet. Auch das klappt ja nicht immer.

  47. 47
    quasi

    die sind so schnell weg wie sie gekommen sind..

  48. 48

    Sehr souverän gehandhabt, die Presseanfragen.

    Die E-Mail-Adressen im Blog *muss* man ja nicht unbedingt speichern. Siehe auch http://blog.bugie.de/datenschutz ;-)

    Grüße,
    Florian

  49. 49

    Oh, Mann. Kann jemand diesen Nicker-Charles aus diesem Thread schmeißen? Oder wenigstens mit „Plonk!“ reagieren?

    @ Nick Charles

    Willste ´nen Fisch?

  50. 50

    Die Welt wäre eine bessere ohne die Bild Zeitung. Von dem her, gut gemacht.

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