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Sind Leerkassetten der Tod der Schallplatte?

„Home taping is killing music!“, tönte die Musikbranche in den 80ern, und wer heutzutage kleine Streichelbands in eiskaltem Wasser ertränkt, wissen wir ja. Dass schon 1977 Brillionen Dollar Umsatzeinbußen zu verzeichnen waren – durch die Leerkassette nämlich –, das kann man auf Cliphead in einem alten BRAVO-Artikel nachlesen, in dem auch Plattenplauderer Thomas Gottschalk zu Wort kam, dem Singles* zu teuer waren.

[Gefunden von Jeriko via Facebook]

*Hinweis für die digitale Generation: Singles konnte man damals noch ohne Portal kaufen.

28 Kommentare

  1. 01

    Also, bemerkenswert:

    1. Damals hieß der Bravo-Leser noch „Gerd Schulze“.
    2. Fast alle Namen von damals sagen uns heute noch was, haben sogar „Karriere gemacht“, im Musik-Business klein angefangen und es als Sprungbrett genutzt. Und sahen damals schon scheiße aus.
    3. Der Versuch, neue Technologien mit Abschlägen zu belegen, um irgendwie Geld in überkommene Geschäftsmodelle zu pumpen, ist alt. Die Demokratisierung von Musik ist ein Prozess, der umkehrt und zurück erobert, was einige Institutionen (wie z.B die Plattenindustrie) vor lange Zeit einmal monopolisiert haben. Was ihnen aber nicht per se gehört, mit keinem Recht und keiner wie auch immer gearteten Legitimation der Welt, und wenn Gorny noch zehnmal so tut, als hätte er einen metaphysischen Auftrag. Dass es überhaupt zwingend eine Plattenindustrie braucht, um Musik zu produzieren und distribuieren, ist eine Idee des 20. Jahrhunderts und wird schon bald genau so erledigt sein wie andere Intermediäre, die im Digitalen einfach nicht mehr zählen.

    Egal, schönes Fundstück.

  2. 02

    Danke für die Verlinkung!

    @Fred: Ich habe jetzt ungefähr 7 BRAVOs aus dieser Zeit (1977/78) gelesen. 2/3 der „Prominenten“ kannte ich nicht. Bands, die nach einem Hit wieder verschwanden, ein kurzes Aufflackern von TV-Sternchen und anderen Kurzberühmtheiten. Alles beim Alten. :)

  3. 03

    Mann ersetze LeerKassette mit mp3 und Platte mit CD, dann könnte man meinen der Artikel sei von 2009.
    Platten-Jockey hab ich gelacht.

  4. 04
    Balkonschlaefer

    Damals waren Bravo-Leser noch „Schlagerfans“. lulz

  5. 05
    Sigmund

    Mal ganz naiv gefragt: Ist denn das Konzept >>Album<< für alle Zeiten in Stein gemeißelt.
    Im FDP-Style gesprochen, ist das sowieso leistungsfeindlich: Ob ich 5.000 oder 50 Mio. Alben verkaufe (und entsprechend verdiene), der Arbeitsaufwand ist der gleiche.

    Vielleicht werden in Zukunft Künstler nicht mehr jahrelang an ihren Meisterwerken basteln, sie aufwendig promoten und hoffen, daß davon nicht weniger als vom Vorgänger verkauft werden, sondern sie verdienen ihr Geld auf ehrliche Weise: Sie bewegen ihren Hintern und gehen auf Tournee.

    Und wie mir meine Kumpels Mick und Paul erzählt haben, kann man davon auch leben.

  6. 06

    „Wolfgang Petry: Platten bieten die bessere Qualität“

    Qualität? Bei Wolfgang Petry?

    Aber die Diskussion in dem Artikel kommt mir bekannt vor.

  7. 07

    und auch damals war die Musikindustrie derart gut mit der Presse vernetzt, dass sie ihren Unsinn in den verschiedensten Medien unterbringen konnte. Wurde die Jugend via Bravo versucht zu erreichen, hat man die Älteren einfach beim SPIEGEL abgeholt:

    http://blogs.taz.de/popblog/2010/01/19/weltuntergang_war_schon_immer_oder_home_taping_is_killing_music/

  8. 08
    peter H aus B

    Sämtliche Musik, die nicht live ist, sollte als Promo-Material für die betreffenden Bands betrachtet werden. Geld wird mit Arbeit = Konzerten verdient!

  9. 09

    @peter H aus B: und komposition von musik ist ungleich arbeit oder wie?

  10. 10

    @peter H aus B: …und Studioaufnahmen sind keine Arbeit?

  11. 11
    Mister t

    @cosmo: Studioaufnahmen sind entartete Kunst. Nur live ist richtige Musik. Lasst uns alle CDs zu großen Haufen zusammentragen und auf den Straßen und Plätzen unserer Städte dem Feuer übergeben!

  12. 12

    singles waren meine heimliche liebe.
    die letzte hab ich mir 1989 gekauft.
    45er-singles waren das herz der popmusik.

    @“peter H.“ & „Mister t“:

    So einen Scheiß können nur Leute labern, die nicht die Bohne einer Ahnung davon haben, was es heißt, kreativ zu sein, aus sich selbst heraus zu schöpfen.
    Ob jemand live auf der Bühne arbeitet oder ob er das im Studio tut, ist allein seine Sache.

  13. 13
    Uwe

    Schallplatten werden vermutlich das einzige Medium sein, welches die nächsten einhundert, zweihundert oder fünfhundert Jahre überdauern wird. Es wird kein Betriebssystem mehr geben, welches mit den heutigen Festplatten noch etwas anfangen kann, kein Abspieler, in dem man eine (wenn nicht aufgelöste) CD stecken kann und kein Magnetband, welches noch magnetisierte Partikel enthält.
    Also, worüber diskutieren wir?

  14. 14
    Mister T

    @500beine: Ach, ich vergaß: deutsches Forum, deutsche Kommentatoren, also auch deutsches Humorverständnis…

  15. 15

    Lustige Koinzidenz, am gleichen Tag, als der Artikel die Runde machte, habe ich auch einen verfasst. Wobei es mir da vor allem auch um die ästhetischen Vorzüge der Schallplatte geht.
    http://www.vru-berlin.de/2010/04/gebt-mir-meine-platte-zuruck/

  16. 16
    peter H aus B

    @500beine:

    Lol – mach das mal dem Finanzamt klar, das meine Arbeit keine kreative, künstlerische ist. Ich bin ständig am live auftreten..

    Klar, Studio ist Arbeit, so wie Flyer drucken eben auch..

  17. 17

    @Mister t: Danke. (auch an @500beine, obwohl er „Mister t“ missverstanden hat. :))

  18. 18
    peter H aus B

    @muddy: Ein Komponist kann sein Stück verkaufen, an die Band/Sänger, die es aufführen wollen. Kann man super mit Geld verdienen. Und die Bands/Sänger, die selber komponieren, haben Geld gespart! Ein Grafiker wird auch nicht pro Flyer, sondern einmal für das Layout bezahlt!

    Würde Studioarbeit nicht bezahlt, würden uns dämliche Alben, wie die letzten von Oasis, dann vielleicht erspart bleiben.. Man geht ins Studio, um etwas aufzunehmen, das im Übungsraum entstanden ist, nicht um sich da auszuprobieren und „selbst zu verwirklichen“..

    Mister T (11): da fällt mir Edwins Law ein, gelle,,

  19. 19
    peter H aus B

    @muddy: Ein Komponist kann sein Stück verkaufen, an die Band/Sänger, die es aufführen wollen. Kann man super mit Geld verdienen. Und die Bands/Sänger, die selber komponieren, haben Geld gespart! Ein Grafiker wird auch nicht pro Flyer, sondern einmal für das Layout bezahlt!

    Würde Studioarbeit nicht bezahlt, würden uns dämliche Alben, wie die letzten von Oasis, dann vielleicht erspart bleiben.. Man geht ins Studio, um etwas aufzunehmen, das im Übungsraum entstanden ist, nicht um sich da auszuprobieren und „selbst zu verwirklichen“..

    Mister T (11): da fällt mir Godwins Law ein, gelle,,

  20. 20
    peter H aus B

    EDIT: Godwin nicht Edwin natürlich.. :D

  21. 21
    peter H aus B

    Redaktion, bitte aufräumen.. :(

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