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„Does it all come down to me?“ – Steve Mason

Ex-Beta Band Sänger Steve Mason gibt sich auf ‚Boys Outside‘ große Mühe einen babylonischen Haufen Kitsch aufzutürmen: Hallige Gitarren, gestreckte Keyboard-Harmonien, ein mittiges Schlagzeug mit billigen Breakbeats, gesäuselter Gesang, dazu versetzte Männerchöre – genau so klangen im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen jahrzehntelang inzestuöse Musikabende, die in ihrer ironiefreien Triefigkeit die Hoffnungen auf ein Ende des Mainstreams anheizten. Woche für Woche übertrieben inszenierte Popevents, so schlecht, dass Moderator Dieter Thomas Heck sie nicht wieder schnell genug beenden konnte.

Doch genau dort wo der deutsche Schlager seit Jahrzehnten versagt, ist der Schotte Steve Mason erfolgreich, schafft er ein baladiges Soloalbum, das in sich zusammenhält, weil er den einzelnen, schlageresken Teilen einen elektronischen Plastiksound überstülpt, der gemeinsam mit seinem ambivalentem Gesang sehr an die Beta Band erinnert. Dieser Rückbezug ist stark genug, das abgeschmackte Gebilde – vielleicht nicht zu brechen – aber zumindest doch größer als die bloße Summe, zu etwas Ganzem zu verbinden, das nichts mit dem eitrigen Eitelkeitenamalgam aus deutschen Tonstudios gemeinsam hat.

‚Boys Outside‘ ist mehr Beta Band als erwartet. Ein angenehmes Understatement, das, wie mit ‚The Letter‘ einige Schritte auf verbrannten Boden wagt, ohne selber zu zündeln. Ein Album das wesentlich größer als seine einzelnen Teile und auch größer als die simple Genrebezeichnung Elektrofolk (auch: Folktronica) ist. Eines mit dem Mason ein wenig mehr an seinem Ruf des unterschätzten Genies arbeitet. Etwas, das ihm seit Nick Hornbys High Fidelity Verfilmung („I will now sell five copies of ‚The Three EPs‘ by The Beta Band!“) anhängt.

Nicht ganz unschuldig daran, dass der Sound auf ‚Boys Outside‘ eine elektronisches Beta-Band-Finishing bekam, ist wohl auch Co-Produzent Richard Philips, Bühnenname Richard X. Produzent von Saint Etienne, Annie, Goldfrapp, Roisin Murphy, den Pet Shop Boys, M.I.A. und und und. Philips überzog Masons Kitsch-Gebilde mit einer wohligwarmen Decke elektronischer Blips und Blops, die – so weit sind wir 2010 – das Ganze gleichzeitig angenehm erden und zu einer runden Sache machen.

‚Boys Outside‘ erschien bereits letzte Woche auf Domino. Nachfolgend kann man in den Albumstream hören, Anspieltipps: ‚The Letter‘, ‚Lost and Found‘ und ‚All Come Down‘.

Und mit Klick auf den Pfeil in der rechten Leiste kann man ‚All come down‘ auf die eigene Platte laden.

1 Kommentar

  1. 01

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    Nö, krieg ich notfalls auch selbst in den Griff.
    Die Wege sind bekannt.

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