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flattr nach den ersten 14 Tagen (Neu: Jetzt mit Umfrage!)

flattr

Vor gut zwei Wochen haben wir den flattr-Button bei Spreeblick eingebaut (Infos hier, Anleitung fürs eigene WordPress-Blog dort), zum Monatswechsel nun gab es die erste Abrechnung: 110,94 Euro sind uns in den ersten 14 Tagen zugeflattrt, wofür wir uns herzlich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben!

Was aber bedeutet nun diese Zahl?

Zunächst: Nicht viel. Obwohl mich die Summe positiv überrascht, da ich mit viel weniger gerechnet hatte, ist es weiterhin zu früh für halbwegs gültige Urteile über flattr, denn das Micropayment-System steckt noch immer in den Kinderschuhen und zu viele Faktoren können die weitere Entwicklung noch beeinflussen.

Da ist zunächst die flattr-Site und die gesamte Struktur des Dienstes, die noch viel Arbeit benötigen. Denn abgesehen davon, dass die Nutzerzahlen von flattr immer noch sehr klein sind (weshalb die Summe umso mehr überrascht), fehlt es sowohl an klaren Informationen als auch an besserer Implementierung des Prozesses. Für Leser beispielsweise, die nicht jedes Blog- oder Online-Thema verfolgen, ist der flattr-Button nur ein weiteres verwirrendes Voting- oder Like-Dingens und die Weiterleitung zur flattr-Site nach Klick auf den Button bringt kaum Licht ins Dunkel. Denn je nachdem, ob man auf den grünen oder weißen Teil des Buttons geklickt hat, erhält man als potentieller Neu-Nutzer eine Warnmeldung, dass man eingeloggt sein muss („WTF? Schnell weg hier! Abbrechen!“) oder landet auf einer wenig informativen flattr-Seite mit dem Artikel, den man gerade noch auf einem Blog gelesen hat. Das ist alles andere als selbsterklärend oder intuitiv. Der flattr-Button muss für registrierte und eingeloggte Nutzer sofort und ohne Umwege (aber mit kurzem Feedback) funktionieren, neuen Nutzern sollte das System bei Rollover mit wenigen Worten schmackhaft gemacht werden, ein erläuternder Satz direkt im Button wäre eine weitere Alternative.

Doch auch für den flattr-Blogger stellt sich das flattr-„Backend“ noch recht karg dar. So ist es nicht möglich, eine Übersicht aller im eigenen Blog „geflattrten“ Artikel zu sehen (das mit der flattr-Sprache ist nochmal ein eigenes Thema …), nur die zehn zuletzt bzw. am häufigsten geklickten Artikel werden angezeigt, und auch die Abrechnung zum Monatsende ist frei von Details. Ich möchte bspw. gerne wissen, wie sich die Gesamtsumme zusammensetzt, möchte einen Durchschnittswert pro Klick ermitteln können. Bevor flattr nicht aus der Beta raus ist, mag ich das alles nicht groß bewerten, doch als Feedback geht es schonmal nach Schweden raus.

Spannend wird in den kommenden Monaten neben den reinen Einnahmen möglicherweise auch eine Auswertung aller genutzten Voting-Funktionen eines Blogs. Das Verhältnis von Like- und flattr-Buttons zu Trackbacks und Twitter-Mentions kann einem Blog-Autor einiges über seine Leserinnen und Leser verraten, das ihm bisher verborgen blieb und im besten Fall die Qualität eines Blogs steigern: Es ist wahrscheinlich und wünschenswert, dass Leserinnen und Leser gut recherchierte und geschriebene Artikel eher flattrn werden als das coole YouTube-Fundstück (das dann eher mit einem „Like“ oder einem Tweet honoriert wird), und das kann ja durchaus ein Ansporn sein.

Dies alles kann natürlich weiterhin nur funktionieren, wenn überhaupt genügend Leserinnen und Leser von Online-Publikationen mitmachen und das aktuelle Interesse nicht nachlässt. Zur Zeit macht es allen Spaß, ihre Lieblingsblogs zu flattrn, die eigenen Zahlen zu vergleichen und in Beiträgen wie diesem hier wild herum zu überlegen. Und nächste Woche? Nächsten Monat? Nächstes Jahr? Die Antwort kennt mal wieder nur Beckenbauer: Schaunmermal.

Doch genug gemosert, ich bleibe dabei: flattr ist eine generell gute Idee, die noch einige Zeit brauchen wird. Und allein dafür, es einfach mal auszuprobieren, es zu machen, gebührt den flattr-Schweden Respekt und im Übrigen auch ein fairer Anteil an den Umsätzen, der über eine kleine Anerkennung hinaus gehen und bei Erfolg des Projekts den Machern auch eine wirtschaftliche Perspektive u.a. für weitere Projekte bieten sollte: Wer ernsthaft 10% für das flattr-Team für zu viel hält, wie an einigen Stellen zu lesen war, der wohnt vermutlich noch im Hotel Mama.

UPDATE Beiträge von ersten flattr-Ergebnissen bei der taz und beim law blog. Ix/ wirres hat rund 20 Euro bekommen, bei Tim dürfte es in etwa das Zehnfache davon sein.

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76 Kommentare

  1. 01

    Naja, neu ist die Idee nicht und ist bisher nie aufgegangen. Contenture.com ist pleite und tipjoy.com wurde von Facebook übernommen.

  2. 02

    Ich persönlich bin kein Fan von Flattr auch wenn ich erstaunt bin wie schnell jemand auf den Button drückt, während ein kleiner Spendenaufruf im Footer oder so kaum wahrgenommen wird. Leider lecken die Seiten auf denen ich bisher mit Flattr rumexperimentiert habe extrem, daher hab ich mich letzlich doch entgegen entschieden. Ich bin überzeugt, das am Ende eher Flattr selber mit dem größten Gewinn heraus geht und warte auf Alternativen. Die Zeit wird es zeigen.

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