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Elfenbeinküste – Portugal 0:0

Elfenbeinküste - Portugal

Ja, verdammt. Chipspackungsspiel. Von außen siehts nach rauen Mengen Leckereien aus, drinnen ist die Hälfte nur heiße Luft. Die andere Hälfte ist auch ziemlich versalzen.

Übrigens: Was ist das Gegenteil von Losglück? Elfenbeinküste. Oder sagen wir es anders: die Elfenbeinküste ist nun schon zum zweiten Mal Opfer des (fragwürdigen) Auslosungsverfahrens der FIFA. Letztes Mal haben sie sich achtbar geschlagen, aber herrje. Vorrundenaus. Davon kann man sich auch keinen Lolli kaufen.

Dieses Mal wirds interessant. Ich traue den Nordkoreanern glatt ein Unentschieden gegen Portugal zu, es könnte für die Elfenbeinküste also reichen. Das aber ist reine Spekulation.

Und so sieht das aus, wenn zwei Mannschaften aufeinandertreffen, deren Einzelspieler taktisches Verständnis mitbringen, aber keine Zeit hatten, die Feinheiten abzustimmen: früh draufgehen, auf Sicherheit spielen, lauter Nickligkeiten im Mittelfeld, viele kleine Scharmützel, eine Art Guerillakrieg. Wers weniger martialisch mag: Hätten die beiden Mäxle gespielt, hätten sie je nach dem dritten „Weiter!“ aufgedeckt.

Man hoffte auf den Geniestreich, und dafür hat Portugal einen verlässlichen Mann auf dem Platz: Christiano Ronaldo, eine Mischung aus Leonardo da Vinci und Enrique Iglesias. Aber sein Schuß aus dreißig Metern, aus der Drehung traf nur den Pfosten. Aus der Drehung! Aus dreißig Metern!

Das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Elfenbeinküste die bessere Mannschaft war. Aggressiver in den Defensiv-Zweikämpfen, solider im Spielaufbau, disziplinierter in der Rückwärtsbewegung: nur Chancen bekamen sie nicht herausgespielt. Die Portugiesen wirkten etwas fußlahm: vielleicht war ihnen – wie den Argentiniern zuvor – der Schatten des Weltstars in ihren Reihen zu ungemütlich. Vielleicht sind Déco, Liedson und Bruno Alves keine Nachtschattengewächse. Bohnengwächse waren sie allerdings auch nicht, denn sie wuchsen nicht über sich hinaus, schon gar nicht in den Himmel.

Das vorne nicht gut lief, lief Drogba sich warm, was zu Jubelstürmen in diversen Kommentatoren-Kabinen führte: ich muss alle starfixierten Fans, die offensichtlich ticken wie Bravo-Musikredakteure, enttäuschen. Drogba war im letzten Jahr seiner Nationalmannschaft keine große Hilfe. Zwar sorgte er für einen kleinen Motivationsschub, der aber hielt nicht lange an: bei Mariocard würde man das einen Boost nennen. So gewinnt man keine Rennen.

Das Spiel jedenfalls litt an Narkolepsie. Wenn es einmal spannend zu werden drohte, pennte irgendwer. Christiano Ronaldo fiel sogar häufiger mal hin, keiner wußte, warum. Nur der Schiedsrichter, der pfiff dann. Keiner wußte, warum.

Und so sieht das aus, wenn zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die hervorragende Einzelspieler ihr eigen nennen, und deswegen unfassbar nervös sind: im Versuch, nichts falsch zu machen, machen sie zu wenig richtig.

Der Schiedsrichter pfiff ab, alle wussten, warum.

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15 Kommentare

  1. 01

    Elfenbeinküste hat in jedem Fall in eine sehr gute Abwehr. Da haben sie sehr viel richtig gemacht. Ich wünsche ihnen das Weiterkommen. Sie sind auf jeden fall die beste Afrikanische Mannschaft. Hätten sie einen gesunden Drogba und vielleicht noch was kreatives im Mittelfeld, vielleicht könnten sie sowas wie ein Geheim-Favorit sein…

  2. 02
    Frédéric Valin

    @Thomas: Seh ich ein bisschen anders: Sie sind das afrikanische Pendant zu Frankreich. Exzellente Einzelspieler, aber keine Mannschaft. Und: Unglaublich schwacher Trainer, schon allein deswegen, weil er erst zwei Monate da ist. Das ZDF hatte schon recht, als sie, statt Eriksson ist Bild zu nehmen, Drogba zeigten, wie er in der ersten Hälfte auf der Auswechselbank sitzend einen engeren Korridor im Mittelfeld forderte. Die haben das zwar nicht so gemeint („Co-Trainer“, wurde kommentiert, leicht ironisch), lagen aber in der Essenz nicht daneben.

  3. 03

    hoffentlich geht das nicht so weiter. Pornogoal vs. Elfenbeinkäse hat mich schon sehr enttäuscht – hatte mir soviel erfhofft.

  4. 04
    Eike

    Ich fand die Leistung der Elfenbeinküste insgesamt sehr stark. Bis auf den 30 Meter Pfostenknaller haben die so gut wie nichts zugelassen. Und sogar Demel hat überragend gespielt. Mit dem genesenen Drogba sind durchaus noch zwei Siege drin. Also nix mit Vorrundenaus. Alles Gute den Elefanten. Tröööööööööööt. ;)

  5. 05

    Also frankreich und Elfenbeinküste zu vergleichen, ist ja schon fast beleidigend…! Also ich habe bei dem Spiel nicht gesehen, dass die indiviualisten das Spiel versaut haben. Sie haben kompakt gestanden und waren im Angeriff zu überhastet. Aber zu sagen sie wären kein Team, stimmt nicht. Bei Frankreich kann man das alles aber sehr wohl sagen…

  6. 06
    Anmerkungsmann

    jetzt mal ernsthaft… wann sehen wir bei dieser wm endlich mal fußball? es ist ja nicht so, dass ich keine wertschätzung für gute defensiven habe, aber bisher waren der großteil der auftritte von fast allen manschaften nicht mal das, sondern beidseitiges unvermögen sich torchancen herauszuspielen. irgendwie erinnert mich das ganz schwer an die wm 2002, bloß mit dem unterschied, dass sich diesmal nicht mal die underdogs herauskristallisieren können.

    von brasilien kann man unter der ägide dunga leider auch nicht mehr erwarten, die letzte hoffnung ist jetzt tatsächlich spanien.
    vielleicht haben sich auch alle geeinigt den ersten spieltag in ihren jeweiligen gruppen ausfallen zu lassen. ich weiß es nicht. bisher macht diese wm keinen spaß und fast kann man sogar die amis verstehen, die diesem sport nichts abgewinnen können. naja. fast. deutschland hat ja ganz gut gespielt. und holland und argentinien kommen sicher auch noch in laune.

  7. 07
    thinktank

    i ? u

  8. 08
    Frédéric Valin

    @Thomas: Warten wirs mal ab. Das erste Speil ist kein guter Gradmesser für Stimmungslagen. Vielleicht kriegt Eriksson ja die Spielerhierarchie unter wie anderswo seine Sekretärin. Es würde mich wundern.

    wenn kein Spielfluss aufkommt, und beide Mannschaften trotzdem einigermaßen offen stehen, liegt das häufig an der stärker besetzten Mannschaft. Die stärker besetzte Mannschaft war die Elfenbeinküste. Es gibt ein paar Szenen, wo man gesehen hat, dass sie sich entweder nicht aufeinander eingestellt haben, oder sich nicht aufeinander einstellen wollten. Koné nimmt einen Ball mit aus dem Mittelfeld in den Sturm, obwohl er – soweiso schon von Krämpfen geplagt – hinten drin stehen bleiben sollte. Dabei übergeht er glatt Eboué, der viel besser zum Spiel stand. Sowas.

    Es sind Kleinigkeiten, die in der Abwehr nicht einschlugen, okay. Aber richtig überzeugt haben die genau wegen dieser Kleinigkeiten nicht.

  9. 09
    Alex

    wieder mal ne sehr geile beschreibung. da ist es echt nicht so tragisch, dass ich das nachmittagsspiel nie sehen kann.

    hoffe für dich, dass es tippmäßig für dich diese mal gut so war ;)

  10. 10

    Sehr treffende Analyse. Bis dato scheiterte (fast) jeder Versuch bei dieser WM ein ansehnliches Spiel abzuliefern an den taktischen Zwängen. Da haben viele Nationen aufgeholt, was die Sache nicht schöner macht und für uns Zuschauer bleibt wohl zum großen Teil die Erkenntnis: „Für Fussballexperten ein Leckerbissen, für alle anderen langweiliges Gekicke.“

  11. 11
    Daniel

    Bin ich eigentlich der einzige der genervt ist von den ganzen WM Berichten hier auf Spreeblick?
    Naja – jedem das seine, ich muss sie ja nicht lesen …

  12. 12
    freu

    bin sehr enttäucscht über dieses spiel.hatte da echt ne art…offenen sschlagabtausch erwartet…

    naja..da ja bisher alle spiele(ausser das von deutschland) scheisse waren,kann man hoffen…. vielleicht müssen sich die teams erstmal an die athmosphäre und co gewöhnen(vielleicht da jogi löw alles richtig gemacht^^),oder das deutsche team hatte einfach nur nen guten und die australier nen schlechten tag^^ man weiss es nicht;)
    auf jeden fall bin ich schon auf den zweiten spieltag der gruppen gespannt.
    wenn die da alle immer noch so n langeweile-fussball spielen und die dfb-elf weiter hurra-fussball,hat der dfb echt gute chancen sich den 4. stern zu verdienen.

  13. 13

    @Thomas: Ich habe nur kleine Teile des Spiels gesehen (nebenbei auf dem Laptop im Seminar, hihi), aber was ich gesehen habe war nicht „die beste afrikanische Mannschaft. Bisher hat mich Südafrika (!) noch am meisten überzeugt, die gegen Mexiko ein nicht zu unterschätzendes Tempo mitgegangen sind und auch spielerisch viel auf die Reihe bekommen haben.

    @Daniel: Ich kann verstehen, dass man davon genervt sein kann. Aber wenn man nicht alle Spiele sehen kann, die einen interessieren, ist es schön, hier die Berichte zu haben. Die geben einerseits halbwegs die Essenz des Spiels wieder (wer war gut, wer schlecht?) und sind dabei noch recht unterhaltsam. Fred macht das sehr gut, wie ich finde. Ich lese die Dinger lieber als „normale“ Berichte in den Zeitungen.

    @Anmerkungsmann: Da hast du völlig Recht! Es gab bisher wenige Spiele bei dieser WM, die wirklich gefesselt haben. Bisher waren es für mich das Eröffnungsspiel, England vs. USA, Argentinien vs. Nigeria (teilweise) und das Deutschlandspiel. Ansonsten viel müdes Gekicke, sehr behäbiges Spiel (oh Gott, Italien!) und Abwehrschlachten.
    Dazu muss ich aber sagen, dass ich eben das Brasilienspiel nicht schauen konnte. Aber was ich so lese, verheißt auch nicht unbedingt Gutes…

  14. 14
    tr33

    Die Mariocard, Nintendos Antwort auf Visa

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