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E3 in LA: Alles ein bisschen größer

Ich sitze gerade in meinem Hotelzimmer in Downtown Los Angeles. Es ist ein schöner, na gut, es ist ein okayer Raum auf der gerade erst renovierten achten Etage. Und er ist groß. Eigentlich zu groß für das, was an Möbeln drin steht. Natürlich stört mich das nicht, ganz im Gegenteil, Platz ist ja was tolles, aber es fällt doch auf. Und es ist, wie ich finde, ein ganz gutes Symbolbild für die Electronic Entertainment Expo aka E3, der nach eigener Aussage größten Videospielefachmesse der Welt.

Alles ein bisschen größer.

Dabei ist es gar nicht so sehr die Messe selbst, denn die ist im Vergleich zum ganzen Drumherum ziemlich normal. Was ein wenig verwundert, wenn man bedenkt, dass nur Vertreter der Industrie und der Medien Zugang haben. Aber warum nicht, die wollen ja schließlich auch von jeder Menge Licht, riesigen Reklamen, Mags, Flyern, Bags, Shirts und anderem Krimskrams, Booth Babes, Contests, Produktankündigungen und was weiß ich noch alles mehr unterhalten werden. Rein von der Atmosphäre her habe ich mich wie auf dem Rummel gefühlt. Übrigens auch ähnlich verwirrend in der Wegfindung.

Das ist aber nur der eine Teil, der, so habe ich mir sagen lassen, im Vergleich zu früheren Jahren eher kleiner geworden ist und rein von den Zahlen her bereits von der Gamescom abgelöst wurde. Es ist eher das genannte Drumherum, dass ich in dieser Form nicht erwartet hatte.

Microsoft arbeitet für die Weltpremiere von Kinect (bisher besser bekannt als „Project Natal“) mit Cirque Du Soleil zusammen, die in kürzester Zeit eine komplette, beeindruckende, wenn auch leicht cheesy-ge Performance auf die Beine stellen, um die Zukunft des Videogame-Controllers vor mehreren tausend geladenen Gästen vorzustellen. Einen Abend später wird ein komplettes Loft mitten in der City gemietet, damit ausgewählte Journalisten in einem entsprechenden Ambiente Kinect noch vor den Messebesuchern ausprobieren können.

Microsoft Pressekonferenz
Microsoft Pressekonferenz

Activision mietet für einen Abend das Staples Center (dort spielen sonst die LA Lakers), lässt Superstars wie Eminem, Rihanna oder Usher vor etwa 5000 Gästen auftreten, nur um ihre neuen Games zu bewerben. Der Trailer zu Call Of Duty: Black Ops läuft auf einer Leinwand, die größer ist als meine gesamte Wohnung, mit einer begleitenden Feuershow, die der von AC/DC ebenbürtig ist. Hierzulande wäre höchstens der Herzschrittmacher von Beckstein vor Schreck verpufft!
Hier gibt es ein flickr-Set von Nerdcore – von der Party, nicht von Becksteins Herzschrittmacher.

THQ mietet einen Parkplatz gegenüber vom LA Convention Center und erklärt ihn als Werbung für ein neues Spiel zur nordkoreanischen Zone, komplett mit Fähnchen, Soldaten, Schildern. Ein Passant meint, diese Koreaner hätten es mittlerweile ja echt weit gebracht. War mir ein bisschen zuviel des Guten, aber schocken funktioniert ja bekanntlich immer.

Seit ich am Samstag hier aufgeschlagen bin, sind riesige Plakate – und mit riesig meine ich riesig – für Spieleankündigungen in ganz Downtown aufgehängt, alle großen Publisher mieten sich in riesige Hallen ein, um ihre Pressekonferenzen abzuhalten und so weiter und so fort. Die Leute rennen schon Tage zuvor mit ihren E3-Badges um den Hals herum. Jeder, also wirklich jeder hier weiß, was es mit der Messe auf sich hat. Und dieses Jahr soll es sogar noch harmlos gewesen sein.

Ich glaube, mir ist hier zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, dass Gaming ein Big Business ist. Oder eher wie BIG dieses Business ist. Es werden riesige Summen investiert, um Neuigkeiten vorzustellen und die Anwesenden perfekt zu unterhalten. Gemessen daran wirkt die Messe selbst fast schon ein kleines bisschen ernüchternd.

Es ist aber auch dieses Gefühl, das Videogames etwas Cooles sind, dass wir eben nicht nur Nerds oder Kellerkinder sind (vor allem nicht bei dem, was auf der Messe so rumläuft…), die vor dem Computer versauern, wie meine Mama es immer so schön sagte, dass wir keine potentiellen Amokläufer sind, die vor sich selbst geschützt werden müssen, wie es in Deutschland immer wieder mal angenommen wird, nein, dass wir einfach nur unterhalten werden wollen, und dass diese Unterhaltung hier nahezu perfekt gelungen ist, so dass ich seit langem wieder, ohne jeden Zweifel, von mir sagen kann:

Ich bin ein Gamer.

Disclosure: Spreeblick wurde von Microsoft zur E3 eingeladen. Ich war vorher noch nie auf einer Spielemesse. Ob Beckstein einen Herzschrittmacher hat, weiß ich nicht.

11 Kommentare

  1. 01
    Timo

    Also oft hab ich ja noch nicht auf Spreeblick was über Games gelesen.

  2. 02
    r0ssi

    hört sich doch nett an. die überschrift könnte aber auch schlicht „usa – alles ein bißchen größer“ heißen. ;)

  3. 03
    micha

    Naja, in Sachen größe war diese E3 ganz okay. Vor einigen Jahren war das alles einige Male noch etwas übertriebener, noch abgefahrener und „kranker“. Da hatte Microsoft für ein paar Milliönchen ein ganzes Hotel gemietet und jede Etage zu einem bestimmten Thema gemacht. Activision, war’s damals denk ich, hat Journalisten mit Humvees vom Flughafen und Hotels in einer Kolonne zur Messe gefahren. Dazu: einen Blackhawk der US-Armee, der die Präsentatoren eingeflogen hat. … und, und, und.

    So war/ist diese E3 zwar richtig fetzig, gut aufgestellt, oppulent inszeniert … aber insgesamt eine der ruhigeren.

  4. 04
    Malte Diedrich

    Disclosure, nicht Disclaimer.

  5. 05
  6. 06

    Haha, lol. Ich wusste gar nicht, dass die E3 eine Spielemesse ist. Ich war nur an dem Minikonzert von Eminem et al interessiert. Sogar Maynard James Keenan (Tool, A Perfect Circle) hatte einen kleinen Auftritt!

    Gamescon kenne ich. Ich denke das wird dieses Jahr dann wohl die erste Spielemesse für mich. Wird aber wahrscheinlich nicht so pompös… XD

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