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Brasilien – Elfenbeinküste 3:1


Dunga und Eriksson klingen immer mehr wie Politiker. „Wir müssen nach vorne schauen und gestalten“, sagen sie, und plötzlich ist Bulgarien pleite. Oder das Offensivspiel eine Bankrotterklärung. Kaka hat momentan wenig Luft noch Lust, Drogba lieferte sich bisweilen eine Freistileinlage gegen Lucio. Morgen dann beide mit Blumenkohlohren. Nur Robinho durfte hin und wieder einen Ball durch die Gegend eiern, um etwas wie eine Offensive zu simulieren.

Bis zur 25. Minute, der ersten echten Chance. Da hatte Kaka genug Kraft im Fuß, einen Minimalpaß durch die Viererkette zu stecken, und Luis Fabiano war durch. Der legte die Kraft dreier Teufelsaustreibungen in den rechten Fuß, Barry schrumpfte vor Schreck um drei Zentimeter, halb Brasilien dankte dem Herrgott, denn siehe, es stand einszunull.

Vor lauter Schreck trauten sich die Ivorer überhaupt nicht mehr in Ballnähe, während Brasilien sich quer und quer den Ball hin und herlegte. Vornedrin war das vom Bewegungsradius vergleichbar mit einer auf den Bus wartenden Oma. In Dungas Unterbewußtsein lebt ein kleiner José Mourinho, auch wenn man das an der Kleidung kein bißchen sieht. Es passierte drei Mal gar nichts, und Drogba sah noch ein bisschen mehr danach aus, als würde er auf der Stelle einschlafen. In Berlin weiß man seit drei Jahren, das Minimal scheiße ist. Warum zur Hölle hat sich das noch nicht bis nach Brasilien rumgesprochen?

Und was war eigentlich mit der Elfenbeinküste? Seit wann meiden die denn Doppelpass und Torabschluß, als wärs der Ehemann der Sekretärin im Trainerbüro? Ach so, Sven-Göran Eriksson. Der will ja nie was anbrennen lassen, weder privat noch auf dem Feld. Safer sex und play it safe. Da machste was mit.

Und dann wechselte Luis Fabiano plötzlich die Sportart, klemmte sich den Ball an den Arm und überrannte drei Ivorer, deren Unbeweglichkeit den Spitznamen „Elefanten“ glaubhaft macht. Er drosch den Ball nochmal ins Kurze, und ganz Brasilien betete: Thank god no one has seen that, vor allem nicht der Mann in Schwarz.

Es war dann eh bedeutungslos. Kaka simulierte ein Solo auf links, der Ball kam in die Mitte, da machte die Defensive einen auf Behörden: für Elano fühlte sich keiner zuständig, diesmal das lange Eck, drittes Tor Brasilien. Keine Ahnung, wo die drei Tore hergezaubert bekommen in so einem Spiel. Jedenfalls wars das einzige, was heute Abend gezaubert wurde.

Bisweilen schoß die Elfenbeinküste aus 40 Metern aufs Tor.
Bisweilen lief Lucio einen langen Pass ab.
Bisweilen zeigte man Drogbas Gesicht in Großaufnahme.
Bisweilen versuchten die Ivorer, ein brasilianisches Bein zu brechen.

Und dann durfte die Elfenbeinküste noch ein Gnadentor schießen. Weil sie sich ja auch bemüht hatte. Wäre Drogba einen Kilometer mehr gelaufen und hätte ein paar Mililiter mehr geschwitzt, der Ball wäre ihm glatt über die Stirn geflutscht.

Den Rest der Zeit wälzten die Brasilianer sich im Staub. Außer Kaka, der hatte noch Potential und blockte Keita klassisch mit der Schulter. Klassisch nur im Rugby, deswegen Gelb-Rot. Rudelbildung, viel Getöse, man dachte schon an Niederlande gegen Portugal: und dann doch nicht.

Moral: Brasilien kann man theoretisch an die Wand spielen. Trauen sollte man sich nur.

15 Kommentare

  1. 01

    Ich habe wohl ein anderes Spiel gesehen.

  2. 02
    Franzosensicht

    Die französischen Moderatoren anscheinend auch. Oder kommen hier andere Bilder an? Sie haben sich mehrere Minuten lautstark aufgeregt – allerdings nicht über Kaka. Eine übelste Schwalbe sei das gewesen. Ich selbst weiß nicht so recht – wie überhaupt so oft bei dieser WM. Aber das wird dann ja spätestens im Achtelfinale sicher alles klar.

    Btw.: warum müssen es zwei Moderatoren sein und dann noch solche mit einem so tiefen Missverständnis von Humor – von Fußball mal ganz zu schweigen?

  3. 03

    Schöner wär’s natürlich noch gewesen, Fabiano als brasilianisch-trinitarischer Christ (oder?) hätte vor seinem Tor den Ball dreimal mit der Hand gestreichelt.

  4. 04
    xconroy

    @Zitatezitator:

    dabei fällt mir ein: gibt es eigentlich bekennende Atheisten unter den Kickern? Ich seh und hör die sich immer nur bekreuzigen und von ihrem jeweiligen Gott reden…

    (ganz interessanter Artikel übrigens:
    http://www.heise.de/tp/blogs/6/147857
    wenn auch mit eher steilen Schlußfolgerungen)

    ja nun, hoffentlich wird der beste deutsche Spieler dieser WM (Ralph Blumer) wieder fit, das sah ja übelst aus…

  5. 05
    Chr

    Ich fand die gelb-rote Karte absurd! Keita ist in Kaka rein gelaufen, der ihn mit Arm und Ellbogen weg schubst. Darüber hätte man ein bis zwei böse Worte verliefen können. Spätestens aber als sich Keita theatralisch und völlig übertrieben am Boden wälzt, sich im Gesicht hält, ohne dort überhaupt getroffen worden zu sein, wird die Sache ärgerlich! Dafür musste Kaka sicherlich nicht vom Platz gestellt werden!

  6. 06
    xconroy

    Er hat ihm den Ellbogen voll auf den Solarplexus gehauen, sowas tut schon weh. Klar, in der aufgeheizten Stimmung dort war von beiden Seiten nicht mehr viel Fairness zu erwarten… war für den Schiri nicht einfach. Alberto Unidano hätte da vermutlich schon mehrere Todesurteile ausgesprochen.

    Ich hab übrigens nen orangenen Buntstift übrig. Falls die Ivorer doch noch weiterkommen sollten.

  7. 07
    Andrej

    „Orange“
    :)

  8. 08
    Frédéric Valin

    @Franzosensicht: Die Gelb-Rote ist völlig okay, für meine Begriffe war das eine Tätlichkeit, weil Revanchefoul. Eigentlich Rot, mindestens zwei Spiele. Das hat er ja schon zweimal davor versucht, aber nicht hingekriegt. Dann durfte er mal brettern.

    @Zitatezitator: In der Tat!

  9. 09
    kkaddi

    Das Spiel zwischen Brasilien gegen Elfenbeinküste fand ich etwas langweilig. Wenn Brasilien erst einmal führen tut, sind sie nicht mehr , zu schlagen. Die Elfenbeinküste haben gut mit gespielt.

    Elfenbeinküste hat mir, sehr gut gefallen wie Sie, als Mannschaft zusammen gehalten hat. Die Gelb- Rote Karte war nicht nur völlig richtig , sondern es war sogar eine glatte Rote Karte gewesenen.

  10. 10

    Aber rennen konnten die Jungs von der Elfenbeinküste, alle Achtung! Irgendwann überholen die noch den Ball.

  11. 11
    felix

    Die Spanier wären, hätten sie ein Spiel wie die Brasilianer gestern gezeigt, in den Himmel gelobt worden.

  12. 12
    Frédéric Valin

    @felix: Von wem?

  13. 13
    Trystyng

    Das Schönste an der WM sind bis jetzt die Beiträge und die dazu gehörigen Kommentare hier auf Spreeblick.

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