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Italien – Neuseeland 1:1

Italien kann immer noch niemand leiden. Italienischen Fußball finden alle doof. Außer ein paar italienischen Fans, die unter jedem Artikel, in dem steht, italienischer Fußball sei doof, schreiben, man kenne die Mutter des Verfassers und habe schon einiges Unanständiges mit ihr angestellt. Masochisten schreiben gerne kritisches über italienischen Fußball, die Piratenpartei und Shakira, denn das garantiert Lustgewinn durch erniedrigende Kommentare auf Jahrzehnte.

So doof alle den italienischen Fußball finden, für doof halten sie ihn meistens nicht. Denn in der Sache ist der italienische Fußball seit Jahrzehnten einer der besten der Welt: abgeklärt und minimalistisch, ballgewandt und einfallsreich, sehr kampfstark. Aber auch: arrogant bisweilen, und wahllos in den Mitteln zum Erfolg. So hat man ihn in Erinnerung behalten, und deswegen kann ihn keiner leiden, den italienischen Fußball.

Wie sehr habe ich den Neuseeländern den Sieg gegönnt! Und wie wenig habe ich daran geglaubt, es gäbe eine echte Möglichkeit auf diesen Sieg. Noch nicht einmal nach diesem Tor von Smeltz, das natürlich Abseits war, worüber wir aber nicht sprechen wollen. Und wie sehr habe ich mich über den Ball gefreut, als Montolivo aus dem Stand aus 25 Metern das Ding an den Innenpfosten hämmerte, weil der Jabulani herumflatterte wie ein Schmetterling auf Speed. Und wie sehr hab ich mich über de Rossi geärgert, der sich – kaum von Smith am Rücken gekrault – sofort niederlegte wie ein ralliges Kätzchen. Natürlich ein Elfmeter, den man geben kann – aber doch nicht für Italien! Und dann versetzt Iaquinta den Torhüter, Ausgleich. Ich zählte die Minuten bis zu italienischen Führung.

Fußball ist unfair. Da rammt Fallon jedem Italiener, der sich in seinem Radius aufhält, mit dem Ellenbogen die Nase in den Schädel, und ich finde die Gelbe Karte gegen ihn übertrieben. Da zaubert Montolivo im Mittelfeld Pässchen auf Pässchen, und ich halte es mit der Mannschaft, die aussieht wie ein Betriebsausflug von Berufsschmieden und meistens auch so spielt. Klar, engagiert und mutig. Und klar, der Lustgewinn beim Favoritensturz, der Königsmord im Fußball. Un natürlich, das mediale Bild vom lockeren Neuseeländer, der sich einfach freut, dabeizusein. Den man bei Ankündigungen gerne im Kreise seiner Familie zeigt.

Die Angriffe der Italiener wurden wütender mit der Zeit, ein wenig verzweifelt auch. Beinah hatte ich Mitleid. Das letzte Mal Mitleid mit einem italienischen Fußballspieler hatte ich mit Roberto Baggio, 1994, Elfmeterschießen. Armer Baggio! Wie er dann auf dem Rasen saß und die Welt nicht mehr verstand. Völlig verlassen.

Er fühlte sich müde. Angekleidet legte er sich nieder und verdank sofort in einen Dämmerzustand, ohne jedoch das Bewußtsein seines Unglücks zu verlieren. Einmal hob er den Kopf, um sich Tränen aus den Augen zu wischen. (Italo Svevo, Ein Mann wird älter)

Und dann ist Abpfiff. Nein, Mitleid hält nicht lange vor beim Fußball; Schadenfreude zieht dafür ein. England, Frankreich, Italien, am Ende gönnt man es ihnen doch: dass sie mal von Grund auf verkacken. Ausnahmsweise.

Und den Neuseeländern gönnt man es natürlich auch.

25 Kommentare

  1. 01
    Anmerkungsmann

    nicht europas wm, oder?

  2. 02
    MussSein

    OK, einer muss es ja sagen: Ich kenn deine Mutter und ich hab letzte Woche mit ihr nach dem Essen beim Nobelitaliener ein Rülps-Duett aufgeführt.

  3. 03

    Noch ein paar extrem kleine Münzen während dieser WM sind:
    – zu den Kleinen halten (David-Goliath-Syndrom, seeeehr deutsch!)
    – Itaker schei.ße finden (Spaghettifresser-Syndrom -> siehe auch: Moik, Karl)
    – Elfer-Berechtigung nach Gefühl beurteilen (siehe auch -> FIFA Lawas of the Game http://www.fifa.com/worldfootball/lawsofthegame.html)
    – Trainer verantwortlich machen (Berti-Vogts-Syndrom)
    – sich plötzlich vorm Fernseher ganz doll für Fußball interessieren und die zwei Jahre zwischen WM und EM Fußballfans für Prolls halten (U-Boot-Syndrom von wegen dem Auftauchen alle zwei Jahre)

  4. 04
    Käffchen

    Ich war mit deiner Mutter beim Justin-Bieber-Konzert!

  5. 05
    Frédéric Valin

    @Rainersacht: Ich glaube, ich hab andere Motive als Karl Moick (siehe auch Zidane, Zinédine). Beruht übrigens auf Gegenseitigkeit (siehe Trezeguet, David).

  6. 06
    peter H aus B

    @rainersacht:
    – besser als sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen..
    – Itaker sind scheisse – und wer ist Karl Moik?
    – alle Schiedsrichter beurteilen Elfer für Italien grundsätzlich nach Gefühl..
    – Trainer sind verantwortlich, die sollten den Überblick haben, oder?
    – und wer ständig Fußball schaut kann nur Proll sein…

    ;)

  7. 07

    Ich plädieer dafür, dass die Fussball-WM in Taktik-WM umbenannt wird und die Grundeigenschaften eines Fussballers in Verschiebe-, Übergebe- und Kompaktheit Fähigkeit gemessen werden.
    Ich bin zu alt, um mit den alten Wertigkeiten wie Spass am Spiel und Risiko dieser WM noch etwas schönes anzugewinnen. Und die Italiener haben diesen Fussball salonfähig gemacht.

  8. 08
    kkaddi

    Was für ein tolles Spiel mit der Führung von Neuseeland gegen Italien den Weltmeister . Durch den Elfmeter den die Italiener auch noch verwandelt hat kam Italien wieder ins Spiel zurück. Italien wurde immer stärker in der zweiten Halbzeit, aber schafften es nicht dass Tor zu schießen. Aber auch Neuseeland schafft es nicht in der nach Spiel zeit das Tor zu treffen.Durch das 1: 1 blamiert sich jedenfalls Italien, als Weltmeister bis jetzt nach dem zweiten Vorrunden Spiel nur zwei punkte mit zu nehmen.

  9. 09
    Frédéric Valin

    @Käffchen: Du alte Dreckssau!

  10. 10

    @kkaddi: Ich muss sagen, dass das bisher mein Lieblingskommentar ist.

  11. 11
    Ich

    deutschland du scheiss Gammelfleischfresser

  12. 12

    Lalalalalalallallalallaaaallllaaaa

    Den Elfer der italienischen Elf konnte natürlich so in der geplanten Ursache NIEMAND vorher ahnen … ,-)

  13. 13
    dismax

    Italienische WM-Fusballpsychologie:

    Also „Ragazzi“…wir warten bis uns die Scheisse bis Oberkanteunterlippe steht. Das heisst, erste zwei Spiele gefälligst unentschieden spielen…auch wenn’s San Marino ist! Dann letztes Spiel unbedingt gewinnen…auch wenn’s Brasilien ist!

    Geil, als zweiter sind wir durch und nun fängt die WM für uns erst richtig an! So jetzt wisst ihr ja wie es weiter geht, entweder fliegen wir im 1/8-Finale auf die Fresse oder wir werden WELTMEISTER 2010.

    Capito Ragazzi?!

  14. 14
    Frédéric Valin

    @dismax: Ich würd ja gerne schreiben: Wir sehn uns im Finale!

    Aber naja. Du siehst mich weinen.

  15. 15
    dismax

    Weine nicht „mon frère“, das Glas ist immer halbvoll. Endlich habt ihr die Möglichkeit den Arsch der Nation loszuwerden, vielleicht sein Freund auch noch.

    Wir werden uns für das Finale noch was einfallen lassen müssen. Wir haben gerade etwas finanzielle Schwierigkeiten, Messi&Co. sind uns zu teuer. Jedenfalls hat das mit der Schwester gut funktioniert, unser klassiker „die Schwalbe“ sass auch wieder einmal. Sonst hätten wir noch Schutzgeld, Rizinus…

  16. 16
    Frédéric Valin

    @dismax: Warte mal ab, ob nicht der Slowake kommt und euch das Gel aus den Haaren klopft, bis ihr zurück zu Mama wollt!

    Ich warte das mal ab. Lässig zurückgelehnt, übergeschlagene Beine, die filterlose am Kinn baumelnd, während ich Käse in Schneckensud tippe, der reicht, als müsste er begraben werden. Hin und wieder werde ich Oh lala! schreie und ein wenig in Ohnmacht fallen.

  17. 17
    dismax

    lach :-)))

    Kein Problem „mon frère“, das Budget für die Slowaken reicht allemal. Hoffentlich haut aber der Bote nicht wieder mit dem Geld ab!

  18. 18
    otto minuti

    tutti stronzi

  19. 19
    dismax

    Ti capisco, hai ragione :-)

  20. 20
    Frédéric Valin

    Putain!

    (Bringen wir uns jetzt Schimpfworte bei?)

  21. 21
    dismax

    hä…?

    Meinst du: „Va te faire enculer, sale fils de pute!“

  22. 22
    dismax

    Also ich hab das nicht gesagt, nur in einer franz. Zeitung gelesen.

  23. 23
    Frédéric Valin

    Das ist fehlübersetzt worden. In freundlichem Ton gesprochen, heißt das im Norden Paris einfach nur: „Guter Mann, ich glaube, Sie befinden sich nicht recht wohl. Darf ich Ihnen ein Tässchen Tee reichen? Es wäre mir ein innerer Reichsparteitag.“

    Aber diese scheiß Boulevard-Blätter! Wie die einem die Worte im Mund verdrehen! Nicht zu glauben.

  24. 24
    dismax

    Ach muss das ein schönes und befreiendes Gefühl für Anelka gewesen sein. Tja…wir können es uns halt nicht leisten mit unseren Chefs so deutlich zu werden.

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