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E3: Hands on Kinect

Natal, pardon, Kinect zu spielen fühlt sich so ein wenig an, wie auf der Bühne einer Karaoke-Bar zu stehen.

Natürlich weisst du, dass dein Auftreten auf andere, na sagen wir mal befremdlich wirkt, um es nett zu umschreiben. Du hampelst rum und versuchst, dadurch das Spiel zu kontrollieren. Und eigentlich ist es doch egal, wie doof es aussieht, denn genau dafür gehen Leute ja in eine Karaoke-Bar, und schon der Typ nach dir wird ähnlich lächerl… befremdlich aussehen.

Kinect, ehemals Project Natal, ist ein neuer Videogame-Controller, nur eben ohne Controller. Der Mensch selbst ist das Eingabegerät, durch seine Bewegung und Sprache wird das Geschehen auf dem Bildschirm kontrolliert. Der Körper wird durch zwei Kameras erfasst, die die Tiefeninformation mit berücksichtigen.

Je nachdem, wieviel Körpereinsatz du zeigst, könnte das mit der Reaktionsfähigkeit auch nicht mehr so ganz hinhauen, wenn das Ganze nicht mehr so ganz synchron wirkt. Einfach nur vor dem Mikro stehen und singen, das geht leicht und halbwegs schnell. Dazu vielleicht noch mit der Hand geschnippt oder mit dem Fuss gewippt, so weit so gut. Aber mal angenommen, du möchtest dazwischen ein kleines Solo einschieben, das noch keiner kennt, und wo das Publikum schon genau hinsehen muss, dann kann das schon mal ein Weilchen dauern.

Die Bewegungen bei Kinect werden zum Teil auch durch Software, auch auf der Xbox 360 selbst, ausgewertet. Vor allem dort, wo präsize Erkennung gefordert wird, bspw. bei der Auswahl in Menüs oder bei Kinect Sports, ist Handlung und Ergebnis leicht verzögert. Dance Central erfordert bspw. auch vollen Körpereinsatz, durch vorgebene Moves muss die Erkennung aber nicht 100% genau sein und ist deswegen schneller. Das Gerät soll erst im November auf den Markt kommen, bis dahin kann sich also noch etwas tun.


Jede Karaoke-Bar sollte natürlich eine ordentliche Auswahl an Songs haben, Klassiker wie Neuheiten. Das sieht im Moment ganz gut aus, die Klassiker sind vorhanden, die aber mitunter doch etwas kurzweilig wirken und eher zeigen, dass das mit dem Mitsingen auch wirklich funktioniert. Der Betreiber der Bar hat aber schon mal ein paar Soundschnipsel von neuen Songs angespielt, die definitiv Lust auf mehr machen. Und Tanzen geht sowieso immer.

Abgesehen von den üblichen, kurzweiligen Partyspielchen fand ich Dance Central als Tanzspiel sehr sehr spaßig, ähnliches gilt für die Kinect Sports, die einige mal dazu bringen könnte, sich körperlich etwas mehr zu betätigen. Gezeigt wurden außerdem ein Trailer eines noch namenlosen Games im Star Wars Universum (DO WANT!) und Forza Motorsport. Außerhalb von Microsofts Präsentation bin ich noch auf Child of Eden gestoßen:

Du hast deinen Song geschmettert, die Menge hat Standing Ovations gegeben verhalten applaudiert, Zeit von der Bühne zu gehen. Du könntest jetzt galant zur Bar schweben und dir einen Whiskey On The Rocks bestellen. Oder, du setzt dich wieder an deinen Tisch und rufst etwas non-chalant der Bedienung deine Bestellung zu. Keine Sorge, sie wirds dir ob deiner Performance aber nicht übel nehmen.

Kinect hat eine Spracherkennung, mit der sich, zusätzlich zu den Bewegungen, das gesamte System kontrollieren lässt. Couchpotatos, die sogar zu faul sind, nach dem Controller zu greifen, werden an Kinect ihre helle Freude haben.

Und in Gedanken überlegst du dir schon, welchen Song du als nächstes zum besten könntest. Denn auch wenn man dabei doof aussieht, der Anfang etwas schwierig ist und alles noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt, es macht Spaß. Jetzt müssen nur noch die neuen, die richtig guten Songs kommen, damit der Abend mit Kinect am nächsten Tag nicht bereits vergessen ist.

Mehr E3 hier.

4 Kommentare

  1. 01
    Mithos

    Hab schon von mehreren Beobachtern gehört, dass dieses Kinect mehrfach Out-of-Sync* oder einfach nur mit deutlicher Verzögerung reagiert. In dem Video sehe ich teilweise Verzögerungen von ca. einer halben Sekunde. Dabei soll das Ding schon im November auf den Markt geworfen werden. Schief Singen ist also gleich ab Werk eingebaut, um mal beim Karaoke-Thema zu bleiben.

    Was das StarWars-Game angeht: Das wird StarWars auf Schienen (force rails): http://www.cad-comic.com/cad/20100616

    *eventuell sogar, weil gar nicht live, sondern nur einstudiertes Rumhampeln zu festem Spiel-Ablauf

  2. 02
    fredge

    Ich verstehe die Freude von Menschen, die älter als Kinder sind, über diese Videospielentwicklungen nicht. Okay, dass man den Bildschirm jetzt mit normalen Bewegungen des Körpers kontrollieren kann, ist abgefahren, aber die Spiele selbst sind doch immer noch saulangweilig?! Das Video, das Du hier von der E3 gelinkt hast, zeigt eine völlig durchgeknallte und sinnentleerte 3D-Umgebung, die mich schon vom Zuschauen irre werden lässt und die Musik, die im Hintergrund läuft, ist nicht besser als 90er-Jahre Thunderdome.

    Kannst Du mir erklären, was genau die Freude ausmacht?

    Nebenbei: Rollenspiele, wie z.B. „Das schwarze Auge“, würden mir vielleicht auch Freude machen – z.B. noch zusätzlich mit einer Brille, die mein Zimmer zu einem Teil des Spiels werden lässt (ich hab‘ den Namen von der Technik vergessen, die momentan so gehyped wird, jedenfalls dieses Layer über Layer auf Handy-Bildschirm-Dingsbums).

    Ich denke, dass es traurig ist, dass eine so innovative (das Wort passt endlich mal) Technik eingeführt wird mit einem Spiel, dass nicht besser, weil witziger/spaßvoller/interessanter/trickreicher/fröhlicher ist als Snake auf’m Handy.

  3. 03
    Jeriko

    @fredge: Du meinst Augmented Reality. Und yeah, die Spiele sind im Moment für einen Partyabend ganz nett, mehr aber auch nicht – mal sehen was da jetzt kommt, besagtes Star Wars Spiel sah halt schon sehr vielversprechend aus.

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