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Da kommt nicht viel Feuer aus dem Gorillakopf

Was für eine Riesenstage. Und viele Leute. Und irgendwo weit vorne sollen sie dann also rumhampeln. Hinter mir Harry Potter, alias Daniel Radcliffe alias Gregor der schnelle Finger und schon gehts los. Challenge Nummer 1: Schleuse einen Fotografen mit „much too much“ –ja ich weiss, Bonaparte spielt erst heute– Gerät durch die Menge. Irgendwann haben wir dann einen anständigen Platz, es ist uns sogar geglückt ein paar überlange Skandinaven und den Spinner mit dem gebrochenen Fuss zu vermeiden. Dann kommt die Durchsage, die Gorillaz spielen in einer halben Stunde, aber noch ist die Menge bester Laune und trällert fleissig die Internationale, in Dänisch versteht sich.

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photo: Gregor Fischer


Dann geht es endlich los, aber schnell merkt man, das wird nicht der erste Höhepunkt sondern eine leicht schale und reichlich falsch konzipierte Aufwärmübung. Im Hintergrund der Stage ist eine Grossleinwand, auf der die für die Gorillaz so wichtigen Video Einspieler gezeigt werden. Man sieht sie bloss kaum wenn man aus einem leichten Winkel oder von zu weit hinten auf die Stage schaut. Die Leinwand ist schlicht und einfach zu tief im Zelt versenkt. Dann das erste Lied. Snoop Dogg wird als Video eingespielt. Damon Albarn, der Leadsänger, ist in diesem Song aber kaum zu hören. Das scheint dem Mischer dann aber auch aufgefallen zu sein und wurde dann schnell korrigiert.

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photo: Gregor Fischer

Für die nächste Stunde dudeln Gorillaz vor sich hin. Versteht mich nicht falsch. Ich fand es nett mir die Songs anzuhören. Ich mag die Gorillaz. Und am Orange Stage steht halt auch ne richtig fette Anlage. 15 Meter hohe Boxen Türme hat man ja nicht immer um Musik zu hören. Aber das mit der Live Präsenz hat irgendwie nicht geklappt. Irgendwo auf dieser Riesenstage hüpfte Albarn herum aber irgendwie wirkte er alleine. Er war zwar umgeben von vielen Leuten mit verschiedenen Verkleidungen und Zeug, aber weder wirkten diese untereinander abgestimmt, noch war das ganze konsistent mit den Videohintergründen. Und so wirkte es bloss wie ein grosses Gewusel und in der Mitte stand Albern; verloren irgendwie, fast verzweifelt.

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photo: Gregor Fischer

Überhaupt, sein Gesichtsausdruck war nicht zu deuten. Erst dachte ich er habe schlicht keinen Bock, dann wieder wirkte er verzweifelt über die Nichtigkeit des Sein und trotzdem blitzten immer wieder fast manische Gesichtsausdrücke auf. Was auch immer es war, es blieb der Eindruck er wäre gern woanders gewesen. Und dann endlich geht es zu Ende. Gibt es wirklich eine Zugabe? Ja, die Musiker kommen wieder on Stage und sie spielen „Empire Ants“ (die Online Setlists behaupten zwar es sei was anderes gewesen, aber hier geht es ja um meine subjektive Erfahrung). Überall gehen Feuerzeuge in die Luft und dann zeigt die Videoleinwand die Menge. Und dann entsteht der einzige Kribbelmoment des Konzerts. Selbst Albern wirkt für einen Moment gerührt. Und dann, fast um zu zeigen, dass sie es eigentlich besser könnten, spielen sie „Feel Good Inc.“ und „Clint Eastwood“. Da reisst es zum ersten Mal das Publikum wirklich mit. Warum diese zwei Stücke zuletzt? Wer weiss.

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photo: Gregor Fischer

Was bleibt? Gorillaz sind eine tolle Band –auf Platte. Die Orange Stage ist riesig, zu riesig. Das Gedränge ist grenzwertig. Und Daniel Radcliffe mit Kamera Equipment ist ziemlich schwer wenn man ihn auf den Schultern trägt.

2 Kommentare

  1. 01
    Nele

    Ich war vor neun Jahren, mit 13, beim Roskilde-Fesival und das war wirklich verdammt toll. Meine beste Freundin und ich durften die ganze Woche lang frei und unbewacht auf dem Gelände rumlaufen, so lange wir uns abends (nachts) wieder am Zelt eingefunden haben. Und wir hatten auch schnell raus, dass die Orange Stage viel zu groß war um richtig Spaß zu machen. Wenn wir doch mal einen Headliner sehen wollten, haben wir uns einfach weiter nach hinten auf die Wiese gesetzt, was gegessen und die laute „Hintergrundmusik“ genossen, ohne all zu viel zu erwarten.

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