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Heißer Sch(w)eiß

Auf Platte mochte ich sie gar nicht so, die vielgelobten Japandroids. Zu viel Lärm, zu repetitiv. Einfach nicht mein favorisierter Wohnzimmersound. Aber ihr Gig in dem kleinen Pavillion beim Roskilde gestern Nacht: Eine Wucht. Gitarre! Schlagzeug! Nichts weiter! Nur zwei Mann stark, und trotzem solche Bretter an Songs. „Post-Nothing“, wie sie ihr aktuelles Album genannt haben, das trifft es. Funktioniert nicht immer, einfach explosiv draufhauen, unisonobrüllen und auch noch das Letzte aus der Gitarre holen. Aber hier, auf dieser Bühne, hervorragend. Es war tight gespielt und und die zwei Kerle aus Vancouver haben sich höchst symphatisch rübergebracht. Und ja, ich gebe es zu: Da sind auch großartige Melodien, die ich auf dem Album wohl dezent überhört habe. „Heart Sweats“, „Crazy/Forever“ oder „The Boys are leaving town“: Wütendes Abschiednehmen von der Jugend, sich dem Erwachsenwerden ein letztes Mal mit aller Wucht entgegenwerfen, es wegheadbangen, in den Boden stampfen und die Vernunft einfach übertönen. Yeah!

Ein Teil meiner Euphorie ist auch der Tatsache geschuldet, dass mal nicht so viele Leute da waren, und ich bis ganz an die Bühne rankam – vor allem Dank des gleichzeitigen Sets der sehr beliebten dänischen Rocker Nephew auf der Hauptbühne. Aber die Zuhörer, die da waren, waren dafür voll und ganz bei der Sache.

Das liebe ich an Festivals: Dass die schönsten Konzertmomente im Nachhinhein nie die sind, die man sich erwartet hat.

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