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Samstag, 15 Uhr: MEGASPREE-Demo „Rette deine Stadt“

Morgen, Samstag, 15 Uhr: Demo bei bestem Demowetter. Gegen Gentrifizierung, Spreeuferbebauung, Stadtautobahn, Mauerparkbebauung, Schließung des Tacheles, für Bürgerrechte und die Offenlegung der PPP-Verträge der Berliner Wasserbetriebe. Die Abschlusskundgebung findet von 18:00 – 23:00 Uhr am Roten Rathaus (Neptun-Brunnen) statt. Und danach findet in der Alten Münzfabrik (Molkenpark 2) die After-Demo-Party statt.

Ich habe After-Demo-Party geschrieben. Himmel, ich habe After-Demo-Party geschrieben. Es ist soweit, ich werde wieder jünger.

Alle Details wie Sammelorte, Routen und was es sonst noch zu wissen gibt: hier.

21 Kommentare

  1. 01
    Jan(TM)

    Denkt auch jemand an den Weltfrieden und die Kinder?
    Und warum sind die „Gegen Gentrifizierung, … und die Offenlegung der PPP-Verträge der Berliner Wasserbetriebe“?

  2. 02
    Jo

    OT:
    Antivir meckert rum, dass hier die Malware HTML/FlashFrame.Gen gefunden wurde.

    Muss ich mir sorgen machen?

  3. 03

    @Jan(TM): „… für Bürgerrechte und die Offenlegung …“

    @Jo: Meine Vermutung: YouTube-Videos. Um manche davon muss man sich Sorgen machen, ja.

  4. 04
    pmn

    Wer sind eigentlich diese Gentris und warum kann man nicht einfach friedlich mit ihnen zusammenleben?

  5. 05
    bEn

    @Johnny Haeusler
    wir wohnen doch hier schon friedlich. das problem an den gentris ist, dass man nur schwer friedlich mit leuten zusammenleben kann die dich aus deiner wohnung werfen (lassen) um dann dort für die mehrfache miete einzuziehen.

  6. 06
    bEn

    @Johnny Haeusler = pmn, warum dort Johnny Haeusler steht weiß ich jetzt auch nicht…

  7. 07
    flitzpiepe

    Megaspree: Verzogene Bürgersöhnchen und -töchter, die mit Papis Kohle einen auf Bohemien machen, kämpfen für eine Spree für alle. Aber wehe, es will mal einer in die hippen Bars und Clubs, der die falsche Frisur oder die falschen Klamotten hat, dann ist Schluss mit Spree für alle. Auch immer wieder lustig, wenn die Verursacher der Gentrifizierung gegen diese kämpfen. Naja, als sie mit dem gentrifizieren angefangen haben, kannten sie das Wort ja noch nicht.
    Die Anliegen der Demo finde ich alle wirklich unterstützenswert. Aber mit nem Haufen Leute zu demonstrieren, deren Interessen mit den meinen nur auf dem Papier übereinstimmen? Um dann im Zweifelsfall von denen meine Stadt weggenommen zu bekommen, anstatt sie an irgendwelche Investoren zu verlieren? Das finde ich fast noch schlimmer, weil die Investoren sich wenigstens nicht als Menschenfreunde aufspielen.

  8. 08
    Frédéric Valin

    @flitzpiepe: Woher kommt denn eigetlich diese unausrottbare Fehleinschätzung, Krative, Künstler und Studenten seien Verursacher für Gentrifizierung?

  9. 09

    @Fred:

    Äh, woher denn sonst? Das naheliegende Gegenargument, die Lage sei ausschlaggebend (PBerg, Fhain, Schanzenviertel & St. Pauli HH) greift doch deshalb nicht, weil niemand darauf gekommen ist, bis Kreative, Künstler und Studenten dort Gas gegeben haben. Ansonsten kommt das Argument aus der soziologischen / stadtgeografischen !Bedeutung! des Wortes Gentrifizierung.

    Ganz spannend im Moment übrigens: Neukölln. Und sorry, da ist echt nichts mit „Lage“ ;-)

  10. 10
    teenbeatrecs

    @Frédéric Valin:
    klär uns mal bitte auf, wer ist es denn sonst?

  11. 11
    Frédéric Valin

    @Luzi: Gentrifizierung heißt: Vertreibung einer Bevölkerung durch eine reichere Bevölkerung. Das wird in erster Linie dadurch erreicht, indem sich die Besitzverhältnisse im Kiez verändern: von einzelnen Hausbesitzern, die die Mietrente einfahren, zu Investoren, die Rendite erwirtschaften wollen. Dann beginnt diese Verdrängung, ein paar Galerien sind noch keine.

  12. 12
    flitzpiepe

    @Frédéric Valin: Jein. Gentrifizierung heißt, dass sich die Bevölkerungsstruktur eines Viertels in einem relativ langen Zeitraum wandelt. Die Ursprungsbevölkerung verfügt in der Regel über niedriges Einkommen und einen niedrigen Sozialstatus. Durch bestimmte begünstigende Faktoren (günstige Mieten, Innenstadtnähe,…) ziehen dann zunehmend die von dir benannten Künstler, Kreativen und Studenten in die Wohngegend, Personen mit niedrigem Einkommen, aber höherem Sozialstatus. Mit den Neuankömmlingen wandelt sich auch der Kiez: Es machen neue Geschäfte auf, es entsteht ein interessantes Nachtleben und es gibt viele neue kulturelle Angebote. Je nachdem wird das von Soziologen dann als Invasion oder erste Gentrifizierungswelle. Dadurch wird die Gegend zunehmend für Personen mit hohem Sozialstatus und hohem Einkommen attraktiv, die jetzt ebenfalls dort wohnen möchten. Zum Teil haben auch die ursprünglichen Pioniere ihr Einkommen steigern können und sind in der Lage, höhere Mieten zu zahlen oder gleich was zu kaufen. Jedenfalls wird die Wohngegend für Investoren interessanter und es wird kräftig saniert , gebaut und aufgewertet.
    Soweit die verkürzte Zusammenfassung dessen, was man differenzierter in jedem stadtsoziologischen Standardwerk nachlesen kann.
    Eine Verdrängung findet jedenfalls auch schon in der ersten Welle statt. Die sogenannten Pioniere wohnen ja nicht im Zelt oder als Schlafgäste bei Altbewohnern, sondern in Wohnungen, die größtenteils auch vorher belegt waren. Viele Vermieter freuen sich aber, wenn die freigewordene Wohnung an einen Studenten oder Künstler statt an eine Migrantenfamilie mit Hartz IV vergeben werden kann (Ja, ich bin mir des Klischees bewusst.) Das entspringt zum einen verbreiteten Vorurteilen, zum anderen aber auch einer rationalen Kalkulation: Künstler oder Studenten verändern ihre Wohnsituation häufiger als Familien mit schlecht verdienenden oder arbeitslosen Eltern. Liege ich also mit meiner Mieterauswahl daneben oder steigt die Durchschnittsmiete im Bezirk, kann ich die Fehlentscheidung schon nach wenigen Jahren wieder korrigieren.
    Abgesehen von diesem faktischen und nicht zu unterschätzenden Verdrängungseffekt kommt es natürlich auch noch zu einem weiteren Phänomen, dass man nur mit einem sehr verklärten Blick auf die Protagonisten der ersten Gentrifizierungswelle übersehen kann: die soziokulturellen Umbrüche werden auch hier von den Altbewohnern in der Regel als Kulturschock wahrgenommen. Oder glaubst du, dass die Kreuzberger Mischung aus Proletariat, Kleinbürgertum und (überwiegend türkischen) Migranten der ersten Generation die plötzlich entstehende Hausbesetzer-, Punk-, Künstler- und wasweißichnochwas-Szene als lange herbeigesehnte Bereicherung ihres Lebens wahrgenommen haben?
    Die Verdrängung durch die erste Welle ist für die Betroffenen genau so unschön wie die zweite. Der gravierendste Unterschied ist der, dass die „Urbevölkerung“ sich auf Grund ihres überwiegenden Bildungshintergrunds bei weitem nicht so gut artikulieren kann wie die ersten Gentrifizierer. Letztere machen also beim Bau eines Carlofts oder von Mediaspree ein riesengroßes Fass auf, während Erstere die Veränderungen im Kiez tendenziell passiv-resignativ über sich ergehen lassen oder Widerstand auf eine Weise üben, die durch die nicht-bürgerlich geprägten Artikulationsformen im Mainstream gar nicht oder als unberechtigt wahrgenommen wird.
    Letztlich sehe ich auch keinen großen Unterschied zwischen den Mediaspree-Fritzen und den ganzen Szene-Joints wie der willkürlich rausgepickten Bar 25. Beides sind Versuche, Geld zu machen und zu diesem Zweck den Zugang zur Spree auf exklusive Gruppen zu beschränken. Provokant könnte man sagen, dass die Mediaspree-Investoren wenigstens bereit sind, dafür auch richtig zu bezahlen. Aber das ginge dann wahrscheinlich doch einen Schritt zu weit…

  13. 13
    Frédéric Valin

    @flitzpiepe: Das ist die klassisch soziologische Interpretation. Deine Darstellung würde ich gerne unterstützen, einzelne Formulierungen aber sind für meine Begriffe verschleiernd. Zum Beispiel:
    „Dadurch wird die Gegend zunehmend für Personen mit hohem Sozialstatus und hohem Einkommen attraktiv, die jetzt ebenfalls dort wohnen möchten.“
    Wodurch wird sie denn attraktiv gemacht? Wohl durch entsprechende Werbung, das heißt: durch Medien und Inserate. Es sind nicht die Künstler und Studenten, die das Viertel teurer machen, die haben nämlich überhaupt kein Interesse daran. Die würden ganz gerne bei ihren Mieten bleiben.

    „Eine Verdrängung findet jedenfalls auch schon in der ersten Welle statt. Die sogenannten Pioniere wohnen ja nicht im Zelt oder als Schlafgäste bei Altbewohnern, sondern in Wohnungen, die größtenteils auch vorher belegt waren.“

    Ist das so? Der Leerstand momentan in Neukölln ist enoorm, auch im Reuterkiez, der ja als Paradebeispiel der Gentrifizierung gilt. Dass dieser Leerstand existiert, liegt an Hausbesitzern, die sich dadurch mehr Gewinn versprechen.

    „Viele Vermieter freuen sich aber, wenn die freigewordene Wohnung an einen Studenten oder Künstler statt an eine Migrantenfamilie mit Hartz IV vergeben werden kann (Ja, ich bin mir des Klischees bewusst.) Das entspringt zum einen verbreiteten Vorurteilen, zum anderen aber auch einer rationalen Kalkulation: Künstler oder Studenten verändern ihre Wohnsituation häufiger als Familien mit schlecht verdienenden oder arbeitslosen Eltern. Liege ich also mit meiner Mieterauswahl daneben oder steigt die Durchschnittsmiete im Bezirk, kann ich die Fehlentscheidung schon nach wenigen Jahren wieder korrigieren.“

    Das heißt andersrum, das der Zuzug von Hartz IV-Familien verhindert wird, nicht aber ihre Verdrängung forciert.

    „die soziokulturellen Umbrüche werden auch hier von den Altbewohnern in der Regel als Kulturschock wahrgenommen. Oder glaubst du, dass die Kreuzberger Mischung aus Proletariat, Kleinbürgertum und (überwiegend türkischen) Migranten der ersten Generation die plötzlich entstehende Hausbesetzer-, Punk-, Künstler- und wasweißichnochwas-Szene als lange herbeigesehnte Bereicherung ihres Lebens wahrgenommen haben?
    Die Verdrängung durch die erste Welle ist für die Betroffenen genau so unschön wie die zweite.“

    Hier in Neukölln bleiben die meisten Eckkneipen da, wo sie sind. Sie haben die gleichen Mieten wie von vor 10 Jahren, machen den gleichen Umsatz (eher mehr, wenn ich den Wirten glauben darf, die ich gesprochen habe). Es gibt eine Verbreiterung des Angebots, ja, aber das bedroht die Eckkneipenkultur in Neukölln nicht. Im Gegensatz zu den neuen Gastronomie-Mietverträgen, die Laufzeiten von zwei Jahre nicht überschreiten. Auch da: keine Schuld der Künstler und Studenten.

    „Letztlich sehe ich auch keinen großen Unterschied zwischen den Mediaspree-Fritzen und den ganzen Szene-Joints wie der willkürlich rausgepickten Bar 25. Beides sind Versuche, Geld zu machen und zu diesem Zweck den Zugang zur Spree auf exklusive Gruppen zu beschränken.“

    Natürlich gehts um gruppenspezifische Interessen, gehts beim Erhalt des Mietniveaus ja auch: für die Anwohner, die im Viertel wohnen wollen zum Beispiel. Man könnte provokativ sagen: Ich seh keinen Unterschied zwischen den Mediaspree-Fritzen, die billigen Wohnraum wollen, und der Anwohnerschaft, die das gleiche will. Außer, dass die MEidaspree-Fritzen was losmachen.

  14. 14
    Andreas Pohl

    Alles Kommunisten außer Mutti!

  15. 15

    @ Fred (2) „Es sind nicht die Künstler und Studenten, die das Viertel teurer machen, die haben nämlich überhaupt kein Interesse daran. Die würden ganz gerne bei ihren Mieten bleiben.“
    -> es sind Künstler und Studenten, die das Viertel !attraktiver! machen – die ‚Pioniere‘ verdrängen sich letztendlich selbst mit, und müssen dann was anderes gentrifizieren gehen.

    „Reuterkiez, der ja als Paradebeispiel der Gentrifizierung gilt. “
    -> allenfalls erste Welle. Es geht aber dort plötzlich und sehr schnell. In Berlin sind soch bald alle Kieze durchge-hype-t, kannst du dich an einen erinnern, wo es sooo rasant ging? Ich kenn NK44 noch als dunkles, beklemmendes Loch auf der mentalen Karte von Berlin, und das ist nicht lange her.

    „Das heißt andersrum, das der Zuzug von Hartz IV-Familien verhindert wird, nicht aber ihre Verdrängung forciert.“
    Stichwort: Sanierungen.

    „Es gibt eine Verbreiterung des Angebots, ja, aber das bedroht die Eckkneipenkultur in Neukölln nicht. Im Gegensatz zu den neuen Gastronomie-Mietverträgen, die Laufzeiten von zwei Jahre nicht überschreiten. Auch da: keine Schuld der Künstler und Studenten.“

    „Schuld“ ist ohnehin der falsche Begriff!!! Es ist ein Prozess, und der findet eben statt – Nur die wenigsten der Zuziehenden wollen ja wirklich den Kiez, in den sie ziehen verändern – sonst würden sie ja nicht dort hin ziehen, außer vielleicht diese gated-community-Freunde.

    Mich stört wirklich der Schuld-Begriff (und ich glaube, dass der auch der Grund ist, dass du Probleme mit dem Argument hast). Das ganze ist ein normaler Ablauf von Angebot und Nachfrage. Nicht mehr, nicht weniger. Das bittere ist nur, dass die Assimilation zur Destruktion wird, und am Ende eigentlich keiner wirklich glücklich ist. Deshalb sollte auch dieser Kampf nicht in schwarz und weiß gefochten werden.

  16. 16
    Frédéric Valin

    @teenbeatrecs: Investoren in der Regel.

    @Luzi: Aber wie geht das, ohne Schuldbegriff sich politisch zu positionieren? Also: wie will man Gentrifizierung verhindern (oder sogar beschreiben), ohne Verursacher zu benennen?

  17. 17
    J.

    @Frédéric Valin: Wenn die Reichen „schuld“ sind, was ist die Alternative? Sollten Reiche dann in Gated Communities ziehen, weil sie nur dort keine anderen verdrängen und außerdem dort sicher vor Autobrandsätzen sind?

  18. 18
    Frédéric Valin

    @J.: Nicht die Reichen sind schuld, das ist zu pauschal. Schuld ist das Investitionsmodell, das nicht auf Mietrente aus ist, sondern auf Rendite. Das heißt, dass die Häuser deutlich mehr abwerfen müssen, als sie es bei einem einzelnen Besitzer tun.

    Eine Alternative müsste politischer Natur sein. Es gibt durchaus „sanfte“ Gentrifizierungen, wo bei der Verbesserung einer Wohngegend (die ja im Grunde von den Bewohnern häufig begrüßt wird, siehe Temeplhofer Flughafen) aufgefangen wird durch sozialen Wohnungsbau, durch Mietzuschüsse, durch all die sozialpolitischen Maßnahmen, die man als Stadt in der Hand hat.

    Dadurch würde man einer Gated Community, wie sie beispielsweise der Kollwitzplatz inzwischen darstellt, vorbeugen.

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