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Dead Kennedys 1981: Home taping is killing record industry profits

dead kennedys

Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Die meisten Diskussionen, die im Internet geführt werden, existierten in ähnlicher Form auch schon vor der größeren Verbreitung von Datennetzwerken. Zum Beispiel diejenige um Raubkopiererei.

1981, zu einer Zeit also, in der die Musikindustrie mit dem Slogan „Home taping is killing music“ gegen den „Missbrauch“ von Leerkassetten vorzugehen versuchte (worauf die Witzshirtindustrie mit „Home fucking is killing prostitution“ reagierte), setzen die Dead Kennedys mit der oben gezeigten Kassetten-Version ihres Albums „In God We Trust, Inc.“ noch einen drauf: Sie ließen eine Seite des Tapes unbespielt und animierten Käufer ihres Albums somit, eine weiteres Werk zu kopieren.

Ausgedacht hatte sich diesen Coup der Kopf der Dead Kennedys, Jello Biafra nämlich, enfant terrible der Hardcore-Szene, bis heute politisch und künstlerisch äußerst aktiv und dem Vernehmen nach nicht zimperlich, wenn es um eigene Profite geht. Ohne Biafras Motivation in Frage stellen zu wollen: Auch die Mischung aus Pose und Anliegen, aus Marketing und Überzeugung ist eben keine Erfindung von Pirate Bay.

[Foto via]

18 Kommentare

  1. 01
    Balkonschlaefer

    Wer hat denn auch behauptet, dass diese Mischung eine Erfindung von TPB sei?

  2. 02

    Welch schönes Beispiel, Danke!

    Wie durch einen Zufall las ich gerade gestern von einem ganz ähnlichem Beispiel mit einer moderneren Band: Die deutsche Gothic-Rock-Guppe ASP hat 2004 eine ähnliche Aktion gemacht. Diesmal lagen sie einer ihrere Singles einen CD-Rohling bei und boten ihre Songs als MP3 zu günstigen Preisen auf der Homepage an. Nachzulesen in diesem Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/ASP_(Band)#Sonstiges_zur_Band

    Ach ja, die Geschichte ist halt geprägt durch Wiederholungen…

  3. 03

    Interessant. Da damals in Ostberlin wohnend, habe ich zuerst den T-Shirt-Spruch gesehen, ohne über den Hintergrund der Entstehung Bescheid zu wissen. Bis heute jedenfalls.
    Ganz perfide war dann wohl auch die Strategie des Ostberliner Jugendsenders DT4, der in Duett – Musik für den Rekorder vollständige Platten inklusive Pause davor und danach zum Mitschneiden über den Äther schickte. Scheint aber nicht geklappt zu haben, damit die Musikindustrie in die Knie zu zwingen. Dammit.

  4. 04

    Irgendwelche Historiker anwesend? Gab’s nicht schon im Mittelalter den Slogan „Gutenberg is killing Calligraphy“ oder so aehnlich?

  5. 05
    Thomas

    „Home fucking is killing prostitution“ stammt nicht von der Witzshirtindustrie, sondern von der 80er-Tekkno-Trash-Band Kiwisex, die Ende der 1980er eine gleichnamige 12″ veröffentlichte (unwichtige Nebeninformation, aber großartige, aber leider vergessene Band).

    http://www.myspace.com/kiwisexkxnoizsystem

  6. 06

    @Thomas: Ich kenne die Kiwisex-Platte (und Herrn Geigenschrey, damals, ein bisschen), bin aber der Meinung, den Spruch auch vorher schon gesehen zu haben. Aber ich kann mich irren.

  7. 07
    faulit

    Hab vor längerer Zeit mir schonmal Gedanken darüber gemacht und habe festgestellt: „Home Taping is killing Music“ hat schon so nen Bart.

    Was ist das bitte für eine Industrie, die schon seit 100erten Jahren (damals die „Raubkopie“: Notenblätter) im sterben liegt aber immernoch riesigie Profite einkassiert?

    Verstehen tue ich das jedenfalls im Moment noch nicht.

  8. 08
    DieterK

    @Johnny
    „… und dem Vernehmen nach nicht zimperlich, wenn es um eigene Profite geht.“

    Kannst Du mal erklären, worauf sich diese Aussage bezieht? Mit welchen zweiflelhaften Methoden hat Biafra seine Profite gesteigert? Und auf wessen Kosten?

  9. 09
    vib

    „Home fucking is killing prostitution“, groß.

  10. 10

    @vib:

    schön, dass es doch noch leute gibt, die diesen spruch nicht zu kennen scheinen und sich über selbigen freuen können. :)

    ansonsten @ johnny – was dieterK fragt.

  11. 11
    Dr. Helga

    @DieterK:
    Er hat sich (bzw. Alternative Tentacles) wohl ein bisschen viel der Dead Kennedys Tantiemen eingeheimst:

    http://www.deadkennedysnews.com/
    http://www.researchpubs.com/features/biafeat.php

  12. 12
    OWeh

    In der 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Musikindustrie schon heftig geweint, denn mit dem Aufkommen des damaligen Erzfeindes Radio – welches die Stirn hatte, Musik vollkommen kostenlos zu verbreiten – lag man als MI natürlich schon im Sterben.

    Auf der anderen Seite hat wiederum gut 10 Jahre später das Aufkommen der Jukeboxen Millionen von Plattenverkäufen ermöglicht.

    Arme Leute…..

  13. 13
    DieterK

    @ Dr. Helga (11)

    Danke!

  14. 14

    Selbst ‚Bono‘ von U2 hat durch Spekulationen viel Geld verloren,
    dass er eigentlich Karitativen Einrichtungen hätte spenden wollen. (lach)

    Die Tochter meines Kollegen hat leichtfertig Musik heruntergeladen u.
    wurde prompt von einer Kanzlei angeschrieben. Der übereifrige Papa
    hat dann sofort, ohne nachzudenken den geforderten Betrag gezahlt.
    Wohl eher aus dem Bedürfnis heraus seine kleine schützen zu müssen.

    Es ist wohl immer noch nicht überall publik gemacht worden, dass es
    auch gänzlich Legale u. Probate Hilfsmittel (Software) gibt, um wie
    früher auch, Radiosendungen respektive Musik aufzunehmen.

    Mein Kollege hat sich inzwischen sein Geld zurückgeholt.

    Äh
    was war das Thema?

  15. 15

    @PiPi:
    Nachtrag bzgl. Abgaben der Gerätehersteller an die Musikindustrie.
    Der Streit währt seit mittlerweile sagenhaften 55 Jahren. Quelle: Hörzu
    siehe
    RetroTv.de

  16. 16
    TThomthom Geigenschrey

    @Johnny Haeusler: Hi Johnny so sieht man sich virtuell wieder.. Ja ja..Gruss TThomthom

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