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Die Welt, wie sie dir gefällt

Massively Multiplayer Online Games sind für die Großen mehr als Gang und Gäbe, aber für die kürzere, wenn auch nicht minder kleinere Zielgruppe von 8 bis 12 Jahren? Die netten Dänen von LEGO betreten mit LEGO Universe nicht nur ein eigenes Universum, sondern ebenso relativ unbesetztes Spielterrain, weshalb ihre jüngste Schöpfung auch schon länger mit entsprechender Spannung erwartet wird. 4 1/2 Jahre hat deren Entwicklung in Anspruch genommen und nun befindet man sich endlich im Closed Beta Stadium, dessen Ergebnis während der gamescom erfolgreich an denen getestet wurde, die ihr Taschengeld später mit Freuden opfern werden.

Die Story ist schnell erzählt: in einem Paralleluniversum, das von Minifiguren bevölkert wird, wütet der Maelstrom, eine düstere Kraft, die es auf jegliche Form von Fantasie abgesehen hat. Sie transformiert unschuldige Minifigs in willenlose Stromlinge und droht sich auf das gesamte Universum auszuweiten. Wenn, ja wenn man freilich nicht als gewissenhafter Held in Gelb einschreitet, das Böse bezwingt und dessen Rückkehr durch fantasievolles Werkeln verhindert! Die Mission lautet also „Kreativität rettet die Welt“ und ich wüsste nicht, wann ich in letzter Zeit eine schönere Botschaft für ein Kinderspiel gehört hätte, schließlich gilt sie für das Real Life ebenso.

Für den erfolgreichen Kampf gegen den Maelstrom wird man im LEGO Universe klassisch mit Fähigkeiten, Materialien sowie den unterschiedlichsten Geschenken belohnt und ein großer Reiz des Spiels besteht dabei sicherlich im hohen Grad der individuellen Anpassungsmöglichkeiten wirklich sämtlicher Bestandteile. Genauso wie man mit dem echten LEGO-Spielzeug seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen kann, so passt man z.B. nun ein ganzes Grundstück seiner jeweiligen Laune an und kann sogar sonst eher leblosen Dingen eigene Wesenszüge verpassen (und lernt nebenbei die eigens hierfür entworfene kinderleichte Programmiersprache). Wurdet ihr schon einmal von einem Geräteschuppen zurechtgewiesen, weil ihr unbefugt das private Gelände eines Zauberers betreten habt, der gestern noch als Ritter umherlief und morgen ein Entdecker wird? Nun, macht euch in diesem Universum auf zahllose Begegnungen dieser kreativen Art gefasst.

Natürlich bringt ein solches Ausmaß an User Generated Content auch die Schwierigkeit mit sich, dass die hohen Sicherheitsansprüche, dennoch gewährleistet bleiben müssen, weshalb rund um die Uhr eine Betreuung durch Moderatoren erfolgt. Die als Mythraner vorgestellten Charaktere sind selbst ins Spiel eingebunden und treten schließlich als höhere Instanz auf, welche von den Spielern erdachte Namen genehmigt oder frisch entstandene Bauwerke beurteilt. Solange man unter 18 Jahren alt ist, läuft das Spielekonto zudem immer über eine Verknüpfung zu den Erziehungsberechtigten. Inwieweit es für einen 17jährigen noch akzeptabel ist, dass Mama die Dauer seines Spielkonsums kontrollieren kann, muss dann wohl aber familienintern ausdiskutiert werden.

Eins der interessantesten Feature im Bausteinuniversum nennt sich „Beste Freunde“ und bringt die Kids direkt mit Grundlagen des Social Web in Berührung. Man kann sich mit anderen Spielern anfreunden, um mit ihnen gemeinsame Bauprojekte umzusetzen, Forschungen zu betreiben oder Kämpfe gegen den Maelstrom auszutragen. Dabei lässt sich untereinander chatten, aber auch direkte Nachrichten sind möglich, wenn man sich z.B. gleich an einem bestimmten Ort der virtuellen Welt begegnen möchte. All das muss wiederum von den lieben Erziehungsberechtigten genehmigt werden, aber im typischen Fall treffen sich dort ohnehin jene Freunde, die es auch im echten Leben sind.

Befragte man die neben dem Stand auf ihre Sprösslinge wartenden Eltern, zeichnete sich bereits ab, dass LEGOS Sicherheitskonzept bestens aufgehen wird – ein entsprechender Ruf der Harmlosigkeit eilt ihnen eben auch schon längst durch andere Spiele voraus. Inwieweit die halbwegs heile Welt für LEGO-Fans und Gamer der ersten Generationen attraktiv ist, vermag ich nicht zu beurteilen, würde aber vermuten, dass der Reiz mit zunehmendem Alter durchaus schwindet. Dass LEGO Universe dennoch ein Erfolg wird, steht bei der anhaltenden Popularität der gelben Minifigs allerdings kaum in Frage. Erst recht, wenn man live miterleben durfte, wie die Kurzen sich am gamescom-Stand um die Sitze vor den Monitoren kabbelten. Da gönnten sich selbst gestandene WoW-Experten den Overload aus Bausteinchen:

Disclosure: Spreeblick wurde freundlicherweise von LEGO auf die gamescom eingeladen, um von dort zu berichten und natürlich auch LEGO Universe zu testen. Das haben zwar einige Redaktionsmitglieder ausgiebig getan, jedoch wollten wir an dieser Stelle lieber jene Kids zu Worte kommen lassen, die den Messestand belagerten. Auch wenn die Interviews aufgrund von Nervosität eher kurz gerieten, möchte ich mich noch einmal ganz doll bei Sebastian, Leon und ihren Familien für ihre Unterstützung bedanken.

7 Kommentare

  1. 01

    Ich glaub ja, das ist ein cleveres Marketing-Tool von LEGO. Unf zwar deshalb.

  2. 02
    peter H aus B

    @vehtoh:

    Das sogenannte „Social Web“ ist lediglich eine Lizenz zum Klauen..

    Gilt auch für Facebook und alles andere was über User Generated Content funkioniert. In allen diesen AGBs schenke ich mein Hirn der jeweiligen Firma.

    Ich habe mein Facebook Konto deshalb auch gelöscht. Ebenso wie Twitter und den anderen Blödsinn.

  3. 03
    Chris

    @vehtoh: Klar muss und soll Geld verdient werden, aber ein MMOG als Marketing-Kampagne? Die gibt es wohl eher zusätzlich für das Spiel. Und die AGB sind überall ähnlich, ohne die könnte man rechtlich so ein Spiel gar nicht onlin bringen, denk ich. Bin gespannt auf das Game, von Lego erwartet man keinen Mist, aber mal sehen.

  4. 04
    Hackworth

    Ich bin selber schon älteres Semester und in der closed beta, habe aber nur 1 wochenende lang gespielt und wieder deinstalliert.

    Der chat ist aufgrund eines massiven whitelist-Filters praktisch unbrauchbar und entsprechend verwaist, was für ein Spiel, das vorrangig auf die community zu setzen behauptet, ein Totalschaden ist.

    Das gameplay ist gewöhnlichste MMO-Stangenware und ist teilweise schmerzhaft offensichtlich nichts anderes als Spielzeitstreckung ohne Unterhaltungswert.

    Versteckte Bonusgegenstände zu finden hat bei den offline-Spielen noch Spaß gemacht aufgrund Kompatkheit, Timing der Level und den verschiedenen Charakterfähigkeiten, ist hier aber einfach nur öde.

    Das triviale Kampfsystem kann höchstens 5 Minuten begeistern, dann hofft man (vergebens) auf mehr.

    Story, Charaktere und Dialoge sind an der Oberfläche bestenfalls ein Zuckerguss platten Humors auf einem Eisberg heiliger Ernsthaftigkeit und Schwarz-Weiß-Malerei. Mit Lego Star Wars haben die Dänen ihrer Zielgruppe noch wesentlich bissigeren Humor zugetraut.

    Der einzige Grund für einen Kauf wäre für mich der virtuelle Bauplatz und die Skriptsprache, aber der einzig praktische Weg, sich die nötigen Klötzchen zu beschaffen, ist leider episches grinding, indem man die immer gleichen Gegner verkloppt. Nein, danke.

  5. 05
    Frederik

    Äh, geht es nur mir so, oder ist das nicht HAARGENAU DIE STORY DER UNENDLICHEN GESCHICHTE? Das Nichts bedroht Phantasien und kann nur durch den Glauben an die Fantasie aufgehalten werden…

    Vielleicht ist ja nur die Fantasie der Entwickler etwas eingerostet. Oder sind sie am Ende selber willenlose Stromlinge?

  6. 06

    Your articles are for when it absolutely, piositvely, needs to be understood overnight.

  7. 07

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