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Außenstelle Afrika: Mutter positiv, Kind negativ Teil II

Neues von der Spreeblick-Außenstelle in Lesotho, Südafrika:

Nachdem zu meinem Post über PMTCT (Prevention of Mother-to-Child-Transmission) in Lesotho einige Fragen gestellt wurden, hier noch ein paar Erläuterungen: Wie PMTCT medizinisch gesehen funktioniert, wieso HIV-negative Väter sich bei der Zeugung nicht anstecken, warum die Frauen keine Babynahrung erhalten und warum die Projekte in Lesotho dennoch gut funktionieren.

Warum das Kind überhaupt eine Chance hat: Mutter und Kind haben getrennte Blutkreisläufe. Die Versorgung des Kindes erfolgt über die sogenannte Plazentaschranke, die bestimmte Substanzen an das Kind weitergibt, andere aber herausfiltert – so zum Glück auch HIV-Viren. Die Ansteckung des Kindes erfolgt meist bei der Geburt, wenn das Kind mit dem Blut der Mutter in Berührung kommt. Dieses Risiko wird aber durch die antiretroviralen Medikamente massiv verringert, da diese die Häufigkeit des Virus im Blut verringern.

Das ist auch der Grund, warum es möglich ist, dass ein HIV-negativer und HIV-positiver Partner zusammen ein Kind bekommen können. Nach strenger ärztlicher Beobachtung, wie gut die antiretrovirale Therapie anschlägt und wenn keine Viren im Blut nachgewiesen werden können, kann ungeschützter Verkehr erfolgen, um ein Kind zu bekommen. Creezy hat in ihrem Kommentar auch eine Methode erläutert, bei der man zuerst ein Kondom benutzt und dieses dann sofort nach dem Verkehr in die Vagina einführt, um die Ansteckung des Vaters zu verhindern. Aber abgesehen von dieser einen, ärztlich zu bestätigenden Ausnahme muss immer ein Kondom verwendet werden – sogar, wenn beide Partner HIV-positiv sind. Dann besteht die Möglichkeit, sich gegenseitig mit anderen Typen von HIV anzustecken.

Viele wissen aber gar nicht, dass sie HIV-positiv sind: Deshalb wird jeder Frau, die in ein Krankenhaus kommt, geraten, sich testen zu lassen. Noch ist das in Lesotho nicht gesetzlich verpflichtend, die meisten machen es aber ohnehin. Ist die Frau positiv, wird sie beraten, psychologisch betreut und behandelt. Manche Frauen tauchen nach dem Test aber nicht wieder auf. Die Krankenhäuser versuchen, jemanden zu diesen Frauen in die meist abgelegenen Dörfer zu schicken und ihnen vor Ort zu helfen. Die Zahl der Einrichtungen, die PMTCT-Programme anbieten, ist in Lesotho stark gestiegen: 2003 gab es nur acht, Ende 2009 schon 186 solcher Einrichtungen im ganzen Land. 2007 waren nur 31 Prozent aller Schwangeren in retroviraler Behandlung, 2009 waren es schon 71 Prozent. Der Grund für diesen starken Anstieg ist, dass die Behandlung nicht mehr nur in Krankenhäusern möglich ist, sondern auf die kleinen Gesundheitszentren in den Dörfern ausgelagert wurde. Die Krankenschwestern vor Ort wurden in einer groß angelegten Aktion in den städtischen Krankenhäusern dafür geschult.

Moderne Klinik in Maseru

Ländliches Health Center

Die antiretroviralen Medikamente erhalten alle HIV-Patienten, ob schwanger oder nicht, kostenlos. In den Einrichtungen, in denen wir waren, wurden sie vom Global Fund finanziert, und sie kommen meist aus China oder Indien. Verteilt werden sie in Einrichtungen, die sowohl vom Staat als auch von Spendenprojekten betrieben werden.

Die Alternative, die Mütter nach der Geburt nicht mit Medikamenten, sondern mit Nahrung für die Babys zu versorgen, ist aus mehreren Gründen nicht sinnvoll: Manche der Mütter brauchen ohnehin regelmäßig diese Medikamente, wenn ihre Zahl an Helferzellen, die durch den Virus zerstört werden, bereits zu nieder ist. Ist die Zahl der Helferzellen in Ordnung, erhalten sie die Maßnahmen nur während der Schwangerschaft und eben während der Stillzeit. Stillen ist in Lesotho eine tief verwurzelte Tradition und es ist schwer, es den Frauen komplett abzugewöhnen. Deshalb ist es sicherer, sie stillen gleich von Anfang an, tun dies aber mit Unterstützung durch Medikamente und medizinische Kontrolle.

Was das Bereitstellen von Babynahrung angeht: Es gibt natürlich auch Hilfsprogramme, die Ernährungspakete bereitstellen. Im Sebocha Hospital haben wir mit der Krankenschwester gesprochen, welche die Mütter und Kinder hinsichtlich Ernährung berät, und sie hat uns erzählt, dass zum Beispiel für August dieses Jahres keine Pakete geliefert wurden – wohl aus Einsparungsmaßnahmen. Und selbst wenn Pakete zur Verfügung gestellt werden, nutzen die Mütter sie für die gesamte Familie und nicht nur für die Babies. Außerdem ist die Milch für die Babynahrung teuer, und sie wird oft mit Wasser gestreckt. In Folge sind die Babies unternährt und anfälliger für Krankheiten, und in besonders harten Zeiten stillen die Mütter dann doch wieder. Dann sind die Kinder aber bereits geschwächt, und die Mutter erhält vielleicht keine antiretrovirale Therapie, beides zusammen führt zu einer hohen Ansteckungsgefahr durch die Muttermilch. Dasselbe gilt für den Fall, wenn die Mütter nach sechs Monaten nicht gänzlich abstillen, aber eben keine Medikamente mehr erhalten.

Das Ziel des Global Fund und der Born-HIV-free-Kampagne ist es, die Ansteckung von Kindern durch Mütter weltweit bis 2015 komplett zu stoppen.

Alle Artikel aus Lesotho findet ihr hier.

5 Kommentare

  1. 01
    Robert

    Vielen Dank für den interessanten Artikel

  2. 02
    Kathrin Kaufmann

    Unbedingt noch den Kommentar von creezy zum ersten Artikel lesen. Sie gibt einen super detaillierten, medizinischen Einblick zu dem Thema.

  3. 03

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