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Bundesliga 11

Mönchengladbach funktioniert wie ein Beckett-Roman. „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ Mindestens aber unterhaltsamer scheitern.

Beckett sagt von sich, er habe kein großes Talent darin, glücklich zu sein. De Camargo kann immerhin von sich behaupten, er habe kein großes Talent darin, glücklich zu machen. So kreuzdämlich wie er hat seit Thomas Strunz niemand mehr versucht, Konter auszuspielen. Stellt man zwei Hüte vor de Camargo und sagt ihm: ‚Rechts sind 100 Euro drin, links eine Tarantel‘, er würde immer den linken Hut nehmen. So häufig hat sich bisher nur Westerwelle falsch entschieden in so kurzer Zeit.

Aber es ist nicht nur die Unfähigkeit zum richtigen Pass, die Gladbach momentan den Hals bricht: es ist auch eine erstaunliche Unbedarftheit in der Verteidigung. Man müsste Anderson und Daems mal erklären, dass es so etwas wie Abseits ist und deswegen Defensive eben nicht direkt am eigenen Fünfmeterraum anfängt, wo sie sich vorzugsweise aufhielten. ‚Rausrücken‘, das kennen die Herren nur im Zusammenhang mit der eigenen Geldbörse, möchte man vermuten, denn das würde ihre verneinende Haltung zu diesem Thema erklären. Wie man diesen Gegentreffer von Gomez nach einem Freistoß kassieren kann, warum der überhaupt da stehen darf, ist mit fussballspezifischer Sprache nicht zu erklären. Da braucht man Wille für. Oder Euphemismen.

Kurzum: Gladbach ist hinten nicht ganz dicht.

Derweil in Tschechien:

Den besten Artikel zu Robert Enke hat Jana Hensel für die Zeit geschrieben. Einer der wenigen Artikel, der sich nicht damit zufriedengibt, ‚Depression‘ zu sagen und zu meinen, alles sei erklärt.

Am 9. November 2009 gedenkt das ganze Land, nein, die ganze Welt des Mauerfalls. Angela Merkel, Gordon Brown, Nicolas Sarkozy, Dmitrij Medwedjew und Hillary Clinton spazieren stolz durchs Brandenburger Tor, als wären sie selbst die Helden gewesen, die die Mauer zum Einsturz gebracht haben. Robert Enke notiert in sein Tagebuch: »Ziege Geburtstag«, der Spitzname eines alten Freundes. Am nächsten Tag stellt er sich in der Nähe von Hannover einem Zug entgegen und beendet mit diesem Schritt auf die Gleise sein Leben. Robert Enke wurde 32 Jahre alt.

4 Kommentare

  1. 01

    Jedesmal, das schreibe ich bewusst; machen mich die Fussballbeiträge von Fred schier wahnsinnig. Früher war der Ball noch rund. Mittlerweile besteht dieser aus Ecken und Kanten. Zusammengenäht wird da auch kein Lederlappen draus. Egal

    Jana Hansel’s Artikel
    ist nicht dazu geeignet Blockwarten ein Thema zu liefern.

    Nix für Ungut.
    Künstlerische Freiheit

    @PiPi

    http://www.Presseportal.de

  2. 02

    Interessanterweise schaffen es die Gladbacher Jungs auch noch, es so aussehen zu lassen, als würden sie tatsächlich nicht anders können. Können sie aber. Ich habe Hoffnung.

  3. 03

    Die Kombi von Gladbach und Robert Enke kann ich zwar auch nicht ganz nachvollziehen, aber der Artikel von Jana Hensel ist absolut lesenswert.

    Hier ein Beitrag jungen Mannes zum Thema Depression (nichtkommerzieller Link) : Was Depressionen uns über Ziele beibringen http://goodnewstoday.de/?p=1060

  4. 04
    advocatus diaboli

    Das Tschechien-Video gehört zum surrealsten, was ich je gesehen habe…kann mir jemand erklären, warum die tun was sie tun? oO

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