47

Sonntagslektüre – Castor

Nichts hat mein Verhältnis zum Staat je so stark erschüttert wie mein erster Castor-Protest. Ich war jung genug, um nicht genau zu wissen, worum es geht, aber ich hatte immerhin das Gefühl einer guten Sache. Nie wieder hatte ich danach oder davor so sehr den Eindruck, ethisch richtig zu handeln und meiner Verantwortung als Demokrat gerecht zu werden.

Das Entsetzen über eine damals willkürlich gewaltbereite Polizei versteht man nicht, wenn man noch nie auf einer Demo war. Es lohnt sich, die einzelnen Berichte von Demonstrationsteilnehmern nochmal zu lesen. Zum Beispiel auf dem Landwehrkanal-Blog

Dienstagmorgen kurz vor halb acht ist nach ca. rund achtzehnstündiger Blockade die Straße freigeräumt, doch uns, die wir uns “nur” zwölf Stunden beteiligten, fehlen nach dieser Nacht die Kräfte, das Eintreffen des ersten Castor-Trucks abzuwarten. Wir schließen uns den großen Gruppen an, die sich auf den gefühlte zehn Kilometer langen Rückweg durch den Wald nach Gedelitz machen. In all die Triumphgefühle über diesen am längsten verzögerten Castortransport der Geschichte mischt sich allerdings auch Niedergeschlagenheit, dass er trotz dieses massenhaften friedlichen, bestens organisierten, bunt-kreativen zivilgesellschaftlichen Widerstands, der unbestritten von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird, auch dieser Transport schließlich seinen provisorischen Bestimmungsort erreicht hat, während die schwarzgelbe Koalition sich mit ihrer unverhohlenen Klientelpolitik demonstrativ unbeeindruckt gibt, ja ihre verlogene Rhetorik weiter verschärft und nach der Aufkündigung eines gesellschaftlichen Konsenses offenbar auch die des inneren Friedens und grundlegender rechtstaatlicher Regularien billigend in Kauf nimmt.

Oder aber bei Metronaut.

Ich war auf vielen Demos, Gipfeln, Protesten und politischen Aktionen. Noch nie habe ich das Gefühl gehabt, dass alle solidarisch sind mit dem, was ich hier mache. Oftmals geht man auf Demos und ist Außerirdischer mit seinem Anliegen. Im Wendland wird nicht doof aus den Fenstern geglotzt, sondern Hand angelegt. Ob Kaffee, der einem nachts aus dem Carport gereicht wird oder die Schmalzstulle einer Bäuerin – was ich vor ein paar Tagen noch als sozialromantischen Quatsch abgetan hätte, wird im Wendland zur Realität. Das ist der große Unterschied, das macht diesen Widerstand gegen ein Endlager in Gorleben so stark, so unberechenbar und zu einem echten Problem für die Politik.

Das besondere an Castor-Protesten, so habe ich das zumindest auch erlebt, ist jenes Gefühl, dass es ein alternativloser Protest ist. Gegner der Atomenergiegegner werfen immer vor: der Klimawandel sei den Antis egal, man müsste mehr Kohlekraftwerke bauen, man könnte das Stromnetz nicht mehr halten. Diese Defensive, aus der Atomenergiebefürworter argumentieren, plus dem Eindruck, sie ließen sich für die Sache einiger weniger einspannen und merkten es noch nicht mal, geben den Castor-Protestanten das Gefühl moralischer und intellektueller Überlegenheit.

Um so empörter ist man bei schwerverletzten Protestierenden oder prügelnden Sanitäter:

Und dann kommt Joachim Hermann von der CSU und sagt: „Wir müssen deshalb überlegen, ob wir auf Dauer solche Demonstranten weitgehend unbehelligt lassen können, wenn sie als Straftäter Gleise unterhöhlen oder mit ihrer Sitzblockade nur eine Ordnungswidrigkeit begehen“, sagte Hermann. „Rechtswidrig bleibt rechtswidrig. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Oppositionsparteien im Bundestag dazu aufrufen“

Juristisch wäre das vermutlich sogar möglich. Politisch wäre es ein fatales Signal. Denn man frustriert all die Menschen, die hinfahren, nicht um das System zu stürzen, sondern weil sie sich moralisch und intellektuell im Recht fühlen. Staatsbürger, die Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Gerade den aktivste Teil der Bevölkerung will Hermann in die Schranken weisen: leiber hat er seine Ruhe als eine lebendige Demokratie.

Das ist bestimmt nicht mehrheitsfähig. Stattdessen, um zum positiven zu kommen, soll es in Berlin noch dieses Jahr eine Kennzeichnungspflicht für Beamte geben. Wurde aber auch Zeit.

47 Kommentare

  1. 01
    Stefan

    „geben den Castor-Protestanten das Gefühl moralischer und intellektueller Überlegenheit“ Ein sehr trügerisches Gefühl.

  2. 02
    Maddes

    „Das Entsetzen über eine damals willkürlich gewaltbereite Polizei versteht man nicht, wenn man noch nie auf einer Demo war.“

    …oder im Fussballstadion. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Verhalten und Strategie der Polizei sich in beiden Fällen immer mehr angleicht – und das nicht im positiven Sinne. Die Kennzeichnungspflicht der Beamte ist zu begrüßen, allerdings glaube ich, dass sie sich in der Realität kaum was ändert – der Polizist hat normalerweise genug „Zeugen“ zur Hand, die seine Version bestätigen und Gegenanzeigen sind auch keine Seltenheit, wenn man dann mal versucht, nicht alles klaglos hinzunehmen. Helfen kann da eigentlich nur der Videobeweis (wie bisher auch).

  3. 03
    Kai

    „Denn man frustriert all die Menschen, die hinfahren, nicht um das System zu stürzen, sondern weil sie sich moralisch und intellektuell im Recht fühlen. Staatsbürger, die Verantwortung übernehmen und sich engagieren.”

    Ich korrigiere: Staatsbürger, die eine verschwindend kleine Minderheit darstellen und trotzdem für sich das Recht in Anspruch nehmen, für eine angebliche Mehrheit zu agieren.

    Ich bin durchaus gegen Atomkraft und auch gegen die Verlängerung der Laufzeiten. Ich akzeptiere aber, dass es im letzten Jahr eine Wahl gab, bei der zwei Parteien – die deutlich für Atomkraft stehen! – eine Mehrheit erhalten haben und jetzt wie im Wahlkampf versprochen regieren. Sowas nennt man auch Demokratie. Die Mehrheit hat so entschieden.

    Diejenigen, die rund um Gorleben Schienen beschädigen, Wege blockieren und Gewalt welcher Art auch immer anwenden, sind keine Demokraten. Aber das war linksaußen schon immer ein Problem, weil dort ja die Moral zuhause ist, die die Revolution nicht per Wahlentscheid will…

  4. 04
    Alex

    Der Protest ist sicherlich gerechtfertig aber wenn ich Aussagen lese wie: „Nie wieder hatte ich danach oder davor so sehr den Eindruck, ethisch richtig zu handeln“, dann frage mich ob du einem Wohlstandsproblem nicht eine etwas überhöhte Bedeutung zumisst.

    Die meisten Menschen auf unserem Planeten wären sehr glücklich, wenn sie Kapazitäten frei hätten ihre Zeit und Energie dafür aufzuwenden um gegen Castortransporte zu protestieren. Aber der Kampf um ihre Existenz nimmt sie leider ganz in Anspruch…

  5. 05
    Namen, hui =)

    Alles Geblubber. Solange es Menschen gibt, die fest der Meinung sind, Atomstrom sei der nunmal billigste und einzigmögliche, demonstrieren die/ich auch weiter. Alleine schon wegen dieser Verweigerungshaltung, sich mit dem Thema nicht mal zu beschäftigen, aber trotzdem ne Meinung zu haben, die auf falschen Annahmen beruht.

    Daß es da diverse Kognitivverweigerer gibt, die jeden Protest am liebsten unterbinden würden, gerade aus den Reihen der CSU… wundert das denn irgendwen? Das ist doch das einzige, was die überhaupt können: „Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, agitieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben“ – findet der CSU-Generalsekretär. Noch Fragen?

    Und für ein Wohlstandsproblem halte ich die Frage um unsere jetzige Gesundheit als auch die unserer Kinder keineswegs. Man könnte auch ausholen, und das Demonstrieren gegen das Tun der Atomlobby als staatsbürgerliches Engagement darstellen, aber soviel Pathos liegt mir zum Nachmittag noch nicht. Warum sollte man sich nicht für etwas einsetzen, wenn man die Möglichkeit dazu hat? Nur weil andere Menschen diese Möglichkeit nicht haben? Sehr schwache Argumentation, lieber Alex.

  6. 06
    Andi

    Was Kai schrieb.

    Es ist eine Sache, sich moralisch überlegen zu fühlen (ein Gefühl, das ich in diesem Fall teile), aber es ist eine ganz andere, aus dieser Überlegenheit eine besondere Legitimation abzuleiten. Solange keiner ein neues Ermächtigungsgesetz verabschiedet hat, kann in Deutschland niemand irgendein Recht zum Widerstand gegen den Staat in Anspruch nehmen, weil es dafür genügend politische und juristische Wege gibt. Dauert länger, macht weniger Spass, gibt nicht so schöne Bilder, ist dafür aber der einzige demokratische Weg.

    Ich finde es jedenfalls zum Kotzen, als Atomkraftgegner mit Leuten in einen Topf geschmissen zu werden, die „schottern“, an Polizeifahrzeugen zündeln oder anderweitig Gewalt als mögliche Option sehen. Solche Denk- und Handlungsweisen bringen überhaupt nichts, ausser den Atom-Befürwortern Munition zu liefern und eine Ausrede zu geben, sich mit dem eigentlichen Thema gar nicht erst befassen zu müssen.

  7. 07
    Oppi

    @Andi (05) :

    „weil es dafür genügend politische und juristische Wege gibt.“

    Die garantiert nicht zum Erfolg führen, weil in der Zeit, in der man diese Wege beschreitet, in der Realität Tatsachen geschaffen werden. Und selbst wenn man dann auf dem vermeintlich „richtigen“ Weg irgendwann gewonnen hat, und mit seinem (fiktiven) Gerichtsbeschluss wedelt, dann bekommt man von der Gegenseite ein „joa … son Mist …. hätten wir das vor X Jahren mal schon gehabt …. jetzt liegt das Kind schon im Brunnen, da is nix mehr dran zu ändern, tut uns leid.“
    Passiert in Stuttgart, passiert mit den Castortransporten, passiert mit dem Zens…ääääh Zugangserschwerungsgesetz und mit vielen anderen schönen Errungenschaften der Neuzeit. Die Regierung kann – wenn sie das wirklich will – in Rekordzeit irgendwelche neuen Gesetze beschliessen, gegen die sich zu wehren im besten Fall Jahre dauert. Und das ist dann Demokratie ? Ich nenne das „lächerlich“.

  8. 08
    Alex

    @04
    Mir geht es nicht darum die Berechtigung des Protestes zu diskutieren, sondern die ethische Rechtfertigung dessen. Die Motive für den Protest( z.B wie du sagst eigene Gesundheit) sind nach meinem Empfinden nur ein schwacher Grund für den „Eindruck, ethisch richtig zu handeln“
    Den sehr starken Eindruck Ethisch richtig zu handeln – wie Frederic sagt – habe ich bei anderen Formen des sozialen Engagements…

  9. 09
    drehtür

    @Alex: So Sachen wie das Geld für’s Bahnticket ins Wendland der Tafel zu spenden zB?.

    Find ich ist ne gute Idee.

    Atomproteste sind halt wirklich ein Wohlfühlthema, da gäbe es soziale Ungerechtigkeiten im Land die wesentlich schlimmer sind, aber deren Beilegung leider Gottes – na wem wohl – den Kuchen vom Teller nähme.

  10. 10
    max

    was ist denn hier los?
    lieber alex, du kannst ja deine ethik verorten, wo immer du willst, aber meinst du ernsthaft, du kannst logisch argumentativ begründen, dass es sich – und jetzt mal pathetisch aber volkommen ernst gesprochen – bei dem protest gegen die produktion des giftigsten abfalls, den die welt je gesehen hat und der auch auf zehntausende von generationen hinaus der welt erhalten bleiben wird um ein „wohlstandsproblem“ handelt? ich habe eher den eindruck – nicht unbedingt bei dir – dass die menschen, die zuhause hocken und ihre ansicht in die welt posaunen, solange die probleme der gesellschaft die eigene existenz nicht unmittelbar bedrohen, handele es sich um „wohlstandsprobleme“, genau diejenigen sind, die die idee von demokratie und bürgerlichem engagement überhaupt nicht kapiert haben. zum einen, weil „wohlstandsproblem“ ein schlicht abwertender ausdruck ist und der damit verbundene protest zum „wohlstandsprotest“, also zu einem „euch geht es wohl zu gut“-protest erklärt wird. man macht den protest lächerlich und apostuliert, dass er nicht wirklich ernst zu nehmen ist. finde ich bei dem protest gegen die atomkraft (giftigster abfall etc.) komplett unangebracht. zum anderen haben diese leute meist nicht ansatzweise den elan, selbst den arsch hochzukriegen – wie gesagt, nicht auf dich gemünzt – und etwas zu tun. warum auch? entweder die probleme sind existenzbedrohend, dann habe ich in der regel was anderes zu tun, als zu protestieren, oder sie sind es nicht, dann hätte ich zwar die möglichkeit und die zeit mich zu engagieren, aber doch nicht wegen „wohlstandsproblemen“.

    und dann gibt es da noch die kais und andis dieser welt, die finden, dass alle vier jahre wählen ausreichend sein muss, um mitzubestimmen. das ist so doof, dass ich sofort wütend werde. ich könnte jetzt lang ausholen und ausführlich darlegen, dass auch solche systemtragenden einrichtungen wie das bundesverfassungsgericht dem versammlungsrecht aufgrund seiner großen wichtigkeit für die demokratie einen besonderen wert zumessen, ich kann aber auch einfach mal fragen, ob das euer ernst ist. ich habe mir für meinen teil nicht ausgesucht, nur alle vier jahre befragt zu werden, was ich will. ich sehe aber auch ein, dass jedes jahr wählen keine alternative ist, weil regieren so nicht möglich wäre. also muss es in der zeit der legislaturperioden andere mittel der demokratischen betätigung geben. das solltet sogar ihr einsehen. dann zu behaupten, die auf die straße gehenden seien nur eine „verschwindend kleine minderheit“ ist so wohlfeil wie dämlich. dieses argument wird immer wieder gebracht und zwar von denen, die nicht auf die straße gehen und den eindruck erwecken wollen, sie wäre in der mehrheit, weil ja sonst viel mehr auf die straße gehen würden, wenn sie das anliegen derer die das tun, unterstützten. aber andersrum wird ein schuh drauß: macht doch mal ne pro-atomkraft demo und schau, wieviele leute du damit hinter dem ofen hervorlocken kannst. zur letzten dieser demonstrationen haben die atomkonzerne ihre mitarbeiter und azubis mit bussen befördert und die anzahl war trotzdem lächerlich! oder schau mal nach stuttgart, wie überwältigend die teilmehmerzahlen bei den pro-demos sind. es kann nun mal nicht immer jeder überall auf die straße gehen. aber wenn die anzahl derer die das tun und deren entschlossenheit immer größer wird, dann ist der verweis darauf, dass immer noch mehr leute zuhause hocken einfach dämlich.
    ich war in harlingen auf der schiene und darf mir gerade überall auf die schulter klopfen lassen. ich versuche das wirklich nicht als auszeichnung vor mir herzutragen, aber ständig bedanken sich menschen bei mir oder sagen, wie toll sie das finden und entschuldigen sich teilweise regelrecht dafür, dass sie nicht dabei waren. soviel zu denen, die alle zuhause waren.
    und zum recht auf widerstand: jaja, steht nicht im gesetz blabla. zum einen ist es die idee von zivilem ungehorsam, regeln zu übertreten. das recht darauf wird also nie im gesetz stehen können. wer aber meint, ziviler ungehorsam wäre deswegen eine schlechte sache, der darf ja dann gerne gleich die rassistischen gesetze der usa aus der ersten hälfte des letzten jahrhunderts verteidigen und den farbigen erklären, dass sie ja hätten versuchen können, eine mehrheit bei den wahlen für ihr anliegen zu erzielen, dass aber ihre rechtswidrigen proteste nicht in ordnung waren.
    zum anderen ist es gut, dass menschen ihrem gewissen folgen, auch wenn die daraus folgenden handlungen nicht im einklang mit dem gesetz stehen. das macht ihre handlungen nicht immer richtig, aber vor allem macht es sie nicht immer falsch! rechtspositivismus ist einfach kein ausreichender ansatz.
    und dann noch zum schottern: ich muss denen die schottern waren meine absolute hochachtung aussprechen. ich habe noch nie gesehen, dass menschen derart auf die fresse bekommen ohne zurückzuschlagen, wie schwerverbrecher behandelt werden und dennoch immer wieder versuchen, ihr ziel gewaltfrei zu erreichen. die haben soviel abbekommen bei den protesten und haben sich absolut passiv verhalten, obwohl sie die gewalt der polizei allein aufgrund ihrer masse locker mit heftiger gegengewalt hätten beantworten können. wer jetzt meint diese tausenden von menschen als schwerkrimininelle hinstellen zu müssen, der hat nichts mitbekommen, vor allem nicht, wie eisern die an ihrem vorsatz der gewaltlosigkeit trotz schwerster angriffe durch die polizei festgehalten haben. schwerkriminelle machen sowas nicht. schwer moralisch integre menschen machen sowas mit zähneknirschen. das war echt eine beeindruckende leistung.
    soviel von mir. das war jetzt ne menge text. schönen sonntagabend und danke für den artikel frederic. trifft ziemlich genau meine erfahrungen (außer das „nicht genau wissen worum es geht :-)).

  11. 11
    Kai

    @max „ich war in harlingen auf der schiene(…)”

    Und genau da hast Du nichts zu suchen. Ganz einfach.

    „nd dann gibt es da noch die kais und andis dieser welt, die finden, dass alle vier jahre wählen ausreichend sein muss, um mitzubestimmen.”

    Äh, nein. Ich bin für Volksentscheide auf Bundesebene, für Mitarbeit in Parteien, Vereinen, Verbänden, Initiativen und anderen demokratischen Sprachrohren. Nur alle paar Jahre sein Kreuzchen machen zu dürfen, würde mir niemals im Leben ausreichen. Nur: Aus einem Demonstrationsrecht kann man kein Blockaderecht ableiten oder gar solche kriminellen Dinge wie „Schottern”. Das ist schlicht und ergreifend kriminell und hat nichts mit Demonstrationen zu tun. Zivilen Ungehorsam gegen demokratisch legitimierte Entscheidungen zu fordern, ist schon ein starkes Stück und stellt Dich außerhalb der Demokratie. Das ist kein Protest mehr im Rahmen demokratischer Spielregeln, sondern einfach nur Willkür, die Du Dir selber herausnimmst, weil Du Dich im Recht wähnst. Aus der eigenen moralischen Überlegenheit ein Recht abzuleiten, war noch nie eine gute Idee. Linksaußen ist das aber leider sehr oft der Fall.

  12. 12
    Julia

    Danke, Max. Denselben Text habe ich hier mündlich auch gerade losgelassen.

    Und zu der „Minderheit“: Politbarometer vorgestern: 72% der Befragten finden die Proteste gegen die Castortransporte richtig. Wer ist hier in der Minderheit?

  13. 13

    @Andi: Darum gehts doch aber. Dass sich die Gegner spalten. Und es zum Kotzen finden, mit den anderen Atomkraftgegnern in einem Topf wahrgenommen zu werden. Diesen Topf müssen nämlich die Energieriesen auslöffeln.
    Natürlich ist es zu Recht illegal, zu schottern. Aber herrje, es gibt Schlimmeres, Gewalt gegen Menschen zum Beispiel.

  14. 14

    @max: Danke, Max! Kraft meines mir selbst verliehenen Amtes als Gutmensch (ernst gemeint, wir brauchen mehr davon) verleihe ich dir hiermit den Titel „Gutmensch des Tages“ für deinen Kommentar. Du kommst damit billiger ins Kino, wirst von fremden Menschen auf einen Tee eingeladen und darfst eine Woche lang umsonst Zug fahren. Du hast es auf genau den Punkt gebracht, auf dem noch viele Punkte zu sehen sind, wenn man genug reinzoomt. Und wir zoomen gerade alle kräftig, wie mir scheint.

  15. 15
    Elblette

    Aber Ghandi findet Ihr alle toll, was? Zugegeben, er hat sich nicht gegen eine demokratisch legitimierte Regierung gerichtet. Aber es gibt immer Fälle, in denen man sich – gewaltlos – wehren muss und natürlich nimmt man dabei an, dass man moralisch Recht hat. Ich sehe nicht, wieso das schlimm ist? Ich würde mich z.B. in den USA vor ein Gefängnis setzen, in dem jemand hingerichtet wird (wenn ich Amerikanerin wäre), weil mir mein moralisches Empfinden sagt, dass die Todesstrafe falsch ist. Alles demokratisch legitimiert übrigens. Als Bürgerin darf und muss ich ein Gewissen haben und dafür notfalls passiven Widerstand leisten. Und so lange dabei niemand beleidigt wird oder körperlich zu Schaden kommt hält die gute alte Demokratie das sehr gut aus. Ein bißchen Leidenschaft bringt Schwung in die Sache, wenn alle nur noch politikverdrossen vor sich hin schnarchen. Wenn es dann einen Bürgerentscheid zur Atomkraft gibt, verzichte ich gerne auf das mühsame Demonstrieren in dieser Sache und mache mein Kreuz. Bis dahin, siehe oben.

  16. 16
    maxe

    Ich finde Atomkraft schlecht. Ich möchte so schnell wie möglich auf regenerative Energien umsteigen. Wind- und Wasserkraft erscheinen mir gut. Der massive Neubau von Kohlekraftwerken schlecht. Wieso gibt es da nicht die gleiche Aufmerksamkeit?
    Ich frage mich: Wieso wird gegen die Castortransporte protestiert? Wenn der Müll erst aus Frankreich wiederkommt. Wieso wird nicht die Anlieferung von Brennelementen an die AKW’s blockiert? Das wäre doch gegen Atomkraft, gegen die Erzeugung von Atommüll. Wenn die Castoren Rollen, sind die Fakten doch schon lange lange geschaffen. Dann geht es nur noch darum, wohin mit dem Müll. Die Proteste im Wendland nehme ich daher in erster Linie als „Wir wollen HIER keinen Atommüll“ wahr. Falls sich jetzt die Merkel mit dem Putin einigt, dass der Müll in Sibirien verklappt wird, dann helfen die Wendländer doch sicher beim verladen.

  17. 17
    max

    hey form,
    danke für den netten titel. ich bin auch gerne gutmensch und bin tatsächlich witzigerweise heute ins kino eingeladen worden. banksy, „exit through the gift shop“ (streetart, sicher auch so eine sache, die die kais dieser welt nicht verstehen oder akzeptieren können :-)).

  18. 18
    Baumfee

    @max: Danke für Deinen guten Kommentar, ich war auch dabei, sowohl als auch, und kann dem was Du geschrieben nichts hinzufügen: sehe es genau so.
    Mir ist es fast schon peinlich, dass sich dauernd Menschen bei mir bedanken.

  19. 19
    c.

    @drehtür geld an die tafeln zu spenden ist nicht sozial, sozial ist es, dafür zu sorgen, dass alle menschen ein erträgliches auskommen, wohnraum und genug (gesundes) essen haben – und nicht bürgerliche gewissensberuhigung auf einem feld, auf dem der staat einfach versagt (hat).
    und zum thema: meinen dank an alle, die sich dieses jahr, ob auf schiene, baum oder strasse, den arsch abgefroren haben – virtuelles schulterklopfen ;) – an alle, die das auch bei allen anderen castor-transporten gemacht haben und weiterhin machen werden.
    gute besserung an den baumkletterer und alle anderen verletzten demonstrantInnen.
    und vergesst die kais und andis dieser welt!

  20. 20

    @max: Na siehst du, es wirkt! Kannst du mir mal an form ät fifaform punkt de schreiben? Dann muss ich das nicht hier in den Kommentaren machen :).

  21. 21
    S. Schwarzmeister

    @Baumfee: Anscheinend hast du aber Exit Through The Gift Shop nicht verstanden, denn da geht es nicht wirklich um Streetart ansich ;)

  22. 22

    @S. Schwarzmeister: Anscheinend hast du versäumt, überhaupt richtig zu lesen, was du kommentierst :). Erstens war nicht Baumfee in dem Film, zweitens schrieb Max von dem Film, bevor er reinging, hätte also schwer etwas „verstehen“ können und drittens klingt dein Post sehr belehrend, was gar nicht nötig wäre.

  23. 23
    S. Schwarzmeister

    @form: Leider hast du in allen Punkten recht.

  24. 24
    Nico

    @drehtür:

    Du hast leider nicht den Deut von einer Motivation durchblicken lassen, dich mit dem Thema zu beschäftigen.

    Es geht in erster Linie um die Umwelt. Und gleichzeitig um das Soziale.

    Denn der Atommüll hört leider nicht gleichzeitig auf zu strahlen, wenn wir die Atomenergie abschaffen sondern noch Millionen Jahre weiter.

    Bis dahin haben sich ein paar Leute an der Spitze von großen Energieversorgern und Hochtechnisierten Unternehmen wie Siemens ein Vermögen von tausenden nachfolgenden Generationen gestohlen, die die Kosten für die Endlagerung tragen müssen, die den Nutzen, die Atomenergie über ein paar Jahrzehnte gebracht hat, ins unkalkulierbare übersteigt.

    Das nennst du im Ausmaß der sozialen Ungerechtigkeit unnichtig? Das ist die größte soziale Ungerechtigkeit, die nicht mit körperlicher Gewalt zu tun hat.

    Aber um das zu erkennen, muss man halt einen weiteren Horizont als von der Bild bis zu den RTL II News haben.

  25. 25
    loko

    @Kai: Amen
    @Kai: Amen.

    Werden aber die wenigsten Gegner verstehen. Demokratie ist für die nur solange gut, wie sie zu ihren Gunsten läuft. Ansonsten sind diese Leute nichts weiter als Anhänger von Diktaturen. Und die Toleranz für Zerstörung und „zivilem Ungehorsam“ geht bei denen immer nur soweit sie nicht selbst betroffen sind. Bei einer Sitzblockade im eigenen Vorgarten mit „schottern“ im Blumenbeet würde deise Personen sofort die Verhaftung und Hinrichtung der Demonstranten fordern. Ich kenne einige solcher „Spontis“ (hab genug als Nachbarn) – wenn bei denen nur 5min die Einfahrt zugeparkt ist, dann wird aber der ratzfatz der Ordnungsdienst gerufen. DAS ist die tägliche Lebenswirklichkeit und nicht „Kumbaya, My Lord“-Gesänge auf der Schiene.

    Die sollen alle die Grünen wählen um dann – mal wieder – festzustellen, dass dann auch Trittin zum Realpolitiker wird und – mal wieder – die Blockaden des Castortransports verurteilt (alles nachzulesen aus seiner Regireungszeit). Und ja, auch Stuttgart 21 kommt mit den Grünen an der Macht – nicht ohne Grund sagt der liebe Cem nicht glasklar, dass dem nicht so ist, sondern windet sich mit „das werden wir nach der Wahl prüfen“. Ja nee, is klar.

    Alles Heuchler eben.

  26. 26
    Nico

    @loko: Und für dich soll Atomkraft also gut sein? Bewach du doch einfach den Castor und Gorleben. Und trag bitte die Kosten für die Endlagerung. Sind bestimmt nur so ein-zwei Euro. Oder?

  27. 27
    loko

    @Nico: Ich habe nie behauptet das Atomstrom gut ist (wobei ich ihn besser finde als die klima/luftverpester Kohle/Gas/Öl KW -> dafür würde ich sogar noch neue Meiler bauen um alle von den Drecksschleudern abstellen zu können). Und das dämliche Argumente mit den Kosten … ich kanns nicht mehr hören. Ich zahl die Kosten für die Zwischenlager (und „Endlager“ bis die Wissenschaft ein Weg des recycling gefunden hat), wenn du die Subvention für Solar/Wind (zzgl. die Kosten für den hochgiftigen Müll den die produzieren) übernimmst. Deal?

    Aber darum ging es nicht in meinem Post, sondern um das schräge Demokratieverständnis mancher und deren widerlichen Doppelmoral. Das Thema ist meist austauschbar.

  28. 28
    xconroy

    @max:

    solche Posts sind der Grund, warum ich mir Flattr für Kommentare wünsche.

    [hier stand noch ein längerer Text, der Kais Posts auseinandernahm, was nicht ganz so schwer ist, bei den vielen Schwachstellen. Nur: wozu? Ich merke idR, wann Diskussionen sinnvoll sind und wann nicht, und Wortwahl und Satzbausteine („blabla Linksaußen bla“ „immer“ „alle“) sind da meistens hilfreiche Hinweisgeber. In solchen Fällen verschwende ich keine Energie und halte es mit „du hast Recht und ich hab meine Ruhe“. Dabei könnte man *tatsächlich* sehr interessante Diskussionen führen, sowohl über Demokratiedefinitionen als auch über eine mögliche Zukunft der Atomkraft (die rein technisch gesehen gar nicht zwangsläufig immer so gefährlich bleiben muß, wie sie jetzt ist). Aber das dann bitte mit anderen Leuten und nicht mit Kais und erst recht nicht mit lokos, die wie ein rechtskonservativer Chatbot rüberkommen in ihrer ganzen Langweiligkeit. So, jetzt gebt mir Gutmenschennamen]

  29. 29
    loko

    @xconroy: Ich hab noch keine so lange Erklärung [in Klammer] dafür gelesen, warum man eigentlich nichts schreiben will. In Wirklichkeit willst du doch bestimmt ganz viel tolles schreiben um das dann immer wieder selbst zu lesen, oder? Ich find dich auf jeden Fall lustig. Also weiter so, auch wenn du dich inhaltlich nicht mit Gegenansichten auseinander setzen kannst und versuchst andere Ansichten durch dümmliche Aussagenzu diskreditieren, wie im vorigen Post. Allein schon, dass du Wortwahl wie „Linksaussen“ kritisierst und dann selbst „rechtkonservativer Chatbot“ schreibst macht doch deutlich wievie man auf deine Meinung geben sollte.

  30. 30
    Nico

    @xconroy: Ich dachte solche Schwarz-Gelben Schnacksoldaten interessieren vielleicht Kosten eher, als Moral.

    Zu deinem Subventionsvergleich Atomstrom vs. Alternative Energien. Abgesehen davon, dass Atomkraft weltweit nicht einmal 10 Prozent des Stroms erzeugt..
    ..wurde er auch mit Staatsmilliarden gefördert.

    Alternative Energien haben Zukunft. Ich bin investiert. Du auch?

    Aber zu der demokratischen Legitimation dieser Proteste. Es gibt eine überwältigende Mehrheit, die mit den Protesten gegen Atomkraft sympathisiert. Ermittelt aus repräsentativen Umfragen.

    Es gibt eine Mehrheit gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg.

    Warum handelt die Regierung dagegen? Weil die etwas von dem Kuchen der Energieversorger abhaben wollen, wenn sie nach ihrer Politkarriere schön in deren Aufsichtsräten Platz nehmen oder als Berater auf deren Gehaltsliste kommen.

    Wo unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, will ich sagen.

    Und ganz nebenbei. Was hälst du von dem Punkt, mit den Unruhen auf Grund der Diskriminierung der Schwarzen. Waren die auch nicht legitim, weil sie mit einem perfiden Law-and-Order-Ansatz nicht direkt übereinstimmen?

    Wer macht denn die Gesetze? Und für wen?

  31. 31
    drehtür

    @Nico: Was substantielleres als Beleidigen bringst Du aber schon, oder?

    Wohin, wenn nicht in ein Endlager denn dann?
    Was schon mal da ist kann man nicht weg schottern.

    Warum die „überwältigende Mehrheit“ nie die Partei wählt, die Atomausstieg, soziale Gerechtigkeit, Mindestlohn und einen Abzug aus Afghanistan im Programm hat wundert mich auch, kleiner Tipp, es sind nicht die Grünen oder die SPD, die hatten btw auch die Chance dazu.

    Wenn schon GP von einer Erhöhten Strahlenbelastung um die Transporte herum schreibt, dann sind die Blockaden der Transporte in etwa so, als würde man die Reparatur eines Leck geschlagenen Öltankers behindern.
    regt auf, schadet aber in erster Linie mal.

  32. 32
    Nico

    @drehtür: Womit deutlich wurde, dass du tatsächlich keinen Funken Interesse daran hast, dich in die Motivation der Castorproteste einzufühlen. Es geht nicht darum, ein Endlager zu verhindern.

    Es geht darum, die Idiotie, die hinter Atomkraft steckt, anzuprangern.

    Was die Vorzeigepartei angeht- vielleicht mag es an unseriösem Personal mit Stasi- oder zumindest SED-Vergangenheit liegen. Oder daran, dass sie nicht regieren wollen, weil sie alle anderen Parteien doof finden und sich in der Rolle der meckernden Opposition gut gefallen. Die haben ja richtig Angst vor Regierungsverantwortung. Aus Angst vor der Realität. Denn in der Regierung würden sie erstmal merken, dass ihre ganzen großen Sprüche eben nicht so leicht in Taten umzumünzen sind.

  33. 33
    drehtür

    @Nico: Und Idiotie prangert man am besten damit an, dass strahlendes Material länger in der Gegend herum steht?

    Muss unglaublich viele Ex SEDler geben zum Beispiel bei den linken SPDlern die in die Linke gewechselt sind, weil mit rot/ grün keine soziale Politik zu machen ist.

    Finde ich aber erstaunlich, dass gerade Du argumentierst, wie man es von Bild und RTL 2 Nachrichten erwarten würde.

  34. 34
    Nico

    @drehtür: Die Linke hat mehrfach Chancen vertan, in der Realpolitik ernst genommen zu werden. Natürlich hätten wichtige Leute aus SPD und Grünen auch couragierter sein können, was den Umgang mit der Linken angeht. Allerdings sind sie es aus gutem Grund nicht gewesen.

    Mit einer Partei, die sich scheut, die SED- und Stasivergangenheit ihrer Abgeordneten aufzuarbeiten, würde ich auch nicht koalieren wollen.

  35. 35
    loko

    @Nico: Klar bin ich investiert – ich zahle ja Steuern wie blöd. Irgendwer muss ja die Subvention zahlen, die u.a. die Solardächerfreunde bei ihrer Einspeisung da schön abgreifen.

    Es gab/gibt auch eine Mehrheit gegen den Euro, gegen die EU, gegen den Islam , gegen gegen gegen -> Gilt da auch … „Wo unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, will ich sagen.“ .. oder nur wo es dir gerade passt? Wenn jeder so egoistisch/dümmlich handeln würde, wie die Atomkraftgegner, dann könnte man Deutschland dicht machen oder was meinst würde passieren wenn z.b. die Islamkritiker aus der Mehrheit von repräsentativen Umfragen die Legitimation sehen würden vor jeder Moschee zu protestieren (das dürfen sie ja) und dort das Minarett „wegschottern“ (das dürfen sie nicht)?

    Wie gesagt – die Heuchelei kotzt mich an.

  36. 36
    Nico

    Richtigstellung
    Das Video über den prügelnden Sanitäter hat wohl allerorten die Gemüter erhitzt. Ich als Rettungsassistent bei einer Hilfsorganisation mit einem großen roten Plus als Logo möchte hier nur aufs schärfste betonen, dass diese Person KEIN MITGLIED einer Hilfsorganisation in Deutschland ist, sondern ein Polizeibeamter(jede Hundertschaft hat normalerweise einen Trupp mit medizinischem Personal dabei, das sind normale Beamte mit einer zusätzlichen Sanitätsausbildung) einer Bereitschaftshunderschaft.
    Auch diese Sicht auf die Dinge lässt seine Handlung in keinem besseren Licht erscheinen, er macht auf Umstehende den Eindruck auf Zugehörigkeit zu einer Hilfsorganisation wie DRK/ASB/Malteser/Feuerwehr usw.
    Er müsste bei einem Notfall, ganz egal ob der Patient ein Beamter oder ein Demonstrant ist, diesem Hilfe leisten, ansonsten macht er sich der unterlassenen hilfeleistung strafbar. Durch seinen HIRNLOSEN Einsatz hat er allen ECHTEN Rettungskräften in Deutschland einen Bärendienst erwiesen, welche sich aus derartigen Ausseinandersetzungen heraushalten und Neutralität bewahren.
    Für uns Rettungsdienstmitarbeiter ist es nicht von belange, ob der Patient, welcher Hilfe braucht, das opfer oder der Täter ist. Wir machen keinen Unterschied zwischen politischen Ansichten, für uns sind Hautfarbe wie auch Glaubensrichtung nebensächlich und wir helfen ohne Vorurteil dem Millionär wie auch dem Obdachlosen.
    ich bitte euch, alle anders lautenden Blogs,Videounterschriften und Berichte zu berichtigen. Helfen ist unsere Losung
    vielen Dank
    PS: wer sich die andere Videoperspektive auf Youtube anschaut, wird bemerken, dass dieser Herr eine Dienstwaffe am Gürtel trägt, und über eine Solche verfügen ECHTE Rettungskräfte beim besten Willen nicht:-)

    Ach ja, ich bin ein andere Nico als der weiter oben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  37. 37
    wasserbauch

    Zum Thema die Mehrheit der Bevölkerung:
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/irrtum-in-der-energiepolitik/1968720.html

    Man kann ja jetzt streiten wie repräsentativ solche Umfragen sind. Aber sie zeigt eine klare Tendenz.
    Nämlich das sich ein selbsternannte Elite intellektuell überlegen fühlt, weil sie gegen diesen Transport protestiert und denkt sie steht damit für die Mehrheit der Bevölkerung.

    Es ist Zeit mal grundlegend, sachlich und vorallem emotionslos über Energie zu reden. Dabei dürfen Windräder nicht per se gut sein und Kernkraftwerke per se böse gemacht werden. Kaum etwas ist so unökologisch wie Solaranlagen aus China um die halbe Welt zu schippern und in einem Land aufzustellen in dem die Sonne eine gemittelte Energiedichte von 110W/m² bringt…

    Kernkraft mit allen Perspektiven, Vorteilen und Gefahren passt nunmal nicht auf einen Greenpeaceflyer. Nicht umsonst füllt das Bücherbände.

    Zusätzlich wird es Zeit, das man Wissenschaft und Politik wieder stärker trennt. Ich kann gegen die aktuelle Politik sein und trotzdem gegen ein Abschalten der AKWs.

  38. 38
    Nico

    @loko: Du machst dich mit deinem Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen leicht lächerlich.

    Widerstand gegen ganz offensichtlich Wangentätschellobbyismus zu Lasten DES GESAMTEN VOLKES stellst du Fremdenfeindlichkeit gegenüber ZU LASTEN DER FREMDEN. Funktioniert mal gar nicht. Sorry.

  39. 39
    max

    bei all diesen ungaren vergleichen zwischen atomkraftgegnern und rassisten etc. fällt mir nur ein: sorge um eine lebenswerte welt für nachfolgende generationen, die man gegen finanzinteressen von konzernen durchsetzt ist nunmal nicht das selbe wie die sorge um das bestehen des „deutschen volkes“, die man gegen die eigenen mitbürger durchsetzen will.
    es gibt auf der welt in allen möglichen (kapitalistischen) demokratischen staaten das recht des geldes/eigentums. wer das eigentum hat, darf damit machen was er will (z.b. darf coca cola in indien den grundwasserspiegel um zig meter absenken, weil der konzern auf seinem land nunmal wasser fördern darf, so viel er will, ohne dass es von belang ist, das die außenrum lebenden menschen plötzlich leere brunnen haben und stundenlang zum nächsten wasserführenden brunnen laufen müssen). das kann man richtig finden, fällt mir allerdings schwer. nun kann ich sagen: wir leben ja in einer demokratie, da darf ich nicht gegen die gesetze handeln, die die mehrheit beschlossen hat, oder ich folge letztlich doch meinem gewissen, weil ich weiß, dass eine (kapitalistische) demokratie nur bedingt geeignet ist, sich gegen die interessen des geldes durchzusetzen.
    weiterhin kann ich guten gewissens sagen, dass eine noch so demokratische demokratie nicht berechtigt ist, die welt für die menschen nach uns unbewohnbar zu machen. oder anders. die jetzt lebenden menschen können nicht per mehrheit beschließen, den menschen nach uns das leben zu versauern. ich weiß, dass das in seiner konsequenz ein radikaler ansatz ist, weil wir alle gut dabei sind, allein durch unser konsumverhalten das leben der menschen nach uns zu verunmöglichen, aber ich finde radikal ja auch nicht zwingend falsch. und gerade zum thema atomkraft kann man ganz einfach sagen, dass wir der nachwelt einen katastophalen müllberg hinterlassen. schon heute gibt es einen wissenschaftszweig, der sich nur damit beschäftigt, wie eine symbolsprache auszusehen hat, die auch eine ganz anders geartete zivilisation nach uns noch begreift, damit wir z.b. atomare endlager als „hier lauert der tod“ kennzeichnen können.
    wer meint der atomkraft den treibhauseffekt entgegensetzen zu können den wir durch mehr atomkraft bekämpfen sollten, wer als den teufel mit dem beelzebub austreiben will, der soll bei greenpeace nachlesen. damit setze ich mir hier nicht auseinander.

    was ich eigentlich sagen will ist: auch in einer demokratie läuft nicht alles richtig, sonder nur vieles weniger falsch als in einer anderen gesellschaftsform. wenn ich etwas für absolut falsch halte, es mit meinem gewissen nicht vereinbaren kann, dann muss ich auch der demokratie dafür eintreten (können). wenn man nun versucht dem mit härteren strafen zu begegnen, dann sorgt man bestenfalls dafür, dass sich offenes (gewaltfreies) gesellschaftliches eintreten für eine sache in klandestines (möglicherweise gewalttätiges) eintreten verwandelt und ich entmutige menschen, ihr herz in die hand zu nehmen und für das einzustehen, was ihnen wichtig ist.
    und noch mal zu den doofen islamhasser-vergleichen: auch in einer demokratie ist liebe erstrebenswerter als hass, achtung vor dem leben erstrebenswerter als verachtung für das leben (anderer).
    demokratie ist keine mathematik und rechtspositivismus nicht ausreichend, auch wenn der ansatz wegen seiner scheinbaren logik sehr verführerisch ist.

    p.s. wenn ich was von „selbsternannten eliten“ lese, die sich „intellektuell übrlegen fühlen“, dann wird mir ganz anders, denn die feindschaft zu „den intellektuellen“ hatten noch die anhänger jeder despotie, diktatur und unrechtsherrschaft miteinander gemein.

    p.p.s. ich weiß nicht, wie plötzlich linkenbashing (hier speziell gegen die partei „die linke“) hier in die debatte gerutscht ist. gehört die immer zwingend dazu, wenn auf spreeblick was liberales/humanistisches/anderweitig progressives geschrieben wird?

  40. 40
    drehtür

    @max: Das ppS. ist einfach zu erklären. Es missfällt halt, wenn die „sich links fühlen“ Butter vom grünen Brot genommen wird.
    Dann muss halt schon mal „gebasht“ werden.

  41. 41
    Jörg

    Genauso wie viele nicht begreifen, daß der Castor in eine Halle im Wald und nicht in den Salzstock gebracht wird, ist es trotz vieler allgemeinzugägnlicher Quellen oofenbar nicht angekommen wer sich hier im Wendland querstellt. Als doch recht bürgerlicher Angestellter mit zwei Kinden der täglich ins Büro geht war ich nur beim Widerstand light. D.h. in der Blockade beim Zwischenlager – auf der Straße. Bin mit dem Thema aufgewachsen, anfangs dafür (Kernkraft), langsam dagegen gewesen. Seit 1984 aktiv dagegen. Wenn wir nach so langer Zeit jetzt wieder deutlicher wurden – jeder ein bischen weiter ging – ist das unser Ernst. Keine Eventorientierung. Kein Wohlstandsthema. Es ist erniedrigend, wenn du nicht den Hof verlassen kannst. Wenn du die Kinder zu Verwandten bringst um ihnen diesen Ausnahmezustand zu ersparen. Für die Alten ist es wie Krieg. Einfach wegen der erdrückenden Anzahl der Uniformierten. Des Hubschrauberlärms. Der schweren Fahrzeuge. Der Kontrollen. Der vielen kleinen Gemeinheiten. Der Willkür. Wenn es hier zwischen Nebenwiderspruchdebatte und wer nicht dafür ist ist eine linke Zecke pendelt macht es mich nur noch traurig. Im übrigen ist eine gewählte Mehrheit im Kreistag gegen GORLEBEN als Zwischen- und Endlager. Die nüchterne Energiemix, Übergangsenergie – Debatte jetzt zu fordern ist perfide. Soeben wurde ein Konsens, der für uns ansich schon schwer zu schlucken war, auch noch in die Prorichtung aufgekündigt. Laufzeitenverlängerung. Jetzt sollen 4.400 Tonnen hochradioaktiver Müll hinzu kommen. Hier in eine Halle im Wald.
    Dann in einen politisch ausgesuchten Lagerort im Salz. Da es Entsorgung nicht geben kann wollte man bestmöglich verstecken. Das ist nicht lautlos gelungen. Früher hieß es die Ruhe auf dem Lande sei oft stille Wut. Die schweigende Mehrheit ist hier sowas von dagegen. Wir glauben übrigens nicht, daß wir die Guten sind. Polizisten sind hier nicht schlechter angesehen als anderswo und können prima beste Kumpel sein. Wir hatten in der Blockade Konsens auch kein „Haut ab“ oder anderen Blödsinn und keine Beleidigungen von uns zu geben. Und auch die am Ende noch dazugekommenen Schotterer hielten sich daran.
    P.S. In Harlingen gab es Schottern und Widersetzen, letztere doch eher bürgerliche Aktion war von Demonstrantenseite absolut friedlich. Wir haben bei den Schotterern genau hingesehen. Unterm Strich haben wir uns entschlossen – auch wenn dies TAKTISCH vielleich dumm ist weil es Angriffsfläche bietet und BILD und Co. die Verdummung leichter macht es als eine Aktionsform zu sehen die Respekt verdient. Die waren friedlich, schaut euch die Bilder genau an. Es gab wenige Autonome im Wald, es gab die brennbare Fllüssigkeit auf einem gepanzerten Fahrzeug. Und es gab Häme als dies nachher geputzt werden musste. Es gab in der Nacht Idioten, die in Dannenberg randaliert haben. Es gibt im Stadion immer wieder die selben Idioten. Fußball wird aber selten verboten …

  42. 42
    Kai

    @Jörg „Jetzt sollen 4.400 Tonnen hochradioaktiver Müll hinzu kommen. Hier in eine Halle im Wald.”

    Du hast völlig Recht. St. Florian möchte den Müll doch bitte woanders lagern.

  43. 43
    Jörg

    Guter Hinweis. Darum halten wir uns auch nicht für besser. St. Florian hat uns wachgeküsst. Vor Ort sollte man anfangen …

    Im Ernst: Bis es ein Endlager gibt ist es besser den Müll an den Standorten, z.B. den AKW’s, in Zwischenlagern zu lassen. Keine unnötigen Transporte. Kein weiterer Müll.
    Und: es ist eine Blechhalle. Inhärent sichere Kühlung der Castoren: unten und oben Löcher in der Halle, die Luft erwärmt sich an den Kühlrippen der Castoren und entweicht oben.

    Wichtig ist es über St. Florian hinauszukommen. Endlagermöglichkeiten vergleichen wollen „sie, die anderen“ ja gerade nicht. Bayern zum Beispiel. Das St. Floriansprinzip zu würdigen heißt aber nicht, nach Studium der Fakten nicht dagegen sein zu dürfen, obwohl ich hier wohne!
    Vielleicht läßt Du mir durchgehen, daß ich ersatzweise schon darauf bestehen möchte nicht wie jetzt vorgesehen sogar Atommüll nach Rußland zu transportieren sonder den in DE zu lassen.

    P.S. Auf der Großkundgebung wurde „Immer die Anderen“ von Kleingeldprinzessin gespielt. Sie soll auch da gewesen sein. Gerne mal bei Youtube suchen!

  44. 44
    Jörg

    Ach ja, St. Florian wird als Schutzpatron angerufen. Vor Bedrohungen und Gefahrenlagen. Dies uns vorzuhalten heiß ja immerhin die Bedrohung und Gefahrenlage anzuerkennen. Immerhin. Wir halten Radioaktivität für das größte Problem im Zusammenhang mit dem Müll den wir hinterlassen.
    Ich wünsche dies keinem anderen an den Hals. Daher fordere ich Ausstieg so schnell wie rechtlich möglich.

  45. 45

    Ein Thema zum Nachdenken. Wer mehr zum Thema wissen will.
    Ich habe einen Blog zum Thema „naturenergie“ eröffnet. Wer Lust hat, schaut einfach mal vorbei.

    Freue mich.

    Gruß Stefan

Diesen Artikel kommentieren