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Bundesliga 17

Hells Bells auf St. Pauli, der Aufsteiger hat es läuten hören. Zum ersten Mal seit langem wollen sie mal wieder mitspielen, schön spielen, mit dem Fußball, der sie hat aufsteigen lassen. Ablaufen statt abgrätschen, riskante Pässe in die Spitze statt hoch in den Rückraum, vielleicht sogar ausnahmsweise den ein oder anderen Angriff konsequent über eine Seite auszuspielen. Aber zwei Probleme: der Rasen hatte Akne. Und Mainz.

Mainz spielte es schnell und steil nach vorne, wo Szalai stand und ein Wort aus meinem Unterbewusstsein hervorzauberte, das ich längst verdrängt zu haben glaubte: er peste herum. St. Pauli vertendelte jeden Ball im Aufbau, es passten Lastwägen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Manchmal hatte man den Eindruck, einen Strandbuggy bei Paris-Dakhar zu erleben: jede Bodenwelle war eine zuviel, und sobald St. Pauli Gas geben wollte, lag einer am Boden.

Im Grunde war das Spiel nach einer halben Stunde durch: Zwei Mal hatte sich Mainz durch die etwas unbedarft und reglos staunenden Verteidiger gespielt, zwei Mal stand am Ende der Kette André Schürrle, zweinull. Dann schenkte Soto dem Gastgeber einen Elfmeter zu Weihnachten, Lehmann ließ sich nicht lange bitten: Anschluss. Ein Hauch von Spannung lag über den Landungsbrücken, dann kam ein Ball aus dem Halbfeld angesegelt, Oczipka begleitete Szalai wie ein Mops seine Dame auf dem Abendspaziergang, aber der ließ sich nicht irritieren und legte den Ball gefühlvoll ins lange Eck. Damit war das Spiel verfrühstückt, und St. Pauli kann sich in aller Ruhe auf nächstes Jahr vorbereiten.

Das wird wohl heißen, Standards zu trainieren.

Mein Favorit für das Tor des Jahres:

(Obwohl, der Robben hier…)

Die Sportbild ist mit Sicherheit eines der am wenigsten ernstzunehmenden Sammelbecken der an wenig ernstzunehmenden Fernseh- und Boulevardjournalisten eben nicht armen Sportpresselandschaften (siehe, z.B.). Aber: 479.058 verkaufte Exemplare pro Woche, auflagenstärkste Zeitung in Europa. Ein Glück, dass es Sidan gibt, der einem das wichtigste in Kürze mitteilt, zum Beispiel:

Wann immer der FC Bayern in Sport Bild vorkommt, wird die Berichterstattung hauptsächlich von drei wiederkehrenden Motiven bestimmt:
a. der FC Bayern hat es drauf.
b. Vor allem hat es die Führungsetage des FC Bayern drauf.
c. Lous Van Gaal dagegen hat es nicht so drauf.
(…)

b: “Die Vorstands-Bosse haben das bei Bayern viel zitierte Heft des Handelns wieder in die Hand genommen”, “die Führung kauft den Kader ein, der Trainer darf daraus ein Team machen”, die vom Vorstand geholten Spieler Timoschtschuk und Gomez sind inzwischen Stammspieler, also darf sich “Präsident Hoeneß bestätigt fühlen”.

3 Kommentare

  1. 01
    tj

    so! hab das Video von Robben natürlich sofort geflagt, wegen Terrorismus.

  2. 02
    dré

    tor des jahres ’09?

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