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Bundesliga 18

Nuri Sahin steht verlegen vor der ARD-Kamera, denn Beckmann hat Fragen. Wie ein frisch gewaschener Wombat schaut er in die Kamera und grinst. Dass der überhaupt in der Lage ist, einen Zweikampf zu führen, geschweige denn zu gewinnen, meistens zu gewinnen, ist kaum zu glauben. Beckmann ist dementsprechend aufgeregt und fragt (ungefähr), ob denn nun er, Sahin, heute morgen mit einem Lächeln auf den Lippen aufgestanden wäre, das wohl was mit der Meisterschaft zu tun hat, irgendwie, aber direkt wollte er die Frage nicht stellen, stattdessen sagt er fortwährend Sahins Namen in einer Betonung, wie man sie zuvor noch von niemandem gehört hat, er betont den Namen auf der letzten Silbe, er ist ganz schön stolz, dass er das so gut kann. Sahin schaut mit dem gebotenen Desinteresse links und rechts an der Kamera vorbei, wenn die Frage vorbei ist, zögert er kurz und antwortet gelangweilt, was Beckmann langweiliges wissen wollte. Da weiß man wieder, dass er das kann: den anderen auflaufen lassen. Wer das Interview während der Sportschau nicht gesehen hat, der kann sie immerhin hören und dem sei gesagt: es hatte was brandeskes. Andere Frisur, aber sonst.

Diese Abgeklärtheit, diese Coolness und gleichzeitig auch die damit einhergehende Respektlosigkeit, das ist es, was Dortmund momentan auszeichnet. So ist das, wenns läuft. Wenns läuft, dann läufts, da helfen keine Windeln.

Nichtsdestotrotz bin ich einigermaßen verwundert über die Lobeshymnen angesichts des Spiels: denn es sah eben nicht alles „ganz leicht aus“ (Daniel Theweleit, SpOn), Dortmund spielte nicht wie das „Maß aller Dinge“ (Kicker), das war vielmehr ziemlich eng.

Was den Auschlag gab, war zweierlei: erstens, als Voraussetzung, das Spielsystem. Im Mittelfeld waren die Räume viel zu eng, es ging zu wie bei berliner Kaufhauseröffnungen, und immer stand ein Dortmunder mehr mit auf der Rolltreppe. Gerade Sidney Sam, der bisweilen ein paar Grashalme braucht, um sich mal drehen zu können, war komplett zugeparkt. Dass es mit den schnellen, überraschenden Pässen in die Spitze nicht geklappt hat, mag auch an den Bender-Zwillingen gelegen haben: die habens nicht so mit den sauberen Bällen, das scheint genetisch nicht veranlagt zu sein.

Das hätte bestimmt nicht gereicht, wenn nicht Manuel Friedrich ein Einsehen gehabt hätte. Mit seltenem Großmut und großväterlicher Nachsicht schenkte er Klopps Jürgen zwei Mal einen Freudentanz, der ihn zum idealen Werbeträger für die Wii Fit machen dürfte. Erst verbaselt er einen Dortmunder Einwurf, dann steht er Kilometer weit neben sich, zwei Tore, Klappe zu. Großkreutz legt in einem Reflex den Finger an die Lippen, man weiß nicht, wen er zum Schweigen bringen will: vielleicht Beckmann.

Heynckes aber, der Vidal auf der Bank gelassen hat, das System umgestellt und sich im offensiven des kompletten kreativen Potentials beraubt hat, der dürfte sich jetzt in den Arsch beißen. Oder Vidal wird ihm in den Arsch beißen. Keine Meisterschaft für Leverkusen, dafür sah die Bayer-Defensive mal wieder aus wie das Meisterschaf.

Klar wars das jetzt, wenn nicht Himmel und Erde zusammenstürzen, mit dem Titel für Dortmund. Statt das jetzt Woche und Woche wieder aufzuschreiben, wünsche ich mir, dass Sportberichte nicht vom Ergebnis her geschrieben werden. Okay, wenigstens: nicht nur.

Alldieweil, in Spanien:

[via]

Momentan – ich weiß nicht recht, wie lange noch – läuft beim Trainer drüben die Wahl zum Sportblogbeitrag des Jahres. Es sind ein Haufen schöner Beiträge, zum Beispiel über Drogen, Sekten und Autos. Umso stolzer bin ich, dass mein Pavel Kuka es auch reingeschafft hat. Wer sich einen kurzen Überblick verschaffen will, kann das bei der Spox-Blogschau tun. Geht hin und wählet euren Favoriten!

12 Kommentare

  1. 01

    Lieber Fred,

    danke dir für den Artikel.
    Mein Favorit ist:
    http://www.sportschau.de/sp/layout/jsp/komponente/mediaseite/index.jsp?id=113141#mbContent

    Die Sportreporter sind oftmals sehr angespannt, weil sie immer mit den dümmsten zu rechnenden Antworten eine klar definierte Arbeit abliefern
    müssen.
    Wobei ich nicht verstehen kann,
    weshalb die Erwartungshaltung
    an die Zuschauer solche Dimens-
    ionen annimmt.

    Die im Internet als ‚Ausrutscher‘ bezeichneten Filmbeiträge sind noch vor
    den ’süsses Baby‘ und ‚Tollpatschige Welpen‘ an erster Stelle zu finden.

  2. 02

    also die einzige mannschaft, die dortmund noch auf dem direkten weg zum titel stoppen kann, ist hannover 96. eindeutig!

  3. 03
    Fred

    @PiPi: Ja, das versteh ich auch nicht: die produzieren für den dümmsten anzunehmenden Zuschauer. Warum, versteht kein Mensch, weil kein Mensch so dämlich ist, wie das das Konzept vorsieht.

  4. 04

    @Fred:
    Deine Interpretation
    lässt keine Frage offen dastehen.

    Schön, wenn man sich versteckt,
    um reichlich Raum zu schaffen,
    damit andere ihre Meinung o.
    gar ihr Wissen mitteilen dürfen.

  5. 05

    Bis heute Abend, 0h, läuft die Wahl. Danke fürs Erwähnen!

  6. 06

    Ja, der Herr Beckmann – Immer auf der Suche nach DER Story, leider hat ihm noch keiner gesagt, dass er die im Fussball nicht finden wird.
    Dortmund sollte tatsächlich durch sein, der Vorsprung ist konfortabel und zudem drängt sich keine Mannschaft wirklich auf, die einen ähnlichen Lauf wie Dortmund in der Hinrunde hinlegen könnte.

    Wer Interesse hat, hier ein Link ( nichtkommerziell) zu einem Audio anlässlich eines Follow-Friday auf Twitter. Thema: Fussballspiel Twitter vs. Facebook http://bit.ly/a6BzhH

  7. 07

    Da muss in dieser Stelle doch Herrn Beckmann (und seine Kollegen) ein wenig in Schutz nehmen. Nicht alle Bundesliga-Spieler sind unbedingt „geistige Schwergewichte“, auch nicht die der Borussia. Allerdings sollte man sich bereits vor einem Interview ein wenig auf die Fragen vorbereiten, die dann auch auf den Spieler und dessen Niveau zugeschnitten sind. Das gehört zum Job.

  8. 08

    Dass alle Kommentatoren seit Jahren versuchen, Hannover totzuschweigen.

  9. 09
    fred

    @Danielinho: Da ist was dran. Ich gelobe Besserung. Man muss aber auch mal ganz ehrlichs agen, dass die keinen ansprechenden Fussball zeigen. Erfolgreich, aber hässlich.

  10. 10

    Uns Dortmunder kann keiner mehr stoppen, wir erwarten jeden der gern feiern möchte zur Meisterschaftsfeier am Borsigplatz und auf dem Friedensplatz!
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Dortmund!

  11. 11
    Maddes

    faßbender hat aufgehört, thurn und taxis ist bei sky – bleibt halt nur noch beckmann als sportjournalistenobertrottel.
    wollen wir hoffen, dass markus lanz die lust am kochen nicht verliert. sonst wird es vollends unerträglich.

    bvb: wenn sie die nächsten 2 spiele nicht einbrechen, ist die saison gegessen. dann schmeckt das bierchen in der flora gleich nochmal so gut. ^^

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