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dead.com

Während ich bei Mashable die Story über 1000memories las, einen Dienst, der digitale Erinnerungen an Verstorbene sammelt, fiel mir eine unserer Ideen vor ein paar Jahren ein. Wir dachten darüber nach, was eigentlich mit unseren ganzen Online-Accounts und -Profilen passiert, wenn wir tot sind. In vielen Fällen würden einzelne Kontakte wahrscheinlich monatelang gar nicht merken, dass jemand gestorben ist, denn es hat ja (hoffentlich) niemand Zugriff auf meinen Facebook-Account, der dann als Statusmeldung „Bin jetzt tot.“ posten könnte. (Und wenn man mal darüber nachdenkt, fallen einem sehr viele Leute ein, von denen man schon ewig nichts gehört hat … was natürlich nicht gleich bedeuten muss, dass sie tot sind.)

Ein zentraler Dienst wäre also prima, dachten wir uns, bei dem alle relevanten Passwörter einer Person gesammelt werden und zu dem nur autorisierte Verwandte oder enge Freunde Zugang bekommen. Diese Personen könnten im Falle des Ablebens eines Menschen mit einem Klick eine virtuelle Todesanzeige an alle registrierten Dienste senden. Den Zeitpunkt könnte man mittels automatischer Mails abfragen: Würde die Hauptperson eine bestimmte Zeit lang nicht auf solche „Leben Sie noch?“-Mails reagieren, würde man davon ausgehen, dass die Antwort „Nein“ sein könnte.

Trotz einiger offener Fragen eine gute Idee für ein StartUp, dachten wir, und da keine Idee einzigartig ist, fanden wir wenig später einige Dienste, die genau diesen Ansatz bereits umgesetzt hatten.

Und nun frage ich mich, ob es diese Dienste wohl noch gibt, ob sie erfolgreich sind (also angenommen wurden), allein: Ich finde solche Dienste nicht mehr, kann mich auch an keinen bestimmten Namen erinnern (sind wahrscheinlich gestorben, scnr).

Kennt ihr Dienste, die so etwas anbieten? Es gibt außer Neugier keinen Anlass zu der Frage, aber ich kann mir vorstellen, dass die Nutzerzahlen nicht ausreichend sein würden, da wir uns alle ungern mit dem Tod beschäftigen, wenn es nicht unbedingt sein muss.

UPDATE donvanone hat in den Kommentaren eine Liste mit kurzer Beschreibung zusammengestellt, danke dafür!

18 Kommentare

  1. 01

    http://StayAlive.de war vor ein paar Monaten in meinem Feedreader. Hat auch mit Tod zu tun, geht aber in eine andere Richtung.

  2. 02
    Martin

    Auch super als WordPress-Plugin: Einmal die Woche wird eine E-Mail gesendet und wenn man den mitgesendeten Link nicht innerhalb von 24h anklickt, wird ein vorher geschriebener Eintrag gepostet (Tut mir leid, bin tot.)

  3. 03

    Dienste dieser Art kenne ich bislang nicht, habe mir die Frage aber auch schon öfter gestellt. Deshalb habe ich in einem Brief („zu öffnen im Falle meines Ablebens“) alle Passwörter aufgelistet.

  4. 04
    Scott

    So wie ich mit Fristen, Terminen und Mails umgehe, würde mich so ein Dienst wahrscheinlich dreimal pro Jahr für tot erklären.

  5. 05

    Wir stehen im Leben! Ich will nicht an anderes denken. Aber vermutlich zeigt hiesiger Artikel tatsächlich etwas auf, das für das Social Web und dessen humanen Aspekt wichtig ist, wird.

  6. 06

    Ein ähnlicher Punkt: Viele von uns haben und werden im Laufe ihres Lebens eine große Menge an digitalen Werken schaffen und die sollten nach dem Tod nicht einfach verschwinden. Sollte man im Testament regeln, das jemand die Domain- und Hostingrechnungen bezahlen muss. Ist so etwas rechtlich überhaupt vorgesehen. Und was passiert, wenn zB der Hoster zumacht, wer kümmert sich darum, dass das digitale Lebenswerk für die Ewigkeit erhalten bleibt?

  7. 07

    Todesnachrichten verbreiten sich durchaus auch ueber den Facebook account von Verstorbenen. Zumindest bei Facebook bleiben die Accounts von Verstorbenen vermutlich sehr lange online und Verwandte, Freunde und Bekannte posten dort auf der „Wall“, soweit dies so eingestellt ist. Mir sind mindestens zwei Faelle bekannt, einen habe ich auch persoenlich gekannt, den anderen „nur“ online ueber gemeinsame Interessen.

    Einer davon ist inzwischen ueber ein Jahr her, der Account war zumindest vor kurzem noch online. Am Anfang haben seine Freunde und Bekannten dort von ihm Abschied genommen, als ich das letzte Mal dort war kamen noch immer Erinnerungen, ein Jahr nach seinem Tod. Bei dem anderen vor ein paar Wochen hat sein Sohn die Todesnachricht gepostet, und seitdem posten dort Verwandte und Bekannte Erinnerungen.

  8. 08

    Ich habe heute nacht wieder mal die Puit-Soup von Florian Hufsky gelesen. Nichts weist darauf hin, dass er tot ist.

    Ich habe einen Teil des Quellcodes seiner Spiele archiviert. Aber sein Webserver ist weg. Und ich frage mich, wer mein Blog, meine Programme usw. hosten wird, wenn ich dann mal tot bin. Vielleicht wäre eine Internet-Todesversicherung ganz praktisch? Oder sollte man sich bemühen, einfach Mainstream genug zu sein, dass andere die eigenen Kreationen kopierpastieren? Eine prima Grundlage für einen Freval-Artikel.

  9. 09

    Ich beschäftige mich gerade im Rahmen meiner Master Thesis mit diesem Thema und habe festgestellt das „Digital Death“ mehr und mehr in das Auge der Öffentlichkeit gebracht wird. Es gibt mittlerweile unzählbar viele Dienste und eine relativ vollständige Liste kann auf dem Blog Digital Beyond gefunden werden: http://www.thedigitalbeyond.com/online-services-list/

    Facebook hat mittlerweile eine sogenannte „Memorial Site“ eingerichtet (das Profil des verstorbenen wird nur dem Freundeskreis angezeigt, keine Status updates usw.) und auch andere Social Networks müssen nachziehen, spätestens wenn es mehr Tote als lebendige User gibt.

    Ein sehr interessantes Thema. In meiner Arbeit beschäftige ich mich weniger mit dem finanziellen Erbe als mit dem persönlichen Wert das mit digitalen Daten verbunden wird. Die Frage ist: Von allen digitalen Daten die wir haben, was werden wir unseren Kindern vererben und wie können wir diese Daten zugänglich machen (z.B Erinnerungen und Geschichten einbeziehen)?

  10. 10

    Da macht doch die Liste mit den gespeicherten Zugangsdaten ( ob nun elektronisch oder auf Papier ) irgendwie noch einen zusätzlichen Sinn….

  11. 11

    Hm, mein reiner Link-Kommentar ist wohl dem Spam-Filter zum Opfer gefallen. Hier also nochmal die Links zu verschiedenen Anbietern, diesmal mit Text drumherum…

    https://www.mywebwill.de/
    „My Webwill ermöglicht Dir, Entscheidungen darüber zu treffen, wie Dein Online-Leben nach Deinem Tod gestaltet werden soll. Du kannst Deine Accounts deaktivieren, ändern oder weitergeben, wie Twitter, Facebook oder Deinen Blog. Nach Deinem Tod setzen wir Deine Wünsche um.“

    http://deathswitch.com/
    Imagine that you die with computer passwords in your head, leaving coworkers without access to critical files. Imagine your loved ones cannot find your bank accounts, or that you die with a secret that you longed to reveal during your lifetime. A deathswitch is an automated system that prompts you for your password on a regular schedule to make sure you are still alive.”

    https://www.slightlymorbid.com/
    „At the most basic level, this service is designed to give people a place to consolidate their personal online contacts. Enter email addresses, handles or names if you wish, update them as needed. Once your account is set up, the site will generate a certificate with simple instructions for a trusted third party. Put the certificate with your important papers, or give it to whoever is designated to handle your affairs in an emergency. If there is an emergency, your trusted person can use those instructions to send a notification message, or trigger messages you’ve written yourself.“

    http://legacylocker.com/
    „Legacy Locker is a safe, secure repository for your vital digital property that lets you grant access to online assets for friends and loved ones in the event of loss, death, or disability.“

  12. 12

    @donvanone: Danke! (Kommentare mit mehr als einem Link werden automatisch erstmal in die Warteschleife gestellt, dein erster Versuch war auch noch da, aber der hier ist ja schöner. :))

  13. 13
    HerrFausB

    Passig/Lobo würden zu so einen Dienst vermutlich schreiben:
    „Da wir zum wiederholten Male vergessen haben, uns rechtzeitig ‚lebendig‘ zu melden, wurde unseren Verwandten jedes Mal die gesamte Liste aller unserer relevanten Passwörter zugeschickt, die wir dementsprechend jedes Mal komplett ändern mussten.
    Inzwischen sind wir bei diesem Dienst abgemeldet und in der Schreibtischschublade liegt eine ausgedruckte Text-Datei mit den aktuellen Passwörtern. Ist genauso erreichbar und wesentlich stressfreier.“ :o)

    Was die Frage mit dem weiteren Umgang von digitalen zur Verfügung stehenden Werken und Daten natürlich nicht weniger spannend macht.
    Mir fällt eigentlich jetzt durch diesen Eintrag auf, dass man tatsächlich mal kurz überlegen sollte „Ist es mein Wunsch, dass meine Domains online bleiben, wer kriegt Zugriff auf andere Daten, sollen Blog-Einträge irgendwie erhalten bleiben und durch wen“ etc.
    Auch wenn es sich überwiegend um „Privatkrams“ handelt.

  14. 14

    Dass es solche Dienste gibt wusste ich gar nicht, habe mich aber auch noch nicht damit beschäftigt – zum Glück liegt das noch in ferner Zukunft. Aber interessant ist es schon. Nehmen wir mal an, man wäre eine bedeutende Persönlichkeit und hätte das Internet samt Facebook & Co. rege genutzt – entbrennt dann ein Streit um das Erbe der digitalen Daten oder gar um die Accounts selber?

  15. 15

    @Annika: zum Glück liegt das noch in ferner Zukunft
    Implizierend, du wüsstest recht genau, dass dich kein Autofahrer je übersieht usw.

  16. 16

    @erlehmann:

    Bei so einigen meiner Bekannten und Verwandten braucht’s da keinen unachtsamen Autofahrer fuer. Ebenso bei den bedeutenden Persoenlichkeiten.

    So jung ist das Internet gar nicht mehr, da sind mehr Leute mit einer 6, 7 oder sogar 8 vorne unterwegs als so manche von den Jungspunden die sich fuer die einzig wahre Internet-community halten glauben.

  17. 17

    @Annika:
    Liebe Annika,

    die Österreicher sehen so etwas eher Pragmatisch.
    http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/sterben-in-oesterreich-143695/

    Es einfach (tot-) laufen lassen.
    Ohne Zugangsberechtigung macht alles keinen Sinn.

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