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Bundesliga 24

Man müsste eigentlich über Dortmund reden, aber seit Wochen wird über Dortmund fortwährend das gleiche geschrieben, immer das gleiche geschrieben, durch die Bank wird das gleiche geschrieben, das gleiche das gleiche das gleiche, so sehr das gleiche, dass es eigentlich das selbe sein könnte. So abwechslungsreich das Dortmunder Spiel ist, so erschreckend uninspiriert sind die Fragen, die es aufwirft.

Gut, Dortmund wird Meister, und alle wollen gesehen haben warum. Viel rätselhafter allerdings, warum die andere Borussia, die Gladbacher, absteigen werden, denn das werden sie.

Wenn es für Gladbach eine Chiffre gibt, heißt die Igor de Camargo. Oder anders: es passt einfach nicht zusammen. Igor, das sind die helfenden Gestalten aus den Scheibenwelt-Romanen, die sich ergeben unterordnen und denen Narben eine Auszeichnung sind. De Camargo, das ist ein wohlklingender Künstlername, den Komponisten und Bildhauer trugen, den also die Aura des Ätherischen umweht. Das heißt natürlich nichts, ist aber hoffentlich genau deswegen so anschlussfähig.

Igor de Camargo hingegen steht vorne immer derart unangeschlossen in der Gegend, hätten die Gladbacher einen Kommunisten in der Abwehr, würde der Panzer nach vorne schicken. Man sieht schon, dass de Camargo was kann, dass er mit dem Ball umzugehen weiß, dass er gewandt ist und Ideen hat. Aber halt auch: fast immer die falschen. Und wenn er dann gegen Frankfurt das entscheidende Tor macht, holt er sich gegen St. Pauli die entscheidende Rote Karte.

Es ist eine Chiffre, keine Erklärung, denn eine schlüssige Erklärung für Gladbachs Niedergang fällt mir nicht ein. Natürlich gibt es die Verletzten, die vielen Fehlentscheidungen, es gibt das Pech, Borussias treuester Fan. Es gibt diese Unentschlossenheit, die die Gladbacher in entscheidenden Situationen, in entscheidenden Spielen an den Tag legen, es gibt einen Torwart, der bisweilen flattrig wie ein Traumfänger wirkt, und es gibt ein defensives Mittelfeld, das maximal jeden zweiten Zweikampf gewinnt. Und auch das nur widerwillig.

Warum Borussia Dortmund so erfolgreich ist, weiß ich, das muss ich nicht nochmal erklärt bekommen, vielen Dank. Aber was mit dieser intakten, kompakten Gladbacher MAnnschaft von vor einem Jahr passiert ist, das hätte ich doch ganz gerne nochmal erklärt.


Darauf einen Oskar:

An Englishman in Berlin: Was man so denkt, wenn man aus Ipswich in den Osten Berlins kommt, das hat Mills aufgschrieben. Allein wegen des Eingangskalauers hab ich Ketchup geweint:

It was the wurst of times. We travelled to the far, far east of the old East Berlin, to a magical place, a forest kingdom under the spell of… barbeque.

(via)

2 Kommentare

  1. 01
    Sebi

    Tja, diesen Satz mit der intakten Mannschaft hörte ich jetzt schön öfter und halte ihn schlicht für falsch. Schau mal auf die Tabellen der letzten beiden Saisons, da schlägt Gladbachs Gegentorkonto mit 62 und 60 Toren zu Buche. Das ist schon ein sehr kritischer Wert, der den Verantwortlichen aber anscheinend keinen Anlass gab in die Defensive zu investieren oder mindestens die Spielweise anzupassen. Der einzig gute Mann ist Dante, der diese Saison aber auch oft mehr als unglücklich agiert und Elfmeter gefühlt am laufenden Band verursacht. Er ist quasi der leidtragende unter der falschen Ausrichtung der Defensive bzw. der unzureichenden Qualität der Hintermannschaft.
    Vor zwei Jahren rettete man sich mit unglaublichem Glück am letzten Spieltag, letzte Saison erspielte man sich einen Lauf und damit eine Hinrunde über den eigenen Verhältnissen, so dass die sehr mäßige Rückrunde reichte um die Klasse zu halten und eigene Schwächen auszublenden.
    Anfang dieser Saison wurde ja schon seitens der Gladbacher vom Europapokal gefaselt, beflügelt durch das 6:3 in Leverkusen. Anscheinend blendeten die eigenen Tore über die (wie immer) vielen Gegentore hinweg. Was folgte waren regelmäßige Klatschen und ein Trainer der die Fehler überall suchte, aber nicht bei sich selbst. Auch das 4:0 im Derby gegen Köln ist so ein Knackpunkt gewesen: Wie eine Oase inmitten verdienter deutlicher Niederlagen sticht dieses Spiel heraus und täuschte das Team über ihre Defizite hinweg. Anstatt die Niederlagen aufzuarbeiten nahm man lieber diese tollen Siege als wahren Gradmesser der Stärke. Das hat Frontzeck zu verantworten und sein Busenfreund Max „Rautenpollunder“ Eberl bestärkte ihn noch. Wieso er damals Frontzeck holte, bleibt sowieso ein Rätsel. Der Mann, so nett er auch in Interwievs erscheint, trainierte vorher bereits Aachen und Bielefeld in die zweite Liga. Jetzt ist Favre da, allerdings viel zu spät um noch wirklich was rumzureißen. Zur Zeit steht man bei 59!!! Gegentoren und das ist noch glücklich wenn man bedenkt wieviele Tore alleine Wolfsburg mit weniger Pech hätte erzielen können am Wochenende.

  2. 02
    seb

    Kommt denn wohl noch die 25 ? Oder erfolgt das nur sporadisch?

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