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Je weiß nicht, où je gehöre

Die Bundesregierung widerspricht Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, türkische Kinder in Deutschland sollten zuerst ihre Muttersprache lernen. Die Regierung sei der Überzeugung, „dass das Deutschlernen in der Bedeutung dem Türkischlernen zumindest gleichgestellt“ werden müsse, ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel durch ihren Sprecher Steffen Seibert erklären. Vizekanzler Guido Westerwelle und die FDP forderten gar, türkischstämmige Kinder müssten zuallererst die deutsche Sprache beherrschen.

Ich verstehe das nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst zweisprachig bin. Und ich mich noch daran erinnern kann, wie das als Kind gewesen ist.

Mein Vater ist Franzose, meine Mutter Deutsche. Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Wir blieben nach meiner Geburt in Deutschland, weil: Zehn Prozent Arbeitslosigkeit dort, hier zwei Prozent. Es ging ums Geld, um Wohlstand. Wie bei den meisten Einwanderern.

Ein Kind kennt den Unterschied zwischen Sprachen nicht, Kinder sind kulturlos. Es gibt nur Laute. Es gibt Laute, die sind kindgerecht, die Vokale natürlich, das M, das Sch, das G. Es gibt Laute, die sind weniger kindgerecht, das Pf, das Kr, das Ng. Die sind schwerer auszusprechen, also spricht man sie nicht aus, wenn man die Wahl hat. Und die hat man als Zweisprachiger immer. Man sagt nicht Apfel, man sagt pomme. Man sagt nicht livre, man sagt Buch.

Mein Sprachzentrum hat sich dann gespalten, als ich in den Kindergarten kam. Dass ich deutsch kultiviert wurde, lag an der Beschränktheit meiner Umgebung. Weil die Kindergärtnerinnen kein Wort Französisch sprachen, verstanden sie die Hälfte meiner Ausführungen nicht. Schon damals war ich der Auffassung, wichtiges mitzuteilen zu haben, weswegen das ein untragbarer Zustand war: also sprach ich Deutsch.

Die Sprache ist zentrales Element der Integration. Ohne Frage: Jeder, der in diesem Sprachraum lebt, sollte auch Deutsch beherrschen. Mein Vater spricht immerhin fast Deutsch. Eine Art schwäbischen Dialekt mit französischem Zungenschlag und einem Wortschatz knapp über dem von Vin Diesel. Wäre ich nur bei ihm aufgewachsen, ich wäre ihm dankbar gewesen, wenn er Französisch mit mir gesprochen hätte. Damit ich immerhin eine Sprache beherrsche. Deutsch hätte ich später lernen können. Ich würde es vorziehen, mich ausdrücken zu können, auch wenn 95 Pozent der Menschen mich nicht verstehen. Was immer noch mehr ist als die komplette Menschheit abzüglich meines Vaters.

Aber man lernt nicht von Lehrern, die ihren Stoff nicht beherrschen: es wäre Unsinn, von meinem Vater zu fordern, mir den deutschen Satzbau beizubringen. Obendrein dann nicht, wenn er mir in der gleichen Zeit vernünftig Französisch beibringen kann.

36 Kommentare

  1. 01
    rob rob, der robert

    Ich habe bekinderte Freunde aus einem englischsprachigen Land, die praktisch kein Wort deutsch können. Die Tochter, nun fünf, spricht zuhause daher englisch. Im Kindergarten/Vorschule wird deutsch gesprochen, schon als Konsens, weil fast jedes Kind eine andere Sprache mitbringt. Dass so ein Schwerpunkt-Konzept (englisch zuhause, deutsch überall sonst (play dates gibt es ja auch) aufgeht, beweist die Sprachfähigkeit der Tochter.

    Der Anekdote fehlt es in diesem Kontext vielleicht ein bisschen an Pointe, aber ich hoffe, das nimmt man mir nicht übel.

  2. 02

    Gerade heute hat Jörg Lau Ähnliches geschrieben: http://blog.zeit.de/joerglau/2011/03/01/immer-arger-mit-erdogan_4687 (zumindest der Schlussabsatz dort).

  3. 03
    David Backhand

    Wo bleibt der Aufschrei der Didaktiker aus dem „Deutsch als Zweitsprache“ – Bereich? Als Grundschullehrer rate ich den ausländischen Eltern immer zu Hause die Muttersprache zu sprechen, insofern diese besser gesprochen wird als die deutsche Sprache. Das Kinder zu erst deutsch lernen sollen, auch wenn die Eltern diese Sprache selbst schlecht sprechen, ist aus didaktischer Sicht kontraproduktiv!

  4. 04
    Pan

    Aber Frédéric, mon frère, da hast du etwas verwechselt:

    M, Sch und G sind zwar im Französischen Vokale, im Deutschen aber nicht.
    ;)

    Ansonsten stimme ich voll zu, die Debatte ist recht sinnfrei, weil Kinder eh die Sprache lernen die ihr Umfeld spricht, einfach, weil sie kommunizieren wollen. Daran kann auch der sprachkompetente Guido nichts ändern. Amtssprache ist ansonsten Deutsch, und da sollte man schon mit klar kommen, wenn man in Deutschland lebt. Das ist in jedem anderen Land genauso.

    Heiße Luft..

  5. 05

    Wunderbar, mal was logisch durchdachtes zum Thema zu hören.
    Danke, Herr Valin.

  6. 06
    fault

    Da muss ich auch zustimmen. Sprache ist immer ein Korsett, dass die Gedanken in mitteilbare Stückchen schnürt, und wenn man das Einpacken nicht irgendwo erstmal vernünftig gelernt hat, dann … naja… kann man einpacken.

    (Allerdings, das Kind muss auch hören, dass die Eltern sich anstrengen, Deutsch zu sprechen, wenn sie mit anderen reden.)

  7. 07
    KOPNR

    Hm. Beide Sprachen zu lernen ist definitiv die beste Variante.

    Kinder die dauerhaft in Deutschland aufwachsen und hier leben sollten Deutsch lernen. Damit haben sie die besten Chancen sich in Deutschland zu verständigen.

    Wenn sie nicht in Deutschland beleiben wollen und sicher veraussagen können dass sie in ein paar Jahren sowieso in die Türkei ziehen, dann können sie auch Türkisch lernen. Das ist dann durchaus sinnvoll.

    Dabei ist es beinahe unwichtig welche Sprache die Eltern als Muttersprache sprechen.

    Wen nich Kinder hätte und in 3 Jahren nach Island ziehen möchte – für immer, mit meinen Kindern – dann brauche ich denen weder Deutsch, noch Polnisch oder Türkisch beibringen, dann ist es an klügsten wenn sie Isländisch lernen. Oder?

  8. 08
    eva

    @Pan:

    vermuntlich meinte er: die vokale ohnehin, obendrein das m, das sch und das g…

    egal.
    recht hat er jedenfalls. lernen nur von jemandem, der das sprachsystem beherrscht, sonst kommt am ende ein neues dabei raus…

  9. 09
    Frédéric Valin

    @KOPNR: Bis vor kurzem hätten Dir da die meisten Pädagogen recht gegeben. Aber inzwischen geht der Trend dahin zu sagen, dass es zumindest nicht schadet, wenn Deine Kinder Deine Sprache zuerst lernen. Wichtig ist, dass sie überhaupt eine Sprache gut lernen, dann tun sie sich mit dem Zweitspracherwerb viel leichter. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Es ist gut, wenn sie vernünftig Deutsch lernen, vor allem dann, wenn Du Isländisch nicht so gut beherrscht. Das ist erstens gut für ihre Identitätsfindung, und zweitens (fast wichtiger) lernen sie mindestens genauso schnell und gut Isländisch, sobald sie in Island sind.

  10. 10
    Hatem

    Das Problem einiger Eltern (man müsste eigentlich sagen: Väter) mit türkischem Migrationshintergrund ist ihre Haltung: Mein Kind lernt zu Hause Türkisch und Deutsch wird ihm dann in der Schule beigebracht.

    Die machen sich nicht klar, dass das Kind gut Deutsch sprechen muss, um dem Unterricht vom ersten Schultag folgen zu können. Mit dieser Einstellung geben sie ihren Kindern eine schwere Bürde auf den Weg. Und bereiten Unlust und, im schlimmsten Fall, Schulversagen vor. Mir unbegreiflich.

  11. 11
  12. 12
    Frédéric Valin

    @silentjay: Ich bin da etwas anderer Auffassung
    http://www.spreeblick.com/2008/12/05/grundgesetzlich-richtig/

    Und ich würde diesem Absatz widersprechen: „Sie würde aber sehr wohl eine Grundlage für Gesetzesvorhaben wie die Folgenden bieten, die immer wieder von Befürwortern einer verfassungsrechtlich verankerten Staatssprache erwähnt werden.“
    Der Satz würde in Art. 22 verankert werden, wäre also kein Grundrecht. Was da überhaupt einklagbar wäre, ist umstritten, aber bestimmt nicht eine „Verdrängung von Migrantensprachen aus dem öffentlichen Raum“.

  13. 13
    Matze

    ich denke, es geht nicht um die Frederics dieser Welt, sondern darum, dass Kinder in Familien aufwachsen, wo nur türkisch/arabisch etc. gesprochen wird, nicht in Kindergärten gehen, an Grundschulen kommen, wo die Mitschüler in den Pausen auch kaum Deutsch reden etc.

    Ich weiß, ist nur ein kleiner Teil, aber ein relevanter.
    Denn diese Kids verlieren Bildungschancen, sie können ja clever sein, aber ohne die Kenntnisse der Sprache des Wohnlandes wird es da schwer zur Schule zu gehen/Arbeit zu finden.

    Insofern stimme ich voll zu: Deutsch sollte mindestens gleich wichtig sein.

    Wären wir im UK, wäre es da eben Engisch.

  14. 14
    thinktank

    i ♥ u

  15. 15
    echtjetzt

    das ist ja eine Menge erziehungswissenschaftlicher, pädagogischer und didaktischer Input…
    aber wundert sich denn niemand, dass Herr Erdogan und Frau Merkel sich darüber streiten, welche Sprache die Kinder von türkischen Einwanderern zuerst lernen sollten?
    Ich finde das seltsam… und es gefällt mir nicht.

  16. 16
    Tom

    Hat diese Ansicht denn nicht lange, politische Tradition?

    Sogar als in Deutschland geborenes DDR-Kind fühle ich mich hier heimatlos. Nach der Wende wurde uns gesagt, alles was in unserer Kindheit passiert ist war Unrecht. Man durfte nicht darüber sprechen – sonst macht man sich verdächtig. Man darf es schon gar nicht gut finden – sonst ist man ein Linksradikaler. Meine ehemaligen Lehrer durften uns teilweise nicht mehr unterrichten. In der Schule mussten wir unsere Geschichtsbücher zerreißen, unter Aufsicht des Lehrers, dass auch ja niemand heimlich eine Seite vergisst.
    An neuen Lehrern und Unterrichtsmaterial bekamen wir das, was in Bayern und Hessen aussortiert worden war.

    Die neuen Medien erklärten uns, wie wir die Welt zu sehen hatten. Darüber, dass unsere Lehrer Verbrecher waren. Darüber, dass die Kindergruppe in der wir Hagebutten gesammelt haben, ein Faschistenverein war. Darüber, dass wir eine schlechte Erziehung hatten. Und darüber, dass man uns erst einmal beibringen müsste, wie sich ein „Bundesbürger“ zu verhalten habe. Abweichungen von der Norm wurden nicht toleriert.

    In der Schule wurde die Geschichte Ostdeutschlands nicht gelehrt – stattdessen wurde ausgerechnet Staatsbürgerkunde in „Sozialkunde“ umbenannt und weitergeführt. Kinder mussten die Kanzler auswendig lernen und welche Staatsverträge welche westdeutsche Regierung wann unterschrieben hat.
    Als ich im Unterricht verlangt habe, ich möchte die Geschichte des ganzen Deutschland lernen, nicht nur des westlichen Teils, wurde ich vom Unterricht ausgeschlossen.

    Seit 20 Jahren sind wir Bürger zweiter Klasse. Wir sind euer Billiglohnsektor. Gleiche Preise, gleicher Job, längere Arbeitszeiten – aber 1/3 weniger Gehalt und keine Gewerkschaften. Wir sind die Schmuddelkinder über die keiner spricht. Es ist peinlich „Ossi“ zu sein.
    Man siedelt über. Man tarnt sich als Einheimischer. Man spricht nicht darüber.

    Die westdeutsche Flagge mit der fetten Henne finde ich hässlich. Die Flagge meiner Kindheit ist gesetzlich verboten. Eure Nationalhymne, bei der man aufpassen muss welche Strophe man singt, könnt ihr behalten. Die Hymne meiner Kindheit ist gesetzlich verboten. Eure Kirchengruppen blieben für mich als Atheisten geschlossen, die Kindergruppen meiner Kindheit habt ihr verboten. Meine Mutter habt ihr „Rabenmutter“ genannt, weil sie gearbeitet hat für ihr Geld, statt Heim und Herd zu hüten. Meine Kindergärtnerin habt ihr beschimpft und am Ende entlassen, weil sie nicht in euer Weltbild passte. Am Ende starb sie allein und ohne ihre Kinder in ihrem Haus. Meine Kindheitshelden habt ihr „Kommunisten“ genannt und mit Ronald Mc-Donald ersetzt.

    Ihr habt das euren Kindern angetan und wundert euch, dass Deutschland immer noch gespalten ist, ihr die jungen Menschen nicht versteht und die euch nicht. Ihr wundert euch über die Montagsdemos und darüber, dass wir den Text eurer Nationalhymne nicht kennen und es uns egal ist.

    Ich bin in diesem Staat geboren und aufgewachsen und trotzdem heimatlos. Eine aussterbende Rasse, in einem Land, dass seine Vergangenheit einfach aussitzt, bis sie gestorben ist. Deshalb nenne ich mich auch nicht Deutscher, sondern ein Kind ohne Kindheit. Ich bin Europäer. Solange wie ich wenigstens das noch sein darf – wo ich doch im falschen Land geboren bin.

    Ich verstehe andere Einwanderer in diesem, eurem Deutschland nur zu gut.

  17. 17
    Hatem

    @tom
    Für dich hat man das Wort „Jammerossi“ erfunden.

    (Ich hoffe ja immer noch, dass du das komplett ironisch gemeint hast…. ;-)

  18. 18
    Procul Harum

    Was Erdogan da nun zum zweiten Mal gemacht hat, ist im Prinzip nationalistische Politik auf deutschem Boden und ein Affront. Was geht ihn das an, was Leute, die hier leben, tun oder lassen ?
    Für ihn sind das keine freien Individuen, sondern sowas wie Stammesangehörige.

    Und, was der Drecksack von anderen Staaten verlangt, würde er den Kurden oder Armeniern niemals zugestehen.

  19. 19
    pmn

    @Tom
    Interessant, ja… nur die Ossis, die ich kenne, sind alle kurz vor der Wende geboren – und hatten keine Probleme.

  20. 20

    @Hatem: Da stimme ich absolut zu.

  21. 21
    Frédéric Valin

    @Hatem: @jke: Obwohl sich das letztinstanzlich wohl nicht klären lässt, sind sich inzwischen sehr viele Forscher darüber einig, dass genau diese Haltung nicht das Problem ist. Sofern die Voraussetzung stimmt, dass sie selbst Deutsch nur holprig beherrschen, sollten sie ihren Kindern lieber gut türkisch beibringen. Tatsächlich erfolgt dann der Spracherwerb im Kindergarten oder in Vereinen. Da gilt aber, was @Matze gesagt hat, zu bedenken, nämlich: dass hochprozentig nichtdeutschsprachige Schulen das Problem nicht lösen, sondern massiv verschärfen, obwohl man es genau dort mit mehr Erfolgsaussichten lösen könnte.

  22. 22
    Hatem

    @Frédéric Valin:
    Mag sein, dass sich das nicht klären lässt.

    Eines dürfte aber klar sein: Wer meint, die Schule sei dazu da, seinem Kind Deutsch beizubringen, der hat viel dafür getan, seinem Kind den Schulerfolg so schwer wie möglich zu machen.

    Und die Haltung „Deutsch lernt es ja dann in der Schule“ ist unter den Arabern, die ich kenne, nicht selten. Und ich vermute, dass es bei den Türken ähnlich ist.

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Hatem: De Frage, die sich stellt, ist doch die: Wie soll jemand, der kein oder wenig Deutsch spricht, seinem Kind Deutsch beibringen?

  24. 24

    Zuvordest die Mutter- o. die Vatersprache zu erlernen ist konsequent.

    Mehrsprachig aufwachsen zu dürfen,
    ist eine Kür die nur die wenigsten beherrschen.

    PiPi

  25. 25
    S. Schwarzmeister

    @Frédéric Valin: Wenn das die Eltern wollten, und sie darauf geachtet haben, ist das doch nun wirklich noch nie ein Problem gewesen.
    Nicht bei mir, wo die Eltern bis heute nicht richtig Deutsch können, nicht bei meinen türkischen Freunden, bei denen die Eltern bis heute nicht richtig Deutsch können.

  26. 26
    Hatem

    @Frédéric Valin:
    Indem er selber Deutsch lernt. Das ist – und da spreche ich aus eigener familiärer Erfahrung – nicht schwer, wenn man in Deutschland lebt. Man muss es nur wollen.

    Und man kann sein Kind in die Kita schicken. So früh wie möglich und nicht erst ein Jahr vor der Einschulung.

    Ganz ehrlich: ich verstehe diese ganze Diskussion nicht.

    Der vietnamesische Gemüsehändler bei mir um die Ecke spricht ein Deutsch, das im besten Fall rudimentär zu nennen ist. Seine Frau genauso. Beide Kinder, Tochter (14) und Sohn (16) helfen manchmal im Laden, sie sprechen perfekt und absolut akzentfrei Deutsch und gehen aufs Gymnasium. Ich wundere mich nicht, warum das bei ihnen so ist und bei vielen Arabern nicht.

  27. 27
    Frédéric Valin

    //
    ihr, die ihr gut gebärt in saubern wochenbetten
    und nennt gesegnet euren schwangeren schoß
    wollt nicht verdammen die verworfnen schwachen
    denn ihre sünd war schwer, doch ihr leid groß.
    darum, ich bitte euch, wollt nicht in zorn verfallen
    denn alle kreatur braucht hilf von allen
    //

  28. 28
    Hatem

    @Frédéric Valin:
    Sehr schön. Brecht, oder?

    Mein Vater ist nach Deutschland gekommen, mit nichts als dem festen Willen, zu lernen und zu studieren.
    (Und er ist nicht mehr in die Moschee gegangen… ;-)
    Deutschland bietet viele Möglichkeiten. Aber wer sich nicht integrieren will, sondern hauptsächlich wegen der Sozialleistungen und dem besseren Gesundheitssystem als in der alten Heimat hergekommen ist, der hilft seinen Kindern nicht.

    Auch, wenn es pauschalisierend und vereinfachend ist:
    Die Asiaten hier machen es richtig. An denen müssten sich alle Einwanderer ein Beispiel nehmen.
    Der Gemüsehändler-Vater bei mir um die Ecke wird wohl in 10 Jahren immer noch von früh bis halb zehn abends in seinem Laden stehen. Aber sein Sohn macht bestimmt ein besseres Abitur als mein Ältester.

  29. 29

    Mir tuen ja die armen Kinder und auch Lehrer leid, die keinen Unterricht folgen/ halten können, weil sie nicht alle Sprachen sprechen, die in der Klasse vorherrschen.
    Der eine kann nicht verstehen, der andere will nicht verstehen. Und wir wundern uns, warum es mit der deutschen Bildung bergab geht…

    Aber wir Deutschen dürfen uns ja nicht beschweren..

  30. 30

    „Aber wir Deutschen dürfen uns ja nicht beschweren…“ (Nina)

    Wir können im Gegensatz zu anderen Völkern unsere Meinung kundtun.
    Die Meinungsfreiheit ist sicherlich kein Freibrief für Beschimpfungen o.
    Verunglimpfungen.
    Trotzdem wird auf den bekannten Plattformen Hohn u. Spott verbreitet.

    Mein ja nur

  31. 31
    pasmoi

    @KOPNR:

    Klar, wenn du deine sog. Muttersprache nicht beherrscht, eine gute Idee. Lerne dann nur die Weltsprache Isländisch,wenn auch nur rudimentär (denn warum soltest du Isländisch besser erlernen können als Deutsch) und laß deine Kinder davon ‚profitieren‘. Solltest du aber Deutsch beherrschen, sprich zu hause ausschließlich korrektes Deutsch und ermögliche deinen potenziellen Kindern von Kindesbeinen an locker leicht die neue Sprache Isländisch dazu zu lernen. Einen besseren Start in’s Leben gibt’nicht.

  32. 32

    @pasmoi:

    Isländisch

    die sind doch pleite, außerdem brodelt es noch im Untergrund.
    Von Potentiellen Kindern zu sprechen bedeutet viel Mut oder
    Unvernunft. Der Kommentator scheint kaum der Nuckelflasche
    entzogen bereit zu sein für die Beantwortung der folgenden Frage:
    Ist Isländisch mit der Finnischen Sprache verwandt? Sauschwer zu
    erlernen wenn man wie ich altersbedingt nur noch die Seiten der
    Reiseprospekte umblättern kann.

    Alles Gute :)

  33. 33

    Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater ist Libanese. Als ich 4 Jahre alt war, sind wir von Deutschland nach Kanada gezogen. Da hat mich meine Mutter erst mal vor den Fernseher gesetzt und ich habe dank Sesamstraße und Co. recht schnell die englische Sprache gelernt. Zuhause wurde dann auch durchgehend Englisch gesprochen.

    Der Versuch meines Vaters, meinen Geschwistern und mir (ein paar Jahre später) etwas libanesisch beizubringen, war leider nicht von Erfolg gekrönt, aber ich glaube, er war nicht so richtig bei der Sache. Meine Mutter ging etwas konsequenter ran und hat uns in die Samstagsschule in den Deutschunterricht geschickt. Ich habe es gehasst und als sie dann anfing, selber dort eine Klasse zu führen, habe ich Wege gefunden, meinen eigenen Unterricht zu verpassen und ihr stattdessen bei ihrem zu helfen. Ich habe also nur Schnipsel mitbekommen, aber nicht wirklich etwas gelernt.

    Fast forward ins Jahr 1994, da war ich 12, und wir sind nach Düsseldorf zurückgekehrt. Kein Wort Deutsch beherrscht, und der Einstieg in die Sprache und Kultur wurde ein schwieriger Prozess. Ich hatte große Schwierigkeiten, mich in meine Klasse zu integrieren und so war meine ganze Schulzeit von Klassenkonferenzen und Mobbing gegen mich geprägt. Das merkten meine Eltern und sie taten alles dafür, dass ich die Sprache durch intensiven, jahrelangen Nachhilfeunterricht irgendwann lernte.

    17 Jahre später, ich bin „voll integriert“ und beherrsche beide Sprachen als wären sie meine Muttersprache. Nur das „der, die, das“ bringe ich gelegentlich immer noch durcheinander. Das liegt daran, dass es keinerlei Logik hinter der Zuordnung gibt, es ist reines auswendig lernen. Aber es reicht, dass ich 99.9% der Zeit als Deutscher durchgehe. Leider kann ich immer noch kein Libanesisch. Das ist schade, aber ok, vielleicht ist das der Preis für zwei Muttersprachen.

    Ich bin froh, dass meine Eltern so viel Wert darauf lagen, uns die Sprachen beizubringen, die jeweils notwendig waren: Englisch in Kanada, Deutsch in Deutschland. Wären wir in den Libanon gezogen, würde ich jetzt wahrscheinlich Arabisch beherrschen.

    Ohne der Landessprache ist eine vollständige Integration bei Kindern verdammt schwierig, und das habe ich allzu gut an der eigenen Haut gespürt – in Deutschland, wohlgemerkt. Ich halte also nicht viel davon, dass „Kinder erstmal ihre Muttersprache lernen“ sollen, wenn sie in einem Land leben, in dem eine andere Sprache gesprochen wird. Gebt ihnen doch erst mal ein Werkzeug in die Hand, mit ihrer Umgebung klar zu kommen. Die Muttersprache können sie immer noch danach lernen.

  34. 34
  35. 35
    ja!

    Ich glaube, dass es Deutschland vor allem an guten Ideen zur frühkindlichen Bildung mangelt. Vielleicht sind die Ideen sogar da, aber es fehlt am Mut ein konsequentes Konzept zur verpflichtenden Krippe/Kindergarten/Vorschule umzusetzen. Dann wäre auch komplett egal was zuhause gesprochen wird.

    Meine Kinder (2,5 und 4 Jahre) wachsen in einem deutschsprachigen Elternhaus der französischsprachigen Schweiz auf. Völlig unbehelligt von Rabenmutterrufen haben wir uns nicht einmal gefragt, wer mit den Kindern bis zum Abschluss des Studiums zuhause bleibt. Es gab nur die Wahl, dass beide Eltern sobald als möglich wieder arbeiten. Beide Kinder hatten nach 4 Monaten Mutterschutz einen Krippenplatz.

    Ihre Sprachkenntnisse sind sowohl in Deutsch als auch Französisch einfach grandios. Ich glaube, dass sie nirgends Defizite im Vergleich zu gleichaltrigen aufweisen. Eher sehe ich nur Vorteile.

    Hätte man (analog zu der oben formulierten Forderung von unseren Regierungsexperten) von mir verlangt meinen Kindern zuerst Französisch beizubringen, wären die zwei jetzt ein Fall für intensive Betreuung durch Nachhilfelehrer. Ich konnte nämlich anfangs kein Französisch. Da geht es mir kaum anders als den Müttern die in Neukölln oder Wedding in Ihrem Paralleluniversum leben, ich lerne vor allem durch meine Kinder.

    Spätestens mit vier beginnt hier die Schulpflicht. Dann kann man seine Kinder nicht mehr zuhause verstecken. Kinder in dem Alter sind meist so enorm wissbegierig, dass eine zweite Sprache, die vor allem beim Spielen hilft, ohne grossen Aufwand erlernt wird.

    Frau Merkel äussert sich als kinderlose Kanzlerin also zum Spracherwerb von Kindern die in Familien aufwachsen, in denen nicht deutsch gesprochen wird. Und der Anführer des Koalitionspartners packt seine gesamte Expertise im berufstätig sein und Kinder erziehen dazu… Ich spreche das Offensichtliche jetzt nicht noch aus.

  36. 36

    @Jerry:
    Lieber Jerry,
    danke für deinen Bericht.

    Schade befinde ich, dass Du die Sprache deines Vaters nicht erlernt hast.

    „Die große Mehrheit der Libanesen spricht Arabisch in einem dem syrischen Arabisch und dem palästinensischen Arabisch sehr ähnlichen Dialekt; Minderheiten sprechen Armenisch, Kurdisch und Aramäisch, das auch die Liturgiesprache der maronitischen Kirche und anderer syrischer Kirchen ist. Neben Arabisch ist auch Französisch als Verkehrs- aber auch Elitesprache verbreitet, und in letzter Zeit auch Englisch als Drittsprache.“ by WiKiPedia

    Wusste mir nicht anders zu helfen und hab mal wieder blöd nachgefragt.

    Alle Wünsche sollen dir erfüllt werden. :)

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