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Richard Gutjahr rechnet ab

Ende Januar flog Richard Gutjahr nach Kairo, um von dort zu berichten. Als Blogger, als Journalist, aus Interesse und Neugier. Und vor allem: Ohne großes Geld.

Finanzielle Unterstützung für den kurzzeitig angesetzten Trip kam jedoch u.a. von anderen Bloggern und aus dem Twitterversum, und nun rechnet Gutjahr detailliert ab. Und zeigt: Zumindest musste er nicht an Omas Sparstrumpf, und wäre nicht der Großteil der Einnahmen für Roaming-Gebühren drauf gegangen, wäre sogar ein Honorar drin gewesen (was, nebenbei gesagt, auch das Ziel sein muss, denn die Kostendeckung allein füttert niemanden auf Dauer durch).

Sein Fazit:

Auch wenn ich natürlich weiß, dass sich nicht jede Story durch Spenden refinanzieren lassen wird, hat mir diese Reise doch gezeigt, dass die Mär von der angeblichen Kostenlos-Kultur im Internet nichts weiter ist, als eine faule Ausrede, um sich selbst nicht verändern zu müssen.

4 Kommentare

  1. 01

    Den Mythos der Kostenloskultur hat ja presseschauer bereits mit einer sehr simplen Frage zerlegt: Wie finanziert sich World of Warcraft?

  2. 02
    Nico

    Ja sorry, was erwartet er?

  3. 03

    @ehrmann: Ja nü, über die Erkenntnis, dass sich im Netz manche Dinge gut, andere weniger und manche gar nicht direkt finanzieren lassen, waren wir aber eigentlich schon hinaus, oder?

    Tatsächlich kennen wir das Prinzip ja schon aus Zeit des toten Holzes oder vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Manche Ressorts/Themenfelder werden zwar als gesellschaft unverzichtbar bewertet (Politik z.B.), direkt finanziert bekommt man sie aber trotzdem nicht. Da müssen dann halt der Boulevard und der Sport das Geld ranschaffen.

    Jochen Wegner (Ex-Chefredakteur von Focus Online) hat diese Mechanismen schon häufiger klug beschrieben, Sascha Pallenberg iirc auch mal auf einer re:publica angerissen.

    Zu Gutjahrs Fazit: Sorry, aber das ist nicht nur wg. des anbiedernden Pathos (An dieser Stelle bitte einen unpassenden Guttenberg-Vergleich ignorieren) schwer zu ertragen.

    Journalismus ist kein Show für mediale Selbstdarsteller (Geht weg mit diesem „Markenbildungs“-Mem, wir sind nicht bei DSDS …), sondern zunächst einmal recht unspektakuläres Handwerk, bei dem die Inhalte im Vordergrund stehen sollten, nicht ihr Macher.

    Es bezweifelt übrigens auch niemand, dass einzelne Projekte mit Leuchtturmcharakter zu finanzieren sind (vgl. Radioheads Selbstvertrieb von „in Rainbows“. Auch eine tolle Idee, die für das Tagesschäft nicht taugt). Vorbildcharakter hat Gutjahrs PR-Trip trotzdem nicht. Im Gegenteil.

    Gutjahr hat – zugegeben, konsequent – versucht zwei Erfolgsgeschichten zu adaptieren: Lindsay Hoshaws aus Spenden finanzierte Reportage für die NYT, vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31483/1.html, einerseits, den Irak-Trip des ARD-Korrespondenten Stephan Kloss andererseits.

    Zur Erinnerung: Kloss‘ Alleinstellungsmerkmal war, sich auf eigene Rechnung in Gefahr zu bringen. Das kann man mutig finden, aus professioneller Sicht aber auch bekloppt und – Mit Blick auf seine Abnehmer – unverantwortlich:

    „Wenn es zu gefährlich wird, brechen wir ab“, versuchte die ARD-Moderatorin im Berliner Hauptstadt-Studio den nervös wirkenden Reporter während der Live-Schaltung zu beruhigen. „Das geht schon in Ordnung“, verneinte er. Sein Name: Stephan Kloss. […] Vor dem Irak-Krieg war der Name Kloss in der Riege der Kriegsberichterstatter unbekannt. Der freie Journalist aus Leipzig fuhr auf eigene Kosten in den Irak und bot sich TV-Sendern an. Der Plan ging auf: aus Gründen der Sicherheit zog das Erste noch vor Kriegsbeginn seinen festen […] ab. […] Und in Kloss´ Fall? Da wäre der Mainzer TV-Sender fein raus – sprich: nicht verantwortlich.

    Quelle: http://www.medienspiegel.org/schlagzeilen/03,05,21,01,sz.html
    (Anmerkung: Der Artikel bringt im letzten Satz ARD und ZDF durcheinander, auch im Original. Streicht das „Mainzer“ einfach.)

    Nun, mal abgesehen davon, dass die Lage in Kairo zum Glück nicht mit der in Bagdad zu vergleichen war, hat Gutjahrs offenkundige Initiativbewerbung für höhere Korrespondentenweihen wohl nur so mittelgut funktioniert. Bekanntlich wurde er nach einem Aufsager für die Tagesthemen von regulären Korrespondenten abgelöst.

    Ja, die haben halt einen Tag länger gebraucht, um vor Ort zu sein So what? Erinnert sich noch jemand an die Twitterhypes der letzten Wochen Tage, die heute niemanden mehr interessieren, obwohl vor Ort weiterhin Menschen verrecken. Und das nicht zu knapp? Sorry, ich ertrage diese geheuchelte Anteilnahme mit Berichterstattungsanspruch einfach nicht mehr.

    Aber hee, dafür gab’s wenigstens ein paar total authentische Twitpics von jemanden, dem sich Newsjunkies am Rechner daheim emotional verbunden fühlten. Wenn das die Zukunft des Journalismus ist, mache ich besser doch noch einen Taxischein.

    So, und nun macht mich rot.

  4. 04

    Hmm

    Vom Glauben abgerückt, dass es Menschen gibt, die vollkommen uneigennützig zu Werke gehen.
    R.G. (www.gutjahr.biz) kann sich aufgrund seiner qualitativen Arbeiten selbst vermarkten.

    Da Spreeblick nicht mit Emotionen handelt,
    sondern gewinnorientiert handeln (muss, kann, darf, soll) tut,
    werden auch Kommentare für eigene Zwecke benutzt.
    Kaum vorstellbar, dass das irgendwer liest. YFF

    Alles Gute :))

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