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Bundesliga 30

Irgendwann saß Jupp Heynckes auf seiner Trainerbank, die Lippen zusammengekniffen, die Brille schon beinah beschlagen von dem starren, wutheißen Blick aus seinen zusammengekniffenen Augen, die Couperose-Äderchen auf den Wangen zu purpurnen Flüßen aufgebläht, wenn er einen Stock zur Hand gehabt hätte, hätte er nach den jungen Männern geschlagen, die da vor ihm den Rasen kaputttraten. Das war nach Minute 30. Der arme Mann.

Was Leverkusen davor und danach spielte, wusste man nicht so genau: immerhin nahmen sie nicht die Hände zur Hilfe, es gibt also Anlass zur Hoffnung. Was aber ist aus dem hervorragend durchdachten Spielaufbau der letzten Spiele geworden? Was Bayer da vollführte, sah eher aus wie der erste unfreiwillige Ausflug eines unbescholtenen Familienvaters, der sich versehentlich inmitten der Tanzfläche eines Szeneclubs widerfindet. Wohin sehen? Was tun? Gerade Ballack bewegte sich derart hüftsteif, man hätte ihm am liebsten einen Rollator an den Mittelkreis gestellt.

Nun ist Fussball ein Verhältnisspiel. Aber so stark kann Bayern gar nicht sein, wie Bayer schwach war. Am besten dürfte allen Beteiligten gefallen haben, dass München sich inzwischen als weniger großherzig erweist: ein Luis Gustavo verteilt keine Geschenke. Ein van Buyten gibt keinen aus. Contento auch nicht.

Immerhin, eine Kontinuität blieb bestehen: Schweinsteiger spielt noch immer seiner humanitären Ader hinter, und auch wenn der Rest der Mannschaft ihm nicht mehr folgt in seinem Stil: das defensive Mittelfeld aus Leverkusen schloß sich seiner Definition von Zweikampfverhalten an. Mit dem ERgebnis, dass wir ein Spiel gesehen haben, das auch aus den 80ern hätte stammen können.

Bei dem Restprogramm wird Bayern nächste Saison CL-Qualifikation spielen, und wenn Leverkusen so weiterspielt, dann noch nicht mal nur die Qualifikation.

Vergesst Stankovic!

(Figo) provozierte prompt durch eine betont langatmige Ausführung des Eckballs. Die Antwort der Barca-Fans ist bekannt: Faules Obst und der Kopf eines Spanferkels flogen in Richtung des als »Judas« titulierten Portugiesen. Das Spiel wurde für zehn Minuten unterbrochen, die Partie endete 0:0. Doch der Schweinekopf bleibt im Gedächtnis vieler Fußballfans das Sinnbild für die Rivalität zwischen beiden Vereinen.

Noch ein paar Classicos stehen bevor: in den 11 Freunden stehen die Fakten, mit denen man die Tresennachbarn beeindruckt.

5 Kommentare

  1. 01

    Leverkusen und Bayern, das passt einfach nicht zusammen. 1989 ein Sieg in München, mehr nicht und wenn es darauf ankam, dann wurde eben Bayern Meister und nicht Leverkusen. Reine Kopfsache meiner Meinung nach.

  2. 02
    Danny Wilde

    @Raoul: Bayern München – Bayer Leverkusen am 1.11.1986: 0:3.

    Der Heynckes lacht sich doch innerlich kaputt über das Ergebnis. Wen trainiert er noch mal in der nächsten Saison?

    Und mit welchem Verein flirtet noch mal Arturo Vidal, der mindestens eines der Bayerntore durch vollkommen abwegiges Verhalten enorm begünstigte und auch ansonsten auffällig schlecht spielte?

  3. 03
    Sebastian

    Das Tor ist schon super, aber rein technisch und optisch war das Stankovic-Tor genialer… :D

  4. 04

    @Danny Wilde

    Danke für die Info!

  5. 05

    Dieses Ergebnis, und eigentlich das ganze Spiel, bei einer im Grunde fähigen Mannschaft…
    Das ist wie bei manchen Geschichten über Verbrecherinnen, die ihre Strafe vielleicht verdient haben, einem aber trotzdem Leid tun.

    Verdammt.

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