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Tunesday – Junior Boys, Austra, Arctic Monkeys, Ghostpoet

Willkommen zu unserem beigen Tunesday! Vor allem aber: Willkommen zu unserem zehnten Tunesday! Und das dieses Mal ganz ohne Nico. Der sitzt nämlich diese Woche irgendwo an einem beigen Strand, trinkt einen beigen Cocktail und sieht zu, dass er sich von der Sonne ordentlich entbeigen lässt. Wo? Ich glaube in Beijing.

Uns anderen: Viel Spaß mit der folgenden Hit-List!

Junior BoysIt’s all true
AustraFeel it break
arrangePlantation
Ghostpoet Peanut Butter Blues & Melancholy Jam
Arctic MonkeysSuck It And See


Junior Boys
It’s all true
Der Vorhang zu diesem Soundtrack öffnet sich mit “Itchy fingers” und lässt bereits an Liebe auf den ersten Hördurchgang glauben. Doch wird die Dramaturgie des Mitwippens direkt wieder vom hauchzarten “Playtime” durchbrochen und verweist schließlich auf den einzigartigen Charakter den “It’s all true” innerhalb der Junior-Boys-Discographie einnimmt. Das Album ist ein logisches und wie ich finde, absolut gelungenes Sequel zu jenem Sound, der sich schon auf “Begone Dull Care” abzeichnete. Ein in sich stimmiges Bild, das gleichermaßen die Melancholie auf süße Weise nährt, aber einen während des Schwelgens darin, ebenso mit zufrieden geschlossenen Augen lächeln lässt. Der den Junior Boys so eigene Electronica-Sound wurde dieses Mal mit einer guten Portion Funk vermischt und die beiden Herren haben noch nie so entspannt geklungen. „A truly happy ending“ – denn das Wunderbare daran ist, dass sie dennoch nicht in Belanglosigkeit abrutschen, sondern flauschige Gefühlsexplosionen erschaffen, die schließlich im neunminütigen Epos “Banana ripple” kulminieren.

“It’s all true” braucht auch für Fans der Junior Boys zwei Augenblicke bis zur vollen Entfaltung. Doch wenn ihr diese zulasst und währenddessen etwas Frühlingsluft schnuppert, wird das neue Album bald euer eigenes Sommerabenteuer treu begleiten.

Disclosure: Seit “So this is goodbye” erschien, bin ich unfassbar verliebt in die Musik der Junior Boys und einfach unendlich dankbar dafür, dass es sie gibt. Eine neue Platte der Jungs löst in meinem kleinen Universum also geradezu Solarstürme aus und ich überlege mittlerweile ernsthaft, das bisher im Internet fehlende fuckyeahjeremygreenspan.tumblr.com einfach selbst anzulegen. Mindestens dessen Stimme möchte ich nämlich eines Tages heiraten. [Anne]

„ep“ bei Hype Machine
Morgan Geist
♺ 14.06.2011
Amazon & iTunes

Austra
Feel it break
Man stelle sich vor, die zwei duften Schweden von The Knife fielen in einen Topf voller Zauberpop und anschließend würden drei Kanadier mit einer jungen Frau namens Katie Stelmanis als musischer Speerspitze wieder herausklettern. Sie würden sich Austra nennen, ihre Beats auf entzückend tanzbare Weise zu setzen wissen, ihr Album “Feel it break” nennen und ihm eine Handvoll herrlicher Hits einverleiben.

Also, ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber mir gefällt diese Vorstellung wirklich außerordentlich gut. [Anne]

„Beat and the Pulse“ bei YouTube
The Knife und Kate Bush
♺ 16.05.2011
Amazon & iTunes

arrange
Plantation
Seit ich nicht mehr die eingefahrenen Ansichten von Musikredakteuren lesen muss, sondern mich vor allem auf die Geschmackssicherheit meiner Lieblingsmusikblogger verlassen darf, geht es mir nicht nur viel besser. Nein, ich entdecke auch tatsächlich neue, gute Künstler – quasi im wahrsten Sinne des Wortes. Hinter einem unscheinbaren Link bei der Hype Machine und einem noch viel unscheinbareren Namen kann sich dann plötzlich eine Schönheit verbergen, die wie im Fall der Ein-Mann-Band arrange, bloß 69 70 Fans auf Facebook hat, obwohl Malcom Lacey zum Beispiel auch durchaus in einer Liga mit Justin Vernon spielen könnte. “Plantation” ist wie Sommerregen, der auf die Erde tupft: ein kleines Stück melancholische Perfektion. (Und wieder einmal sage ich: Danke, Internet!) [Anne]

„Medicine Man“ bei Hype Machine
The Antlers
♺ 17.05.2011
☞ Album komplett kostenlos bei Bandcamp herunterladen

Ghostpoet
Peanut Butter Blues & Melancholy Jam

Die offizielle Veröffentlichung von “Peanut Butter Blues & Melancholy Jam” liegt mit Anfang Februar eigentlich schon ein bisschen zurück, aber ich hab Obaro Ejimiwe aus Großbritannien erst vor zwei Wochen per Zufall im Netz entdeckt. Und sofort sehr schätzen gelernt.

Ich weiß nicht, ob es die Stimme ist, aber Ghostpoet erinnert mich genau an das, was ich an The Roots, Mos Def und irgendwie auch TV On The Radio so sehr liebe. Dieses Unaufgeregte mit Substanz. Versteht man das? In seinem Debut-Album widmet sich Ejimiwe dem Leben. Fast hätte ich “dem einfachen Leben” gesagt. Aber was ist im Zusammenhang mit “Leben” schon “einfach”? Und genau darum geht es auch, wenn er im Video zur zweiten Single “Survive It” mit Pyjama, Bademantel und Teetasse rappend durch den Wohnblock trottet. [Philipp]

Albumstream bei Soundcloud
The Roots, Mos Def
♺ 07.02.2011
Amazon & iTunes

Arctic Monkeys
Suck It And See

Nicht hauen! Ich mag das neue Album unserer alten Helden. Ja, ich weiß. Irre. Ich war selber total überrascht und habe nach den letzten beiden Alben echt mit allem gerechnet, aber nicht damit. Doch versteht mich nicht falsch. Ich will nicht sagen, dass mich “Suck It And See” vollkommen umhaut. Ich mag es einfach. Es ist extrem solide, angenehm zurückgelehnt und irgendwie empfinde ich es als sehr sympathisch und beruhigend, dass keiner der zwölf Songs aus dieser Gelassenheit auszubrechen versucht.

Apropos „sympathisch”. Ganz genau so finde ich auch die erste Singleauskopplung des Albums. “Don’t Sit Down ‚Cause I’ve Moved Your Chair”. Sympathisch und irgendwie charmant. Die Lyrics bringen mich tatsächlich zum Grinsen und es ist gerade ziemlich angenehm, mit genau diesem Song als erstes auf den Ohren am Morgen aus dem Haus zu gehen.

Ach und – bitte noch mal nicht hauen – ich glaube ja tatsächlich, ein kleines bisschen Morrissey in Track 1, “She’s Thunderstorms”, zu fühlen. [Philipp]

„Don’t Sit Down ‚Cause I’ve Moved Your Chair“ bei Soundcloud
The Strokes, Franz Ferdinand, The Kooks
♺ 06.06.2011
Amazon & iTunes

Tunesday’s been aching but you’re too shy to say it

9 Kommentare

  1. 01

    Mit Disclosure <3

  2. 02
    Anne Wizorek

    @Matze: :)

  3. 03
    Claire

    Fein wieder mal! Kann man bei euch eigentlich auch Mixtapes ordern? Ich revangiere mich z.B. mit einem selbstgebackenen Brot nach Wunsch? ;)

  4. 04

    Merci vielmals für die erneute Bereicherung an Farben für meinem Musikhorizont.

  5. 05
    Philipp Jahner

    @Claire: Ohh, Brot gegen Mixtape? Da könnten wir uns drauf einlassen, glaube ich.

    @Jan: Hihi, Farben. Beige? ;)

  6. 06
    Anton

    Ghostpoet ist wirklich ganz groß.

    Hoffe er traut sich mal nach Deutschland und spielt ein paar kleine Konzerte.

  7. 07
    Claire

    @ Philipp Jahner Juhu!! Stullenmix 2011, also ich wär dabei!

  8. 08
    Peter

    pasta primavera ist in der tat ein unglaublich guter blog. außerdem finde ich es wirklich gut, dass ihr hier Ghostpoet erwähnt, der ist wirklich talentiert! allgemein eine richtig gute auswahl.

  9. 09
    Max

    Lovely lovely.
    Finde es auch super schön.

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