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Musik in der Wolke: Wird die Musikindustrie durch Apple an Raubkopien verdienen?

Hier zusammengeschustertes Foto von Wolken mit einem darüber liegendem Apple-Logo vorstellen!

Einen interessanten Gedanken spinnt „Digital Trends“ in diesem Bericht rund um Apples für den Juni erwarteten Cloud-Musik-Dienst, der vielleicht Castle oder iCloud heißen wird.

Bisherige Cloud-Musikdienste wie Amazons Cloud Drive setzen voraus, dass der Nutzer seine Musik auf eine Festplatte in der Wolke, also auf einen Speicher im Internet lädt und sie somit nicht mehr auf seinem eigenen Rechner oder Handy hat – er kann sie von der entfernten Festplatte jedoch jederzeit abrufen und somit hören – Internet-Verbindung vorausgesetzt. Anscheinend soll nun aber Apples Dienst etwas anders funktionieren:

Apple scannt angeblich die Musikbibliothek des Nutzers und legt nur ein Verzeichnis der Songs an, die Songs selbst werden also nicht übertragen, denn der Großteil davon befindet sich schließlich schon auf den Apple-Servern, die für den Verkauf via iTunes Music Store zuständig sind. Dies erspart dem Nutzer das tagelange Hochladen von Dateien – vielleicht nicht in allen Fällen, aber in vielen.

Das Pikante daran, das Gerüchten zufolge auch den Weg zu den Verträgen zwischen Apple und den Rechteinhabern geebnet hat, ist die Tatsache, dass Apple bei diesem Scan anscheinend nicht unterscheidet, ob die Musik des Nutzers im iTunes Store gekauft wurde oder von einer eigenen CD stammt. Oder auch aus einem Filesharing-Netzwerk.

Die tatsächlich genutzten Songs der Nutzer sollen dann gegenüber den Rechteinhabern vergütet werden, schließlich wird die Apple-Musikwolke nicht kostenlos sein, egal, ob sie in Apples Mobile Me integriert oder als eigener Dienst angeboten werden wird.

Und somit würden faktisch Labels, Verlage und Künstler nachträglich für eventuell illegal erstandene Songs vergütet werden können.

Ob man Musikdienste in der Wolke überhaupt will – das sei hier vorerst dahingestellt. Sollte das Ganze aber so elegant funktionieren, wie man es von Apple erwarten kann, dann könnte der gehassliebte Apfel in Sachen digitaler Musikkonsum mal wieder vorne liegen. Und mit dem gerade beschriebenen Modell einmal mehr äußerst clever agiert haben.

[via]

22 Kommentare

  1. 01

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Apple mit sich machen lässt.
    Die Rechteinhaber können ja viel fordern, aber da wird man sich bestimmt nicht so schnell einigen können.
    Was ist denn mit Leuten, die alles legal auf CD erstanden haben. Da verdienen die Rechteinhaber doppelt und Apple nichts.

  2. 02

    @Mainboarder: Apple wird natürlich tüchtig mitverdienen, es wird ja nur ein Teil der Einnahmen an die Rechteinhaber ausgeschüttet. Und für die sind diese Einnahmen, egal, wie gering sie sein mögen, im Fall derjenigen Songs, die nicht legal erworben wurden, genau 100% höher als vorher.

    Es geht mal wieder darum, wer der Platzhirsch in diesem noch frischen Markt sein wird. Denn die Nutzer, die sich erstmal auf Apple (oder Amazon oder Google oder wen auch immer) eingelassen haben, wechseln so schnell nicht wieder.

    Mir ist bisher unklar, ob iCloud dann ähnlich wie Spotify oder Simfy funktionieren wird (also eine Flatrate auf das ganze Angebot sein wird), oder ob Apple es wirklich durchsetzen kann, dass ich trotzdem noch pro Song bezahle, den ich abrufbar haben will. Rein wirtschaftlich könnte ich mir bei letzterer Lösung gut vorstellen, dass die Konzerne dazu „Ja“ sagen, ob sich das aber beim Nutzer durchsetzt, wird man sehen.

  3. 03
    eizzi

    „illegal erstanden“ ist eine interessante formulierung…
    Zum Artikel:
    Finde den Gedanken gar nicht mal so abwegig. Aber Apple auf meine Musiksammlung zugreifen lassen? Solange man kein iTunes braucht muss das nicht sein. Da zahle ich lieber für einen VPN und nutze Spotify oder ohne VPN eben simfy. Nur wer weiss wie lange diese Anbieter bestehen können wenn die Apple Jünger alle abwandern. Obwohl Spotify/Facebook auch interessant klingt sobald die das mal mit den Rechten geregelt kriegen….

  4. 04

    Also massenhaft Dummy Dateien mit den entsprechenden Songtiteln anlegen und man braucht dann nicht mal Raubkopieren.

  5. 05

    @eizzi: Ja, die Formulierung ist gewagt. ;) Und Facebook/Spotify könnte sehr spannend werden, stimmt.

    @@WLANfail jens: Darüber wird sicher in vielen Foren schon nachgedacht. :)

  6. 06

    Ich finde dieses Modell um einiges attraktiver als das umständliche Zurückladen von Musik, die ich vorher von Apples Servern zu mir Runtergeladen habe. Ich finde schön, dass sie das soweit schonmal durchdacht haben.

    Und ich freue mich schon auf die allererste Meldung, die mir beim Start des Dienstes entgegenschlagen wird: „This service is not available in your country.“

  7. 07

    @@WLANfail jens: Ich bezweifle stark, dass Apple nicht klug genug sein wird, sich für die Musikdateien, die sie verkaufen, nicht auch ein Hashwert merken zu können, um zu sehen, was sie da an wen verkauft haben ;)

  8. 08

    Verstehe immer noch nicht wieso ein Benutzer fuer legal erworbene Songs noch einmal bezahlen soll nur weil die nicht bei iTunes gekauft wurden. Oder warum Apple sich dazu bereit erklaert theoretisch fuer Milliarden von „Raubkopien“ Geld an die Labels zu zahlen. Oder um WLANfail Jens‘ Gedanken mal weiterzuspinnen Milliarden von Song die weder gekauft noch „raubkopiert“ wurden…

  9. 09

    Hmm, aber wenn man nur Zugriff auf die Musik hat die man mal gekauft hat, wo ist denn dann der Vorteil gegenüber Simfy, Spotify etc. ? Da bekommt man schliesslich alles kostenlos, bzw. für einen Abopreis auch offline verfügbar. Wer bezahlt denn dann freiwillig um nur Zugriff auf die Musik zu haben die er eh schon besitzt….
    Ich denke wenn Spotify und Facebook tatsächlich kooperieren blasen sie wahrscheinlich mit einem Schlag alle Konkurrenz vom Feld, aber nur wenn Spotify dann auch mal ausserhalb der USA nutzbar wird.

  10. 10

    @Armin: Ich gehe davon aus, das Apple einen festen Prozentsatz der Gesamteinnahmen an die Labels weiterreicht und nur dieser Anteil nach Nutzung aufgeteilt wird. Wohin das Geld dann geht, kann Apple schnuppe sein, es bleibt für sie der immer gleiche Anteil.

    @Dahaniel: Ja, es wird spannend, was Apple da als Zusatznutzen gegenüber den Konkurrenten erfinden wird.

  11. 11

    @Dahaniel

    Soweit ich weiss ist Spotify gerade in den USA nicht nutzbar, nur ausserhalb. Allerdings nicht in Deutschland.

  12. 12
    KOPNR

    Oh, das klingt genauso toll wie die Funktion bei Facebook die meine Freunde aus meinen E-Mails heraussucht. Schon erstaunlich was die Nutzer heutzutage alles mitmachen. Man muss es auf dem schicken Statussymbol Mobiltelefon stattfindne lassen und zack schalten alle ihr Hirn ab.

  13. 13

    @KOPNR: Früher war eh alles besser. Als das Internet noch von der Post kam.

  14. 14

    Zukunftsmusik

    Den meisten gelingt es nicht, ihren eigenen stationären Rechenknecht, der permanent online, als Netserver, Workstation, u. somit Radio empfängt
    gut zu nutzen.
    Wieviel frei empfangbare Sender gibt es?

  15. 15

    @robert:
    Apple kann sicher Hashwerte von den von ihnen verkauften Songs haben, aber bei einem mp3 aus einer Original CD müssen sie schon mit so einer Art ShazamID kommen.

  16. 16

    @eizzi: iTunes scannt doch im Moment sowieso schon die Bibiliothek, damit Genius funktioniert (natürlich nur, so lang man es aktiviert hat). Ich denke mal, dass Apple

    a) somit weiß, wie das Verhältnis von „bei-Apple-gekaufter“ zu „nich-bei-Apple-gekaufter“-Musik ist und

    b) wie groß die durchschnittlicher Musikbibliothek ist.

    Damit könnten sie schon geschaut haben, ob es sich überhaupt lohnen würde, so ein Konzept wie im Artikel beschrieben, zu implementieren. Aber lassen wir uns überraschen.

  17. 17

    @PiPi:
    Nachtrag ;)

    Hoffe,
    nicht alle damit zu langweilen,
    wenn mal wieder TV-Sender benannt werden,
    um zumindest Musikinhalte populär zu machen.

    Zumal die Zwangsabgabe scheinbar unausweichlich auf jeden Haushalt zukommt.

    http://kultur.zdf.de


    Kulturtip:
    (Inas Nacht)

    http://www.DASERSTE.de

    http://www.youtube.com/watch?v=mdQCcsIgBoA


    Alles Gute

  18. 18
    dopey

    Und warum dann nicht gegen eine monatliche Gebühr alle Songs zum Stream freigeben? Dann wird nämlich ein Schuh draus.
    Die individuelle Musiksammlung könnte natürlich in Form von Favoriten/Lesezeichen parallel existieren.

    Die Idee, dass Urheber nachträglich an illegal heruntergeladenen Songs verdienen können, halte ich für ein bisschen idealistisch.
    Das scheitert doch schon am technischen, denn wie unterscheidet man eine heruntergeladene mp3 von einer, die von einer gekauften CD gerippt wurde?

    PS: Das Propagandawort „Raubkopie“ hätte ich bei Spreeblick nicht unbedingt erwartet…

  19. 19
    geroyche

    ist das nicht hehlerei, oder was geldwäsche-mäßiges von apple, wenn die raubkopien wissentlich in kauf nehmen und für das verteilen geld verlangen?

    ich frag mich ganz allgemein wie das rechtlich einzuordnen ist.
    der raubkopierer zahlt ja quasi für cloud storage. von der unrechtmäßigkeit des besitzes befreien ihn die 25$ p.a. doch nich, oder?
    oder „besitzt“ er die dateien dann eben nicht mehr, weil es streaming ist.

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