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Tree Of Life

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Ich bin noch immer einigermaßen verwirrt von Tree Of Life, dem Film von Terrence Malick, für den er angeblich schon vor 38 Jahren die ersten Bilder gesammelt hat.

Diese Bilder sind es auch, die dem Film äußerst sehenswert machen, das Spiel mit Naturgewalten als Visualisierung von Emotionen ist fantastisch, die Musik ist ebenfalls toll, die Schauspieler überzeugen, aber … kein Charakter lässt mich so richtig an sich heran und neben den offensichtlichen Oberthemen Natur/ Gott/ Tod/ Schmerz bekomme ich einzelne Kapitel einfach nicht zusammen und habe den Verdacht, dass mich das Werk am Ende dann doch dem christlichen Glauben zuführen soll.

MINIMALER SPOILERALARM!

Was genau bedeutet diese transzendentale Szene am Ende? Durch welche Tür geht zuvor der ältere, erwachsene Sohn (Sean Penn) – bitte sagt mir nicht, dass er dabei seinen Weg zu Gott gefunden hat – und wieso folgt er dabei zuerst einer Frau und dann sich selbst als Kind? Und WTF? DINOSAURIER? Ist das die Wiedergeburt, der „Neustart“ der Mutter nach ihren endlosen Schmerzen?

Habt ihr den Film gesehen? Seid ihr schlauer aus dem Kino gekommen als ich?

42 Kommentare

  1. 01

    Also ich finde ja gerade die Szenen der Evolution sehr überflüssig. Man hätte sie auch mindestens auf die Hälfte reduzieren können. Für mich ist der Film auch leider eine einzige Aneinanderreihung von Bildersprache mit dem Holzhammer. Und die Dinosaurier…

    Ich hatte leider auch die ganze Zeit das Gefühl, dass es ein Werbefilm für den christlichen Glauben ist.

    Ich habe mich wirklich sehr auf den Film gefreut, aber 0 Bindung zu irgendeinem der Charakter, weder positiv noch negativ. Ein Vimeo-Kurzfilm hätte gereicht :)

  2. 02

    So wie ich es in den Kritiken gelesen habe, sollte wohl der große Bogen – Urknall, Entstehung der Erde, Evolution, Dinosaurier, Handlung im 20. Jahrh., Ende des Universums – gespannt werden, in etwa wie in Kubricks 2001.
    Die Szenen am Ende repräsentieren damit wohl das göttliche Paradies, in dem man seine verstorbenen Lieben wiedersieht, und die letzte Szene soll wohl, so interpretiere ich es, das Ende des Universums darstellen als Gegenstück zum Urknall.

    Ich fand den Film visuell auch toll, aber inhaltlich auch eher schwach, kein Vergleich zu 2001. Ich habe auch Schwierigkeiten mehr als ein bisschen religiöses Geplänke da hineinzuinterpretieren. Was mich andererseits dann wieder verwundert, denn Pitt ist ja bekennender Atheist. Wirklich schlau bin ich aus der Handlung auch nicht geworden, deren Dialoge zu gefühlten 50% nur aus schwermütigen „Bruder! Mutter! Vater!“ bestanden.

  3. 03
    Jofe

    Ich hab bisher nur den Trailer gesehen und der hat mich schon verwirrt. Wie wird das dann wohl beim Film? Ich werd’s sehen.

  4. 04

    Hallo Johnny,

    schön, dass Dich der Film auch bewegt. Hier etwas ausführlicher meine Review vom 27. Juni 2011:

    http://www.phuturama.de/?p=786
    „Der schmale Grat zwischen Kitsch und Kunst – Terrence Malicks The Tree of Life“

    Habe ja auch gleiche Bild als Aufmacher ausgewählt (Nerdcore ebenfalls), weil es von den kosmischen Szenen praktisch nichts gibt – außer Trailer-Screenshots.

    c-u,
    Gregor

  5. 05
    Darby Crash

    Eso-Meisterwerk. War doch schön. Wenn’s um die Familie(nstrukturen) geht fand ichs sehr bewegend. Die Dinosaurier waren auch lustig. Die Ratlosigkeit in den Gesichtern der meisten Kinobesucher beim Verlassen des Saals hat mich daran erinnert, wie ich zum ersten mal „2001 Odysee im Weltall“ gesehen habe. Da kam man ähnlich raus: „Soll’n das jetzt? Wo is’n die Message ?“.
    Ähnlich wie „Carlos“ (Directors Cut), ein Streifen, wo man sich mehere Stunden schön reinsuhlen kann. Wenn ich klare Aussagen /Analysen möchte, bleib ich lieber beim „Weltspiegel“ aber in der Kunst darf man das machen.

  6. 06

    Es gibt ja garkeine Dinosaurier. Wenn die Absicht die Überführung zum Hardliner-Christen sein sollte..

  7. 07

    Bei allem Verständnis oder Unverständnis über einzelne (Be-)Wertungen des Films verstehe ich immer eines nicht: Warum muss ich immer meine Sichtweise auf alles andere stülpen?

    Mit anderen Worten: Warum nehme ich mir nicht denjenigen Teil heraus, der mir gefällt oder warum versuche ich nicht – in diesem Fall – das, was der Autor/ Regisseur an (eigenen) Gedanken und Bildern hervorbringt, mit meinen eigenen Gedanken und Bildern zu vergleichen?!?

    Als ich letzte Woche in „Tree of Life“ saß, habe ich auch Gelächter im Kino gehört, als die Dinosaurier-Sequenzen kamen (ich fand sie aber nicht zu lang; allein die Szene im Flussbett scheint mir der eine oder andere schon nicht verstanden zu haben), ich habe auch viele ur-amerikanische Dinge im Film wahrgenommen etc.

    Vor allem aber habe ich nach etwa einer Stunde gemerkt, wie sich am Beispiel des im Film geschilderten Aufwachsens der drei Jungen, meine EIGENE Wahrnehmung und Erinnerung an mein EIGENES Aufwachsen wieder gemeldet haben. Allein dafür war der Film schon den Eintritt wird.

    Ich las zuvor, er sei eine „Meditation über das Leben“ – und das kann man treffender wohl kaum ausdrücken. Die Bilder sind gewaltig, die Musik ist fantastisch, das Thema (Leben) ist groß. Für einen Abend aber zu groß und daher ging ich erschöpft und auch etwas verwirrt aus dem Kino, und hatte die Bilder und die Stimmung auch noch in den Folgetagen „in den Knochen“.

    Die Endsequenz muss man auch nicht verstehen, man sollte sie vielleicht eher fühlen. Sie spielte wohl auch nicht umsonst am und im Wasser, und die Umsetzung durch die Schauspieler hier – wie auch im ganzen Film – hat mich begeistert.

    Ja, der Film ist sperrig und kaum zu fassen, geschweige denn zu verstehen, aber so ist das Leben eben. Fazit: Extrem anstrengend, aber gelungen.

  8. 08
    muss sein

    Hier eine Rezension des Films aus christlicher Perspektive:
    Ein verfilmtes Gebet
    http://www.pro-medienmagazin.de/film.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=4107

  9. 09
    Jimi

    Ich fand den Film totalen Mist.
    Selten sowas blödes gesehen – dabei mag ich diese Art Filme eigentlich.

    Zur Tür, Johnny
    Am Anfang schwimmt ein Kind durch eine Tür = Wasser = Leben
    Am Ende geht er durch die Tür in die Wüste = Trocken = Tod

  10. 10
    Sascha

    Ich habe den Film vor ca. zwei Wochen bei einer Promo-Vorführung gesehen und habe – das erste Mal seit vielen Jahren – vorzeitig nach ca. 45 Minuten den Kinosaal verlassen.
    Ich gebe Dir Recht, dass die Bilder großartig sind und auch die Musik gefällt. Jedoch ist der triefende Pathos, mit dem der Film vorgetragen wird, nicht zu ertragen. Bibelzitat reiht sich an Bibelzitat – musikalisch untermalt von Chorälen, eine Anspielung auf den tragischen Badeunfall folgt der nächsten. Als Zuschauer komme ich mir hier nicht ernst genommen vor. Ich will einerseits unterhalten werden, andererseits möchte ich mir selber über das Gesehene Gedanken machen können. Hier liefert der Regisseur die Deutung gleich mit – in einer zweistündigen selbstreferentiellen Endlosschleife. Damit wird Tree of Life zur Dauerwerbesendung. Das ist einfach nur öde.
    Lars von Trier hat mit „Antichrist“ gezeigt, wie sich eine sehr ähnlich Thematik umsetzen lässt. „The Antichrist“ bewegt, ekelt, tut weh, berührt; „Tree of Life“ ist hingegen pathetische Ödnis. Zwei Stunden QVC gucken hat einen höheren (wenn auch unfreiwilligen) Unterhaltungswert.

  11. 11
    Sven

    Ich habe es nicht ausgehalten und musste das Kino verlassen: Gequierlter Mist

  12. 12

    Der Film zeigt die Evolution, die bekanntlich eine sehr unchristliche Sache ist, er will bestimmt niemandem zu einem bestimmten Glauben überführen, sondern die Schönheit, aber auch die Zerbrechlichkeit der Welt zeigen. Ich finde es schade, dass viele Menschen den Film nicht zu Ende sehen, denn wenn man nur die erste halbe Stunde kennt, kann man natürlich keine richtige Meinung haben und das Gesamtkunstwerk nicht betrachten. Ich persönlich fand „The Tree of Life“ großartig, weil er unendlich Platz für Interpretationen lässt und jeder Zuschauer für sich selbst herausfinden kann, was die Bilder bedeuten. Der klassische Kinofilm mit einer klaren Handlung und eindeutiger Botschaft ist zwar für einen Abend schön, aber Menschen auf solch einer Ebene zu inspirieren und zum Nachdenken anregen wie dieser hier schafft er nicht.

  13. 13

    Die Himmelsszene am Ende hat mich tatsächlich auch verwirrt bzw. war etwas zu viel des Guten; der Bezug zum christlichen Glauben war teilweise etwas penetrant, aber auszuhalten. Insgesamt ein Film, der durch seine schönen Bilder überzeugt, aber nicht unbedingt etwas für Leute, die auf eine abgeschlossene Story stehen. Bin jedenfalls froh, dass ich „durchgehalten“ habe.

  14. 14
    martino

    Habe soeben den Trailer gesehen: ist mir schlecht! Ehrlich.
    Dabei bin ich einem spirituellem Leben zugeneigt, christlich erzogen und immer sehr offen für Weltanschauungen, Religionen und exotischen Lebensbetrachtungen. Und ich mag Bilderwelten, aber dies hier ist platt. Einsilbig, schmierig, ohne Kreativität.

    Daraufhin schau ich mit heute malwieder entweder Kubricks „2001“ oder gleich Tarkowskis „Stalker“ an. (auch sehr kontrovers diskutiert!) Aber das sind Filme! Bombastische Bilder, gute Musik und viel Raum zur Interpretation.

    „Baum des Lebens“ (schon dieser Titel!) wird in die Filmgeschichte eingehen. als eines der kitschiksten!

    Guten Abend.

  15. 15

    @martino: man darf den film schlecht finden, aber dazu sollte man ihn vollständig gesehen haben. zu viele leute beurteilen dieses werk entweder nach dem trailer oder nach den ersten 40 Minuten. das ist keine diskussionsbasis.

  16. 16
    Jürgen

    Ohne den Film gesehen zu haben: Stark metaphorisch bzw. bildmetaphorisch arbeitende Filme haben zumeist nicht DIE eine Aussage, sondern überlassen es dem jeweiligen Zuschauer zu interpretieren, was das nun zu bedeuten haben soll. Durch diese interpretatorische Offenheit kann sich jeder Zuschauer seine eigene Auslegung schaffen, weil die Filme eben mehrere Auslegungen zugleich bestätigen. Weitere populäre Beispiele wären (neben Kubricks 2001) z.B. Aronofskys „The Fountain“ oder auch der Froschregen am Ende von Magnolia -hier kann sich jeder selbst überlegen, warum in aller Welt nun Frösche vom Himmel fallen und ob dies nun eine christliche Botschaft sein soll oder ob schlicht und ergreifend der pure Zufall zelebriert wird.
    Ich vermute, dass dies bei Tree of Life ganz ähnlich sein wird. Man hat eine Bildsprache, die gleich eine ganze Spanne an Interpretationen erlaubt. Man sollte da nicht den Anspruch erheben, es gäbe nur die eine Interpretation – und man sollte sich erst recht nicht einreden, man habe den Film nicht verstanden, nur weil der Regisseur dem Ende ein paar kurios-metaphorische Bilder aufsetzt.

  17. 17
    Gänseblümchen des Lebens

    Großartige Bilder? Bewegendes Schauspiel? Wo denn? Zahnarztfrauen, die vom Gatten neben dem Mini noch eine Kamera in die Hand gedrückt bekommen, um mal ihrer „Kunst“ freien Lauf zu lassen, würden solche Kunst machen. In Sachen Montage kann man es sich nicht einfacher machen. Schöne Naturbilder aneinanderschneiden. Macht mein Papa nach jedem Kärntenurlaub. Darüber dann die gleiche Tonspur legen, die bei Thin Red Line und New World noch nett war, aber hier nur noch nervt. Und dann schwebt Muttern auch noch durch die Luft??? Also bitte, das ist nicht poetisch, das ist einfältig. Und Dinosaurierfilme sind toll, aber im 93er Jurassic Park sahen die schon besser aus als hier. Allerdings: Das auf dem Kopf stehende Bild der spielenden Kinder mit ihren riesigen verzerrten Schatten und die Szene, als Brad auf Geschäftsreise ist und Mutter mit ihren Kindern durchs Haus tollt, sind wirklich wunderschön.

  18. 18

    Schöne Bilder? Ja, wenn auch teilweise ziemlich abgeschmackt. Tolle Musik? Naja. Wenn sie so holzhammermäßig eingesetzt wird, eher nicht. Schauspiel? Abgesehen von Brad Pitt nicht vorhanden. Sean Penn, Oscar-Preisträger? Mehr als 5 oder 6 Worte sagt der doch nicht.
    Mir haben ehrlich gesagt die Natur-Sequenzen am besten gefallen. Aber ich mag ja auch Brian Cox’s Dokumentationen.
    Der Film hat für mich auf ganzer Linie versagt. Richtig ärgerlich, damit 2 Stunden zugebracht zu haben.

  19. 19

    Fand den Film auch etwas zu langatmig und an einigen Stelle zu multiinterpretabel. Mein Fazit: „WTH?“

    Würde ihn mir definitiv kein zweites Mal anschauen bzw. weiterempfehlen …

  20. 20

    Ganz ehrlich? Ich habe mit halbem Auge gesehen, dass sich hier mit dem Film auseinandergesetzt wurde – habe es aber erst jetzt, nachdem ich im Kino war und „durchgehalten“ habe, gelesen. Und bin ein wenig erleichtert, dass nicht nur ich verwirrt bin. Ein wenig fühle ich mich ertappt, denn es ist kein ungutes Gefühl, nicht der einzige Mensch zu sein, der Fragezeichen auf der Stirn hat. Und ja: So manche Minute fühlte sich wie durchhalten an, so manche Szene war triefender Pathos pur – dennoch: Diskussionen anzuregen, ist nicht das Schlechteste. Obwohl ich mir – wie in Ausstellungen, die ich nicht verstehe, aber verstehen möchte – wünsche, es gäbe noch einen Epilog. Der Film war für mich zu schwer für einen Kinoabend, zum Bersten gefüllt mit tollen Bildern – und mir unverständlichen Metaphern. Gerne lasse ich mich durch Kunst anregen, wenn sie aber nur noch überfordert und das Reden über sie hemmt, dann wird es zumindest für mich schwierig.

  21. 21
    Fabian

    Ihr Narren. Wenn ihr auch nur ansatzweise verstehen würdet, worum es eigentlich geht…

  22. 22
    martino

    @Fabian: Dann? Was wäre dann?
    So bitte, klär uns doch auf, Fabian!
    und bitte so dass wir es verstehen können!

  23. 23
    martino

    @Zenpix:
    Sicher, du hast recht! ich lehne mich hier sehr aus dem Fenster dafür das ich nur den Trailer gesehen habe.
    Aber dieser Trailer! Diese Bilder, gepaart mit einer schwülstigen Adabtion von Smetenars Popstück.
    Und dann diese Behauptungen;:
    man müsse sich entscheiden welchen Weg man geht; den der Natur, oder der Gnade!!!!
    oder: eines Tages werden wir Fallen und Weinen, und dann alles Verstehen.
    Hallo?
    So, Besucher, nun überlege dir mal, neben einer Flut symbolschwangeren Bildern, was man sich dabei gedacht haben könnte.
    oh man!
    Jede Bildeinstellung schreit: SYMBOLIK! TIEFGRÜNDIGKEIT! WAHRHEIT!
    Hier ist ja alles so total durchdacht, und so tiefgründig, so direkt ins herz… yeah! oooohhhh… und jede Teilsekunde voller Wahrheit, ja Wahrhaftigkeit!
    sorry, aber sowas geht doch echt nicht. oder?
    gruss
    m


    (und gäbe es noch kino.to könnte man ja mal reinzappen und weitere eindrücke sammeln. und vielleicht würde der film am ende mich doch mehr überzeugen als der trailer, und ich würde ins kino gehn und die dvd kaufen… aber das ist wieder eine andere geschichte, ihr filmindustriedeppen.)

  24. 24
    flubutjan

    Mein Senf: Ich habe mich durch den Film bestätigt gefühlt. Dass man sich an den Vögeln und Bäumen erfreuen soll, jedes Blatt (und jede Fliege :-)) lieben kann und so. Das hat mir völlig gereicht.

    Diese ganzen Naturaufnahmen finden direkt im Anschluss an die den „weicheren“ Sohn betreffende Todesnachricht (vermutlich Vietnam) statt, die vor allem die Mutter erschüttert. Diese hatte bis dahin einen ungetrübten, d. h. vertrauensangefüllten Gottesbezug, der durch den Tod des Sohnes (wie das klassischerweise bei Schicksalsschlägen der Fall ist) in die Krise gerät.

    Nach meinem Eindruck wählt Malick daraufhin Visualisierungen von Schöpfungsausschnitten, die eben gerade nicht von göttlicher Anwesenheit beseelt wirken und dadurch irgendwie durchaus gottesfern (fern eines liebenden, sorgenden Gottes) und bei aller Fülle monströs leer wirken, wie um einen Zweifel an der Existenz eines (fürsorglichen, behilflichen) Gottes zu illustrieren.

    Oder aber im Gegenteil: um zu zeigen, in welchen „ungemütlichen“ Konstellationen uns auch Gottesbezug abverlangt wird? Ich weiß es nicht.

    Der große Dinosaurier trampelt in einer archaischen Dominanzgeste dem liegenden Dino erstmal auf den Kopf, löst dann aber den Griff, um dann zweimal zart auf den Schädel des anderen Dino zu tapsen und schließlich von ihm abzulassen. Das ist doch schön, ist doch eine Utopie angesichts des allgemeinen und nicht nur Dinosaurier betreffenden Selbstbehauptungsirrsinns.

  25. 25

    Das ist eine schöne Diskussion geworden, das macht Spaß!

    @flubutjan Danke für die Beschreibung der Dinosaurier-Szene im Flussbett.

    @Zenpix Gute „Co-Moderation“! Im Englischen sagt man „To look out of the box“, und genau darum geht es hier auch, nämlich über den eigenen Tellerrand zu sehen. Wie und warum ich auf bestimmte Dinge, Bilder, Gesichter etc. reagiere, ist doch auch mal eine Überlegung wert, oder?

    Die schaupielerische Leistung von Sean Penn würde ich übrigens nicht anhand seiner „Wortbeiträge“ beurteilen, denn Körpersprache, Mimik Ausstrahlung gehören auch dazu, und da der Film fast mehr von inneren Dialogen „lebt“, kommt der gesprochenen Sprache hier eine etwas andere Bedeutung zu.

    Ich würde mir den Film übrigens auch kein 2. Mal ansehen. Wie das Leben bleibt er so ein einmaliges Erlebnis…

  26. 26
    plan9

    sagen wir mal so… das ist der erste und hoffentlich einzige film, den ich lieber in 3d und ohne ton gesehen hätte.

    ich hasse es, missioniert zu werden. bei malick muss man sich aber drauf einstellen, dass genau das passiert. er tut das nämlich schon seit fast 50 jahren. gottlob ausgesprochen sporadisch.
    es geht immer um die vertreibung aus dem paradies, bzw der verlust desselben. dabei gilt: paradies = natur. dafür bedient sich malick gerne alttestamentarischer metaphern. diesmal: hiob.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ijob#Tun-Ergehen-Zusammenhang

    @fabian
    das kann man alles wissen und es kann einem trotzdem am arsch vorbei gehen. oder es kann einem genau deswegen auf den nerv gehen.

    das einzig wirklich gute an dem film finde ich die diskussionen, die er lostritt. und wie sich dabei so mancher, völlig unneutestamentarisch, als wissender/beseelter selbst disqualifiziert.

  27. 27
    flubutjan

    @plan9: „dabei gilt: paradies = natur“

    Na, eben gerade nicht. Eher „Paradies = Gnade, Natur = Krieg“.

    (Ich hoffe, dass Du Dich durch Dein Unverständnis für Dein eigenes gestreng wertendes Urteil nicht ebenfalls „selbst disqualifiziert“ hast, womöglich mit anschließenden Selbsthassattacken oder so.)

  28. 28

    @plan9: super, denn genau das habe ich auch schon gedacht. wieviel besser wäre dieser Film gewesen mit einem Soundtrack, der die Bilder unterstützt – minus die mantraartig wiederholten Wörter! ich glaube fast, dass ich nicht mehr und nicht weniger verstanden hätte – aber die Konzentration auf die unglaublichen Naturaufnahmen wäre leichter gefallen. Und ja: Auch ich mag Dinge/Kunst, die Menschen zum Reden provoziert.

  29. 29
    Kunterbunt

    Es gibt zwei Wege, wird am Anfang des Films gesagt: Den Weg der Gnade und den Weg der Natur. Die Szene mit den Dinosauriern habe ich als den ersten Gnadenakt in der Geschichte der Welt verstanden. Der überlegene Dino lässt den verletzten Artgenossen am Leben, obwohl er eine leichte Beute wäre.
    Das gleiche Prinzip findet sich wohl auch in der Familie wieder: Die Mutter ist gnädig (eine Madonna, im christlichen Sinne), der Vater trimmt seine Söhne auf Härte (=Natur).

  30. 30

    @Kunterbunt: Danke, sehr hilfreich und passend (Dinosaurier)!
    Erinnere mich jetzt auch wieder. Hatte den Film im Original mit Untertiteln gesehen, und bevor man richtig drin ist in der Sprache und den ganzen Bildfluten, hat man die Unterscheidung zwischen „grace“ und „nature“ auch schon wieder nicht mehr zur Hand…

  31. 31
    plan9

    @flubutjan
    ich befürchte, du hast recht.
    ich hab mir grade nochmal die mantra-artig wiederholten textstellen durchgelesen („die nonnen haben uns zwei wege durch leben gelehrt, den der natur und den weg der gnade. du musst dir einen weg aussuchen“ und „die gnade versucht nicht sich selbst zu gefallen. sie akzeptiert, gekränkt, vergessen und verachtet zu werden. sie akzeptiert beleidigungen und verletzungen.“ und „die natur will sich nur selbst gefallen. zwingt andere, ihr zu gefallen. sie will sich zum herrn über andere machen. sie findet gründe, unglücklich zu sein, während die welt um sie herum erstrahlt.“)
    das passt auch prima zu hiob, der trotz aller ihm von satan zugefügten schicksalsschläge (armut, verlust der 10 kinder, ein geschwür von scheitel bis sohle) nie den glauben an gott verliert und diesen sogar gegen zweifler verteidigt.
    und das passt prima zu dem von digi-dinos dargestellten gnadenakt.
    herr im himmel… wenn ich nur dran denke, dass ich mich dem mehr als zwei stunden ausgesetzt hab, wird mir jetzt noch schwummrig.

    vielleicht sollte man tree of life nur in einer double feature mit hanekes funny games zeigen. dann gleichen sich die schwingungen wieder aus.

    bisher hatte sich malick auf die zerstörung von gottes schöner schöpfung (=natur) durch den (offenbar vom teufel besessenen) menschen beschränkt. vermutlich rührte daher meine verwirrung. weiß der himmel, was ihn jetzt auch noch einen hals auf die natur kriegen ließ…
    aber bebildert hat er sie trotzdem wunderschön!

  32. 32
    flubutjan

    @plan9: Einen Hals auf die Natur könnte man ja z. B. kriegen wg. des in ihr häufig traurig waltenden survival of the fittest, also wegen der hie und da in ihr kriegerisch konkurrierenden Selbstbehauptungen, wegen ihrer manchmal katastrophalen Zerstörungskraft usw.

    Andererseits installiert Malick im Film Bäume, Vögel und Blätter als große Idyllenerzeuger, Tröster, Liebesobjekte u. ä.

    Hm, die sind ja auch Natur, nanu.

    Widerspruch? Nö, glaube nicht. Denn die Natur kann wohl durch Gnade zum Paradies tranformieren oder so. Sie (erst paradiesisch bekömmlich) ist dann quasi Material der Gnade und als solches primär eventuell auch dem Unbekömmlichen affin. (Sorry, kann mich gerade nicht geschraubter ausdrücken.)

    Was wäre die Gnade? Liebe wohl vor allem. Und wahrscheinlich Gottesvorstellungen. Beides. Irgendwie so.

    Danke für die Zitate aus dem Film.

  33. 33

    Ich fand den Film auch einfach etwas zu pathetisch. Eine Abfolge von Szenen, die nicht wirklich zusammen gepasst haben; oder ich hab einfach nicht den Horizont, um beim Blätterwald des Lebensbaumes durchzublicken^^

  34. 34
  35. 35
    fck

    Also ich hatte auch nicht den Eindruck, dass da am Ende ein (christlicher) Himmel dargestellt würde. Das Meer symbolisiert die Freiheit und weite der Möglichkeiten aller. Und alle rennen was anderem hinterher, der Protagonist erstmal seinem kindlichen Ich und dann der Mutter, die das dann an seine Frau weitergibt.
    Grdsl sah ich jetz nicht viel Mission in dem Film, a bisserl esoterisch aber jetzt nicht übermäßig christlich. Es war einfach der Versuch ein paar philosophisch-menschlich-ethische Grundfragen darzustellen und zu verhandeln, eben nicht in einer formalen, sondern durchaus ganzheitlich subjektiven Art. Das büschen kitschige Effekt-Plimplim – geschenkt. Klar vermisst man erstmal den klaren Plot und so, wüsste aber nicht wie man sowas sonst darstellen sollte, wenn nicht als Kinofilm. Und die Gesichter von den ganzen Hühnern die einfach den neuen Brad Pitt sehen wollten- unbezahlbar.
    Was mir wirklich ein wenig gefehlt hat war die ganze Absurdität und Aberwitzigkeit des Lebens, das hätte in irgendwie reingemusst. Das man nur pathetisch mit Verlusten umgeht und überhaupt. Ich wünsche mir den selben Film nochmal gemacht von einem englischen Autor/Regisseur.

    …so seh ich das.

  36. 36
    MrJay

    Hab den Film gerade gesehen. Ich fand den klasse!

    Hier übrigens der Trailer
    http://www.trailerlounge.de/film/tree-of-life/video/trailer-9887

    Brad Pitt hat wirlich gut gespielt; kann man nicht anders sagen.

  37. 37
    doro

    die negativen reaktionen der kommentatoren sind so platt und einspurig, wie sie es dem film vorwerfen. das zeigt, wie wenig die menschen heutzutage noch gewöhnt sind, ihren geist zu benutzen und mit ihm zu spielen. sich anregen zu lassen, über den tellerrand hinauszusehen. wie sehr eigentlich nur noch geistige fertigkost verlangt wird. schön abgeschlossene geschichten, in denen den konsumenten alles haarklein erklärt wird. Und wehe, man muß mal ein bischen nachdenken oder sich einlassen, dann wird gleich empört das kino verlassen. wie armselig!

  38. 38

    @doro
    das hat doch nichts damit zu tun ob Leute bei nem Film nicht mehr nachdenken wollen – als Beispiel nenn ich mal Donnie Darko, da kann man auch schön nachdenken und interpretieren, aber es wird einem auch einen Rahmen gegeben.
    Oder mehrere David Lynch Filme.
    Aber bei Tree of Life fehlt der Rahmen komplett! Wenn ich irgendwelche Urlaubsbilder, Familienaufnahmen und Naturaufnahmen wahllos aneinander reihe, dann kommt etwa dasselbe dabei heraus. Ist es dann auch Kunst?
    Aber so war es ja schon immer: Kunst ist eben dann Kunst, wenn es viele Leute für Kunst halten.

  39. 39
    Blub

    Ich finde das blabla über Nachdenken und Einlassen lächerlich, aber mir ist trotzdem aufgefallen, dass grade die negativen Kommentare teilweise sehr kurz waren und von abartigen Rechtschreibfehlern strotzen. Gequierlte? Kitschik? Adabtion? Naja, muss nichts heißen.

    Hab mich völlig vorurteilsfrei auf den Film eingelassen, wusste nämlich nicht, was mich erwartet. Den Anfang fand ich anstrengend. Ich dachte auch, der Sohn hätte sich umgebracht. Eigentlich dachte ich die ganze Zeit, der älteste Sohn hätte das. Dann kamen die Bilder vom Universum, die sehr beeindruckend waren, gepaart mit dieser Musik… wow. Ich muss gestehen, dass ich aber auch hier nach einigen Minuten dachte, dass es mir jetzt wirklich reicht, zumal ich das Ganze teilweise als unangenehm und bedrückend, wenn nicht sogar als gruselig empfand.

    Lustigerweise wusste ich nicht, dass der Film vom Regisseur von „Der schmale Grat“ ist. Ich bin ein ganz großer Fan vom schmalen Grat, finde aber auch diesen sehr langatmig und anstrengend. Wie dem auch sei, ich dachte schon gleich am Anfang, als diese Naturszenen und das Gewisper kamen, dass das doch sehr an den schmalen Grat erinnert.

    Die Kindheit ist großartig dargestellt. Sofort kamen Bilder meiner eigenen Kindheit hoch. Irgendwann reicht aber auch das. Ungefähr da, wo der Vater von der Geschäftsreise zurück ist, hatte ich dann echt genug von dem Ganzen und hoffte auf ein baldiges Ende. Ich dachte ja die ganze Zeit, da käme noch eine Erklärung für den Tod des Sohnes. Wenn der Sohn im Krieg gestorben ist und sich nicht umgebracht hat, verstehe ich auch den Sinn des ganzen Filmes nicht. Vielleicht eine Hommage an das Leben oder so. Na schön. Gibt sicher angenehmere Filme, aber auch weitaus schlechtere. Wenn man sich drauf einlässt, ist es ganz bereichernd.

  40. 40
    JHAG

    Bei dem Film » The Tree of Life“ empfinde ich eine starke Sinn zur Inspiaration. Fast ohne Worte, alles auf Gefühle, Eindrücke beschränkt. Störquellen wurden gänzlich vermieden die wie in anderen Filmen durch eine überdrehtes Drehbuch die Freiheit der Gedanken einschränken.

    Diesen Film zu sehen war das beste was ich bisher gesehen hatte!

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