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Tatendrang+

Da sind wir nun wieder alle versammelt, die selbst oder fremd ernannten Web-Auskenner, die Media-Analysten, die Social-PR-Profis, die Checker 2.0.

Sascha Lobo erklärt G+, Nico Lumma erklärt auch, und zwar Twitter für tot (seine Rettungsvorschläge folgten gleich darauf), und irgendwie sind wir alle – ich inkludiere mich explizit – am testen, durchblicken, erläutern und analysieren.

Reflexion und Analyse sind wichtig. Schon.

Aber wer stellt darüber hinaus eigentlich selbst etwas auf die Beine? Wo sind die innovativen Ideen und Umsetzungen von uns, wieso startet nicht die Hälfte aller im deutschspachigen Web versammelten Auskenner selbst dauernd tolle Online-Projekte mit ihrem ganzen Wissen, scheitert, schmeißt hin, baut neu?

Vielleicht, weil wir zu viel über die Arbeit anderer quatschen. Vielleicht, weil wir nicht die Eier haben.

Das wird hier kein gesamtanalytischer Artikel, denn meine Sicht ist genauso beschränkt wie deine, und so ist dies hier nur eine momentane Ego-Emo-Aufnahme.

Ich stelle fest, dass ich viel zu viel Zeit damit verbringe, über Songs zu reden, statt selbst welche zu schreiben. Ich beantworte den ganzen Tag lang Mails, Tweets, Messages, lösche diesen ganzen verfickten, manuell geposteten Spam aus den Kommentaren alter Artikel, kommuniziere quasi 20 Stunden am Tag und muss erkennen, dass ich neben der re:publica und einigen Texten, die immer so lange interessant sind, bis der nächste erscheint, schon ewig nichts wirklich Kreatives auf die Beine gestellt habe. Und das nervt mich enorm.

Ich bin gelangweilt von mir selbst, ich bin gelangweilt vom Netz. Ich bin gelangweilt davon, dass viele Artikel und Reaktionen so vorhersehbar sind und dass die Vorhersehbarsten davon auch noch funktionieren, ich bin gelangweilt davon, dass es immer die gleichen „Aufreger“ sind, die sich verbreiten und die zwei Tage Stunden später niemanden mehr interessieren. Ich bin gelangweilt davon, dass jeder eine Antwort auf alles hat, ich bin gelangweilt von Besserwissern und #fail-Tweets, von Facebook-Einladungen und von check out my song/book/tweet/product/phone/site/app/ass/, gelangweilt von Post-Privacy-Studenten und von Ihr Unternehmen im Social Web.

Ich habe gestern aus Versehen ein Radio-Interview zum Thema „Facebook-Party-Verbote“ gegeben. Wie Sommerloch ist das denn bitte? Und warum lasse ich mich auf so etwas ein?

Es wird Zeit für Neues, Zeit, zu arbeiten, und diese Arbeit wird mit Nachdenken anfangen, wie sich das gehört.

Put your best shirt on, baby, it’s summertime and the world doesn’t give a good cahoot about your LIKE button.

Versöhnliche Fußnote: Was mir derzeit am meisten Spaß macht, ist das Fotografieren. Ich war mein Leben lang ein furchtbar schlechter Fotograf, zu analogen Zeiten hatte ich Hausverbot bei den Fotolaboren der Stadt, und ich war davon überzeugt, dass ich „den Blick“ nicht habe, keinen Sinn für die Kunst des visuellen Moments. Und dann fing ich an, mit Instagram zu spielen, begann, die Welt um mich herum anders zu betrachten als bisher und plötzlich fand ich nicht mehr alles, was ich ablichtete, ganz so grausam und hatte kleine Erfolgserlebnisse. Ich lerne etwas Neues. Viel wichtiger ist aber: Ich fühle mich durch andere Menschen inspiriert. Ein Effekt, den ich an vielen anderen Netzstellen derzeit leider vermisse.

64 Kommentare

  1. 01

    Dann ignorier doch einfach die Facebook Keynote und poste mehr Bilder in Deinem G+ stream. Ich sehe nicht so ganz wo da das Problem ist?

  2. 02

    ich sag mal einfach: keine eier

  3. 03

    Ich hielte es für einen furchtbar kreativen Akt mir eine Google+-Einladung zukommen zu lassen. Des weiteren denke ich sollte man sich nicht schämen so selten kreativ zu sein. Man hat Phasen wo man produziert, man hat Phasen wo man konsumiert und auch welche in denen man nur kritisiert. Und manche Leute haben gar keine kreativen Phasen – so wie ich :) Von daher sollte man sich doch vielleicht jeder mit der ihm zugedachten Rolle begnügen? Ich weiß es auch nicht. Vielleicht ist auch all dies nur ein verzweifelter Akt die Lernerei aufzuschieben? Furchtbar!

  4. 04
    Kai

    *Hach*

    Du hast völlig Recht.

  5. 05
    Hyperkeks

    Danke, der Text gibt ganz gut wieder wie es mir gerade auch geht.

    Deine Fotos sind mir übrigens bei Instagram sehr stark aufgefallen und ich hatte mich schon gefragt, ob du uns bisher noch eine vergangene Fotografen-Karriere verheimlicht hast.

  6. 06

    Wie sagte Peter Lustig noch? Einfach abschalten. Also im Sinne von pausieren. Das hilft immer. Bestimmt auch in dem erregten Vorfall #besserwisserkommentar

  7. 07
    HCL

    yo! und demnächst machste doch ma bei GWB mit! ;)

  8. 08

    Man hat halt nur eine begrenztes Energievolumen – wir haben was gemacht und müssten mehr drüber reden/schreiben, aber dazu bleibt leider kaum noch Zeit… So isses nun mal.
    Übrigens: zum Schreiben braucht man auch Eier. Also mal nicht so abwerten das Ganze… :)

  9. 09

    @Mike Schnoor: So etwas meine ich ja nicht mit Besserwissern. Sowas sind nette Ratschläge. :)

    @Hyperkeks: Das ist sehr nett, dankeschön!

    @Armin: Befindlichkeitsbloggen. Muss auch mal wieder sein.

    @mettskillz: Ja, das sind Phasen, schon. Aber ich will mehr von mir.

    @HCL: Was ist GWB?

    @Chris: Alle? Kanndochnichtsein.

  10. 10

    Jup, da sprichst du mir aus dem Herzen. Es gibt tatsächlich einige, die durchaus ganz schlaue Dinge sagen und veröffentlichen und es ist gut, dass es sie gibt, weil ihr Blick nicht durch eigene Dinge verstellt ist. So jedenfalls der Idealfall. Nur sage ich mir in einigen Momenten auch „Na toll, macht doch mal was eigenes. Setzt doch mal eure Theorien in die Praxis um. Baut doch mal was auf.“

    Na gut, man könnte scheitern, der Ruf ist passé und überhaupt.
    Egal, ich mach weiter und setze meine Ideen um, mit Spass, mit Höhen und Tiefen und der eigenen Erkenntnis, dass am Ende des Tages jeder seine eigene Interpretation von Social-Networking hat.

  11. 11

    „gelangweilt [..] von check out my song/book/tweet/product/phone/site/app/ass/“

    Da steckt für mich ein kleiner Widerspruch drin. Oben fragst du, wo die Dinge sind, die wir (deine Leser) selber auf die Beine stellen und wenn wir sie dir zeigen wollen, dann langweilt dich das?

  12. 12

    Wir sind leider alle zu sehr damit beschäftigt uninnovative Projekte für Kunden umzusetzen um uns über Wasser halten zu können. Sorry, sonst würde ich gern mal was innovatives und weniger gewinnbringendes an den Start bringen, ich finde das meiste im Netz nämlich auch ziemlich langweillig und uninspieriert.

  13. 13
  14. 14

    @sam: Das, was da stand (hast du es gelöscht?), war sehr nett und ich gebe ja einigen Sendern, zum Beispiel eurem, auch gerne Interviews. Aber das Thema ist schon irre überflüssig, oder? :)

    @ToBa: Da gehe ich später noch mal drauf ein, bin gerade unterwegs und kann nicht gut länger tippen.

    @Robert Agthe: Kenn‘ ich. Vampire. :)

  15. 15

    Aber manchmal ist es auch wichtig den Menschen zu sagen wie überflüssig ein Thema ist. Weil wird das nicht gesagt, dann könnten Menschen die nicht so dabei sind denken die nächste große Bedrohung käme von Facebook-Party (die ja auch irgendwas mit diesem Internetz zu tun haben, oder) – von daher sollte man Gegenaufklärung hier nicht kleinreden!

  16. 16
    Peter H aus B

    Johnny, mach doch einfach wieder Musik!

    Bei Facebook alle rausschmeissen, die du nicht persönlich kennst und auch nicht kennenlernen willst. Ich hab da nur 20 Freunde. Aber das sind echte Freunde!

    Twitter – wozu? Komplett überflüssig.
    Man muss nicht überall präsent sein und auch nicht jeden Scheiss mitmachen.

    Ich brauche auch keinen Google+ Account, bei dem ich nicht mal privat sein darf http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,751251,00.html

  17. 17
    Dennis

    Johnny, kann ich mal vorbei kommen? ;) Du schreibst mir gerade aus dem Herzen. Full of Ideas….

    Grüße
    Dennis

  18. 18
    Peter H aus B

    Ich schaue mir auch grad die rechte Seite deines Blogs an und frage mich: ich bin doch hier, warum soll ich Spreeblick auf Facebook finden? Und wenn interessiert es, wie viele Facebooker Spreeblick toll finden? Ob das 3 sind oder 30.0000. Mir doch egal. Besser wird das Blog dadurch jedenfalls nicht.

  19. 19
    Nicoma

    Find’s trotzdem gut.

    Mach mal wieder Musik …und mehr instagram Fotos :)

  20. 20
    Maddes

    Midlife Crisis? *duck*

  21. 21
  22. 22

    Der Artikel „gefällt mir“. Klick. Muss ich gleich mal twittern…

    Bullshit. Wie Peter sagt, man muss nich allen Mist mitmachen, nur weil es ihn gibt.

  23. 23
    DannyBoy

    Diagnose:Midlife Crisis+Sommerloch eventuell noch Burnoutsymptome?Geht vorbei einfach mal an den See und ins kühle Nass springen und alles wird jut!Keep on blogging:-)

  24. 24
    Punxsutawney

    Musste mal gesagt werden. Auf den Punkt. Passt. Danke!

  25. 25

    das ist genau das problem, das ich gerade mit dem g+ hype habe. ich glotze jeden tag auf den stream eines neuen sn und denke mir die ganze zeit: was soll das eigentlich? warum soll ich da jetzt was schreiben und vor allem: was? was sind das für menschen da, welche information soll ich ihnen geben? und dann lese ich die anderen posts im stream und alles was bei rumkommt ist albernes fb-gehate und schmieriges „sich besser fühlen“.

    aber ich bin es ja selbst, der da immer wieder rein guckt. ich bin ja selber schuld, mich zwingt ja keiner zu nix. und dann bin ich mir unsicher, ob das alles so richtig ist, was ich gerade mache und wie ich das mache. aber dann fällt mir ein, das schon wieder ganz andere sachen bei mir passieren. sachen, die im iternet ihren ursprung haben, in den dingen die ich da mache. aber die noch darüber hinaus gehen. und plötzlich (achtung, das könnte jetzt esoterisch klingen, ist aber keinesfalls so gemeint!) macht alles sinn!

    soll heissen: johnny, kreativität ist ein ausgelutschter begriff, wenn jeder selbsternannte social media arsch seine ergüsse schon für ansatzweise kreativ hält. du machst was anderes. du machst. und wenn man gerade mal nicht macht, dann macht man halt nicht. fuck it. selbst wenn du nix machst: mit spreeblick inspirierst du jeden tag so viele menschen zu irgendwas, damit schaffst du schon mehr als die meisten destruktiven „ich sag euch mal wie es läuft“-häschen.

    so. schluss jetzt.

  26. 26

    Johnny, deine Instagramme finde ich übrigens wirklich stets gelungen. Ich bin immer wieder überrascht, mit welch wachem Auge und allzeit gezücktem iPhone Du durch Baarlin spazierst. Wa?!

  27. 27
    norm

    Diese Einsicht kommt dir aber ganz schön spät. Aber lieber spät als nie.

  28. 28

    Ich denke auch, dass man so Phasen hat wie @mettskillz das beschreibt. Meine kreative Phase hat gerade wieder angefangen! Manchmal kann man nicht kreativ sein, manchmal konsumiert man nur, manchmal nervt einen alles an usw.
    Da du jetzt aber den Willen hast, setze das um! Ich habe wieder ein neues Musikprojekt mit einer Freundin gestartet und in 5 Stunden Arbeit ein Songskelett gebaut, sie die Vocals teilweise dazu. Beides Work in progress, aber wir machen uns beide dadurch glücklicher – und das ist es, was es auch bei dir bewirken könnte.

    Fotografiere, mach‘ Musik, denk‘ dir innovative Web-Ideen aus oder was-auch-immer. Aber dampf‘ deine Online-Zeit mit Mails und Twitter und so ein, das frisst mehr Zeit, als es Aufmerksamkeit verdient. Lieber alles mehr komplett abarbeiten. Vielleicht dreimal täglich oder so. Und den Rest der Zeit kreativ sein, das braucht nämlich seine Zeit. :)

    Achso, unnötig zu erwähnen: Just my two cents. Das macht jeder anders und bei jedem funktioniert es anders. Du wirst deinen Weg schon finden, Johnny!
    Viel Erfolg und Spaß!

  29. 29

    Full ACK. Kleine Ergänzung: durch das „inspirationelle“ Überangebot an kreativen Ideen wächst der Anspruch an eigene Projekte immens. Social Media vermittelt einem nicht nur das Gefühl, dass alles schon gemacht wurde, nein, es wurde sogar noch besser gemacht als man es selber je hätte machen können.
    Das erzeugt eine Hürde, vor der man immer kleiner wird.
    Das einzige, was hilft: abschalten! Und wenn dann das, was man macht, eben ein wenig langweiliger ist als der Top-Mainstream… so what !? Immerhin ist man mal wieder tatsächlich ein Stück vorangekommen.
    Ich schalt jetzt auch mal ab…

  30. 30

    Heute (bzw gestern) einen Tag vor dem Schirm versenkt. Feeds gecheckt, Twitter durchsucht, Standard Website abgesurft. Sauunproduktiv fuer den Tag, aber „It’s my life“ – übermorgen geht’s wieder und dann war dieser Durchhänger im Rückblick wie ein Tag am Strand. Prokrastinieren und vermeintliches zeitvernichten muss nicht schlecht sein.

  31. 31

    Gut gebrüllt. Genau das gleiche ging mir die letzten Wochen auch durch den Kopf und wurde in einigen meiner Beiträge verarbeitet. In gewisser Weise sind wir die Sklaven unserer Read-it-later Kultur, schlagen uns mit den Grenzen unserer eigenen Existenz herum und versuchen dennoch uns treu zu bleiben. Ich persönlich habe gemerkt, dass durch mein aufschreiben dieses Problems ich bewusster versucht habe, selbst etwas anzupacken und einfach mal zu versuchen. Hierbei ist es egal, ob ich meine Kamera spazieren führe oder einen Stift in die Hand nehme, hauptsache, ich mache etwas, ähnlich wie du mit deinen instagram Bildern. Manchmal muss man erst in seinen Grenzen fast ertrinken bevor man anfängt zu schwimmen.

  32. 32
    Fufu Fi

    Ähm. So einen Dienst kann man nicht mit 2 Nasen hochziehen. Auch nicht mit 12. Selbst als Think-Tank nicht. Jedenfalls nicht wenn man nicht 50 Leute Vollzeit einstellt, die nichts anderes machen als Kooperationspartner und Geldgeber zu rekrutieren.

    Klar kann man mit Holzbrinck, Burda, oder sonstwem irgendeinen deutschen Dienst hochziehen – der dann nach 3 Wochen schon verkümmert.

    Hier kommt nur etwas vollkommen neues in Frage (wie einst Facebook), oder man hat die Marktmacht eines etablierten Internetkonzerns im Rücken (und das kann schonmal nicht Microsoft sein, auch nicht 1&1/United Internet – mit denen klappt sowas schon nicht).

  33. 33
    Fufu Fi

    Nachtrag. Besser wäre es gewesen den Rechner auszulassen und Musik zu machen (oder den Rechner an, wenn mit diesem Musik gemacht wird, dann aber das Internet ‚aus‘) statt diesen Artikel zu schreiben.

  34. 34
    Tim

    discontentment is our engine

  35. 35
  36. 36

    Also ich war begeistert von deinen Bildern bei G+. Das du den „Blick“ nicht hast, halte ich für ein Gerücht.

  37. 37

    Johnny schreibt einen Artikel in dem er meckert,
    weil immer alle reden und niemand was macht.

    Und dann reden in den Kommentaren alle wieder.

    Witzig.

  38. 38

    @Cunctavi:

    Also ich habe mein taegliches Bild heute morgen schon gepostet. Den Reaktionen nach haben sich auch einige darueber gefreut.

    Und was hast Du gemacht?

  39. 39

    #Hach. Scheint irgendwie ’ne Grundstimmung zu sein im Moment. Gut so.

  40. 40

    Vielleicht liegt es aber auch an der deutschen Krankheit: der Missgunst, der Nörgelei, der Parteien- und Frontenbildung? Es haben ja auch andere darauf hingewiesen, wie viel mehr „supportive“ man in anderen Gegenden der Welt ist. Und wieviel weniger schmachvoll es ist, dort mit einem Projekt mal nicht erfolgreich gewesen zu sein – dann macht man eben das nächste.

    Wenn man die Zurückhaltung bei uns überwinden könnte, wenn man die Freundlichkeit verdrei- bis -vierfachen würde, toleranter bzgl. verschiedener Lebensstile wäre, wenn man auch vermeintlichen Losern etwas mehr Respekt und Optimismus gönnen würde, – vielleicht gäbe es dann mehr Pflänzchen, die sich ans Licht trauen (und damit auch etwas bessere Chancen hätten).

  41. 41

    @Armin: Wird das ein Wer-folgt-Johnnys-Vorschlägen-am-besten-Wettbewerb?

    Ich hab nie behauptet, dass ich Johnnys Meinung teile noch, dass ich die Reaktionen falsch finde. Fand das Ganze nur witzig.

    Klar verschwende ich zu viel Zeit im Netz (tun wir das nicht alle?), aber ich bin kein Social-Media-Experte. Aufzuzählen was ich als Techniker so zum Web beitrage würde meine (eh schon schwache) Anonymität weiter schwächen.
    Aber meistens ärgere ich mich darüber, dass ich etwas im RL nicht gemacht habe und nicht dass ich nicht das neue Web2.0-Dings hochgezogen habe.

  42. 42

    @Johnny Schön das du was hast was dich motiviert. Tu dir nur selbst einen Gefallen .. stelle keine Bilder online in irgendwelchen „Communitys“ … Solche Kommentare haben mir eine Zeitlang das Fotographieren versaut .. weil wie jeder über Lieder redet aber kaum einer welche schreibt … so hat jeder eine Meinung zum perfekten Bild. Also einfach mal „unsocial“ sein und etwas machen ohne „like“ oder ähnliches .. nur für dich :)
    Gruß Sven

  43. 43
    sn

    @nilz: Es gibt nur einen sn.

  44. 44
    christoph

    Willkommen in der Postmoderne. Das ist hier halt so. Falls es dich tröstet: du bist nicht allein. Nur einsam.

  45. 45
    mary

    hm…
    würde mir die instagram bilder gern mal ansehen, aber ist das irgendwo möglich ohne iphone?

  46. 46

    Ich bin ehrlich erstaunt: Johnny Haeusler merkt etwas erst viele Jahre später als ich. Beruhigend: Es geht selbst jemandem bei Spreeblick nicht anders als mir.

    Wer irgendwie mit Kreativen zu tun hat und selbst etwas kreativ ist, kennt dieses Dilemma: Wenn man nur für sich selbst werkelt, aber sich nichts von anderen ansieht/anhört/durchliest, bekommt man zuwenig fruchtbare Inspiration. Wenn man aber versucht, alle Sachen von anderen zu konsumieren und (nicht oberflächlich!) einzuschätzen, die man so hereingereicht bekommt, schafft man selbst nichts eigenes mehr.

    Es gibt kein Patentrezept, um das auszubalancieren. Bisher habe ich nur einen notwendigen Schritt gefunden: Mich in meinem Konsum zu beschränken, vieles einfach links liegenzulassen und dann eben zu riskieren, dass ich nicht alles mitbekomme. Das ist sicher keine gute Leitlinie für ein Popkultur-Blog, aber es geht zumindest für mich nicht anders.

    Was ich mich jedoch frage: Was ist denn aus dem kreativen Johnny Haeusler geworden, der hier mal ein ganzes Plan-B-Album zum kostenlosen Herunterladen eingestellt hat?

  47. 47

    So… und ich habe gerade mein WordPress-Framework fertiggestellt und werde mich jetzt in’s Bett legen. Danach wird dann weiter an Philomelos.net gewerkelt. Glaub mir, es gibt sie… aber sie haben kaum Zeit zu kommentieren, tweeten, schreiben. Die Zeit zum Leben nehm ich mir aber, keine Angst :-)

  48. 48

    Willkommen im Befindlichkeitssitzkreis, andere auf dieser Welt hätten gern unsere Probleme ;-)
    Im Ernst: ich kann Johnny gut verstehen, oft nervt mich das Besserwisserbloggergetöse auch. Wir sind ja ein Volk von Politik-, Fussball- und Umweltexperten, aber hinstellen und machen überlassen wir gerne den anderen. Und wie cunctavi richtig bemerkte: ich rede ja jetzt auch nur wieder. ;-)
    Manchmal erdrückt einen das Netz auch mit der Masse an Angeboten und ich wüsste dann nicht, ob meine Idee (wenn ich denn mal ne geniale hätte) einfach untergehen würde.
    Deswegen stimme ich auch Björn und Sven absolut zu: für sich selber was machen, wenn´s anderen auch Freude macht, schön.
    Als wir im Rahmen eines interkulturellen Austauschs mal zwei Pfarrer aus Nicaragua zu Besuch im Seminar hatten, berichteten sie, dass es dort völlig normal wäre, ständig mit irgendwelchen Projekten zu scheitern. Aber hier in Deutschland wäre das quasi verboten.

    In diesem Sinne: weiter fotografieren (die Bilder gefallen mir gut), weiter kommentieren, nachdenken… wenn das Dein Ding ist, bedeutet es ja auch, kreativ zu sein.

    …und ich geh jetzt mal schnell n Startup gründen.

  49. 49
    Tobi

    Hallo Johnny,

    ich lese dein Blog sehr gerne, ich schreibe aber selten in selbigem.

    Was das hier angeht, so bin ich mir nicht sicher, ob das eine vorübergehende „Lähmung“ deinerseits ist. Und Du?

    Was das ganze Web-2.0 angeht und auch was die neuen Handys angeht: Ich verstehe nicht, warum diesen Dingen (also den Dingen selbst) so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

    Da gibt es doch so einen schönen Satz in Per Anhalter durch die Galaxis über die Menschen, die Digitalarmbanduhren für den letzten Schrei halten… kommt gleich ganz vorne auf Seite 1 oder 2. Für Digitalarmbanduhren kannst Du Handys, Autos, Mp3-Player, Web 2.0 oder ganz allgemein den Konsum- und Technikfetischismus einsetzen. Die Aussage bleibt die selbe.

    Es sind in meinen Augen nur kleine piepsende Geräte, die meist nach ein paar Jahren auf den Müll wandern. Oft funktionieren sie dann noch. Vielleicht ist es auch nur ein Kratzer im Display. Gefällt zivilisierten Menschen nicht. Weg damit. Wir haben es ja.

    Was mich betrifft: Ich besitze weder Handy noch Auto noch mp3-Player. Da bin ich nicht stolz drauf, aber ich schäme mich auch nicht dafür. Manchmal fehlt mir ein Handy, manchmal bin ich froh keines zu haben. Beim Auto ist es ähnlich. Ein mp3 player hat mir noch nie gefehlt – Musik habe ich genug im Kopf. Einen Facebook-account habe ich auch nicht. Und wenn ich nach mir googele kommt nichts, garrrrr nichts, Lebowski :-)
    Und ich finde es manchmal schon erschreckend, wie viele Leute auf diese kleinen Bildschirme fixiert sind und davon nicht lassen können. Das hat um sich gegriffen wie die Pest. Glücklicher und erfüllter sind die Menschen dadurch nicht geworden – eher abgelenkter. Behaupte ich jetzt einfach mal so total vorurteilsbehaftet :-)

    Ich überlege gerade, was mir noch so Konstruktives für Dich einfällt. Aber mir fällt nichts ein. Ich glaube, mit der Erkenntnis machen > reden bist du schon sehr weit. Und das hier, also dieses Blog, ist doch schließlich „machen“. Vom Himmel ist es ja nicht gefallen :-)
    Was mein ‚machen‘ angeht: Ich arbeite selbstständig (kann mich da austoben, also ‚machen‘) und ich spiele Gitarre. Manchmal schreibe ich kleine oder auch große Geschichten, die ich aber nie aufhebe. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil mir das schreiben Spaß macht und weil es für mich nur „ich ich ich“, also Selbstdarstellung ist.
    Und dann gibt es ja noch den großen Rest vom Leben… :-)

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Tobi

  50. 50

    Ich grübel seit drei Minuten, wie man „good cahoot“ übersetzen soll.

  51. 51
    Jürgen

    Es ist nun mal so. Facebook, Twitter, SMS, Jeder blogt vor sich hin usw. ist gekommen, wird auch wieder vergehen und von noch verrückteren Sachen abgelöst. Manche wollen nur verdienen, andere wollen immer beschäftigt erscheinen und Dritte wieder vergessen vor dem Bildschirm, dass es Theater, Kino, Sport, Natur und Stille gibt. Nach kurzem oder längeren Nachdenken kommt aber irgendwann jeder drauf: Facebook-Freunde sind keine echten und Second Life ist nicht das wirkliche.

  52. 52

    @christoph: Ich bin vieles, aber garantiert nicht einsam. :)

    @mary: Die Bilder gehen auch alle zu meinem flickr-Account.

    An alle:

    Vielen Dank für die netten Kommentare. Es ist ja nicht so, dass es mir schlecht geht, ganz im Gegenteil, aber es ist noch so viel mehr möglich, und ich glaube, ich tippe solche Texte u.a. auch, um mich selbst in den Hintern zu treten, mal wieder über den Tellerrand zu blicken. Noch immer ist Bloggen für mich eben auch „lautes Nachdenken“ und in diese Kategorie sollte man diesen Text einordnen. Mich befällt diese Stimmung mindestens einmal im Jahr und sicher hat das auch irgendwie mit „Midlife-Blah“ zu tun, aber solange ich die Harley noch nicht bestellt habe, kann es nicht allzu schlimm sein. ;)

  53. 53
    Karsten

    Mach doch einfach mal nen „Spreeblick Bierchentrinktag“? Sprich, du setzt dich irgendwo hin und da kommen dann alle, denen es genauso geht hin und trinken, schwadronieren und „ideen“ (<- mal als Verb versuchen?!) ne Runde.

  54. 54

    Profilneurose

    „Aber wer stellt darüber hinaus eigentlich selbst etwas auf die Beine?
    Wo sind die innovativen Ideen und Umsetzungen von uns… “

    „Es wird Zeit für Neues, Zeit, zu arbeiten, und diese Arbeit wird mit Nachdenken anfangen, wie sich das gehört.“ by Johnny at sowiso

    Stell Dir nur mal vor, dass es Personengruppen gibt, die einer ge-
    regelten Arbeit nachgehen dürfen (müssen). Das sind die die Dir
    die notwendigen Klicks erbringen.

    Nix für ungut

  55. 55

    So ganz klappt es noch nicht, aber ich versuche gerade das hier (Avoid News) umzusetzen. Einfach um mehr Zeit fuer das Wesentliche zu bekommen und eben mehr anderes zu machen. Mal sehen.

  56. 56
    patton

    Treffen uns, wenn ich mal in B. sein sollte, und du noch nen „Öffner“ brauchen kannst.

    WARUM hast Du noch keine Harley bestellt?

  57. 57

    kauf die harley, pack die kamera ein und ab in die sperrzone. midsummercrisis muss wie migräne bekämpft werden, sobald sie spürbar wird…

  58. 58

    Mensch, das kommt mir alles so bekannt vor. Auch ich hatte vor geraumer Zeit das Gefühl, dass das Netz mir nichts Neues mehr zu bieten hat – man trifft halt auch hier überall die selben Typen, die in einer Endlosschleife die immergleichen Phrasen dreschen und vorhersehbaren Grabenkämpfe ausfechten. Und auch ich selbst hatte das Gefühl, dass ich mich nur noch wiederhole, mich das aber keinen Schritt weiterbringt (und auch keinen anderen). Allerdings hat mich das ganze Social-Web-Gedöns (Twitter, Facebook) auch schon gar nicht mehr so richtig zum Dabeisein gereizt, ich war wohl vorher schon ’satt‘. Das sind doch alles Zeitdiebe, die einen vom Leben abhalten.

    Bei Dir ist es das Fotografieren, das Dich wieder zum Lernen und Machen anspornt, bei mir war und ist es das Gärtnern (und Garten- und Makro-Fotografie so nebenbei). Und auf diesem Gebiet gibt mir das Internet auch wieder was: Ich komme bequem an jede Menge Gartenwissen heran. Das finde ich mittlerweile das wirklich Tolle am Netz: Jeder kann sich hier schnell und unkompliziert zu allem weiterbilden, was ihn interessiert.

    In diesem Sinne: Auf zu neuen Horizonten und viel Spaß dabei :o).

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