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Fußball-WM 2011 – Viertelfinale

Deutschland – Japan 0:1 n.V.

Am Ende sagte Silvia Neid diesen einen Satz. Einen uninspirierten, ideenlosen, entlarvenden Satz. Ein Satz, der das große Missverständnis zwischen Sommermärchen und Silvia Neid war. Sie sagte: „Wir waren nicht in der Lage, ein Tor zu machen, obwohl wir viele Standards hatten.“

Standards? Wieso denn Standards? War das der Matchplan? Eckbälle schinden und hoffen, dass die Japanerinnen nicht hoch genug hüpfen können? Es sah ganz danach aus. Es ist den Deutschen ja auch weiter nichts eingefallen. Nicht einmal haben sie in 120 Minuten gefährlich aufs Tor geschossen. Nicht einmal. Es gab auch kaum einmal eine Idee, wie man das machen könnte: einmal gefährlich aufs Tor zu schießen. Es interessierte sich auch kaum jemand dafür, dazu eine Idee zu entwickeln. Stattdessen standen hinten drei Verteidiger um eine bedauernswerte Japanerin herum, um mögliche Konter und hohe Bälle abzufangen. Davor das defensive Mittelfeld, das nach vorne in etwa so viel Kreativität entwickelte wie ein Karaokeabend im Altersheim.

Da kann die Nationalmannschaft seit den 50ern das 4-2-3-1 spielen, wenn die Idee hinter dem System nur darauf abzielt, das Spiel zu zerstören. Man kann Chopin nicht mit Boxhandschuhen an den Händen spielen. Solche Spiele zu sehen ist schon bei Erfolg kaum erträglich. Wenn man so auch noch verliert, bleibt überhaupt nichts mehr, woran sich der Zuschauer freuen kann.

Man möchte beinah hämisch werden nach all dem, was die Werbung uns versprochen hat. Dritte Plätze sind was für Männer. Die schöne Seite des Fußballs. Vorab lief die Bahn-Werbung, mit lauter schwarz-rot-gold angemalten Gesichtern und Kram. Und der Weltmeisterbahncard. Mitten in dem Clip sieht man einen Bahnhof, oben rechts einen Anzeiger, und da steht: bitte nicht einsteigen. Keine Sorge.

Jedenfalls: Schade für alle Deutschlandfans. Gut für jene, die gern Fußball sehen.

Frankreich – England 4:3 n.E.

Und damit ist die zweite Mannschaft raus, die nur auf Verhinderung gespielt hat. Englischer Fußball ist ja generell wie englisches Essen: Man muss vermutlich damit aufgewachsen sein, um dem etwas abgewinnen zu können. Immerhin, tapfer waren sie, die Engländerinnen: Kelly Smith humpelte die letzten Minuten völlig versehrt über den Platz, um am Ende ihren Elfmeter mit aller Souveränität ins Eck zu dreschen. Das hatte etwas heroisches. Ich glaube, David Winner hat mal gesagt, dass die Engländer bei jeder Gelegenheit (und auch bei jedem Spiel) die Schlacht von Dünkirchen nachstellen müssen: gestern war wieder so ein Moment. Man hatte vorab viel vom Matchplan der englischen Mannschaft gehört, als hätten sie sich etwas besonders elaboriertes und überraschendes einfallen lassen: vermutlich ist er daran gescheitert, dass sie nicht genug Zeit hatten, ihre Schützengräben auszuheben.

Es war kein sehr gutes Spiel, die Französinnen wollten zwar, waren aber aufgeregt wie frisch verliebte Teenager. Pässe mit der Präzision von IWF-Rettungsplänen, und phasenweise spielten sie so, als wüssten sie nicht, dass an den kürzeren Enden des Feldes Tore stehen. Hin und wieder hatte Thiney eine Idee, aber das reichte nicht, denn Delie und Necib hatten gleichzeitig etwas anderes im Kopf. Das Spiel wäre wohl ohne Tore geblieben, wenn sich nach einer Stunde nicht die Hälfte der französischen Abwehr an der linken Außenlinie verabredet hätte – warum, weiß man nicht. Vielleicht gabs da irgendwas umsonst. Durch das Loch so groß wie das Mittelmeer spazierte Jill Scott und lobbte den Ball ins mittlere Eck.

Dann kam Thomis, und man ahnte, wie man solche Mannschaften – Deutschland, England, USA, Schweden – auseinandergenommen bekommt. Es ist keine ganz schlechte Idee zu versuchen, auf die Grundlinie zu kommen statt immer nur Flanken aus dem Halbfeld oder Schüsse aus 30 Metern. Das Tor fiel dann zwar ganz anders, ein schöner Schlenzer aus 20 Metern. Aber wenn man gegen die USA gewinnen will, dann wird das wohl nur mit Thomis gehen.

Am Ende Elfmeterschießen, und wenn das ansteht, macht man auf der Insel sowieso schon den Fernseher aus. In den Worten des Guardian: „So, penalties, then. This is England, after all. What else did you really expect?“

Schweden – Australien 3:1

Sie haben Ruhe und Gelassenheit in der Defensive, sie haben Eleganz und Dynamik in der Offensive. Sie haben den Kampfgeist und die technischen Fähigkeiten. Sie haben eine Mittelstürmerin, die kaum trifft, und machen trotzdem Tore. Sie haben die USA körperlich dominiert und Australien spielerisch. Hätte ich Geld, ich würde es auf Schweden setzen.

Brasilien – USA 3:5 n.E.

Das war munter. Ein Festival an individuellen Fehlern. Man könnte anhand dieses Spiels eine Art Bildblog hochziehen und wäre in zwei Wochen noch nicht fertig. Aber es gab nicht ohne Grund so viele Fehler: das Spiel sollte deutlich schneller sein als die anderen Viertelfinale, intensiver auch. Zumindest am Anfang. Wahrscheinlich wären beide Mannschaften damit einverstanden, den Platz 35 Meter kürzer zu machen, weil sie mit dem Raum rund um den Mittelkreis sowieso nichts anzufangen wissen.

Natürlich begann das Spiel mit einem Lapsus, als Daiane eine Hereingabe ins eigene Tor schaufelte. Ganz besonders viel Spaß hat mir Rodriguez gemacht, die in der Form beim Casting zum nächsten Woody Allen-Film gehen sollte. Und dann ringt Buehler Marta nieder, Christiane schießt ihn halbhoch auf rechts, wo Solo steht. Aber weil alle so einen lustigen Tag haben, lässt Jacqui Melksham, die Schiedsrichterin, den Elfmeter wiederholen, warum auch immer. Vielleicht weil Sonne schien. Marta stört sich nicht groß dran und drischt den Ball wieder halbhoch links ins Eck, diesmal war Solo anderswo. Ausgleich.

Das Dresdner Publikum pfeift Marta aus. Weil sie viel meckert. Und den Elfmeter versenkt hat. Man mag hier exzentrische Spieler nicht so sehr gerne, außer Mario Basler, weil der so schön authentisch ist. Und man ihn nicht mehr sehen muss. Aber Marta geht gar nicht, warum, weiß ich nicht. Sowas gibt es bei dieser WM nicht so oft: Spielerinnen, die den Unterschied machen. Herausragende Spielerpersönlichkeiten, die Sachen machen, die niemand anderes kann. Dafür muss man Marta dankbar sein: Tore wie ihr zweites, zu Beginn der Verlängerung, mit dem Rücken zum Tor eine Flanke ins lange Eck gepackt. Vielleicht sieht man schöne Dinge nicht sehr gern in Dresden, das würde die Verschandelung des Elbtals erklären. Und dass das Stadion im Ernst Glücksgas-Arena heißt.

Ich bin ungern einer Meinung mit Tom Bartels: Marta spielte hart, aber nicht unfair. Und sie zu sehen ist häufiger eine Freude als ein Ärgernis. Man mag die armen Amerikanerinnen bedauert haben bis zum Ausgleich, aber bedauern ist ein leises Gefühl. Mir behagt so ein Publikum nicht: die Pfiffe gegen Marta waren lauter als die Anfeuerungsrufe für die USA. Das ist niederträchtig.

Unfassbarerweise machten die USA dann doch den Ausgleich, in der allerletzten Minute, und ganz Twitter verwandelte sich in Homer Simpson und rief „USA! USA! USA!“. Als gäbe es doch sowas wie Moral im Fußball. Immerhin, für dieses Spiel gibt es sie: die Biederen dominieren die Kapriziösen. Gegen Frankreich wünsche ich mir eine andere Moral.

42 Kommentare

  1. 01

    Marta spielt nicht hart, sie spielt unfair. Wer das Spiel auch nur zur Hälfte gesehen hat, hat mitbekommen, dass die Dame unentwegt am lamentieren war. Jetzt dem Dresdner Publikum zu unterstellen, es würde keinen schönen Fußball zu schätzen wissen…nunja, Fred. Das ist einfach etwas billig!

  2. 02

    Die Quoten der Wetten haben sich sichtbar verschoben.
    Es wäre schlicht gelogen, zu behaupten, schon alles vor-
    her gwusst zu haben.

    (Möppse höppse)

    Danke Fred

  3. 03
    Jan

    Sorry, aber Marta schimpft bei jeder ihrer eigenen Flugeinlagen wie ein Rohrspatz, wenn sie nicht gepfiffen werden, sie schimpft wie ein Rohrspatz, dass sie komplett unschuldig ist, wenn sie die Gegenspielerin gerade umgeholzt hat, und auch sonst wird jede Gelegenheit genutzt, um gegenüber Schiedsrichterin/Gegenspielerin/sonstwem irgendwas zum Drama zu machen.

    Klar kann die Frau Fußball spielen, klar ist das Tor klasse gewesen. Aber das ist wie mit Diego: der vorhandene Zauber verfliegt sehr schnell, wenn er von Schauspielerei, Arroganz und weiterem unfairen Verhalten zugedeckt wird.

    Wenn ihre Kolleginnen dann noch diese Attitüde übernehmen und jesusgleich von der Trage aufspringen, wird man erst recht sauer.

    So ein Verhalten wird niedergepfiffen, und zwar mit Recht.

  4. 04
    Mirko

    Ich weiß nicht, welches Spiel Frédéric gesehen hat, aber ich habe bestimmt 3-4 gute Törschüsse der Deutschen gesehen.

  5. 05
    Henri

    »Vielleicht sieht man schöne Dinge nicht sehr gern in Dresden, das würde die Verschandelung des Elbtals erklären. Und dass das Stadion im Ernst Glücksgas-Arena heißt.«

    Bis zu diesem Absatz hatte ich das leichte Gefühl, dieser Artikel ist nicht schlecht. Wenn Sie schon so lustig bemüht daherschreiben, vielleicht liegt das Ausbuhen der Brasilianerinnen ja daran, dass unter ihnen einige waren, deren Hautfarbe etwas dunkler ist? Sie wissen ja, in Dresden leben viele, die ein Problem mit Ausländern haben. Deswegen ja auch Glücksgas-Arena.

    Spreeblick war auch schon mal besser – und witziger.

  6. 06

    Ich möchte mich Henri und mettskillz anschließen. Pauschal die Menschen einer Stadt zu bashen ist nicht gerade anständig. Ohne diese Unhöflichkeit, wäre der Artikel recht gut gewesen. So klingt er einfach nur arrogant. Eloquenz alleine reicht eben nicht, wenn der Takt fehlt.

  7. 07
    MartUSA

    Gefoult wird in jedem Spiel, ebenso wie es unfaire Entscheidungen der Schiedsrichter gibt. Deshalb eine Weltklassespielerin für den Rest der Partie dermaßen auszubuhlen ist völlig überzogen. Wenn eine zuviel meckert kann die Schiedsrichterin schließlich bei Gelgenheit gelbe Karten verteilen, oder?
    „Mir behagt so ein Publikum nicht: die Pfiffe gegen Marta waren lauter als die Anfeuerungsrufe für die USA.“
    Dem kann ich nur zustimmen. Mir hat das permanente Pfeifen das Zuschauen ziemlich vermiest, mehr Anfeuerung für USA hätte für bessere Stimmung gesorgt.
    Ausserdem ist es doch echt scheinheilig ein Foul als „unsportlich“ zu sehen und dann für den Rest des Spiels nur noch zu buhen…Anfeuerung für USA wäre eine sportlichere/fairere Lösung gewesen.
    Auch die Arroganz o.ä. rechtfertigt das nicht.
    Zu Recht allerdings: das völlig peinliche Verhalten von Erika mit Pfiffen abzutrafen…aber auch hier: ohne übertriebenes Pfeifkonzert für Marta wäre die Empörung über Erikas Verhalten deutlicher rausgekommen, so war keine Steigerung mehr möglich.
    Ich hoffe, dass die kommenden Spiele wieder angenehmer anzuhören sind.

  8. 08

    @Henri:
    Echt witziger?

    Bin ein wenig irritiert.
    Zum einen sollen nach den Regeln des Journalismus
    die Themen geschrieben werden. Gut so.

    Weniger gut:
    Zu erkennen,
    dass sich manche davon frei machen,
    um ihre pers. Meinung zu äussern.
    .
    Meiner Alerliebsten habe ich ihr Netbook eingerichtet.
    Neben der deinstallation von unnützen Programmen,
    war es mir eine Freude, ‚Schuhe, Männer, Kosmetik‘
    als unseriös zu definieren, so dass Inhalte gesperrt
    werden.

  9. 09

    Was Mirko sagt. Zugegeben: Für mich war das eine sehr sehr schöne und zugleich sauspannende Partie mit vielen „Gleich isser drin“-Momenten für beide Seiten. Lange bei einem Spiel nicht mehr so mitgegangen wie bei diesem. Allerdings bin ich auch vonfußballahnunghabenmäßig der Ramstein-Fan, während Fred von Chopin redet. ;)

  10. 10
    Ralf

    Genau, bei der Fussball-Weltmeisterschaft sitzen im Dresdener Station natürlich vorallem Dresdener – so wie beim DFB-Pokalfinale in Berlin naturgemäß Berliner auf den Bänken sitzen. (Platzhalter für ein Kopfschüttelsmiley)

    Aber ich muss Fred in zwei Punkten Recht geben: Pfiffe gegen jemanden sind kein gutes Mittel und der Name für das Stadion ist grütze.

  11. 11
    Fufu Fi

    Blabla. „Standards hatten“ hat sie gesagt. Nicht Standards wollten und bekamen. Und ide hatten sie nunmal.

    Btw. die Herren erlassen sich auch allzuoft auf genau jene Standards. Also einfach mal den Schnabel halten…

  12. 12

    „Gerade Deutschland hat ausgerechnet gegen die Französinnen einen großartigen, kombinationssicheren, überraschenden, wunderschönen Fußball gezeigt.“

    „Jedenfalls: Schade für alle Deutschlandfans. Gut für jene, die gern Fußball sehen.“

    du bist halt am ende auch wie alle anderen. ein opportunist. mal ganz davon abgesehen, dass du wirklich ein ganz anderes spiel als .de gegen .jp gesehen haben musst.

    und was marta angeht: wer sich scheisse aufm platz benimmt, und das bisher über alle spiele hinweg, der muss sich ueber pfiffe nicht wundern. die sind verdient

  13. 13
    Frédéric Valin

    Städtebeschimpfungen haben hier im übrigen eine gewisse Tradition. Tatsächlich behagt mir das Publikum insgesamt nicht. Ich verstehe diese Laola-Euphorie nicht und als in einem Vorrundenspiel die Schiedsrichterin ausgepfiffen worden ist, hab ich mich endgültig verabschiedet. Ich finde das nur schwer auszuhalten.

    @mettskillz: Ich verstehe dieses Aufgebrachtsein, wenn man als Dortmunder gegen München spielt und Robben ist die ganze Zeit am Lamentieren. Dann Robben auszupfeifen, verstehe ich. Klar ist das nicht die feine englische, aber der Frust und das Bedürfnis, aufs Spiel einzuwirken: das macht das Spiel mit aus.

    Was ich nicht verstehe: USA-Anfeuerungsrufe gab es ja nun auch, aber viel lauter waren die Pfiffe. Warum? Um Marta umzuerziehen? Um sie zu bestrafen für ihr ungebührliches Verhalten? Was ist denn das für eine Oberlehrerattitüde? Wie unglaublich armselig und, ja doch, nieder.

  14. 14
    Frédéric Valin

    @Marcel: Wenn Du die Spiele und vor allem die Aufstellungen gesehen hast, wirst Du gemerkt haben, dass Silvia Neid sich zurückbesonnen hat auf den kraftvollen, unattraktiven Fußball, der wie @Fufu Fi richtig anmerkt an die schlimmsten Momente im deutschen Fußball anknüpft und der mir immer eine Mischung aus Furcht und Scham eingeflößt hat.

    Hätte Deutschland weiter so gespielt wie gegen Frankreich, dann (hoho, Dialektik!) gälte a). Haben sie aber nicht. Und haten sie auch nicht vor.

  15. 15

    meinem gefühl nach war das publikum anfangs eher auf der seite der brasilianerinnen und hat erst angefangen wirklich sauer zu werden, weil marta (die wirklich eine großartige spielerin ist) aus dem meckern und unfairem spielen nicht mehr rausgekommen ist – und einer zusätzlich abgrundtief miesen (!) schiedsrichterleistung.

    da sich die brasilianerinnen in folge nicht gerade mir ruhm bekleckert haben (siehe erikas 2minütigen sterbenden schwan mit der plötzlichen wunderheilung in der nachspielzeit) und der tatsache, dass usa-teams traditionell ein etwas anderes und IMHO faireres verständnis von teamsport haben und auf solche unschönen auswüchse im fussball wie schauspielerei auf dem platz eher herabschauen, ist es kein wunder, dass die sympathie des (neutralen) publikums sich später zu den amerikanerinnen hin verschoben hat. deshalb die (verständlichen und verdienten) pfiffe die nix aber auch gar nix mit der vorliebe des publikums für „rammstein-fussball“ vs. „chopin-fussball“ oder den spielkünsten von marta zu tun hatten.

    unfairness wird bei fussball weltmeisterschaften von den „neutralen“ und nicht immer erfahrenen fussballfans bestraft. das war schon immer so.

    mir ging’s übrigens genauso. mit starker neigung pro brasilien ins spiel gegangen und am ende daumen drücken für die wirklich grandios kämpfende ami-mannschaft.

    ps: ich bin weiss gott kein freund von dynamo dresden / dresdner fans und ihrem miststadion. aber das ding heisst glücksgas-stadion, weil der sponsor (ein energiedings aus bayern) so heisst. ich mag die versponserung von fussballstadien auch nicht, im gegenteil. aber am namen des stadions jetzt irgendwie das fazit über das spiel und verhalten / einstellung des publikums aufzuhängen steht dir wirklich nicht, fred.

    gib einfach zu, dass du brasilien gerne weitergesehen hättest, weil sie eindeutig die absolut besten einzelspielerinnen haben und dann darfste dich auch ohne publikums- und amiteam-schelte ärgern. ;-)

  16. 16

    @Frédéric Valin: woher weisst du, dass sie es nicht vorgehabt haetten? mit aufstellungen argumentieren? komm bitte, quasi gleiche aufstellung in den spielen gegen frankreich und japan..

    edit: also um mal darauf hinzuweisen, auf was ich ueberhaupt hinaus will:

    man kann nicht nach einem sieg in jubelstuerme verfallen und die offensichtlichen schwachpunkte ignorieren und dann nach einer niederlage nur die schwachpunkte betonen und zwischen den zeilen behaupten, man haette es ja schon immer gewusst. das ist unredlich (unredlicher als pfiffe gegen marta ;))

  17. 17

    Edit: ich glaube der unterschied zwischen der lautstärke der pfiffe und der U-S-A chants hat damit zu tun, dass viele sich nicht wirklich wohl dabei fühlen, mit voller inbrust U-S-A zu schreien. genauso wie ENGELAND oder so, wenn man selber kein landsmann ist (ich tu mich ja sogar mit DEUTSCHLAND rufen schwer.)

    die begeisterung und lautstärke beim letzten tor von wambach und dem elfmeterschiessen hat gezeigt, dass pro-USA-team jubel gegenüber „wir pfeifen jetzt die doofen brasilianerinnen aus“ überwogen hat.

  18. 18
    Don

    @bhrgero:
    „ich glaube der unterschied zwischen der lautstärke der pfiffe und der U-S-A chants hat damit zu tun, dass viele sich nicht wirklich wohl dabei fühlen, mit voller inbrust U-S-A zu schreien.“

    Eigentlich traurig, dass man problemlos jemanden lautstark auspfeifen kann, egal, was für ein Landsmann man ist.
    Aber bei Anfeuerungsrufen an Mannschaften, die nicht die eigene sind, sich unheimlich geniert…

  19. 19

    @Don: das auspfeifen war der abneigung gegen die spielweise und unfairness der brasilianerinnen und der schelchten schiedsrichter geschuldet. ich seh das immer noch als berechtigt an und hätte damit auch kein problem.

    es ist aber noch ein unterschied zwischen „anfeuerungsrufen“ und USA brüllen, also fällt das überzeugende „anfeuern“ ein bisschen schwer, weil „amis vor, noch ein tor“, ja auch blöde klingt. ;-) die leute haben sich nicht geniert, die amerikanerinnen anzufeuern. wenn du das spiel gesehen hast, weisst du das auch. die lautstärke bei den torchancen der amerikaner und begeisterung für das spiel war auch trotz der pfiffe auch vor dem fernseher spürbar. die zuschauer haben ihre seite eindeutig gewählt und das auch gezeigt.

    die pfiffe sind die gerechte strafe für aktionen wie der von erika und das einzige mittel des publikums ihr mißfallen auszudrücken. wir reden doch immer noch über fussball, oder?!

    wer bei solchen aktionen nicht pfeift und buht, ist beim fussball irgendwie falsch: http://www.youtube.com/watch?v=_SdfD8NgGI0

    und dieser jubel hier ist lauter als jedes buhen und pfeifen während des ganzen spiels: http://youtu.be/JOAJn8h6VAI

  20. 20
    Frédéric Valin

    @Marcel: Bresonik, Behringer und Kulig rein, Goeßling, Bajramaj und Schmidt raus. Völlig andere Spielanlage, die Interviews hinterher haben bestätigt, was ich vor der WM schon angesprochen habe: Neid wollte und will Lothar Matthäus-Gedächtnisfußball spielen. Der Unfall war das feine Spiel gegen Frankreich, und wer offensiven, mutigen Fußball gerne sieht, wird das Spiel genossen haben. An der grundsätzlichen Einstellung hat das (leider) offenbar nicht sehr viel geändert.

    @Don: Amen!

  21. 21
    Frédéric Valin

    @bhrgero: Das gebe ich unumwunden zu. Nichtsdestotrotz war das Publikum belämmert.

  22. 22
    Sascha

    Ich bin einfach nur froh, daß der Spuk vorbei ist. Alles wurde lächerlich bis zur Unkenntlichkeit aufgepustet. Jeder Mann, der auch nur an irgendetwas Kritik geübt hat, war ein Macho. (Sorry, aber die Schiedsrichterinnenleistungen sind der Veranstaltung unwürdig.) Dann spricht eine Spielerin von einer „Hetzjagd“ auf ihre Person, weil alle ein Interview mit ihr haben wollen und erwägt einen Rücktritt (immerhin hatte sie ja in einem Spiel nicht gespielt, oha!). Was soll der ganze Mist? Wenn z.B. bei Michael Ballack die Rede von der „Wade der Nation“ war, fand ich’s lächerlich und so auch das ganze WM-Sommermärchen-Dingens hier. Lasst die anderen Mädels und Frauen das halbwegs in Würde zu Ende spielen und dann ist wieder gut. So etwas muß gesund wachsen. Und wenn die heute noch laut aufschreienden weiblichen Anhänger dann in der neuen Saison zu Hauf in die Stadien der Frauenteams strömen, wäre das die richtige Reaktion. Jetzt liegt’s an euch! Und auf ne Wurst und ein Bier kommen wir Herren Freunde und Gemahle hin und wieder sicher auch gern mit. Aber in ein paar Wochen ist schon der 1. Bundesligaspieltag der Herren hierzulande und ich fürchte, dann interessiert der Frauenfußball in der Öffentlichkeit leider niemanden mehr. Wetten!?

  23. 23
    Slom

    Frederic:

    a) das Stadion heißt im Augenblick Rudolf Harbig Stadion (steht sogar draussen drann)
    b) „Die Dresdner“ sind beim Thema Brücke sehr gespalten
    ich denke die beiden Punkte sind total daneben und vollkommen unter der Gürtellinie!

    Und Dresdner Publikum ist in seinen Beifallsbekundungen eigen, aber man gewöhnt sich drann :)

  24. 24
    MartUSA

    @bhrgero:
    Ich finde zu Du greifst da extreme Situationen raus, die nicht für das gesamte Spiel stehen.
    Über die Aktion von Erika sind sich sicherlich alle einig. Aber das war erst ziemlich am Schluß, hat ja auch gelb gegeben und hat nichts mit dem durchdringenden Gepfeife zu tun, dass ab dem umgewandelten Foulelfmeter jeden Ballkontakt der Brasilianerinnen begleitete. Das war eindeutig eine Fehlentscheidung der Schiedrichterin, kann also Marta nichts dafür, also kein Grund sie in diesem Moment auszubuhen.
    Die hat dann ja auch für´s Meckern eine Gelbe bekommen.
    Der Jubel beim 2:2 war eher eine Ausnahme. Überwiegend wurde vom Publikum gegen die Brasilianerinnen, statt für USA „agiert“.
    Beide Seiten haben nicht immer „fein“ gespielt und so unfair und arrogant Brasilien auch gewesen sein mag. In einzelnen Situationen pfeifen und buhen ok, aber irgendwann war das Verhalten der Zuschauer einfach nur noch nervig.
    Ausgepfiffen gehörte auf jeden Fall die Schiedsrichterin, schade, dass die so schwer vom Platz zu kriegen sind, wenn sie erstmal da sind ;) Hoffentlich gibt´s in den nächsten Spielen welche die´s drauf haben.

  25. 25

    @Frédéric Valin: schmidt kam in der 8., goessling in der 65. und bajramaj war ja wohl das ganze turnier hindurch eher unter ihren möglichkeiten, haette also auch keinen unterschied gemacht. und ab der 65. fand ich jetzt nicht, dass sich das spiel zu sehr verändert haette.

    ich bin bei dir, wenn du sagst, dass es in der anlage nicht die schoensten spiele der deutschen mannschaft waren. aber darauf wollte ich auch nicht hinaus .)

  26. 26
    jo.

    nun wurde ja auch noch darauf hingewiesen, dass das viertelfinalaus auch gleichbedeutend mit dem verpassen der olympiaqualifikation für london 2012 ist. spielen da tatsächlich nur drei europäische teams („england“, schweden, frankreich)?
    und: ist es einfach nur total unüblich, dass den wiederholungselfmeter eine andere person schießt? ich war verwirrt.

  27. 27
    peter

    love football – hate germany

  28. 28
    Frédéric Valin

    @MartUSA: Danke. Ich war gestern zu müde, um das noch zu tippen. In der letzten Minute hab ich auch aufgeheult, nicht aus Jubel, sondern weils so dramatisch war.

    @Marcel: Ich hätte also Deiner Meinung nach das Spiel gegen Frankreich nicht so sehr loben sollen. Gut.

    Bajramaj hätte imho einen Unterschied gemacht, dann wäre vorne drin vermutlich mehr rochiert worden. So hatten Mbabi und Grings kaum Platz, im starren Korsett der deutschen Offensivordnung mal auf die Flügel auszuweichen oder sich sonstwie einzubringen. Bajramaj wurde gegen Frankreich häufig gedoppelt, was viel Raum geöffnet hat, während Behringer an ihrer Position geklebt ist und hin und wieder aus der zweiten Reihe draufgehalten hat. Das war sehr statisch und fast nie überraschend. Genau so, wie Neid angekündigt hat, spielen zu wollen.

  29. 29

    Ich finde es schade, dass „wir“ verloren haben!
    Erstaunlich wieviele Männer Frauenfussball geschaut haben!
    Wäre eine gute Gelegenheit, dass sich die Männer an fussballspielende Frauen gewöhnen … ;-)

  30. 30
    Frédéric Valin

    Zur Vervollständigung: „Hätte mein Sohn nicht neben mir gesessen, ich hätte den ZDF-Kommentator verbal in Grund und Boden gestampft als er im Spiel Deutschland – Japan fabulierte, die deutsche Mannschaft sei hervorragend eingestellt gewesen, es hätte nur nicht sollen sein. Schwachsinn! Deutschland spielte 120 Minuten Brechstangenfußball ohne die geringste Ahnung, wie es besser gehen könnte. Die gesamte Spielidee Deutschlands war es, dass Melanie Behringer den Knicker von überall auf dem Platz hoch vors Tor schlug, in der Hoffnung dass irgendjemand mal den Kopf dran bekommen würde, dass das Ding schon irgendwie mal rein ginge. Keinerlei Überraschungen, keine Pässe hinter die Abwehrreihe, kein Kombinationsspiel.“ (http://koenigsblog.net/2011/07/11/eyyyyyyy-statt-ole-ole/)

  31. 31

    @Frédéric Valin @Don @MartUSA:

    ich hab mal ne ganz blöde frage. kann es sein, dass die zuschauer-tonspur bei verschiedenen fernsehsendern aus unterschiedlichen quellen / blöcken o.ä. kommen oder verwenden die alle die gleiche tonspur? ich hab das spiel auf ESPN gesehen und bin total verwundert, weil dort die pfiffe etc. wirklich (!) nicht so dramatisch klangen und der jubel / das anfeuern PRO amerikanerinnen deutlich zu hören war und auch überwog (gegenüber den mißfallensbekundungen).
    deshalb meine etwas defensive „was habt ihr denn alle, so schlimm wars doch gar nicht!“ argumentation.

    weiss da jemand mehr?

  32. 32
    Stephan (Der Echte)

    @Olaf: Ich komm von da und ich finde die Menschen haben es verdient. Ich mag meine Stadt, sie ist toll, die Einwohner sind das Problem ;)

  33. 33
    Frédéric Valin

    @bhrgero: Soweit ich weiß, wird das Bildmaterial und der Ton von irgendeiner FIFA-nahen Agenutr produziert. Die Sender haben die Möglichkeit, die Tonspur zu dimmen. So geschehen übrigens 2010 bei der WM, als die ÖR das Vuvuzela-Hintergrundrauschen, nunja, verniedlicht haben. Ob ESPN bei diesem Spiel das Pfeifen und die Unmutsbekundungen zurückgedreht hat, weiß ich allerdings nicht.

  34. 34
    MartUSA

    @bhrgero: Das habe ich mich auch schon gefragt, allerdings findet man viele Kommentaren über die Pfiffe, fast nichts über Jubel/Anfeuerung.
    @Frédéric Valin: Also eine einheitliche Tonkulisse.
    Man sieht ja auch die Spielerinnen immer die Mikros in den Ecken umräumen, d.h. der Stadionton wird von allen Seiten aufgenommen und vermutlich einheitlich weitergeleitet.
    Kann schon sein, dass manche Sender wei schon bei der Wm 2010 den Ton insgesamt runtergedreht haben (verständlich, denn beim ZDF kam das Pfeiffen und Buhen wirklich durchdringend rüber), dadurch evt. unterschiedliche Wahrnehmung. Aber gefiltertes Tonmaterial (nur Applaus senden) ist ziemlich unwahrscheinlich.

    Hier noch ein Kommentar dazu (ab 18:52)
    http://11freundinnen.de/wm2011_liveticker/140676/s/1

    Wie auch immer, die polarisierende Mannschaft ist raus, alle die noch drin sind habe ich als sportlich (fair) wahrgenommen und ich denke bei den kommenden Spielen kann man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

  35. 35
    Juergen

    Nun finde ich es ausgesprochen simpel (typisch deutsche Sportmedienlandschaft) mal wieder alles auf eine Person zu reduzieren, erst die Prinz und nun die Neid. Trotzdem muss sich die Bundestrainerin die Frage stellen lassen, warum sie ihre technisch beste Spielerin (Bajramaj) auf der Bank lässt, wenn klar ersichtlich ist das besonders technisch nichts zusammen geht.
    Es waren im deutschen Spiel schon gute Ansätze zu erkennen, aber leider waren die Anspiele in die Spitze teilweise schlampig oder einfach schlecht. So kann man kein Spiel gewinnen, das Siegtor der Japanerinnen hat gezeigt wie einfach es sein kann sich eine gute Möglichkeit zu erspielen.
    Das ist für mich bisher das Fazit des Turniers, an der Technik muss noch intensiv gearbeitet werden. Aber das wird kommen, mit mehr Professionalität. Genau wie die Fouls :-)

  36. 36

    Nach dem Viertelfinale muss ich für mich festhalten. dass es kaum gute Spiele gab und ich eine gewisse Stagnation statt Weiterentwicklung feststelle. Viel Engagement, Kampfgeist und zunehmende Athletik versus Mangel an spielerischen Elementen, Taktik und herrausragenden Spielerinnen. Am Ende werden sich viele fragen, welchen Stellenwert diese WM für den Frauenfussball hatte. Ich werde weiter zuschauen und hoffen, dass diese WM nur eine Verschnaufpause für den Frauenfussball war.

  37. 37

    Da bewahrheitet es sich wieder: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel auch im Frauenfussball. Alle Freundchaftsspiele sind für die Katz, wenn es im harten Wettkampf nicht umgesetzt wird – sprich die entscheidenden Spiele nicht gewonnen werden.

    Gegen die kleineren Japanerinnen wäre ein probates Mittel das Kopfballspiel gewesen, doch dies verpuffte mit stereotypen Flanken auf den langen Pfosten.

    Bei diesem Spielverlauf wäre spätestens in der Verlängerung die Erfahrung von Spielern wie Birit Prinz oder Fatimire Baymara gefragt gewesen, doch mit der Unerfahrenheit einer Alexandra Popp wurde es auch nichts.

    Na gut ich bin kein Trainer, doch mir scheint, daß auch im Frauenfußball die Befindlichkeiten von Trainer und Spieler eine große Rolle spielen.

    Letzlich haben wir gegen den Weltrang-Vierten verloren. Bei einer ähnlichen Tabellen-Situation in der Bundesliga würde sich niemand wundern. Mund abwischen und weiter, wie Oli Kahn meint.

    Aber es ist nun mal die Frauen WM – im eigenen Lande und dat sind eben die Ansprüche höher.

  38. 38

    Hallo,
    toll geschrieben, insbesondere das folgende Zitat spiegelt auch meine Beobachtungen wieder:
    „Man möchte beinah hämisch werden nach all dem, was die Werbung uns versprochen hat. Dritte Plätze sind was für Männer. Die schöne Seite des Fußballs. Vorab lief die Bahn-Werbung, mit lauter schwarz-rot-gold angemalten Gesichtern und Kram. Und der Weltmeisterbahncard. Mitten in dem Clip sieht man einen Bahnhof, oben rechts einen Anzeiger, und da steht: bitte nicht einsteigen. Keine Sorge.“

    Ich musste in meinem eigenem Blog ebenfalls die Leistungen unserer Mägelds kommentieren:
    http://city-insider.de/2011/07/3-platze-sind-was-fur-manner-fazit-der-fifa-wm-2011/

  39. 39
    Drich

    meines Wissens nach (kenne jemand der vor Ort war beim Spiel Usa-Bra) war das Publikum anfangs unparteiisch nur als Marta nach einem Foulspiel minutenlang liegenblieb um dann als endlich die Trage geholt wurde, nach 2m tragen wieder quicklebendig runtersprang um weiter spielen zu können. Dann ging das Gepfeife los.

    Und ja, das mag man hier überhaupt nicht.

    Grüße aus dem sonnigen Dresden

  40. 40
    Drich

    @MartUSA:

    In dem Liveticker wird meine These auch bestätigt. So steht um 17:52 Uhr:

    Martas Sturmlauf übers ganze Feld ernet tosenden Applaus. Für einen guten Abschluss fehlt ihr dann doch die Luft, kein Wunder, denn dicht auf den Hacken folgt Christine Rampone.

  41. 41
    MartUSA

    @Drich: kann es sein, dass du Erika meinst? (im Kommentar 19:53)
    das war gegen Ende des Spiels, aber Marta hat ne Aktion mit Blitzheilung auf der Trage nicht gebracht

  42. 42
    MartUSA

    @Drich:
    stimmt, am Anfang war das Publikum noch unparteiisch
    gegen Marta ging´s ab dem Elfmeterfoul inkl. Wiederholung los, wobei aber eher die Schiedsrichterin Mist gebaut hat (Kommentar 18:52 und 18:55) und ab dann war Marta die Buh-Frau, was wir oben ausgiebig diskutiert haben ;)

    Insgesamt scheint mir das USA-Fan-Publikum recht pfeiffreudig zu sein, waren heute beim Finale auch wieder schnell dabei (klar, kein Vergleich).

    Man, das war heute einfach ein Granatenspiel, gekrönt mit dem Sieg meiner Favoritinnen :)

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