9
Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Analoger Urlaub

Vielleicht erinnert sich noch jemand an früher, als es noch kein Internet gab und man den Urlaub über ein (mit der Postkarte) angefordertes Prospekt buchen musste.

Die Planung übernahm nicht Google oder der Routenplaner, da wurde der so genannte Verkehrsatlas aus dem Regal geholt und ganz analog, mit ein wenig geographisches Halbwissen, die Route ausgearbeitet.
Fliegen war zu meinen Kindheitstagen übrigens eine kostspielige Angelegenheit und Billigflieger waren nicht existent, früher war Fliegen noch etwas besonders. Aber da musste man auch nicht um jeden Preis in alle Ecken der Welt einmarschieren.

Am Abreisetag wurden morgens Stullen mit Dauerwurst geschmiert, als besonders Special gab‘s noch eine Packung Capri Sonne und für die Großen eine Thermoskanne Kaffe.
Autobahnrastplätze waren tabu, weil sie unsauber und verdammt teuer waren, aber das hat sich im Prinzip ja bis heute nicht geändert.

Das Navigationssystem konnte nicht programmiert werden, weil es ganz einfach keines gab. Auch hier wurde wieder der Straßenatlas zu Rate gezogen oder der Beifahrer musste im Notfall navigieren. Jedoch endete das meistens in einer Auseinandersetzung, welche für eine elektrisierende Stimmung im Kleinwagen sorgte.
Angekommen ist man trotzdem – irgendwie…

Vor Ort und nach der üblichen Zimmer- bzw. Wohnungsinspektion, musste erst einmal mit Oma und Opa telefoniert werden. Meistens die üblichen Sätze, dass man gut angekommen ist und die Unterkunft auch der Beschreibung entsprach.
Mehr Zeit blieb auch nicht, da sich vor den Telefonzellen Schlangen bildeten, denn zur Abendzeit war das Telefonieren günstiger.
Einerseits konnte das Stress bedeuten, wenn ungeduldige Zeitgenossen gnadenlos an die Tür hämmerten, andererseits kam man ins Gespräch mit anderen Urlaubern.

Irgendwie vermisse ich das ein wenig.
Damals hatte man kein Smartphone, kein Navigationsgerät etc. und die Welt ist nicht untergegangen.
Heute machen die Menschen extra wegen diesen Geräten Urlaub.

Wo ist die nächste Zeitmaschine?

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Gastautorin/ Gastautor

9 Kommentare

  1. 01
    Steffi

    Musst Dir ja kein Smartphone kaufen…

  2. 02
    Mistfink

    Früher, als Autos anfingen die Kutschen zu verdrängen, hätte der Autor die nackten Pferdeärsche vermisst, auf die man gucken konnte beim Fahren. Und die Scheibenwischer konnten sich sowieso nie so geschmeidig bewegen wie Pferdeschwänze.

  3. 03
    Steffi

    Ich meine, mich regt es ja auch auf, wenn z.B. bei der Mitfahrgelegenheit der Fahrer seinen tomtom zückt, um von München nach Berlin zu kommen. Das sollte selbst noch ein blinder mit Krückstock hinkriegen bei der fetten Beschilderung; wenn ich aber von Südabrarup in die Zwerchfellstraße 12b in Hintertupfingen gondeln muss, würde ich auch mal das Navi zücken

  4. 04

    Was hindert dich daran, analogen Urlaub zu machen? Mach dein Telefon aus, wenn du in Urlaub fährst. Freunde und Familie bekommen eine Postkarte. Gut ist. Ich praktizierte das schon mehrmals und war immer wieder zufrieden dabei.

  5. 05
    ma_il

    Zum Thema Nostalgie gibt es auch eine Folge „Bullshit!“ von Penn & Teller (S06E10). Nostalgia is Bullshit!

  6. 06
    sebi

    Ich kann nur empfehlen: Mach doch wieder mal so einen Urlaub!
    Mein nächster Urlaub sieht so aus: Ich schnappe mir einen VW-Bulli, ’ne Super8 Kamera und fahre los! Vielleicht nehme ich eine Autobahnkarte mit, habe ich aber vielleicht gar keine Lust drauf – mal sehen.
    Diese Urlaube sind immer noch möglich! Einfach machen und keine Ausreden suchen (es gibt ja jetzt Internet und Smatphones…).
    Viel Spaß dabei!

  7. 07

    Guten Abend zusammen…
    Ich bin der Autor und es ging mir ja nicht darum, dass früher alles besser war. Es war nur anders, es waren nur ein paar Kindheitserinnerungen an andere Zeiten.

    Ich selber besitze ein Smartphone und bin davon NICHT gestresst, es bezog sich nur auf manche Menschen, die eben genau deshalb Urlaub machen.
    Vielleicht kommt das in dem Artikel auch nicht ganz so gut herüber.

    Mich stressen ganz andere Dinge ;)

  8. 08

    Dankeschön für die Kindheitserinnerungen, die durch den Text gerade bei mir hochschwappen! Bis hin zur Caprisonne und dem obligatorischen Streit über die Navigation war das bei uns genauso.

  9. 09

    @Kat ja: Dann bist du wohl einer der wenigen, die den Beitrag verstanden haben ;)

Diesen Artikel kommentieren