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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Das Leben im Web 2.0

Mich stört es ja gewaltig, dass man immer und überall erreichbar ist sein muss. Viele kennen Situationen wie diese: Man geht einmal nicht ans Telefon, weil man z.B. gerade auf dem Klo sitzt.

Schon geht das binäre Gemetzel los:

  1. SMS vom Anrufer: „Warum gehst Du nicht ran? Ist was passiert?“
  2. Der Anrufer stupst Dich bei Facebook an…
  3. … und schreibt Dir gleich noch eine Nachricht bei Facebook.
  4. Er fragt per eMail nach, ob die Facebook-Nachricht angekommen ist.
  5. Bei Twitter schreibt er: „Weiß einer, ob bei XYZ alles in Ordnung ist? RT pls #followerpower“
  6. Er fängt schonmal an, einen Artikel für sein Blog zu tippen, weil er unbedingt als erster über Dein Ableben berichten will.
  7. Parallel wird ein Video produziert: Mit allen Fotos von Dir, die er finden kann. Das kommt dann zu YouTube. Als Musik wird – natürlich – „Nur die Besten sterben jung“ von den Onkelz verwendet.
    Obwohl Du die Onkelz Scheiße findest.
  8. Er ruft Deine Mutter an und erzählt ihr, dass er Dich nicht erreichen kann und fragt, ob sie vielleicht weiß, was los ist.
  9. Deine Mutter bekommt Angst und versucht, Dich anzurufen.

 

Das Web 2.0 hat Dir jetzt folgenden Stand beschert:

  1. Auf dem Handy-Display stehen „2 Anrufe in Abwesenheit“ und „1 SMS ungelesen“.
  2. Bei Twitter sind zig Mentions mit Deinem Namen und Retweets der Suchanfrage aufgelaufen, weil natürlich keiner weiß, wo Du bist.
  3. Mails mit den Betreffs „Anrufer hat Dich angestupst“, „Anrufer hat Dir eine Nachricht geschickt“ und „Ey wo bist Du? Melde Dich mal!“ liegen in Deiner Mailbox.
  4. Im Feedreader wartet schon der Artikel über Deinen Tod darauf, gelesen zu werden.
  5. Du bist übrigens gerade Trending Topic bei Twitter.
  6. Bei YouTube wird das Video über Dich bei „aktuell meistgesehen“ gefeatured. Allerdings ist es in Deutschland nicht verfügbar. GEMA und so…
  7. Deine Mutter hatte einen Nervenzusammenbruch und ist daran gestorben.

Du sitzt immer noch auf dem Klo. Gleich bist Du fertig, wirst ins Arbeitszimmer gehen und den Schock Deines Leben haben. Aber das ist nicht schlimm, denn in diesem Augenblick bricht die Feuerwehr Deine Tür auf und der Notarzt kann Dich wiederbeleben.

Deine Mutter ist tot aber immerhin hat das Web 2.0 Dein Leben gerettet. Halleluja!

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

NetzBlogR (Website) (Twitter)

2 Kommentare

  1. 01
    Anja

    „Du bist übrigens gerade Trending Topic bei Twitter.“ Herrlich.

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