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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

“Ich passe auf, dass das Licht nicht ausgeht.”

Gedächtnisprotokoll eines Gesprächs mit einem jungen Sicherheitsangestellten

Provisorischer Bahnsteig 1

Samstag, 16. Juli 2011 00:45 – 01:10 Uhr

 

 

Ich: Hallo. Der letzte Zug fährt schon um 01:00 Uhr, oder?

 

Sicherheitsangestellter: Ja, aber der hat immer so 5 bis 10 Minuten Verspätung und bisher haben sie noch nichts durchgesagt, dass er ausfällt. Ist bisher einmal passiert, dumm für einen Wartenden, wenn der letzte Zug ausfällt. Ich mein, was machst du denn dann!? Aber eigentlich bin ich kein Bahnangestellter.

 

Was ist denn dein Job?

 

Das sag ich jetzt besser nicht, du lachst mich dann nur aus. Eigentlich bin ich Personenschützer, bzw. Bodyguard, aber zur Zeit ist Sommerloch. Alle sind im Urlaub und bestellen vor Ort andere, also bin ich hier…

 

Nun sag schon!

 

Offiziell passe ich auf, dass die Bahnsteiglichter nicht ausgehen. Von 22:30 bis 05:30Uhr

 

Und inoffiziell?

 

Öfters versuchen Jugendliche über die Zäune auf die Bahnhofsbaustelle zu kommen, die verscheuche ich dann. Müsste ich offziell aber nicht. Es könnte sich hier jemand auf die Gleise legen, nicht meine Schuld, wenn ich danach sage, ich hätte in die Lichter geschaut.

 

Der letzte Zug hält hier doch um 01:00Uhr, wieso also danach auf die Lichter aufpassen?

 

Ich hab keine Ahnung, pure Geldverschwendung der Bahn. Für die 20 Nächte bisher hab ich über 1200€ bekommen. Zwischen den Zügen lern ich für die Polizeiprüfung, ich hab eine Isomatte dabei, mache Yoga, Liegestützen und Sit-Ups, auch Sprinten kann man hier am Bahnsteig ganz gut. Ein Freund und Kollege von mir hat nachts sein Fernstudium gemacht. Hauptsache wach bleiben.

 

(Die S-Bahn um 01:00 Uhr verspätet sich um voraussichtlich 10 Minuten.)

 

Ich hatte auch schon einen Minigrill dabei und hab gegrillt. Oder eine Nacht lang Counterstrike gespielt. Dann hab ich auch mal den Baustellenstrom angezapft, eine Leinwand und Beamer aufgebaut und Filme geschaut. Hauptsache wach bleiben.

 

Und Kontrollen gibt’s keine?

 

Videoüberwachung oder sowas gibt’s hier ja nicht. Ich muss mich stündlich per Telefon melden, ansonsten kommt die Bahnsicherheit und die Polizei. Einmal, da habe ich es vor Kälte und Müdigkeit gar nicht mehr ausgehalten und bin nach Hause gegangen. Ich hab dann die stündliche Meldung verschlafen, die sind hier mit einem Großaufgebot angerückt und die Nacht wurde von meinem Lohn abgezogen.

 

Also ein Kampf gegen die Müdigkeit und die Langeweile.

 

Kommt drauf an. Ich hab mal eine Bahnsteigparty für 10, 12 Freunde geschmissen. Bei der Tanke nebenan bekomm ich Rabatte, weil ich ab und zu auftauche und nach dem Rechten seh. Ich hab dann eine Eisbox mit Getränken hier runter gestellt. Solange man die Musik nicht laut aufdreht und rumschreit, bemerkt das auch niemand.

 

(S-Bahn fährt ein.)

 

Noch eine schöne Nacht! Was ist heute geplant?

 

Das Übliche, für die Polizeiprüfung lernen.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

silasbahr (Website) (Twitter)

2 Kommentare

  1. 01

    :D :D sehr gut ^^

    vor allem das mit dem beamer ist ne super idee :D

    (like button würft übrigens nen error :X)

  2. 02

    Schade, nach hinten heraus verliert es etwas an Spannung, aber insgesamt eine nette Geschichte!

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