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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

*Seufz* Ich wäre so gerne mal …

Ach würde ich doch mal … bei „Lanz kocht“ an diesem Tisch da vorne sitzen *seufz*. Nein, um Himmels Willen, alles nur das nicht, obwohl ich Hochachtung für all jene empfinde, die es an den kleinen karg gedeckten Tisch, mit der Schürze umgezogen, geschafft haben. Ich würde noch
nicht mal den ersten Tag des Kochwettbewerbs überstehen, an dem man sein Lieblingsgericht vorstellen darf.

Was würde ich dem Juror oder der Jurorin kochen? Das könnte vielleicht so aussehen: Ertränkter Salat. Gar gekochte Nudeln in Soße schwimmend mit weiß ich was an Fleisch  dazu. Oder noch mal den schwimmenden Salat, saure Nieren und Reis, oder … nein keine Ahnung was nicht noch alles. Sagen wir mal so, ich kann ordentlich kochen, manchmal sogar gut. Im letzten Jahr bekam ich von meinen Kindern einen Soßen-Kochkurs zum Geburtstag, der mir riesigen Spaß gemacht hat, bei dem ich auch einiges gelernt habe. Das wollte ich mal machen. Über den zweiten Tag muss ich mir überhaupt keine Gedanken machen, weil der schwimmende Salat, die Menge Soße mir gleich am ersten das Genick bricht.

Aber jetzt mal ehrlich, Hand aufs Herz, in Berlin, wenn man Salat mit Dressing bestellt, dann bekommt man auf der oberen Schicht Salat eine Schicht Dressing, die für eben die oberen Blätter reicht, ein Durchmengen nicht zulässt, so dass man auf einem Teil des Salats Rindviechern
auf der Weide gleich, käut: gleichmäßig hin und her, weil der nach gar nix mehr schmeckende Salat einfach nicht durchrutschen will. Ich liebe Salat, der im Dressing schwimmt, Essig, Öl, Salz, Pfeffer manchmal dazu noch andere Arten Essig im Schuss dazu. Einzig, wenn ich Gemüse als Salat mache, dann koche ich das ab und übergieße dass dann sobald es gar ist mit Dressing, dass da auch solche Dinge wie den Saft ausgepresster Orangen, Senf, Honig und was mir alles einfällt enthält. Das mit dem noch heißen Gemüse, der Hammer. Na ja Geschmacksache….

Damit bin ich beim Gemüse. Kann mir wer erklären, warum das Zeug immer halbgar sein muss? Natürlich, wenn es stundenlang gekocht hat, dann ist es ausgelutscht und enthält nix Gescheites mehr. Aber muss das Zeug immer halbhart sein? Wenn ich Rohkost essen möchte, dann tu ich das,
aber wenn ich im Restaurant bin, dann hätte ich das bitte gekocht. Wir haben in diesem Jahr sehr oft Spargel gegessen und zwar direkt vom Spargelbauern. Die letzten waren mir ein wenig zu lange im Wasser geblieben, weil ich mit dem  Rest außen herum nicht zeitgleich fertig wurde. Allgemeiner Konsens: „Ah, sind diese Spargel gut, endlich mal schön weich!“. Hört man sich dann dezent im Freundeskreis um, wird man erstaunt sein, wie viele da genauso denken.

Betrachten wir bei dieser Gelegenheit den Beilagenteller im italienischen Restaurant. Zugegeben, in Italien herrscht eine andere Esskulter und Beilagen haben eine andere Stellung. So weit so gut. Dass
man aber in nahezu allen Restaurants italienischer Inhaber ähnliche Beilagen bekommt, bestehend aus einem bis Röschen Brokkoli und oder Blattspinat, etwas Kartoffeln mit oder ohne Rosmarin, und zwei Scheibchen Karotten ist mir angesichts all der leckeren Reisarten, Nudeln und auch Kartoffeln ein Rätsel. So nun komme ich. Ich schaffe beim besten Willen keine drei bis vier Gänge, aber ich will doch trotzdem mehrschichtig genießen und nicht eingleisig. Ich möchte diese Kartoffeln nicht und Brokkoli schon gar nicht. Ich stelle mir das so vor: einen kleinen Vorspeisenteller kalt/warm, dann gehe ich gleich zu der Hauptspeise über bestehend entweder aus Fisch oder Fleisch, wenn Fisch, dann Kartoffel und zerlassene Butter, wenn Fleisch, dann bitte nudelige Beilage und Soße, viel Soße.

Somit wäre ich bei einem anderen Ärgernis moderner Restaurants. Die Soße. Die Soße steht für die Abrundung eines Gerichts, also das, was Fleischiges mit Nudeln, Reis oder auch Kartoffeln verbindet. Es kommt der Teller, alles nett angerichtet und mein geschultes Auge erkennt mit
Entsetzen: Oh je! Da ist kaum Soße drauf. Da und dort kann mein soßengeschultes Auge ein Fitzelchen derselben zwischen dem Fleisch und der linken Nudel erkennen. Da kommt mir glatt die Erinnerung an meinen Salat hoch. Auch wenn der Teller nicht schwimmen muss, so bitte ich doch, dass man etwas Soße mehr in einer kleinen Sauciere dazu geben kann, damit der Gast selbst entscheiden kann, wie viel Verbindung er zwischen Fleisch und dem Rest des Tellers zulassen mag.

Dann bin ich also bei der Küchenschlacht zurück, stehe am ersten Tag hinter dem Tresen, stelle mein fertiges Essen hin und höre dann die Kritik: der Salat wurde ja ertränkt – Moment steht da nicht auf der Karte „Schwimmender Salat“? Die Nudeln wird er locker schlotzen können und sich laut fragen: „Steht da Risotto auf der Karte? Nein? Was ist denn das?“ und dann wird vorlesen: „Nudeln nicht „al dente, sondern gar mit ausreichend Soße und Fantasie…“

Ich esse gerne gut, ich liebe italienisches Essen, aber genauso die französische Küche. Ich ordere immer das dazu, was ich haben möchte, auf das ich gerade Lust habe. Aber zu Hause, da dürfen die Nudeln auch mal klatschweich sein, der Salat muss einmal ordentlich im Essig/Ölbad schwimmen und die Spargeln dürfen wirklich gar sein.

Nun wird klar wo ich Freitag gewesen war und darüber werde ich morgen berichten: ich bin bei der Aufzeichung einer „Lanz kocht“ Sendung. Es war ein tolles Erlebnis und ich saß nicht vorne, sonder ganz hinten.

 

 

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Gitta (Website) (Twitter)

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