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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Kippenpause

Roland und Ede latschen durch den Stadtpark. Nacht. Stockfinster alles, die Bäume, Wiesen, Wege, die Ecken an denen sie straucheln, anhalten und sich Kippen in die Fressen fingern.

Sie waren auf Abenteuer aus…
Ede dreht sich im Schoß noch schnell ne Kippe. Roland hält sich den rasierten 3mm-Haar Schädel. Seine Schläfen hämmern immer dann am gemeinsten, wenn er seine Zähne gegeneinander presst.
Und das Taxi trudelt sie durch die Nacht.
Im Krankenhaus ist es kopfschmerzenhell. Rolands Müdigkeit wird im Wartezimmer verstrahlt.
Ede steht im Halbdunkel des Notaufnahmeportals und raucht das Resultat der Taxifahrt. Breites Grinsen im menschenleeren Krankenhaushof.
In der linken Hand hält Roland seine arg mitgenommene Schachtel Luckys. Er will rauchen, muss aber husten. Seine Schläfen drohen zu platzen, also drückt er die Zigaretten müde in Edes Hand. Die Nachtschwester, die beiläufig hinter ihm ins Zimmer kam führt beide aus dem Wartezimmer in einen kleinen, grellen Behandlungsraum und fragt Roland nach Allergien und Krankenversicherungen. Er hört sie nicht. Das Duett aus Dehydrierung und harten Schlägen kumuliert gerade fieses Dröhnen in seinem Hirn.
Ede lässt sich müde auf einen kleinen Hocker fallen und schaut seinen Fingern dabei zu, wie sie die nächste Zigarette drehen. Ohne aufzusehen beantwortet er, die in gebrochenem Deutsch hervorgebrachten Fragen. Dann schwirrt sie ab.
Die Ärztin kommt und spricht dieselbe Sprache. Ostkreuznachtschicht. Das Duo lässt sich über die unfähige Schwester im Elisabeth-Krankenhaus aus.
Es ist fünf. Die Nacht ist Roland schon viel zu lang.

Um drei standen sie am Bahnhof, Roland mit der Hand am Kopf und Ede mit den Händen in den Taschen, fragend, herausfordernd. Abenteuer?
Er sah in Rolands Augen Schmerz, Wut und Ratlosigkeit. An Rolands Schläfe verkrustete sich Blut.
Die Paar hundert Meter zum Elisabeth reißen sie wortlos ab.
Als Roland die Krankenhaustür sieht lässt das Dröhnen nach. Er wird leicht.
Die dicke Schwester ist müde. Rasch klebt sie mit fleischwurst Fingern ein Pflaster auf die Platzwunde. Sie tut das, was sie schläfrig jeden Freitag bei ihrer Schicht tut. Deswegen kennt sie die Nummer des Taxiunternehmens im Schlaf. Als die beiden Gestalten raus sind, vor dem Portal warten, geht sie wieder schlafen.
Auf der Treppe sitzend, wartend, geht Ede das Zigarettenpapier aus.
Dann wohl Gratis-Taxifahrt; will Ede aufmuntern und sich Blättchen schnorren.
Lange Nacht; Roland knirscht mehr als das er spricht.

Lange Nacht, das glaubt Ede mittlerweile auch.
Mittlerweile fünf Uhr, sitzen sie zum zweiten Mal diese Nacht auf einem Krankenhausportaltreppenabsatz. Schwester und Doktorin haben wiederholt klargemacht, dass auch im Elisabeth Klammerplfaster vorrätig wären. Sie sprachen von: Völlig unnötig, faul und dicke Schwester.
Jetzt waren sie überflüssig gestrandet am Kopfende des Stadtparks und hatten sich nüchtern geraucht.
Los jetzt, die Straße runter. Bis zur Unterführung, dann links am Park entlang, oder? Sie haben den Park im Rücken. Das muss die falsche Richtung sein. Zurück und in die Dunkelheit des Parks. Stockfinster alles, die Bäume, Wiesen, Wege, die Ecken an denen sie straucheln, anhalten und sich Kippen in die Fressen fingern.

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AdvancedBoredom (Website)

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