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Tunesday – Big Bear, Bright Lights, J.K. Howling & Vergence

Eine neue Liebe ist wie ein neuer Tunesday. In der vorliegenden Ausgabe musikalisch ganz im Zeichen des knorpligen Sommers. Wir haben noch mal tief Luft geholt und kräftig nach vorn, auf kommende Hitplatten gehört. Ganz im Sinne der Hype Fidelity, der wir uns verschrieben haben. Und dann legen wir uns ein bisschen auf die faule Haut. Die Veröffentlichungen gehen in der warmen Jahreszeit zurück und Tunesday macht jetzt erst einmal Pause. Weil’s so schön war: Tunesday was my first love and it will be my last.

Big BearDon’t Even Try
Bright LightsThe Pursuit of Pleasure
J.K. HowlingThe Worship Circle
VergenceVergence

Big Bear
Don’t Even Try
Mit ihrem dritten Album kehren die Kanadier weiter zu ihren Wurzeln zurück, als man es nach dem Tod ihres Frontmannes wohl je erwartet hätte. Ja, sogar wortwörtlich: Für die Arbeit an „Don’t Even Try“ haben sich die drei für viele, viele Wochen in eine Holzhütte zurückgezogen, um „neue Energien zu sammeln und sich gemeinsam auf das Wesentliche konzentrieren zu können“. Haltet das jetzt für etwas dick aufgetragen, aber ich glaube, dass man das nicht nur hören kann, sondern auch, dass das genau für den Dreher gesorgt hat, den ich bei ihnen mit „The Four Woodsmen“ so sehr vermisst habe.

„Don’t Even Try“ kommt bedeutend reflektierter, sympathisch bärtiger und herrlich holziger daher. Und ganz besonders freue ich mich darüber, wie deutlich man wieder ihre dänischen Einflüsse hören kann. Lieblingstrack: „Cave“ [Phil]

„Big White Bear“ bei SoundCloud
Bon Iver, Laura Marling und The Tallest Man on Earth
♺ 21.11.2011
Amazon & iTunes

Bright Lights
The Pursuit of Pleasure
Bright Lights, das klingt ja fast wie Bright Eyes, und die Rezension wäre schon zu Ende, würde ich euch verraten: sie klingen auch so. Aber da ist mehr. Wo Connor Oberst sich um sich selbst und seinen ganz eigenen Weltschmerz dreht, sind Bright Lights, ganz in der guten alten Hippietradition, außerordentlich geozentrisch. Da ist es nur konsequent, dass sie sich musikalisch bei einer anderen kalifornischen und naturverbundenen Stilrichtung bedienen: dem Surfrock. Dazu ein wenig kontemporären Lo-Fi frei nach Best Coast und ein wenig Strandromantik und wir haben die Formel für Bright Lights zusammen: Schimmern statt wimmern.
Über dem ganzen Album schwebt die kommende erste Single „Summer Lake“, ein Tumblr-Blog der kleinen Gefühle, ein Lied wie der Geruch wenn man nach der fünfstündigen Rückfahrt von der Ostsee das Auto ausräumt. Ich will hier nie wieder weg. [Nico]

„Lights Burn Bright“ bei SoundCloud
Bright Eyes und Best Coast
♺ 12.08.2011
Amazon & iTunes

J.K. Howling
The Worship Circle
The Killers, Muse und Kaiser Chiefs – in dieser Reihe sehen sich J.K. Howling, vier junge Männer aus Nevada, gerne, wenn man ihren frühen Interviews glauben kann. Drei Gründe auf eine Besprechung zu verzichten und das Ding gleich in den Müll zu werfen, wenn das mit digitalen Papierkörben nicht ganz so befreiend wäre. Deshalb das Nachtreten. Seit The Bravery hab ich keine Band mehr gehört, die so unverfroren auf Charttrends reitet und dabei gleichzeitig dermaßen hohl ist. Da ist so viel falsch an J.K. Howling, man weiß gar nicht worauf man zuerst kotzen soll. Der Schweinerock mit den Killers-Orgeln. Die Lo-Fi-Intros. Der eklig patriotische Pathos, gegen den das Kriminallabor Gary Sinises in CSI New York wie Langhans‘ Kommune I wirkt. Die eins zu eins kopierten Bowie-Gesten auf der Bühne.
Wenn Mick Fleetwood tot wäre, er würde die Faust aus dem Grab strecken, als fast lebendige Fackel J.K. Howlings Tourbus in Brand stecken, und sich anschließend im Grab umdrehen.
Fehlt noch, dass ihnen jemand beim nächsten Album zeigt, wo man die Sonderzeichen findet (sie werden aus Facebook heraus kopiert). Aber schöne Artworks haben sie. Und Namen. [Nico]

„The Darkness Around Me“ bei SoundCloud
The Killers und Wolf Gang
♺ 21.08.2011
Amazon & iTunes

Vergence
Vergence
Und dann hüpfen da mal wieder alle Musikblogs ganz aufgeregt vor mir in meinem Feedreader-Fenster und rufen mir den Namen von diesem einen Debütalbum von dieser frischen Band aus Down Under entgegen und sie überschlagen sich regelrecht vor Begeisterung dabei, mir zu erzählen, wie bahnbrechend und einzigartig dieses doch ist. Und ich stehe hier, zu Beginn ein bisschen überfordert, und lasse mich nach kurzem Zögern und Zweifel ob so viel Hype darauf ein und es kommt, wie es leider kommen muss: Ich verstehe nur noch Bahnhof. Bahnbrechend?

Was mir da aus Australien entgegenschwappt sind verkopftes Gefrickel, langweilige und lauwarme Atmosphären und ganz ehrlich, dieses Gehauche und Gesäusel? Ich glaub‘ mein Schwein pfeift! Versteht mich nicht falsch, ich habe überhaupt kein Problem mit Shoegaze und Witch House und all ihren Variationen, doch wenn mir noch ein weiteres Album unterkommt, das glaubt, dass Geometrie und Leggings die Schlüssel zum Erfolg sind, spring‘ ich im Dreieck. [Phil]

„New Inclination“ bei SoundCloud
Baths und Austra
♺ 03.10.2011
Amazon & iTunes

Bye Bye Miss American Tunesday

9 Kommentare

  1. 01
    Stefan

    Bei den Links hat wohl teilweise der Copy&Paste-Teufel zugeschlagen.

  2. 02
    Thomas

    Teilweise ist gut. Alle 4 Links führen zu einem Album, welches nicht mal rezensiert wurde ^^

  3. 03

    Ich hab die Howling auch seit Kurzem hier als Promo liegen und muss leider zustimmen, schlimmere Platte als der ohnehin schon dämliche Name. Dabei waren deren frühe Sachen mit ihrem alten Sänger so toll, vor allem die erste EP „Down The Hatch“ mit ihren zarten Psalter-Slides über einen synkopierten D-Beat, erinnerte nicht wenig an Peter Gabriels titellose Album-Tetralogie. Wie schrieb ein großes deutsches Popfachblatt einst: „In ihrer Kontemporalisierung des progressiven polynesischen Architekturkollektivs ‚Datis Nepis Potus‘ manifestieren J.K. Howling die Utopie des radikalen Synkretismus.“ Das sagt ja wohl alles.

    Vergence waren mir bisher kein Begriff, aber da muss ich euch völlig widersprechen, das ist doch wohl das Innovativste was es seit Ewigkeiten an Pop gegeben hat! Wie Washed Out durch den Moombahton-Fleischwolf gedreht, angespannt und entspannt zugleich. Und dann diese 80s-Synthpop-treffen-90s-Eurodance-Vocals, total mitreißende Melodien! Nicht ohne Grund ist derzeit ein Remix-Album in der Mache mit allem was in der Szene derzeit Rang und Namen hat: Com Truise, Mickey Mickey Rourke, Bros Piercenan, MacGyver Knife, Chill Pullman, Urkel & The Winslows, Jackie Chain, Dro Carey … Wird ja wohl nochmal ein ganz großer Knaller!

  4. 04
    Andreas

    Finde von Vergence weder ne Website noch ne FB-Fanseite noch das Album bei Amazon. Dabei klingt das auf Soundcloud doch echt toll. Bin ich bescheuert???

  5. 05

    Nico? Kannst Du weiterhelfen? (Die Links oben sind ja leider falsch.)

  6. 06
    Nico Roicke

    @Andreas: nabend andreas. was soll ich sagen, da kann ich dir leider auch nicht weiterhelfen. es gibt keine links zu veröffentlichungen von vergence, auch nicht zu den anderen drei bands.

  7. 07
    Elblette

    @Nico Roicke: Zaghafte Frage: Warum steht dann da ein Amazon-Link und warum führt er zu einer anderen Platte….?

  8. 08
    Philipp Jahner

    Ich kann mir das auch alles nicht erklären. ;)

  9. 09
    Jan

    Haha, well played!

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