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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Grüne Welle ins Blaue hinein?

„Ich rahm‘ mir manchmal mein Bild, bevor ich es mal‘.“

Wer kennt das nicht. Man hat ein Ziel vor Augen und macht große Pläne. Man malt sich aus, wie das fertige Produkt sein wird, egal ob Vortrag, Projekt oder Text. Man hat schon viele scheitern sehen; sie bemitleidet, für ihre guten Ansätze, die zum Stichtag allerdings kaum ausgereift waren. Und man weiß, dass man es so viel besser kann. Wie man ja überhaupt alle so viel besser kann. Man überlegt sich also, nach und nach, wie das Kunstwerk denn sein soll; denkt vom Ende her und zum Ende hin. Doch der Mittelteil fehlt völlig: man macht so viele Schritte auf einmal, dass man nur auf die Nase fallen kann. Wer kennt das nicht.

„Ich red‘ kompliziert, weil ich kompliziert bin und kompliziert denk‘; und mich häufig als Konsequenz in meinem Kopf verrenn‘ und verrenk.“

Früher war nicht nur alles besser, sondern auch einiges einfacher: Der Beruf wurde zumeist durch die Familie vorgegeben und damit war der Lebensweg ziemlich klar definiert. Heutzutage sind viele alte Konventionen und Zwänge weitestgehend aufgeweicht und Schulabsolventen bieten sich nach dem Abitur vielfältige Alternativen. Man kann alles machen und sich für nichts entscheiden. Falls man sich festlegt, dann so spät wie möglich. Dies liegt nicht unbedingt daran, dass man sich grundsätzlich allem verweigert, sondern dass man sich mit der zweitbesten Option nicht zufrieden geben kann und möchte. Anstatt den einfachen Weg zu wählen, sind wir auf der Suche nach dem perfekten und laufen dadurch nur im Zick-Zack geradeaus.

„Irgendwie hab ich keine Zweifel, doch zweifl‘ ich an mir selbst.“

Auch wenn man es sich in schweren Stunden nicht vorstellen kann, das Leben geht weiter, immer weiter. Meistens sogar sehr gut, ohne dass wir es wahrnehmen. Verglichen mit anderen Nationen, müsste es uns ohne Natur- und Atomkatastrophen, als Land, das die Finanzkrise am Besten überstanden hat, auch als Volk blendend gehen. Doch tut es das? Nein. Wie im Großen, so im Kleinen, können wir viel zu oft nur darauf schauen, was schief läuft. Hier und da können wir erahnen, wie großartig das Leben sein könnte und das macht uns den Alltag fast zur Hölle: Wir sehen, dass wir unsere eigenen Erwartungen nicht mal im Ansatz erfüllen können. Auch wenn diese Spannung kaum auszuhalten ist, können wir doch nicht vor ihr fliehen.

Der Mindener Rapper Curse hat diese Stimmung, die jeder von uns nur allzu gut kennt, in Worte gefasst; er beschreibt eindrücklich, wie er vom Leben überfordert und auf der Suche nach Halt ist. Heraus gekommen ist das Lied Schöne Wahrheit, aus dem auch die obigen Zitate stammen.


(Ein offizielles Video gibt es nicht, diese Version ist von Menschen.Kind auf Vimeo.)

Und, wenn wir mal ehrlich sind, … hätte dieser Artikel eigentlich nicht auch viel schöner, präziser und ausführlicher werden sollen?

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Lennart (Website) (Twitter)

4 Kommentare

  1. 01
    dasaweb

    Da stöbert man im Spreeblick-Feed und findet einen Lennart-Artikel wieder. Sachen gibt’s…

  2. 02

    Interessante Gedanken, die du hier äußerst. Curse gehört auch absolut zu meinen Lieblingskünstlern eines Genres, mit dem ich sonst nicht viel am Hut habe. Die Texte sind häufig so großartig, dass man es nur mögen kann.

    Und ja: dieser Artikel hätte viel schöner und präziser formuliert werden können! ;)

    Dein Blog ist abonniert.

  3. 03

    @Addliss: Hey Addliss, Danke für den Kommentar.
    Das Blog ist immer noch in der Startphase, deswegen sind wir noch am rumprobieren. ;-)

  4. 04

    @Lennart: Rumprobieren ist eine tolle Phase! Sicherlich ist es auch gut, wenn man gewisse Routinen entwickelt hat und man einfach mit dem „Handwerkszeug“ arbeiten kann, dass man sich erarbeitet hat. Aber die Probierphase macht eindeutig ’ne ganze Menge Spaß! :)

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