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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

So not Munich

Nach wie vor schwingt etwas Weltmännisches mit, wenn man das Wort „Berlin“ in den Mund nimmt. Zumindest, wenn man selbst aus dem großen Dorf im Süden kommt, das beherzt Weltstadt sein will. Vergleichen kann man die beiden (?) Metropolen freilich nicht; doch vielleicht ein paar Eindrücke ausdrücken, um die jeweiligen Stimmungen einzufangen.

Burgermeister vs. Bergwolf
Um sich nach einer mehr oder weniger angenehmen Anfahrt nach Berlin respektive München (z.B. per Mitfahrgelegenheit: oftmals viel Abenteuer für wenig Geld) ein wenig zu stärken, ist weltstädtisches Fastfood immer willkommen: der „Burgermeister“ ist nun auch bei den letzten Berlin-Touris angekommen, der Bergwolf im Münchner Glockenbach war eh´schon in aller Munde. Der große Unterschied: das Burgerambiente an der Spree lässt einen irgendwie an New York denken; das Essen im Bergwolf bestenfalls von der letzten Berliner Currywurst träumen.

Viktualienmarkt vs. Wochenmarkt
Der Marienplatz stellt das absolute Zentrum Münchens dar, wo sich viele Touristen tummeln. Unweit davon entfernt liegt der Viktualienmarkt, wo sich vereinzelt reiche Münchner finden und auch wieder viele Touristen, die offenbar ebenfalls zu viel Geld haben. In Berlin scheint jedes Viertel sein eigenes Zentrum zu haben; dort gibt es sogar mehrere Märkte, wo sich Touristen tummeln, die auch für wenig Geld ganz viel bekommen, wie zum Beispiel auf dem Wochenmarkt am Maybachufer in Kreuzberg. Da wird einem dann schon mal „ne Kiste Mango fürn Euro“ angeboten. Ob das dann wirklich noch so „bioriental“ ist, wees ick ooch nich.

Der Münchner englische GartenDer englische Garten in München: beliebter Tummeplatz für Touris und einheimische Münchner.

Englischer Garten vs. Treptower Park
Ganz groß punkten kann die bayerische Landeshauptstadt immer mit dem riesigen englischen Garten, der größer, grüner, bla…Central Park in New York…bla, ist. Hier finden sich neben einigen ganz nackten auch viele halbnackte  Münchner – unter ihnen sind anteilsmäßig wohl am meisten Germanistikstudentinnen mit zu viel Taschengeld und solariumgebräunte Yuppies mit zu viel Freizeit vertreten. Doch auch Touristen finden sich hin und wieder bei dieser Fleischbeschau ein, hängen ihre Haxen in den Eisbachkanal und nennen das dann „chillen“.

Auf Berliner Grünanlagen, wie zum Beispiel  im Treptower Park, wird zum Chillen erst mal der Dübel ausgepackt und mit einer ordentlichen Mischung mit ´was drin auf irgendwas angestoßen. Yuppies gibt es dort eher weniger, die treiben sich wohl eher auf dem Prenzlauer Berg herum. Die vielen Kinder oftmals türkischer Eltern stören sich nicht an den Glasscherben und dem Junkie-Equipment, das hin und wieder auf ihrem Spielplatz auftaucht.

Hofgarten vs. S-Bahn Berlin
Hofgarten in MünchenMusik lauschen kann der geneigte Hörer beispielsweise im Münchner Hofgarten – eine recht exklusive Lage vor der Residenz am Odeonsplatz, wo kostenlos klassische Musik zum Besten gegeben wird. In Berlin hingegen trifft man in jeder x-beliebigen S-Bahn von Wedding bis nach Alt-Tegel auf irgendwelche Musikanten – ob man sie hören will oder nicht. In München würden diese vermutlich gleich von diesen uniformierten S-Bahn-Militärs abgeschleppt; in Berlin kann man sich diese Möchtegern-Soldaten möglicherweise nicht leisten.

An den Klischees von der armen, attraktiven Weltstadt und dem reichen, aufgeräumten Dorf an der Isar scheint halt dann doch mehr dran zu sein, als einem lieb ist. Berlin is „so not Munich“, und das ist auch gut so. Oder?