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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Das schaffst du doch eh nicht…

Als Kind  war ich von der Tatsache, dass Zigaretten tödlich sind so abgetan, dass ich alle Fabriken mit einem Hammer zerschlagen wollte. Klar, natürlich der falsche Weg. Trotzdem war die Antwort „du kannst das nicht einfach so ändern“ sehr demotivierend. Auch heute geht es mir bei vielen Dingen so, obwohl gerade sie geändert werden müssten.

Kinder in Afrika verhungern, verdursten und sterben aufgrund von mangelnder medizinischer Versorgung. Dagegen müsste man doch was tun?

„Das sind eingefahrene Regeln des Kapitalismus und der Politik, du kannst das nicht einfach so ändern!“

Der Regenwald wird immer noch abgeholzt, die Lebensgrundlage von Tierarten zerstört und die Natur zugemüllt, während wir immer mehr CO2 in die Luft pusten. Dagegen müsste man doch was tun?

„Davon profitieren die ganzen Mächtigen und die Menschen wollen ihre Gewohnheiten doch eh nicht ändern, du kannst das nicht einfach so ändern!“

Ein Finanzsystem, das mit Geld hantiert, das nicht vorhanden ist und ohne darauf zu achten, wer ausgebeutet wird.

„Aber das ist halt so, du kannst das System doch nicht einfach ändern!“

Ja klar, wir können das nicht ändern. Nur, damit das klar ist, ich spreche hierbei von einer Gesellschaft, die es innerhalb von hundert Jahren geschafft hat überall geteerte Strassen aufzubauen. Das Land mit Schildern zuzupflastern, sodass jeder, aber auch jeder Verkehrsteilnehmer ohne nachzudenken an sein Ziel kommt. Eine Gesellschaft, die innerhalb von 20 Jahren ein Netzwerk aufgebaut hat, dass sich zum wichtigsten Kommunikationsmedium unserer Zeit entwickelt hat.
Und das alles trotz zweier Weltkriege und über 40 Jahren Kalten Kriegs.
Klar, dass so eine Gesellschaft es nicht schaffen kann, Probleme anzugehen; hat sie doch gerade erst so viele davon gelöst, natürlich ohne nur an sich zu denken.
Und Systeme zu ändern geht eh nicht. Die wurden ja nicht erst von uns Menschen geschaffen. Nein, kleine Systemeltern haben nach dem dritten Date ein paar kleine Systeme gemacht.

Ja, die kritischen Stimmen haben Recht: Es ist nicht leicht, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Ja, man wird mit Machtstrukturen zu kämpfen haben. Und es wird sich auch nicht von alleine erledigen, aber, wenn wir anfangen Ideen zu entwickeln, wie man durch kleine Änderungen viel bewegen kann und ich spreche nicht von zu Fuß gehen, statt mit dem Auto zu fahren. Es gibt bspw. ein Nachhilfesystem, bei denen sich Rentner zu Schülern in den Unterricht setzen. Oder indem man einfach Minikraftwerke in Abwasserleitungen setzt. 
Er, übrigens einer meiner Favoriten bei Open Spreeblick, arbeitet daran. wir haben gerade damit begonnen, wobei die meisten von euch wahrscheinlich schon viel mehr und viel länger etwas dafür getan haben. 
Dann werden unsere Kinder eines Tages zu hören kriegen „wir haben das so geändert!“

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

Julian (Website) (Twitter)

2 Kommentare

  1. 01

    Sehr richtig: Wir können es schaffen, die Dinge zu ändern. Wenn wir nicht daran glauben, können wir es auch nicht schaffen, weil wir zu leicht aufgeben. :)

    Danke für diesen Text, auch wenn ich jetzt ins Bett gehe. Morgen wird ein besserer Tag sein! :)

  2. 02
    Tia

    Es ist aber viel einfacher zu sagen, es ginge nicht und mit dem Stinkefinger gen Reichstag oder Nachbar zu zeigen. Etwas ändern, würde bedeuten sein eigenes kleines Leben nach Fehlern zu durchsuchen, Kompromisse mit sich selbst zu schließen und Lösungen zu finden.
    Kleine Änderungen oder Verbesserungen „nützen ja eh nichts“, also werden die Kiwis weiterhin aus Neuseeland eingeflogen anstatt den Apfel vom Bauern der Region zu kaufen. Der Strom sollte aus der Steckdose kommen und das möglichst billig. Wie hoch Folgekosten des vermeintlich besten Anbieters werden, wenn uns dann doch mal ein Werk um die Ohren fliegt oder einfach nur abgeschaltet und dennoch weitere Jahrzehnte gewartet werden muss, wird neben der geringen Preiserhöhung kaum gesehen. Vielleicht will es auch nicht gesehen werden.
    Es sind kleine Dinge, bei denen jeder einen Beitrag leisten kann, aber kaum einer will.

    Ich spreche von mir; ich bin müde geworden an den Verstand anderer zu appelieren. Das schaffe ich eh nicht…

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