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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Hijacking an airplane – Was Sicherheit bedeutet und warum uns das Vertrauen fehlt

Wie viel Zeit würden wir sparen, gäbe es keine Kontrollen, Schlüssel, Passwörter? Wie sinnvoll ist sind sie überhaupt? Wie sinnvoll ist Sicherheit?

Nehmen wir zum Beispiel die Kontrollen am Flughafen. Dort haben gerade die absurden Sicherheitsbestimmungen meine Phantasie angeregt – dazu Möglichkeiten ein Flugzeug trotzdem zu entführen oder zu sprengen. Und zwar innerhalb der Rahmenbedingungen, die diese Regeln bieten. So ist es jedem Passagier erlaubt, bis zu zehn 100 Milliliter Behälter in einem durchsichtigen Plastikbeutel mit an Bord zu nehmen. Außerdem können im Duty-Free-Shop Flaschen mit einem Liter Volumen erworben werden. Diese werden zwar in einem versiegelten Beutel verpackt. Eine Methode, den Passagieren den Transport von Flüssigkeiten nach dem 11. September zu ermöglichen. Sie dennoch zu öffnen, dürfte möglich sein – Fingernägel vorausgesetzt. So bringen wir also einfach zehnmal 100 Milliliter Flüssigsprengstoff ohne Geruchsmarker aus eigener Herstellung. Eine entsprechend kleine Sprengkapsel schmuggeln wir auch noch ins Flugzeuginnere – et voila: „Down, down, down! This plane is being hijacked!“

Wer ein Flugzeug entführen will, der schafft das auch. Die Zahl der Entführungen ist unabhängig von Sicherheitsstandards. Das sieht man an den gleichbleibenden Zahlen der letzten Jahre. Viele der Verschärfungen sind Augenwischerei, Symptombekämpfung.

Aber Schlüssel? Die sind sinnvoll. Wie sollten wir ohne sie die Schlösser in unseren Türen öffnen? Mit Dietrichen, Schlagschlüsseln, sogenannten Sperrpistolen oder der Bohrmaschine? Werkzeuge, die in geübten Händen lautlos und ähnlich schnell anzuwenden sind wie der Schlüssel selbst. Und hier geht es nicht um allzu viel Übung. Wofür laufen wir jeden Tag mit Unmengen gestanztem Metall herum, das uns in die Notlage bringt, bei Verlust den Schlüsseldienst zu alarmieren? Schlösser erfüllen nur den Zweck eines hohen Maschendrahtzauns, der uns hindert, Gärten zu betreten, sobald wir das richtige Werkzeug vergessen haben.

Aber Passwörter! Unsere PINs und Codes – die verlieren wir nicht. Wir haben sie immer dabei. Bis wir sie vergessen. Denn bei gefühlten zwölf Dutzend dieser Zeichenfolgen passiert es gerne mal, dass man etwas durcheinander bringt. Und dass nur um Daten zu schützen, die niemanden interessieren und niemandem nützen außer uns selbst. Daten, die nicht verloren gehen können, weil sie ohnehin vielfach „gebackuped“ sind.
Was sonst noch damit passiert, zeigen uns Phishing und ein gehacktes Playstation Network.

Alles zu erlauben, alle Türen zu öffnen, alle Daten offenzulegen, was würde das alles ermöglichen?
Eine neue Art der Bewegungsfreiheit, körperlich und gedanklich.

Doch noch gibt es Menschen, die Schindluder treiben – mit Daten, Besitz und dem Leben. Aber nur mit Daten, Besitz und Leben Anderer. Unbekannter Menschen, die uns so fern sind, dass eine Moral nicht greift. Es ist also an jedem und jeder von uns, mehr Mündigkeit zu beweisen, um auch mehr Mündigkeit einzufordern; die Ressourcen so zu verteilen, dass niemand mehr aus Not heraus stehlen muss; Wissen und Geborgenheit zu geben, so dass Menschen ohne Hass aufwachsen können. Sehen wir zu, dass wir nach Utopia kommen und nicht alle unter der verbrannten Erde landen.

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

danielreusche (Website) (Twitter)

1 Kommentar

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    Anselm

    Letzten Endes hat der Terror ja sein Ziel schon erreicht, die allgegenwärtige Angst, die steigenden Sicherheitsmaßnahmen, dadurch verlieren wir die Errungenschaften von Jahrhunderten.

    Norwegen geht da den Einzig richtigen Weg mit der Aussage: Wir geben unsere Freiheit nicht auf!

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