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Dieser Artikel ist ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion.

Ach, rbb…

…Du hast es schon nicht leicht gerade. Erst diese Geschichte mit Thilo „Der Schrecken von Kreuzberg“ Sarrazin und Güner Balci, und jetzt das Sommerloch. Der Wahlkampf scheint ja gerade auch unglaublich langweilig zu sein, oder wie ist es sonst zu erklären, dass heute in Deinen Hauptnachrichten gute vier Minuten mit einer belanglosen Betriebsbesichtigung der Kafeerösterei von Kraft Foods verschwendet wurden? Nur weil dieses Ding gerade fünfzig Jahre alt wird, ernsthaft?

Zugegeben, es ist immer wieder putzig, dem Nachwuchs-Uli-Zelle beim erwachsen werden zuzuschauen. Vor allem, weil er – wahrscheinlich nicht mal mit Absicht – durch seine unbeholfen-unbedachte Art ständig quer schiesst gegen den ansonsten gefällig dahinplätschernden Product-Placement-Strom der Story. So empfiehlt der Außenreporter und nächste grosse Journalismus-Star des rbb beispielsweise, den Kaffeepreis für die Betriebsangehörigen noch weiter zu reduzieren („ist noch etwas verbesserungswürdig hier bei Kraft Foods“). Die richtige Werbung überlässt er nach einem kläglichen Versuch („Kaffee Hag wird ja auch hier hergestellt, der Oma-Kaffee ohne Koffein – eigentlich ein bisschen witzlos.“) dann aber doch lieber dem Werksleiter. Dieser müht sich auch redlich, in den wenigen verbleibenden Sekunden des Interviews möglichst viele Produktnamen zu nennen.

Schleichwerbung ist vielleicht ein zu grosses Wort für diesen Beitrag, Journalismus aber sicherlich auch. Das Jubiläum mag eine Entschuldigung (lies: Ausrede) dafür liefern, und auch an anderer Stelle wurde aus diesem Grund schon im März ausführlich über die Rösterei berichtet. Der Unterschied dabei ist nur, dass der Hintergrund des Zeitungsartikels nicht mit Jacobs-bestückten Fliessbändern gepflastert war.

Richtig ärgerlich wurde ich allerdings erst, als es am Ende des Beitrags hieß, dass man sich in der Spätausgabe nochmal melden würde. Das, lieber rbb – deine Dorfnachrichten in allen Ehren – muss nun wirklich nicht sein.

 

Ein Leserbeitrag im Rahmen der Open-Spreeblick-Aktion von

BoleB (Website)

12 Kommentare

  1. 01
    Jon Wetzlar

    die Berliner Abendschau ist so das piefigste, was der rbb zu bieten hat. Und Ulli Zelle der ewige Praktikant. Wenn Jemand diese Sendung sieht und Berlin nicht kennt… nicht auszudenken.

  2. 02
    anonym

    @ Jon Wetzlar
    Etwas Besseres als das in Ihrer Befürchtung geäußerte kann doch kaum passieren: daß immer mehr Kuhdorfbewohner davon abgehalten werden, nach Berlin zu kommen oder dauerhaft hier zu bleiben. Schon jetzt reichen doch bereits die Massen an zivilisationstechnisch überforderten Touristen aus dem Aus-, besonders aber aus dem Inland (!), die es permanent nicht schaffen, beim Bus nicht in der Mitte einzusteigen, weil sie international gebräuchliche Symbole nicht entziffern können, da sie das in Essen oder München oder in der Lüneburger Heide und im Allgäu offenbar nicht gelernt haben. Oder die Typen, die seit ein paar Monaten oder Jahren in Berlin wohnen, offenbar noch nie im Leben in einer anderen Großstadt gewesen sind (man denke hier vielleicht an London), aber aufgrund ihrer umfassenden Unbildung ganz selbstverständlich glauben, das Recht zu haben, auf jeder Rolltreppe links zu stehen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln alle Fenster eigenmächtig aufzureißen oder jederzeit dort schleimige Speisen oder Eis zu vertilgen.

    Wenn diese Geißel der Menschheit abgeschreckt wird, sich nach Berlin zu bewegen, könnte man doch dem RBB nur danken! Andererseits besteht natürlich die Gefahr, daß die RBB-Berichterstattung, die bekanntlich von vielen als ausgesprochen provinziell empfunden wird, solche Leute aus der Provinz geradezu anspricht.

  3. 03
    Nihilistin

    An den Autor: Das Versprechen wurde gehalten – es gab in der Spätausgabe dann noch einmal eine Direktschaltung in die Spätschicht. Der Werksleiter war immer noch da und durfte 2,54 Sätze sagen – dazu kam noch der Teamleiter der Spätschicht, der ebenfalls seine zwei auswendig gelernten Sätze aufsagen durfte. Der Schleichwerbungsanteil war unmerklich niedriger als in der Hauptausgabe.
    Der Nachwuchs-Uli-Zelle erzeugte bei mir allerdings Brechreiz, ich find ihn noch nicht mal niedlich (genauso wie das Orginal). Eigentlich kam er mir an dem Tag wie ein Oliver Pocher auf Drogen vor.

  4. 04
    anonym

    Mal noch was zu Ulli Zelle: Man muß ihn nicht unbedingt mögen, aber wenn man mal seine Arbeit beobachtet, dann muß man doch feststellen, daß er die recht sorgfältig tut. In der „Berliner“ war mal (auf Seite 3) ein ziemlich faires Porträt von Zelle, das war 2003, glaube ich. Den Beitrag findet man noch im Netz, ist ganz lesenswert.

  5. 05
    Peter

    Eines vorweg: Natürlich ist das ganz biederes Fernsehen und für unsereins, die nicht mit 70 den ganzen Tag rbb schauen und sagen „Kuck mal Walter, da kommt was über Kaffee im Fernsehen“, überhaupt nicht relevant… oder interessant. Aber da gibt es weitaus schlimmeres. Zum Beispiel Drehscheibe Deutschland im ZDF. Da war ich vollkommen fassungslos als ich das mal zufällig gesehn hab. Der Kaffeebeitrag war jetzt echt nicht soooo schlimm. Und Schleichwerbung also echt… da gibt es auch tausend krassere Beispiele

  6. 06
    Peter

    Und noch was zu Ulli Zelle. Ihr geht immer davon aus, dass Euch die Abendschau gefallen muss. Wenn wir Ulli Zelle sehen, denken wir natürlich „Oh mein Gott, was für ein Alki ist das denn?“ Aber der macht das schon seit Jahrzehnten und ich hab den mal mit nem Team auf der Straße gesehen und die ganzen 50, 60 Jährigen Tantchen sind ausgeflippt als sie ihn gesehen haben. Für die ist das ein Star. Klingt komisch, ist aber so. Und schließlich sind das auch die einzigen Leute die hier in Berlin GEZ zahlen – klar macht der rbb Fernsehen für die und nicht für Euch.

  7. 07
    Nihilistin

    @Peter: Ick hab doch ja nich jesaacht, det ick die Abendschau nicht mag!? Ehrlich: Ich guck die so seit 2,3 Jahren ab und zu. Ich mag das Biedere, Langweilige, Bodenständige. Zwar werde ich auch mit 60 sicher nicht zu einem Groupie von Ulli Zelle (oder seinem blonden Nachfolger), aber ich finde die Abendschau inzwischen echt ein „ehrliches“ Pendant zur hippen, schicken, schnellen Hauptstadt. Selbige ist nämlich meistens eher bieder, langweilig und bodenständig. Wäre sie das nicht, würde man auf Dauer durchdrehen. Sag ich, die ich seit 1985 hier ausharre.

  8. 08
    Peter

    @Nihilistin

    Waaaah! Nein, du musst die Abendschau nicht mögen. Und ich finde so wie Du sie siehst, seh ich sie glaube ich auch – aber ich will jetzt nicht die Abendschau verteidigen – die ist ganz oft, ganz ganz scheiße. Mir war nur wichtig zu sagen, dass die Lebenswelt des typischen Abendschau-Sehers eben nicht die unsere ist.

  9. 09

    Schön, da ist man den ganzen Tag in der Sonne unterwegs und abends erwarten einen sogar noch ein paar Kommentare.
    Also: Dass Schleichwerbung etwas zu hoch gegriffen ist, hab ich ja im Artikel schon eingeräumt. Und zugegeben: ich schaue die Abendschau auch schon Jahre (die guten alten SFB-Zeiten, als schon die Frühnachrichten Abendschau hiessen) und ich mag sie irgendwie – wie ihr ja auch schon geschrieben habt – wegen der Unaufgeregtheit und der Verkörperung des totalen Gegenteils der Hipster-Berliner.
    Uli Zelle – jetzt mal vom Groupie-Faktor bei Wilmersdorfer Witwen abgesehen – muss man schon allein wegen des Namens seiner Muckertruppe mögen…

  10. 10
    Peter

    Ulli und die grauen Zellen. Episch. http://www.youtube.com/watch?v=ShJL7Jz5VFI

  11. 11
    Scott

    @Jon Wetzlar: Hört uff, hier Ulli Zelle zu dissen!

    @Peter: „Uli Zelle […] muss man schon allein wegen des Namens seiner Muckertruppe mögen“ und @BoleB:

    So sieht´s einfach mal aus.

  12. 12

    Bin mir nicht sicher ob der kleinen Hinweise.

    http://www.Berlinturk.de

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1392892/Darf+man+das%3F+Mit+Sarrazin+in+Kreuzberg

    Ansonsten empfehle ich Zwei bei Kallwass.

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