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Auf dem Weg zur Data DNA

Im Forum von Spiegel Online und auch anderswo bewegt sich die Debatte um die kommende Timeline-Darstellung von Facebook, welche die Aktivitäten der Nutzer nicht nur innerhalb von Facebook, sondern auch über externe Applikationen als Lebenszeitleiste, also als ständigen Life-Stream darstellen kann, geradezu religiös im Kreis. Facebook-Fans finden vieles nicht so schlimm, da ja (angeblich) schließlich niemand zur Nutzung des Dienstes gezwungen wird, und Facebook-Gegner erklären jeden für komplett meschugge, der es dennoch tut.

Gruselig erscheint eine Zukunft, in der es nicht mehr zu genügen scheint, sich bei Facebook auszuloggen – das Netzwerk will wissen, was wir tun, selbst wenn wir gerade nicht mit ihm verbunden sind. Weshalb Datenschützer bereits alarmiert sind und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das alles „nicht in Ordnung“ findet.

Nur eines ist dabei sicher: Die digitale Abbildung unseres Lebens findet schon lange statt, in öffentlichen Varianten wie einem Facebook-Lifestream wird sie uns jedoch mit neuer Wucht bewusst. Und dieses Bewusstsein wird das Netz und damit unser Leben ein weiteres Mal drastisch verändern. Denn wir befinden uns auf dem Weg zur Data DNA, und die Frage ist nicht mehr, ob wir das gut oder schlecht finden, sondern wie wir damit umgehen.

Seit Jahrzehnten hinterlassen wir Datenspuren, mal mehr, mal weniger detailliert. Vom OTTO-Katalog unserer (Groß-) Eltern über das harmlose Gewinnspiel bis hin zur Kredit- oder Kundenkarte: Schon immer wollen Dritte viel über uns wissen und finden es auch heraus. Wo wir wohnen, wie viel wir verdienen, was wir uns leisten, was wir mögen und was nicht – alles hochinteressant. Und wer sich schon einmal darüber gewundert hat, warum er wenige Zeit nach dem ärztlichen Feststellen einer Schwangerschaft plötzlich Windel-Werbung im Briefkasten hat, der ahnt, dass nicht nur Unternehmen an diesem Datensammlungsprozess beteiligt sind.

Mit der Nutzung des Internet generell und der von Sozialen Netzwerken insbesondere wird Datensammlung nicht nur leichter zu bewerkstelligen für die Sammler, sondern auch komplexer nachzuvollziehen für die Gesammelten. Welche Web-Anwendung mit welcher anderen kommuniziert, wer mit wem kooperiert oder wer von wem gekauft werden könnte (und wohin unsere Daten dann wandern) – dies alles ist für digital Beheimatete derzeit vielleicht noch halbwegs zu managen, für gelegentliche Internet-Nutzer aber schon jetzt nicht mehr zu durchschauen. Und selbst sichere und selbstsichere Kenner überkommt ein Moment des Netzschauders bei dem Gedanken an das, was ein zufälliger, unachtsamer oder unbeabsichtigter und unbemerkter Klick im schlechtesten Fall und mit etwas Pech auslösen könnte.

Wir produzieren eine Daten-DNA unserer Person, ein einzigartiges Abbild unseres individuellen Selbst. Wie Fingerabdrücke gleicht keine Data DNA der anderen: Zeig mir, wen oder was du kennst, kaufst, hörst und siehst, und ich sage dir, wer du bist. Unsere Data DNA bestimmt jetzt schon unsere Google-Suchergebnisse, sie beeinflusst die Werbung, die wir sehen, sie empfiehlt die „Artikel, die sie ebenfalls lesen sollten“. Sie verändert unsere Sicht auf die Welt. Und damit auch uns selbst.

So düster dies alles auch klingt: Es ist Teil eines Prozesses, der kaum zu stoppen, sehr wohl aber zu beeinflussen ist. Die Welt bewegt sich, die Dampfmaschine hat uns ebenso verändert wie die Erfindung der Glühbirne, und die Apokalypse wird auch durch das Internet und unsere Data DNA nicht eingeleitet. Am Ende liegt alles – wie so oft – in unseren Händen.

Wie schließlich Medien, Öffentlichkeit, Politik, Rechtsgebung und Unternehmen – also wir alle – in den kommenden Jahren mit der Data DNA umgehen werden, ist an vielen Stellen noch völlig offen. Fest steht nur: Je bewusster uns ihre Existenz ist, desto umsichtiger können und müssen wir alle mit ihr umgehen.

63 Kommentare

  1. 01

    Hätte ich nicht die Frau fürs Leben bereits gefunden, würde ich per Data DNA nach ihr suchen.

  2. 02
    Peter

    Das klingt ja fast schon wie ein Post-Privacy-Manifest.

  3. 03
    HCL

    Der Begriff »Data DNA« ist zwar nicht neu, aber ganz klar ist er mir in diesem Zusammenhang nicht. Ich denk nochmal drüber nach, aber vielleicht geht es anderen auch so?

  4. 04
    Jens Best

    Dieser Artikel zeigt die richtige Grundeinstellung zum Thema Daten & Mensch. Die bisherigen Menschen- und Gesellschaftsbilder nur finden keine angemessene Antwort nach der Frage des Wie, die sich aus der Handlungsaufforderung des Artikels ergibt.

    Ein Diskurs über den Mensch (individuell & gemeinsam ) im Informationszeitalter ist nun um ein Vielfaches sinnvoller als sich von einem netzpolitischen Aufregerthema zum nächsten zu schwingen. Hach, ja.

  5. 05

    @HCL: Deine Daten ergeben in gesammelter Form ein einzigartiges Bild deiner Person. So wie auch deine „echte“ DNA. Niemand anderes wird die gleiche Data DNA haben wie du (wenn genug Daten vorliegen).

  6. 06
    marv

    Hallo,
    also ich finde den Artikel auch nicht schlecht, er fasst einige Fakten und Gedanken ganz gut zusammen. Dass ich momentan schon individuell abgestimmte Werbung über’s Netz bekomme ist klar und mir auch vollkommen bewusst. Es ist auch immer schwierig das Rad neu zu erfinden, denn über dieses Thema wird ja fast pausenlos berichtet. Überfrachtung.
    Ich hätte jedoch gern einige Beispiel gelesen, wie sich diese Sache zukünftig noch „negativer“ auf uns auswirken soll. Soll es eine geheime DNA-Verwaltung geben oder baut sich jeden Online-Warenhaus noch größere Datenbanken zusammen? Worin besteht hier die wahre Bedrohung?
    Meine Fragen knüpfen so bissl an die Aussage von Jens Beet an.

  7. 07
    Daniel

    Aber mal ganz ehrlich, warum bindet Ihr denn auf jeder Seite diese Social Tools (‚Facebook Like‘ und der Gleichen) eigentlich ein?
    Nur dadurch ist es den Datensammlern möglich – das zu tun was sie am liebsten tun – Daten sammeln.
    Du sagst ganz richtig:
    „Am Ende liegt alles – wie so oft – in unseren Händen.“

    Also: Fangt an, Raus damit!

  8. 08

    Oh, da explodiert mir sofort der Kopf vor Assoziationen…

    [nachträglich hinzugefügte Tags, um einschätzen zu können, ob der folgende lange Kommentar lesenswert ist: #post-privacy, #post-openness, #Lexikon-des-Banalen, #indirekteKommunikation, #Klarnamendebatte]

    @Peter: Das ist wirklich sehr interessant, dass hier ein Artikel kommt, der mehr als anderthalb Monate später einen Artikel von Julia Schramm zum Thema Post-Privacy bestätigt oder weiterdenkt, über den reichlich emotional und bisweilen sexistisch über die Grenzen der Spackeria sowie der Piratenpartei hinaus diskutiert wurde…

    (http://flaschenpost.piratenpartei.de/2011/08/06/nach-dem-datenschutz/)

    Wenn Facebook und co. eben nicht nur mein Leben mit allem und jedem anderen vernetzen, ordnen und speichern, sondern eben auch ALLES andere und jeden MIT MIR, ergibt sich doch im Gesamtbild noch etwas anderes, größer gefasstes…

    @Johnny Haeusler: Deswegen dir vielen Dank für diesen Artikel! Das Feld öffnet sich nun. Post-Privacy, gesamtgesellschaftlich gedacht, ist doch vielleicht der falsche Begriff (mal abgesehen von der ungeklärten Sinnhaftigkeit sämtlicher „Post-„Begriffe), um eben nicht nur mein Problem, sondern die jeweiligen Probleme auch aller anderen mit der eigenen Vernetzung unter einen Hut zu bringen.

    Die Aufklärung ist eben noch nicht vorbei! Die großen Theorien von einer Enzyklopädie des Wissen oder auch vom universellen Zugang zu Information und Bildung greifen nicht weit genug, denn auch der Alltag wird sich aufklärerisch unter den Nagel gerissen! Wir erinnern uns an das Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig. Das Internet scheint nun doch auch ein Lexikon des Banalen, des Nicht-unbedingt-Wissenswerten, geworden zu sein. Das Ranking, was jetzt nun für mehr Leute interessant sei als andere Dinge, übernehmen natürlich die Nutzer selbst, indem sie eben auf manches mehr klicken als auf anderes. Das wird allerdings verzerrt, nicht nur durch die Unschärfe des Vergleichs von digitalen Spuren (…mein Klick ist nicht dein Klick…), oder wie man das jetzt nennen mag. Auch die kommerziellen Interessen des Anbieters (Facebook) verzerren natürlich das Klickverhalten. Generell Gate-Keeper, klar. Und an dieser Stelle muss man Facebook tatsächlich auch kritisieren, wenn es eben nicht für eher sehenswert hält bzw. anzeigt, was „gut“ ist, sondern was „oft“ ist. Qualität VOR Quantität, aber das sind jetzt schon Unterthemen…

    Interessant bei dieser übergeordneten Debatte um Privatsphäre und Datenschutz wäre vielleicht noch die Betrachtung kommunikationswissenschaftlicher Essentials wie z.B. der indirekten Kommunikation, der Interaktion etc. Denn ich interagiere nicht nur durch einen Hüftschwung im Club über zehn Meter Entfernung mit ziemlich vielen Leuten, sondern neuerdings eben auch über einen Klick auf den Facebook-Daumen, dem nicht mehr wirklich eine sprachliche Entsprechung oder Präzisierung zuzuordnen ist („fand ich lustig“ konkurriert mit „fand ich interessant“…). Die Probleme bei dieser besonderen Art von Mikro-Kommunikation im Internet liegen wohl vor allem auf der Empfängerseite, wenn meine Freunde jetzt also wirklich nicht wissen, was ich damit sagen wollte, aber gerne darauf eingehen würden. Die Kommunikation wird also nicht nur schneller, sondern auch knapper, nicht erst seit Twitter, aber eben auch immer noch stark zunehmend. […hier könnte man noch weiterdenken, habe ich jetzt aber keine so große Lust drauf…]

    Zurück zum Datenschutz. Da lag ja auch das Konfliktpotenzial nach Julia Schramms Artikel im Kaperbrief bzw. in der Flaschenpost: Julia wollte darauf aufmerksam machen, dass sich durch die zunehmende Offenheit für die eigene Person individuelle Konsequenzen ergeben, u.a. wohl auch Lernprozesse, emotionale Verhärtungen (gelebt am eigenen Beispiel), u.a. Der Datenschutz kann das vielleicht schon nicht mehr aufhalten, also muss man auch losgelöst davon debattieren können. Das kam auf der Internetseite einer Partei, die Datenschutz DICK im Programm zu stehen hat, nicht gut an, jedenfalls bei den Hardlinern. Ein kontroverser Punkt, für den Julia nach einem eigenen Blog-Eintrag auf ihrer Seite allerdings auch sehr viel Zuspruch erhalten hat, auch von außerhalb der Partei. Die inhaltliche Debatte (http://tinyurl.com/3kvkeef, „Datenschutz als Falle“ von Crackpille auf seinem Blog im August veröffentlicht) verschleppte sich ein wenig, und hier setzen wir jetzt post-facebook-timeline-release wieder ein.

    Persönliche Daten, die jemand nicht jedem mitteilen möchte, sind zu schützen. Und hier liegt die Verantwortung natürlich auch zuerst bei der Person selbst. Sind die Daten aber erstmal draußen, ist der eigene Handlungsspielraum reichlich begrenzt. Gesetze sind der lange Weg, darauf einzugehen, und wohl auch der einzige, um Facebook und co. überhaupt sagen zu können, was sie einfach wirklich nicht machen DÜRFEN. Aber mit den Daten, die „draußen“ sind, MUSS man umgehen, wie es spätestens seit den WikiLeaks-Depeschen ja auch mehr und mehr eingesehen wird. Wie man mit der Offenheit umgeht, die ziemlich viele Menschen fordern, das bleibt gesamtgesellschaftlich zu klären, vielleicht zuerst in Feldversuchen wir neuerdings im Berliner Abgeordnetenhaus, und so weiter. SO WEIT SIND WIR NOCH NICHT.

    In meinem persönlichen Denkprozess kommt nach diesem Engpass noch eine Assoziation zur Klarnamen-Debatte: Die Frage des Namens, der über meinem Post oder dergleichen steht, ist doch sekundär! Mein Post bleibt dumm oder gut, beleidigend oder anbiedernd. Wenn ich den richtigen Namen darüber finde, habe ich im besten Fall noch ein paar Informationen mehr dazu. Auch Fehlinformation. Viel wichtiger ist doch aber tatsächlich, was mit ALLEN ERHOBENEN DATEN passiert, die mit dem Pseudonym oder auch dem Klarnamen verbunden sind.

    Also, ich für mich fänd es erstmal okay, wenn Facebook meine Daten für alles benutzt, was mich nicht MIT MEINEM NAMEN auf einer Liste auftauchen lässt an ganz anderer Stelle. Also bitte gut anonymisieren und dann raus damit an Umfrageinstitute oder so, die diese Daten dann auch gerne verkaufen können an Werber etc. – dafür erheben sie ja Daten über die Menschen, damit Produkte eben auch ankommen (wenn ich das mal so positiv denken darf). Dass meine Daten, die den Facebook-Kreislauf verlassen, identifiziert, mir immer noch zugeordnet und eben auch missbraucht werden können, fände ich EHER NICHT SO SCHICK, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    Die Grenze verläuft nicht zwischen Ost und West, nicht zwischen Dir und Mir, nicht zwischen Facebook und Google – sie verläuft zwischen meinem Willen, meinem Handeln und meinem Fühlen.

    Beste Grüße
    Reiner

    PS: @dpms: Vielleicht hätte deine Data-DNA aber auch Einspruch erhoben? Oder anders gesagt: Hättest du den Überblick über die Daten-DNA deiner Partnerin, würde dir das vielleicht suggerieren, dass du nicht der Richtige für sie bist bzw. andersherum…

  9. 09

    @Daniel: Das ist das Erste, was ich auch gedacht habe.

    @Johnny: Da hat Daniel doch gar nicht mal so Unrecht? Das ist doch jetzt mal das Einfachste, beim eigenen Blog den „like“-Button zu entfernen. Wenn Du das für falsch hältst, wäre es super, wenn Du in einem Kommentar sagen würdest, warum. (Echtes Interesse meinerseits.)

    Das zweite ist, dass ich jetzt meine Cookies lösche.

  10. 10
    lart

    Ich gebe Daniel recht, erst der Wille diese Dinge in ihrem vollen Ausmaß mitzumachen macht sie mächtig. Und like & +1 Buttons braucht nun wirklich niemand ernsthaft, wenn ich etwas meinem Freundeskreis mitteilen möchte kann ich das auch posten.

  11. 11
    Fufu

    Amazon weiß schon heute mehr über mich als manche Freunde. Wenn sich da ein paar Datenkraken zusammen tun, gute Nacht. Zumal die alle ja mit Cookies und Kram sehr wohl in Dingen rumschnüffeln können die ich denen nicht freiwillig in die Datenbank äh Timeline, Wunschliste, sonsto reinschreibe…

  12. 12

    Es muss mal gesagt werden: Es ist schrecklich, dass optisch nette Neuerungen so oft einen so bösen (i.S.v. datenschutzrechtlich bedenklichen) Haken haben.

  13. 13
    Jens Best

    Viele der Kommentare zeigen den so häufigen Denkfehler, dass die Entstehung einer Daten-DNA wirtschaftlich ausgebeutet werden und deswegen grundsätzlich abzulehnen ist. Wer Feindbilder braucht, damit er nicht über konkrete Gesellschaftsgestaltung im Informationszeitalter nachdenken muß, kann ja gerne einen solch verkürzten Sprung der erbosten Schnappatmung machen; nur trägt er damit Zero zu einen sinnhaften Diskurs über das Datenteilen bei.
    Wer unter einem Artikel, der über die großen Linien versucht nachzudenken, schreibt, man solle doch den Facebook-Button entfernen, zeigt, dass es noch ein langer Weg wird, bis die affekthandelnden Datenschutz-Fanatiker aufhören, sich in ihrer vermeintlichen Robin Hood-Selbstgerechtigkeit zu gefallen. Öde, einfach nur öde finde ich dieses Diskursniveau. Geht, und zofft euch mit den Kauders, zu mehr seit ihr offensichtlich nicht nütze.

  14. 14
    Peter

    @Daniel:

    Vollkommen richtig beobachtet..

  15. 15
    Peter

    @Jens Best:

    Die „großen Linien“ kommen vom kleinen Scheiss wie „like“ buttons und Cookies

    Wenn man etwas ändern will, sind es oft die kleinen Dinge, mit denen anfängt.. Schrittchen für Schrittchen…

  16. 16
    hendrik

    @ jens best: werden unsere daten etwa nicht wirtschaftlich genutzt? kläre uns doch mal auf, anstatt hier rumzupöbeln… man muss ja nicht unbedingt den teufel an die wand malen, aber ich denke schon, dass die speicherung unserer daten uns angreifbarer und unfreier macht. obwohl uns das ja (verständlicherweise) immer anders verkauft wird.
    vielleicht willst du manche sachen, die du mal im netz gesagt oder getan hast, in 10 jahren am liebsten ungeschehen machen… was dann?
    schon jetzt schauen manche chefs oder versicherungen in den facebook-profilen nach, was die leute so den ganzen tag treiben, passen versicherungsprämien nach einem freudig geposteten bungee-jump-sprung an oder stellen dich nicht ein, weil in deinem profil zu viele fotos vom letzten saufgelage zu sehen sind. ich kann lobos kurzen schweissausbruch aus eigener erfahrung gut nachvollziehen… deswegen kaufe ich in zukunft mehr schnelltrocknende shirts. aber das weiss amazon auch schon…

  17. 17
    weiter.

    allein auf der Seite zu diesem Blogeintrag sind es folgende die mich verfolgen:

    http://i54.tinypic.com/zvve5u.png

    (durchgestrichen=geblockt).

    komisch wen man dazu solch einen Artikel liest der sich ein bisschen nach der freien Wahl des Einzelnen anhört…

  18. 18
    Jens Best

    @hendrik:

    Ach, Hendrik, wie billig in euren Gedanken (und Anwürfen) ihr Betroffenheitsmenschen doch seid.

    Es geht nicht um das, was das vorherrschende (Wirtschafts)System mit den Möglichkeiten der Datenspeicherung macht. Es geht um die Tatsache, dass wir mit dem Web eine Ebene in der Realität entwickelt haben, in der Information auf bisher nicht mögliche Art gesammelt, geteilt und analysiert werden kann.

    Eine Gesellschaft, die das Potential des Informationszeitalters annimmt und ausschöpft, wird rückblickend nur lächeln können. Lächeln sowohl über die sogenannten (Versicherungs)Unternehmen, die meinten ihr System mit Datenüberwachung (Bungee-Jumping in deinem Bsp.) ‚wirtschaftlich‘ effizient zu halten, als auch über die, die mit armseliger Verbissenheit ihre Daten ‚für sich‘ behielten, weil alle nur Böses damit anstellen wollten.

    Ich kann gar nicht fassen, dass ich in einem doch einigermaßen aufgeklärten Blog wie Spreeblick noch die Pseudoargumente-Kette Saufgelage – Foto auf Facebook – Personalchef lesen muss. Das Überwinden des „inneren Personalchefs“ ist der erste Schritt, um überhaupt mal den Blick zu heben und die Möglichkeiten einer Daten DNA-Gesellschaft zu erkennen.

    In deinem Widerstand gegen ein System, das in einer tatsächlichen Informationsgesellschaft zusammenfallen würde, stärkst du das, was du ablehnst. Du brauchst das „Böse“, den Datenmissbrauch geradezu, weil dir sonst dein Weltbild zusammenbrechen würde. Wie arm ist solch‘ kurzsichtiges Denken.

    Ach und
    @ Peter 14

    Die „großen Linien“ kommen nicht „von den kleinen Dingen“. Das ist entweder sehr romantisch oder einfach utilitaristisch gedacht. Sicher, es gibt nicht „den großen Plan“, das determinierte Irgendwas, aber wer nicht weiss, wo er hin will, der vertribbelt sich bereits bei den ersten kleinen Schritten oder lässt sich von Menschen mit Willen in unfreie Richtungen stossen.

  19. 19
    Panama

    @jens best

    Oje oje. Die Visionäre. Dem Morgenrot entgegen. Kenn ich schon. Den Ton hatte mein Stabü-Lehrer drauf, wenn er erklären wollte, warum sich Fragen nach den stinkenden Ostautos erübrigen, angesichts der Perspektive eines gänzlich neuen Menschen im Kommunismus. Oh ihr Zauderer! Oh ihr Kleingeister!

  20. 20
    Don

    Ich muss @Daniel zustimmen. Wenigstens die 2-Click-Lösung von heise könntet ihr einbauen.

  21. 21
    flubutjan

    Hier kommt ein Serienschnipsel schräg angeflogen:

    In der von Spreeblick dankenswerterweise empfohlenen MISFITS-Serie sagt einmal der eloquente Zyniker mit den Locken zu einem Kollegen, der gerade durch Superkräfte erzwungen und vor versammelter Mannschaft einen (sagen wir) eher originellen, im weitesten Sinne erotischen Wunsch geäußert hat (Klartext: „I want to piss on your tits!“), mit süffisantem Vorwurf: „This should have been a secret between you and your internet provider!“

    Fiel mir nur gerade ein.

  22. 22
    Elblette

    Mal abgesehen davon, dass ich mich jetzt aus Facebook immer auslogge (der gut versteckte Auslog-Button sagt eigentlich alles), überlege ich mir mittlerweile gut, was ich im Internet, besonders auf Facebook etc. veröffentliche und was ich überhaupt noch in Emails schreibe. Ich persönlich finde es nicht ganz so schlimm, wenn eine Datenkrake meinen Musikgeschmack kennt, aber wo ich mich aufhalte geht die überhaupt nichts an. Aber sie tun es alle. Wusstet Ihr, dass Programmierer von iPhone-Apps sehen können, wo ihre App nach dem Kauf noch benutzt wird?
    Mehr noch ärgert mich die Einengung der Perspektive, denn man bekommt ja immer nur noch angezeigt, was die Datenkrake meint, das es einen interessiert. Und in vielen Fällen kann man das gar nicht mehr beeinflussen, im Gegensatz zu dem, was man einstellt.

  23. 23
    Jens Best

    @Panama:

    Weißt Du, lieber Panama,

    Seit Monaten suche ich einen neuen Begriff für diesen McCarthyismus 2.0, der mit für Reaktionäre ungewöhnlichem Effet aufkommt, wenn jemand mal weiter als nur bis zum nächsten netzpolitischen Aufregerthema denkt.
    Wenn es für deinen Geist aufgrund historischer Belastung oder schlichter Unlust nicht möglich ist, den Blick über den Tag hinaus zu richten, dann ist das okay. Muß nicht jeder können. Aber spare Dir doch dann bitte wenigstens auch Deine unqualifizierten säuerlichen Abwertungen. Wie? Achso, du kannst nix anderes! Na dann…

    – nach Diktat verreist –

  24. 24
    Jan

    @Jens Best: Du brauchst für „Häbäbäh, ich bin der Durchblicker und Ihr seid doch nur paranoid“ immer so viele Zeilen…

  25. 25
    Panama

    @Jens Best

    Ich weiß. Das sagen mir die von der judäischen Volksfront auch immer. Da fehlt mir wohl einfach der Einblick ins ganz große Räderwerk.

  26. 26
    Chris

    @Jan: Ja, aber Einfachheit ist doch für einen „Social Media Strategist“ nicht angemessen. Wofür hat man ihn denn zur Uni geschickt?

  27. 27
    Jens Best

    @Panama
    @Jan
    @Chris

    Reich an Reflexen.
    Arm an Reflexion.
    Ende.

  28. 28
    Jan

    @Jens Best: Na siehste, geht ja doch knapper, immerhin etwas.

  29. 29

    @jens best
    @panama

    Okay, warum trefft ihr euch nicht einfach in der Gegenwart? Weder der Stabü-Lehrer, der noch vom Kommunismus geträumt hat, noch der Mensch, der vor seinem „inneren Personalchef“ absolut nichts zu verbergen hat, sind doch heute tatsächlich anzutreffen. ES IST DOCH GERADE JETZT DIE ZEIT DES BRUCHS, euer Streit als ziemlich offensichtlicher Beweis.

    Warum redet ihr also nicht konstruktiv über Perspektiven? Wollt ihr den Streit lösen, oder nicht? Und wenn nicht, bitte: WARUM NICHT?

  30. 30
    Mister T

    Wann kommt in diesem Zusammenhang eigentlich der Doppel-Klick-Like-Button auf Spreeblick?

  31. 31
    Lhme

    Don’t feed The troll… Aber gut einigen macht das ganze spiel nach Jahren wohl immer noch spass. Das die Datensammlung der verschiedenen Unternehmen jetzt erst mal nicht die neue moderne Gesellschaft zum Ziel haben sondern deren Geschäftsmodell sind, muss man da noch „du bist der doofe“ drum spielen “ ? Ein Ausblick gemäß „ich kann das beeinflussen „, ja schwierig denn wenn ich wollte hätte ich auch ganz andere Dinge beeinflusst . Das Problem ist doch das Politik in Deutschland das Internet am liebsten zusperren würde und es über diese Bestrebungen sowas wie einen echten Diskurs in kreisen die dann wirklich Einfluss nehmen können gar nicht gibt . So kommt es zum Beispiel nicht zu so etwas wie schulischer Einbindung netzrelevanter Themen in grossem mass und und und wie ich und meine 5 nerdfreunde dann gegen geballte Unwissenheit und Verweigerung was ändern sollen ….

  32. 32

    Zumindest der Doppelklick–Button sollte längst eingebaut sein – als wir nachgefragt hatten, kündigte Heise eine überarbeitete Version an, danach haben wir es verschwitzt, fürchte ich. Ich frag mal Christoph, der weiß Bescheid.

    Jedenfalls wird es den Doppelklick/Opt-In mindestens geben.

  33. 33

    Ach ja, und:

    @Jens Best: Gibt es einen besonderen Grund für den aggressiven Unterton in der Debatte? Es mag ja sein, dass du die Ansichten anderer Leserinnen oder Leser nicht teilst, warum das aber mit Beleidigungen unterstrichen werden muss, ist mir unklar.

  34. 34
    Panama

    @reiner

    Ich hab ja gar nichts gegen die schöne neue Welt. Wäre nur nett, wenn der Herr Prophet seine Visionen auch mitteilen würde um den weniger Hellsichtigen eine Fackel sein zu können. Bis jetzt ist nur eitel Nebel.

  35. 35
    Sofie

    Ich finde die Sache mit der TL sehr kritisch. Viele Menschen wissen nicht, wie man mit dem Internet umgehen sollte, was man rein stellen kann und was man unterstellen sollte. Ich bin mal gespannt wie das noch weiter geht.

  36. 36
    Jens Best

    @Johnny Haeusler:

    Wie ich bereits in Kommentar Nr. 13 schrieb:

    Das reflexartige meist tagesaktuelle Bashing von irgendwelchen Facebook/Google/böse große Webfirma-Themen als Reaktion auf ein Posting, das versucht die Thematik der Daten-DNA vorurteilsfrei als (bald) gegebene Tatsache zu sehen, ist nach all den Jahren für mich einfach ein Zeichen, dass große Teile der sogenannten „Webgemeinde“ nicht willens oder fähig sind, einen Diskurs über die Informationsgesellschaft zu führen, ohne sich an irgendwelchen bösen Firmen oder dem pösen Staat abzuarbeiten. Das zeugt von eingeschränkter Erkenntnisfähigkeit und allgemeiner Unfähigkeit, sich sinnhaft mit einem Thema über die alltägliche „finde-ich-nicht-gut, muss verboten werden“-Ebene hinaus zu beschäftigen.

    Liest man z.B. die Kommentare 7, 9-12 bekommt man einen wundervollen Einblick in die kurzsichtige Besserwisser-Mentalität von achso praktischen Nerds.
    „Nimm den like-Button raus“, „Deaktiviere G+“ usw. – als ob es bei deinem Posting um solche Banalitäten gehen würde. Als ob diese Handlungsempfehlungen, sollten sie denn durchgeführt werden, irgendwas, irgendein kleines Jota ändern würden an dem aktuellen nicht genügend gemeinsam reflektierten Zustand des Webs.
    Diese oft im Brustton der „ich weiss Bescheid“-Haltung vorgetragenen digitalen Gestaltungs-Banalitäten sollen ein sinnvoller Beitrag zur Debatte sein? Ich finde solche „Mach mal Button-weg“-Empfehlungen, wenn du die Frage nach dem individuellen und gemeinschaftlichen Umgang mit der eigenen Daten-DNA stellst, nicht nur eine Beleidigung des Intellekts, sondern als grobwillige Versuch, ein mediokres Bashing über ein wichtiges Thema anzuzetteln.

  37. 37
    Jens Best

    @Panama:

    Es geht nicht um schöne neue Welt.
    Ich bin kein Prophet.

    Das ist der geradezu billige Versuch, zu verhindern, dass eine vernünftige Diskussion in einem umfassenderen Rahmen überhaupt mal angedacht werden kann. Das ist ein übliches Abwehrverhalten von Personen, die sich selbst mit ihren Vorurteilen im Weg stehen und nicht fähig sind, über den Tag hinaus zu denken.

    Und es ist auch kein eitler Nebel.

    Sondern lediglich die Anregung, doch mal die Entwicklungen des Webs in einem größeren gesellschaftlichen Rahmen zu kontextualisieren. Sich zu fragen, was sich denn in größeren Linien ändern kann, wenn eine Informationsgesellschaft realer wird.
    Inhaltlich hatte ich es mir ja bewusst verkniffen, einen Aufschlag zu machen, weil ich eher daran interessiert bin, was andere denken, wenn sie sich mal, was ein solcher Artikel wie oben durchaus auslösen kann, vom tagesaktuellen Geschehen lösen.
    Aber streitet ihr euch mal weiter über Buttons. Jeder halt wie er kann.

  38. 38
    hans

    Man kann sich durchaus über den Stil der Kommentare von Jens streiten.
    In der Sache kann ich seine Agression aber verstehen.

    Es geht darum eine sinnvolle und wichtige Diskussion zu führen, die seit Jahren von selbst ernannten Datenschutz-Profis mit lächerlichen Nicht-Argumentenzugemüllt wird.

    Das böser_Personalchef_findet_Saufphotos_und_der_arme_Bewerber_bekommt_daher_keinen_Job-„Argument“ ist einfach zu bescheuert.
    Wenn jemand so saudumm ist, öffentlich zugänglich Saufphotos von sich ins Internet zu stellen, ist das für mich nicht nur ein Grund, diese Person nicht einzustellen. Bei schon angestellten Mitarbeitern wäre das für mich ein Abmahn-, wenn nicht sogar Kündigungsgrund.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass genau diese „Datenschutz-Profis“ sich selbst wichtig machen, weil sie 2 Zeilen Code schreiben können, dadurch ableiten, dass sie den Laien das Internet erklären dürfen, aber bei eigenen Projekten gerne mal fünfe grade sein lassen, und Passwort/Email-Kombinationen unverschlüsselt speichern oder auf SSL-Zertifikate verzichten, weils zu kompliziert/anstrengend/teuer ist.

    Dass Daten gesammelt werden, ist 1. nicht zu verhindern und 2. für passgenaue Werbeeinblendungen auch keinerlei Problem. Ein wirkliches Problem entsteht aber, wenn diese Datens z.B. von Staatsorganen genutzt werden können, um Personen mit der jeweils „falschen“ politischen Einstellung zu überwachen.

    @Elblette:
    Da kann ich Dir nur herzlich gratulieren, dass Du Dir inzwischen überlegst, was Du in eine Email schreibst.
    Das gleiche solltest Du aber auch beim Schreiben von Briefen, oder der Überquerung einer Strasse machen: Einfach mal vorher kurz nachdenken! Schlecht kommt auch ein Punk-Tshirt beim Vorstellungstermin in einer Bank.

    „Mehr noch ärgert mich die Einengung der Perspektive, denn man bekommt ja immer nur noch angezeigt, was die Datenkrake meint, das es einen interessiert. Und in vielen Fällen kann man das gar nicht mehr beeinflussen, im Gegensatz zu dem, was man einstellt.“

    Geht doch! Das ist nämlich wirklich ein interessanter Punkt.

  39. 39
    hendrik

    @ jens best:

    Ich darf Dich mal zitieren:
    „Es geht nicht um das, was das vorherrschende (Wirtschafts)System mit den Möglichkeiten der Datenspeicherung macht.“
    Doch, genau darum geht es unter Anderem. Und es ist die Frage, inwieweit jeder einzelne diesen Handel mitmachen möchte.

    „Es geht um die Tatsache, dass wir mit dem Web eine Ebene in der Realität entwickelt haben, in der Information auf bisher nicht mögliche Art gesammelt, geteilt und analysiert werden kann.“
    Ganz genau, das hat jeder hier bereits erkannt. Darf man dieser Entwicklung nicht kritisch gegenüber stehen? Deswegen muss man ja nicht alles verteufeln. Tue ich im Übrigen auch nicht, obwohl Du mir das unterstellst.
    Du kannst gerne den letzten OP-Bericht Deiner Hodenoperation für jedermann einsehbar ins Netz stellen, ich möchte das nicht. Deswegen muss nicht jeder Ruf nach Datenschutz gleich rückwärtsgewandt, reflexartig und fortschrittsfeindlich sein.

    „Eine Gesellschaft, die das Potential des Informationszeitalters annimmt und ausschöpft, wird rückblickend nur lächeln können.“ Eine hübsche Vision, aber jede große Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten…

    „In deinem Widerstand gegen ein System, das in einer tatsächlichen Informationsgesellschaft zusammenfallen würde, stärkst du das, was du ablehnst.“
    Interessante Theorie… erklär das mal genauer.

    „Das reflexartige meist tagesaktuelle Bashing von irgendwelchen Facebook/Google/böse große Webfirma-Themen als Reaktion auf ein Posting, das versucht die Thematik der Daten-DNA vorurteilsfrei als (bald) gegebene Tatsache zu sehen, ist nach all den Jahren für mich einfach ein Zeichen, dass große Teile der sogenannten “Webgemeinde” nicht willens oder fähig sind, einen Diskurs über die Informationsgesellschaft zu führen, ohne sich an irgendwelchen bösen Firmen oder dem pösen Staat abzuarbeiten. Das zeugt von eingeschränkter Erkenntnisfähigkeit und allgemeiner Unfähigkeit, sich sinnhaft mit einem Thema über die alltägliche “finde-ich-nicht-gut, muss verboten werden”-Ebene hinaus zu beschäftigen.“
    Wie soll denn der „gute“ Diskurs aussehen, den Du so gerne hättest? Du lässt hier viele visionäre Luftballons steigen und Pöbeleien fallen, aber wirklich was Konkretes, Substanzielles zur Diskussion ist irgendwie nicht dabei. Interessanter ist dann schon dieser Beitrag: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,788777,00.html
    Und Lobo bringt es auch auf den Punkt: Man muss es nicht nur verteufeln (und darf sich auch nicht wundern), dass mit unseren Daten gehandelt wird. Aber die Kontrolle über die eigenen Daten wäre wünschenswert und liegt auch in der Hand jedes Einzelnen. Aber eben nicht zu 100 %. Und was genau alles mit den Daten angestellt wird, die außerhalb unseres Einflussbereiches zusammengeführt und analysiert werden, weiß niemand von uns, auch nicht unser Herr Visionär.

    „Liest man z.B. die Kommentare 7, 9-12 bekommt man einen wundervollen Einblick in die kurzsichtige Besserwisser-Mentalität von achso praktischen Nerds.“
    Ja, davon bin ich überzeugt, dass Du Dich mit Besserwisser-Mentalität auskennst.

    “Nimm den like-Button raus”, “Deaktiviere G+” usw. – als ob es bei deinem Posting um solche Banalitäten gehen würde. Als ob diese Handlungsempfehlungen, sollten sie denn durchgeführt werden, irgendwas, irgendein kleines Jota ändern würden an dem aktuellen nicht genügend gemeinsam reflektierten Zustand des Webs.
    Diese oft im Brustton der “ich weiss Bescheid”-Haltung vorgetragenen digitalen Gestaltungs-Banalitäten sollen ein sinnvoller Beitrag zur Debatte sein? Ich finde solche “Mach mal Button-weg”-Empfehlungen, wenn du die Frage nach dem individuellen und gemeinschaftlichen Umgang mit der eigenen Daten-DNA stellst, nicht nur eine Beleidigung des Intellekts, sondern als grobwillige Versuch, ein mediokres Bashing über ein wichtiges Thema anzuzetteln.“
    Gäähn. Sag doch mal was Konkretes, als nur andere zu kritisieren. Genauso, wie es darum geht, welches Sauffoto (sorry, dass ich dieses zugegebenermassen abgelutschte Beispiel nochmal bringe) ich ins Netz stelle oder welche Ansichten ich auf meiner Pinnwand poste, geht es auch darum, mit welchen Mitteln soziale Netzwerke meine Spuren im Netz verfolgen. Just my two cents.

  40. 40
    hendrik

    @ hans:
    „Es geht darum eine sinnvolle und wichtige Diskussion zu führen, die seit Jahren von selbst ernannten Datenschutz-Profis mit lächerlichen Nicht-Argumentenzugemüllt wird.“
    Was sind für Dich diese lächerlichen Nicht-Argumente?

    „Das böser_Personalchef_findet_Saufphotos_und_der_arme_Bewerber_bekommt_daher_keinen_Job-”Argument” ist einfach zu bescheuert.
    Wenn jemand so saudumm ist, öffentlich zugänglich Saufphotos von sich ins Internet zu stellen, ist das für mich nicht nur ein Grund, diese Person nicht einzustellen. Bei schon angestellten Mitarbeitern wäre das für mich ein Abmahn-, wenn nicht sogar Kündigungsgrund.“
    Klar ist das Argument abgelutscht, aber es geht mir um das größere Bild dahinter (hätte ich vielleicht sagen sollen, mein Fehler). Ich teile Deine Sicht des Chefs in diesem Fall (teilweise) auch, wobei es für mich als Chef auf das „Ausmaß“ der Bilder ankäme, bevor ich jemanden abmahne. Aber Du hast recht, es geht darum, wann ich wie, wo, was von mir preisgebe. Aber lass das Bild mal ein „harmloses“ Foto von anderen Begebenheiten sein, das dem Chef auffällt / nicht gefällt / für ihn ein Kündigungsgrund ist… und das Foto muss noch nicht mal von Dir gepostet worden sein.

    „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass genau diese “Datenschutz-Profis” sich selbst wichtig machen, weil sie 2 Zeilen Code schreiben können, dadurch ableiten, dass sie den Laien das Internet erklären dürfen, aber bei eigenen Projekten gerne mal fünfe grade sein lassen, und Passwort/Email-Kombinationen unverschlüsselt speichern oder auf SSL-Zertifikate verzichten, weils zu kompliziert/anstrengend/teuer ist.“
    Okay, aber das heißt ja nicht, dass Datenschutz generell nur was für Netz-Weicheier und Paranoide sein muss, oder? Generell bin ich auch eher für Aufklärung im Umgang mit Medien als reihenweise Verbote, aber manchmal muss man eben auch regelnd eingreifen. Bitte nicht von der anderen Seite jetzt „Zensur!“ schreien…

    „Dass Daten gesammelt werden, ist 1. nicht zu verhindern und 2. für passgenaue Werbeeinblendungen auch keinerlei Problem. Ein wirkliches Problem entsteht aber, wenn diese Datens z.B. von Staatsorganen genutzt werden können, um Personen mit der jeweils “falschen” politischen Einstellung zu überwachen.“
    Aha, da kommen wir zu einem der interessantesten Punkte in dieser Diskussion. Die Fragen sind IMHO nämlich: Können wir verhindern, dass Staaten sich ein umfassendes Profil erstellen, auch indem sie auf soziale Netzwerke zugreifen? Welchen Einfluss haben wir darauf? Und welche Konsequenzen hat dieses Wissen, dass Daten über uns gesammelt und analysiert werden, auf unser Verhalten? Engagieren wir uns noch öffentlich in einer NGO (als Beispiel)? Kritisieren wir Entscheidungen der Regierung öffentlich oder nur noch im kleinen Kreis? Wird unsere Gesellschaft durch die allgegenwärtige Vernetzung demokratischer und freier oder undemokratischer und unfreier?

    Spannende Fragen… Ich maße mich nicht an, die Antworten darauf zu kennen.

  41. 41

    Na jetzt sind wir doch bei konkreten Punkten.

    Ich habe ja auch gar nichts gegen etwas raueren oder „deutlichen“ Ton, bedanke mich aber bei allen, wenn wir die persönlichen Anfeindungen beiseite lassen können. Die bringen nix.

    Danke.

  42. 42
    Elblette

    @hans: Natürlich würde ich auch überlegen, was ich in einen Brief schreibe. Aber ein Brief unterliegt auf dem Weg zum Empfänger dem Postgeheimnis, und dass jemand einen Brief nimmt, fotokopiert und an viele andere schickt ist eher ungewöhnlich, während das bei einer Email einfach ist und auch passiert, oft aus Versehen. Dazwischen können womöglich noch irgendwelche Admins oder Hacker reingucken, wenn man Pech hat. Es ist also wesentlich wahrscheinlicher, dass Leute die Email lesen, für die sie gar nicht bestimmt war. Kurz: alles ist viel öffentlicher als früher, mit allen Vor- und Nachteilen.

  43. 43
    Jens Best

    — das ist doch wieder so lang, das liest doch keiner — egal, diejenigen die es lesen, sind doch die Interessanten — stimmt —

    unteranderem auch in Antwort auf @hendrik:

    Wenn ich solche Fragen lese:
    „Können wir verhindern, dass Staaten sich ein umfassendes Profil erstellen, auch indem sie auf soziale Netzwerke zugreifen?
    Welche Konsequenzen hat dieses Wissen, dass Daten über uns gesammelt und analysiert werden, auf unser Verhalten?
    Engagieren wir uns noch öffentlich in einer NGO (als Beispiel)? Kritisieren wir Entscheidungen der Regierung öffentlich oder nur noch im kleinen Kreis?“

    …dann kann ich wieder nur den Kopf schütteln.

    1. Weil seit dem Volkszählungsurteil 1986 die Frage nach dem Konformismus-Druck auf den Einzelnen als Dogma in dieser Frage gesetzt wurde. Wer auch nur ansatzweise erwähnt, dass es doch soetwas gebe wie den freien Willen, der sich nunmal nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern auch in der freien Wildbahn behaupten muss, dem gnade Gott vor der Wut der Datenschutz-Gutmenschen. Die ständige Setzung, dass z.B. eine Minderheitsmeinung in einer transparenten Welt zur Diskriminierung ihrer Vertreter führt, ist eine schlichte Bankrotterklärung an das menschliche Sein an sich. (PS: Brauche hier nun keine Auflistung von Beispielen, die mir zeigen, dass „das aber eben doch zu schlimm sei“ – diese sind mir bekannt, aber dieser Instant-Betroffenheitsaktivismus lenkt hier von den eigentlichen Herausforderung ab)

    2. und jetzt wird’s wieder persönlich, achtung, sind das alles schlichte rhetorische Angstfragen. Fragen also, die nur darauf abzielen, sich an bekannten Unzulänglichkeiten des Miteinanders hochzuziehen, um daraufhin einen wie auch immer gearteten Paternalismus aufzubauen.
    Nach einem solchen Feuerwerk an „bad vibes questions“ noch nachstehende Frage nachzuschieben, ist wahrlich übelste Rhetorik, deren Verunsicherungs-Absicht aus jedem Buchstaben tropft

    „Wird unsere Gesellschaft durch die allgegenwärtige Vernetzung demokratischer und freier oder undemokratischer und unfreier?“

    Die Antwort ist, in aller Kürze:

    Die „allgegenwärtige“ (noch so ein Wort mit negativer Konnotation) Daten-Vernetzung führt weder zu guten noch zu schlechten Gesellschaftszuständen, das macht alles der Mensch selbst.
    Das Entstehen einer digitalen Ebene unserer Realität und unsere gestaltende Aneignung durch Ausbildung „kultureller Sinnesorgane“ ist eine geradezu evolutionäre Notwendigkeit. Das Universum ist Information, Information ist die Grundlage unserer Antizipation des Universums. Carl Sagan schrieb einst: „Der Mensch ist das sich selbst bewusst gewordene Universum“.
    Die Entwicklung einer informations-effizienten Verarbeitungsebene, aktuell Internet genannt, ist ergo ein logischer Schritt in der Aneignung der Erkenntnis über das Universum durch den Menschen. Das Erfassen von Information ist die Grundlage um zu Verstehen.

    Die Wissenschaftstheoretikerin und Philosophin Sandra Mitchell versucht mit einer neuen Erkenntnistheorie der Komplexität gerecht zu werden, die sich uns mit unserer Fortschritten in den letzten Jahrzehnten erschlossen hat. Auf dieser Ebene bewegen sich die Gedanken zur Daten-DNA für mich.
    Die reine Quantitätseuphorie bei dieser Entwicklung, die z.B. von Verkäufern wie Eric Schmidt von Google immer apostrophiert wird „Jeden Tag soviel Information wie in der ganzen Menschheitsgeschichte zuvor zusammen!“ bringt uns nicht weiter, im Gegenteil solche Worte dienen auch der Angst-orientierten Verschleierung. In die gleiche Kategorie, obwohl diametral dagegen argumentierend fallen Leute wie Schirrmacher („unser Gehirn, unser armes Gehirn“) oder Constanze Kurz („Vorsicht, Internet, lieber nicht anfassen, wirste nur verarscht!“)

    — Da lobe ich mir Wissenschaftler wie Mitchell, die sich ergebnisoffen hinstellen und erstmal sagen: „Wir fangen gerade erst an, die Welt verstehen zu können.“ Das ist eine Haltung, die Einsteins Bemerkung „The missing link? Das sind wir!“ mit Freude aufnimmt und versucht tatsächlich ein paar kleine Schritte weiter voranzukommen – wobei auch weiterhin und für alle Ewigkeit gilt: ignorabimus.

    Was bedeutet das jetzt für den Alltag, wo all die schlimmen Dinge passieren, die mit diesem bösen bösen Teilen von Daten einhergehen?

    Meine Fragen:

    Was läuft falsch an einer Gesellschaft, wenn Menschen berechtigte Befürchtungen haben, dass geteilte Daten gegen sie verwendet werden? Wo sind die Vertrauensbrüche genau zu lokalisieren?

    Welches Mindset oder Betriebssystem hat eine Gesellschaft, indem aus dem Teilen von Daten soziale Nachteile für den Einzelnen entstehen können? Welche gesellschaftlichen Aspekte sind als Grundproblem dieser Entwicklung zu sehen? Können diese verbessert oder abgeschafft werden?

    Wenn ein Mechanismus etabliert wird, der bei der Aufrechterhaltung von Gerechtigkeit eingesetzt wird – welche Varianzen, die ungerechte Momente erzeugen können, sind akzeptabel und wer legt das fest?

    Die aktuelle Diskussion um „Datenteilen – Ja oder Nein?“ hält uns von den wirklichen gesellschaftlichen Herausforderungen der jungen Informationsgesellschaft ab. Sowohl die meist nur an Profit-orientierten Daten-Euphoriker als auch die Datenschutz-Engel der Angst müssen erkennen, dass Teilen von Information dermaßen grundlegend ist, das der Mensch es entweder erkennt und daran gemeinsam wächst oder abtritt.
    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie man seine kostbare Zeit, mit Buttons, SEO, Datenschutz verbringen kann ohne ansatzweise ein Modell der Welt zu haben. Hätte man ein zeitgemäßes Modell, würden viele mit verlegenem Kichern auf die Zeit zurückblicken, in der sie über 2-Step-Buttons und Klickzahlen doziert haben.

    — thanks for reading — noch mehr thanks für feedback — und ja ich weiss, es war für viele zu — deswegen ein tl;dr

    Viele arbeiten sich auf der falschen zu niedrigen Ebene am Datenteilen ab. Move your head.

  44. 44

    Zum Thema Daten-DNA passt doch noch perfekt Google Health.
    Der Ansatz der hier gezeigt wurde (Die Seite schließt zum Glück wieder 2012) war wirklich erschreckend.

  45. 45

    Nur als Hinweis an alle (@Jens Best: hatte es gerade „erwischt“): Lange Kommentare landen oft im Spam-Filter wegen Verdacht auf selbigen, ich bemühe mich dann um rasche Freischaltung, was meistens klappt, aber nicht immer.

  46. 46
    Jens Best

    @Mario:

    DAS ist das Diskussions-Niveau, das ich kritisiere:

    WARUM passt deiner Meinung nach Google Health so „perfekt“ zu Daten-DNA?
    WAS ist/war das „Erschreckenste“ daran? Die zentrale Speicherung und Abrufbarkeit der Daten? Dass es Google ist? Dass es Unklarheit in den Gesetzen und dem Vertrauen auf diese gibt?

    Freunde, das Ding heisst „Kommentarfunktion“ nicht „Hier können sie mal frei assoziieren, bitte begründen sie nichts. Bei uns werden die Worte ‚Argument‘ und ‚Gefühl‘ total gleich behandelt. Peace.“ What a waste.

  47. 47

    @Mario: Ich bin kein Benutzer des „Post Privacy“-Begriffs, stehe vielen Entwicklungen noch ohne fundierte Meinung gegenüber und finde bestimmt nicht alles toll, was das Internet, also Menschen, so alles ausspucken.

    Aber gerade verfügbare und vernetzte medizinische Daten könnten fantastischen Fortschritt mit sich bringen, glaube ich. Es ist wie so oft natürlich richtig, auf möglichen Missbrauch hinzuweisen und sich weitestgehend dagegen zu rüsten, aber wenn die Vorteile überwiegen? Weiterkommen gelingt nicht, wenn man aus Furcht vor negativen Effekten die positiven nicht mehr zulässt.

  48. 48
    hans

    @hendrik:
    Um was für „harmlose“ Photos geht es denn?
    Und was ist das dann für ein „Chef“, der aufgrund harmloser Photos Leute entlässt?
    Klar – irgendwas kann man immer konstruieren, aber dieser Fall kommt in der Praxis enfach nicht vor.
    Wie genau muss man denn aus welchem Grund regelnd eingreifen?

    Dein (auch konstruiertes) Beispiel mit dem Engagement für NGOs wird in der Praxis so auch nicht vorkommen. Das Engagement bei NGOs würde ich auch in einem ausgedruckten Bewerbungsschreiben als positiv zu wertendes Hobby aufführen. Wenn man in der Friedensbewegung aktiv ist und einem Job bei ThyssenKrupp haben will, könnte es natürlich tatsächlich Probleme geben.

    Ich will jetzt einfach mal konkrete, nicht aus der Luft gegriffen Beispiele hören. Die gibt es aber nicht.

  49. 49
    Gorgoroth

    Mich macht das alles so müüüüde. Gute Nacht.

  50. 50

    @hendrik: Da sind mir zu einem deiner Absätze quasi reflexartig ein paar Dinge eingefallen! ;) Du bist in deinen beiden Kommentaren, für die ich danke aufgrund meines geweckten Interesses, noch weiter gegangen, ich wollte diese Beobachtung aber nochmal kurz festhalten, weil wir ja vielleicht auch nach einer „Wurzel“ suchen, um das ganze Datenschutz-vs.-Post-Privacy-(Begriff-)Gestrüpp ein wenig zu ordnen…

    Dein Absatz, anfangs mit einem Zitat von Jens Best: „‚Es geht um die Tatsache, dass wir mit dem Web eine Ebene in der Realität entwickelt haben, in der Information auf bisher nicht mögliche Art gesammelt, geteilt und analysiert werden kann.‘
    Ganz genau, das hat jeder hier bereits erkannt. Darf man dieser Entwicklung nicht kritisch gegenüber stehen? Deswegen muss man ja nicht alles verteufeln. Tue ich im Übrigen auch nicht, obwohl Du mir das unterstellst.
    Du kannst gerne den letzten OP-Bericht Deiner Hodenoperation für jedermann einsehbar ins Netz stellen, ich möchte das nicht. Deswegen muss nicht jeder Ruf nach Datenschutz gleich rückwärtsgewandt, reflexartig und fortschrittsfeindlich sein.“

    Hendrik, wenn du Rückwartsgewandtheit, Reflexartigkeit und Fortschrittsfeindlichkeit als Übel ausschließt, bleibt in deinem Schluss immer noch ein interessanter Rest Skepsis vor Offenheit. Das meine ich nicht als Anfeindung oder so, nur als Beobachtung. Natürlich will ich nicht die Hoden-OP von Jens Best live auf uStream. Aber auch banalere Beispiele, wie Kindergeburtstag von ’nem Kumpel, sinnlos geschossenes Video vom letzten Wochenende besoffen auf ‚m Kiez; kurz: Alles, was ich in einem bestimmten Moment gerade nicht sehen möchte, aber angeboten oder nicht angeboten bekommen habe.

    Hierbei, an dieser Schnittstelle, finde ich zwei Sachen interessant: Es gibt Leute, die haben mit eigener Offenheit kein Problem und Leute, die das eher nicht mögen. Des Weiteren gibt es aber auch Leute, die mit fremder Offenheit ein Problem haben und andere Leute, die das abschütteln können (z.B. den angefangenen Clip ausmachen und sich kurz was denken, dann was anderes machen). Mich würde interessieren, wie das Verhältnis aussieht: Haben die Leute, die mit eigener Offenheit kein Problem haben immer oder häufig auch kein Problem mit der Offenheit der anderen (indem sie es z.B. nicht übelnehmen, wenn sie das von jemandem Geteilte nicht mögen oder einfach nur in einem Moment nicht sehen möchten)?

    Und eine andere Frage: Sieht hier noch jemand die Parallele zum guten alten Fernsehen aus den Tiefen der Erinnerung aufblitzen? Manche zappen sofort los, wenn auf dem Sender mal etwas Schwaches läuft, andere wiederum warten lange, bis sie tatsächlich mal „ihren Sender“ wechseln. Und dann die Reaktionen von denen, die neben einem sitzen, so à la „Man, jetzt lass doch mal was an“ oder „Boah, schalt endlich um, Mutti!“? Liegt da, an diesem Punkt eine Grenze, die mit der Grenze zwischen Datenschützern und Datenschleudern, oder wie man die „groben“ Fronten jetzt einteilen möchte, zumindest irgendwie verwandt, verschwurbelt oder verbiestert ist?

    Oder, boiled down to t, l, ;, d und r: Vielleicht ist die Frage nach der Offenheit des Netzes eng verbunden mit der Frage nach medialer Resilienz?(!)

    Und, @Gorgoroth: Jut, tschüssi! … ;)

    R.

    PS.: (MEDIA RESILIENCE, NOT RESISTANCE. If nobody has already coined that one, I’d really like to coin that one! ;D)

  51. 51

    @ Jens Best
    WAS soll wohl daran so erschreckend sein, wenn ein Unternehmen welches mit Werbung Geld verdient, irgendwann auch Zugriff auf ALLE Informationen meines Erbgutes hat. Wo liegt da wohl die Gefahr?
    Anmerkung: Anne Wojcicki (CEO von 23andme) ist immerhin die Ehefrau von Sergey Brin und Google investiert nicht unerheblich in dieses Unternehmen. Natürlich sind alle Daten wie immer total sicher.

    @Johnny
    Gegen Fortschritt habe ich natürlich nichts. Wie oben schon erwähnt, überwiegt aber im betreffenden Fall sicherlich nicht der Vorteil für den Nutzer sondern für mich gesehen eher die Gefahr eines Datenlecks bzw. Missbrauchs.
    „Furcht vor negativen Effekten“ ja die überwiegt leider noch, ist aber rational begründet.

  52. 52

    …äh, doch noch nicht gute Nacht…

    @hans, der zuletzt mit Hendirk wiederholt über den Personalchef gesprochen hat (nicht „den inneren Personalchef“!):
    „Um was für ‚harmlose‘ Photos geht es denn?
    Und was ist das dann für ein ‚Chef‘, der aufgrund harmloser Photos Leute entlässt?
    Klar – irgendwas kann man immer konstruieren, aber dieser Fall kommt in der Praxis enfach nicht vor.
    Wie genau muss man denn aus welchem Grund regelnd eingreifen?“

    In der ganzen Sache mit den Fotos und dem Personalchef müssen noch ein paar Sachen dokonstruiert werden: Das ist ja eine doppelköpfige Beziehung, weil man mit dem Chef auch theoretisch schlafen, trinken, feiern, traurig sein, also alles machen kann, was man MIT JEDEM MENSCHEN machen kann, der aber eben auch gleichzeitig in dieser besonderen Beziehung zu einem steht. ZWEI PAAR SCHUHE, die im Leben da draußen hinter den Fenstern häufiger zusammenprallen. Im Endeffekt geht’s hierbei um eine Abmachung, die getroffen wird: Harte Linie (man siezt sich, erzählt sich nichts Privates, versteht sich vielleicht gar nicht, kann aber miteinander arbeiten) oder aber z.B. freundliches Miteinander. Das zählt alles nicht, wenn die Zusammenarbeit nicht klappt. Dass Fotos jetzt in dieses Verhältnis, das bei manchen gut, bei manchen schlecht ist, gespült werden, ist auch wieder komplex. Wollte der Säufer, dass die Fotos veröffentlicht werden? Wollte der Chef die überhaupt sehen, kann jetzt aber vielleicht nicht anders als darauf reagieren? NUR IM KOPF BZW. IM BAUCH DES CHEFS KANN HIER EINE ENTSCHEIDUNG GEFÄLLT WERDEN. Das Resultat wird mitgeteilt, je nach Freundschaftsgrad freundlich bis distanziert.

    Da tendiere ich persönlich zur Post-Privacy-Variante, ohne das jetzt begründen zu können. So habe ich das im First Life einfach schon beobachten dürfen, wie gleichmütig ich damit umgehe, wenn mein Chef oder meine Chefin etwas „über mich rausfindet“. Ich hatte noch nicht viele Chefs, deswegen kann ich das nicht allgemeiner formulieren: Ich hatte das Gefühl, dass es okay war für beide Seiten, weil beide generell kein Problem damit hatten, sich anzufreunden, Distanz abzubauen, etc. Ich werde einem Chef oder einer Chefin natürlich niemals näher kommen, als er oder sie es will. UND: Wenn eben keine explizite Absprache vorherrscht, wird interpretiert, es gibt auch Geheimnisse. Und dann kann man Glück haben, aber eben auch Pech. Kapitalismus 2.0, im privaten Verhältnis von Chef und ArbeitnehmerIn.

    Und jetzt Wikileaks, Depeschen, Amerika, die amerikanischen Bürger, und die Welt – NATÜRLICH REICHLICH KOMPLEXER! o.O

    Grüße und jetzt aber husch in die Puschen
    R.

  53. 53

    PS.: @Mario, der mit Johnny gesprochen hat:

    “’Furcht vor negativen Effekten‘ ja die überwiegt leider noch, ist aber rational begründet.“

    Rational begründen, emotional handeln? Wie sieht die absolut rationale Handlung auf das Google-Health-Beispiel aus? Und was sind die Hindernisse, nicht nur von Seiten der Großen, sondern wohl auch von Seiten der „Absender“ der Daten? Wenn Google weiß, welche Leber-Beschwerde ich habe, schickt er mir Werbung für Leber-Medikamente. Okay, hier gilt es darauf zu achten, dass ich nicht zu doof bin (also Informationen sammeln möchte, kann und die dann auch verstehe, eventuell mit Hilfe) und dass die Werbung nicht korrupt ist (Werbung für das tatsächlich beste Leber-Medikament zum kleinsten Preis wäre super!). Schwierig, wahrscheinlich unmöglich, wir sind noch nicht bereit für das reine Gute, oder so. Aber wenigstens die Sache verstehen fänd ich schon gut.

    …Das mit den Daten klingt ja mittlerweile wie Strahlung, übrigens. Sie laufen nicht aus – wir stoßen sie ab. Aura, nicht Leck und auch nicht DNA…

  54. 54
    Jens Best

    @Reiner: und andere

    Vorab: Das mit den persönlichen „Hoden-Offenheit“ war nicht ich, sondern Jeff Jarvis, und es war kein Stream, sondern der offene Umgang mit einem Tabuthema. Diese Offenheit führte für Jeff und viele andere Betroffene zu einem besseren Verständnis und Umgang mit der Krankheit. Aber das nur am Rande.

    Es geht sicher nicht darum, Offenheit in heute als privat bezeichneten Dingen als quasi gesetzlichen Default festzuschreiben. Kulturell gesehen ist die Phase der Privatsphäre wie sie zeitgenössisch aufgefasst wird, ein relativ junges Phänomen. In menschlichen Gemeinschaften war das Private immer etwas, was im öffentlichen Grundzustand abgekapselt werden musste. Das Private als Rückzugsraum für das Individuum ist eine sehr bürgerliche Errungenschaft.

    Ich denke nicht, dass wir dem Thema näherkommen, indem wir empirisch feststellen, das es eben solche und solche gebe beim Umgang mit der eigenen Offenheit (und dem Ertragen der Offenheit anderer). Dennoch sei hier angemerkt, dass Offenheit (ob eigene oder andere) immer einer Anstrengung des Verstehens bedarf.
    Wenn dies nicht im gegenseitigen Respekt geschieht, liegt meist wenig Balance der Kräfteverhältnisse vor, die im Sinne der Überwindung der Resilienz gewonnen werden will – Z.B. wollen Jugendbewegungen mit Offenheit schockieren oder Moralwächter wollen Offenheit unterbinden.

    Die Frage ist also weniger nach dem Überwinden der Resilienz, sondern nach dem Level, auf dem Balance hergestellt werden kann. Mit dem massiven Anstieg der Informationsgewinnung, Datenverarbeitung und Erkenntnisgewinnung in den letzten Jahrzehnten ist kulturell eine Dissonanz entstanden. Einige fühlen sich abgehängt, andere benutzen diese Phänomene um andere zu übervorteilen oder schlichtweg ihr Herrschaft durch Exklusivwissen (=Datenkombination & -auswertung) zu festigen.

    Dies sind beklagenswerte Aspekte, die jeden aktiven Kampf zur Verbesserung dieser Situation gerechtfertigen. Es sollte nur nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Das Herstellen einer „alten Ebene der Balance“ ist nicht mehr möglich. Deswegen, um hier mal voranzukommen:

    Ich stelle mich nicht auf die Seite derjenigen, die aus der Resilienz der alten Balance versuchen ihren Vorteil zu ziehen, indem sie sicherstellen, dass die Ungleichheiten gefestigt werden. Insbesondere ist es nicht hinnehmbar, dass irgendwelche profit-getriebenen Elemente durch Datenkontrolle herrschen können. Gesetze, die privatwirtschaftlichen Besitz von Daten schützen, sind zu überwinden. Kapitalistisches Exklusivwissen und darauf beruhende Marktvorteile und Ungerechtigkeiten dürfen nicht mehr Grundlage unseres Gesellschaftwesens sein.

    Ich stelle mich auch nicht auf die Seite derjenigen, die „Datensparsamkeit“ fordern, die versuchen die neue Komplexität, mit der sich uns die Welt erschliesst, einzuhegen und sich gegen jede Veränderung (ob im Gehirn, ob in der Verfügbarkeit von Information) entgegenstellen. An dieser Stelle entsteht eine unheilige Allianz konservativer Webverächter und angst-getriebenen „Menschendatenschützer“ – das Herstellen der alten Balance, so sie denn je existiert hat, ist hinfällig und einem Zeitalter der (digitalen) Information nicht würdig. Der Mensch muss um Mensch zu bleiben an sich arbeiten.

    Ich stelle mich also auf die Seite derjenigen, die das Teilen von Daten respektvoll und mit der nötigen Bereitschaft im Gewohnten auch mal negativ überrascht zu werden, annehmen und gestalten wollen.

    Eins ist klar, mehr Offenheit ist aktuell doppelt unerträglich. Einerseits zieht mehr Offenheit immer einen Moment des Diskurses und der emotionalen Abstimmung nach, Wissen im sozialen Miteinander muss verarbeitet und individuell eingeordnet werden (z.B. wie Reiner das bei den sich ändernden Verhältnissen Chef-Mitarbeiter anführt).
    Anderseits, und das verstärkt die Probleme bei der aktuellen Balancefindung, kommen wir aus einem Zeitalter, dessen wirtschaftlichen Grundlagen aus dem Ruder gelaufen und dessen ideologische Verirrungen heftig sind und so zu einem massiven Vertrauensverlust geführt haben. Der Mensch arbeitet nicht an seiner kritischen Empathiefähigkeit, sondern er lernt wie man übers Ohr haut oder wenigstens wie man nicht übers Ohr gehauen wird.
    Auch hier dienen uns wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten beiden Jahrzehnte. Primaten- und Kleinkinderforschung haben uns gezeigt, dass es einer ständigen Balance zwischen Empathie und Konkurrenz bedarf, um evolutionsmässig zu überleben. Spiegelneuronen und die Aspekte der genetischen Vermittlung von Kultur haben uns vielfach über uns selbst überrascht. Im Positiven.

    tl;dr

    Es muss eine neue Balance in der Informations- und Datengerechtigkeit gefunden werden. Aber die wird weit entfernt von den angstgetriebenen Kompromissen liegen, die unterschiedlichste Gruppen jetzt aufeinander treffen lassen.

  55. 55
    hendrik

    Wow, Ihr wart fleißig in der Nacht ;-) Auch Jens schien die späte Stunde für die Differenziertheit seiner Beiträge zuträglich zu sein. Die Kraft der guten Argumente ist einfach spannender als irgendwelches Ihr_habt_alle_nicht_den_Durchblick_Geschwafel.

    Zum Thema:

    Vorab eine Richtigstellung: @ Jens: Ich habe nicht behauptet, dass Du die Sache mit der öffentlichen Hoden-OP irgendwie angestoßen hättest. Es war für mich ein völlig aus der Luft gegriffenes Beispiel… Dass Herr Jarvis mit der Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen ist, bewundere ich, ist aber letzten Endes die eigene, private Entscheidung, ob man das möchte oder nicht.
    Und ich würde es auch gerne selbst entscheiden, ob bestimmte Dinge über mich an die Netzöffentlichkeit gelangen oder nicht. Aber ich glaube – vor allem nach dem Lesen Deines letzten Kommentars – da liegen wir gar nicht so weit auseinander. Nichtsdestotrotz glaube ich, wir müssen uns keine Illusionen darüber machen, dass bereits jetzt außerhalb irgendwelcher Datenschutzbestimmungen E-Mails (stichprobenartig) gecheckt und andere Daten(-spuren) von uns zusammengeführt und analysiert werden.
    Man kann sich natürlich zurücklehnen und sagen: Ich habe nichts zu verbergen, sollen „die“ mich halt durchleuchten, ich bin so uninteressant. Es gibt auch Leute, die ständig auf Facebook ihren derzeitigen Aufenthaltsort bekannt geben. Bitteschön. Je nach Lage der Wohnung und der Länge des Urlaubs kann ich auch gleich noch den Einbrechern erklären, wo sie die Wertsachen finden.
    Um ein konkreteres Beispiel anzuführen: Aus gegebenem Anlass habe ich in Amerika so eine Art 11880-Seite bemüht, um die Anschrift einer 83jährigen alleinstehenden Bekannten herauszufinden. Kostenlos waren dort meiner Erinnerung nach folgende Informationen einsehbar: Adresse, Telefonnummer, Name. Gestaffelt bis ca. 10 Dollar Gebühr waren dann Alter der Person, durchschnittliches Monatseinkommen, Familienstand, Zahl der Bewohner im Haus, Größe des Grundstücks und Besitz eines Autos.
    Und nein, die betreffende Person hat die Daten nicht selbst ins Netz gestellt und auch keine Genehmigung dafür erteilt.
    So, meiner Ansicht nach überwiegen hier die Nachteile der Datenoffenheit. Es wäre eine Beleidigung der hier anwesenden Intelligenz zu erklären, welche Personen an diesen Daten Interesse haben könnten und wie sie z.B. in Kombination mit Google Street View genutzt werden könnten. Damit komme ich zu einem wichtigen Statement von Jens:
    „Es geht sicher nicht darum, Offenheit in heute als privat bezeichneten Dingen als quasi gesetzlichen Default festzuschreiben.“
    Aha. Zustimmung! Hörte sich in Deinen früheren Kommentaren meines Erachtens mal anders an.
    Ob für die Veröffentlichung der Daten im oben beschriebenen Fall eine fehlende oder einfach eine sehr liberale Gesetzgebung eine Rolle gespielt haben, weiß ich nicht. Und wer sich mal mit dem Streisand-Effekt beschäftig hat, weiß, welche Konsequenzen es haben kann, im Nachhinein auf sein Recht zu pochen…
    Ich denke, die Veröffentlichung solcher Daten sollte gesetzlich geregelt werden, ja. Das böse Gespenst des Datenschutzes.
    Aber ich lese zu meiner Überraschung heute früh: „Die Frage ist also weniger nach dem Überwinden der Resilienz, sondern nach dem Level, auf dem Balance hergestellt werden kann. Mit dem massiven Anstieg der Informationsgewinnung, Datenverarbeitung und Erkenntnisgewinnung in den letzten Jahrzehnten ist kulturell eine Dissonanz entstanden. Einige fühlen sich abgehängt, andere benutzen diese Phänomene um andere zu übervorteilen oder schlichtweg ihr Herrschaft durch Exklusivwissen (=Datenkombination & -auswertung) zu festigen.“ Ganz genau, das ist eine Sorge von Datenschützern. Man muss nicht militant alles verbieten und „Datenschutz“ schreien, nur weil Fotos von Häuserfassaden gemacht werden, die man sowieso jeden Tag sehen kann. Ich bin auch kein Netzparanoiker nach dem Motto the_internet_eats_me (auch wenn versucht wird, mir das zu unterstellen), ich appelliere für Augenmaß im Umgang mit eigenen und – an Google & Co. gerichtet – mit fremden Daten. Ich kann den Mittelweg, den Du in den beiden Abschnitten „Ich stelle mich nicht auf die Seite derjenigen, (…)“ ohne Probleme unterschreiben. Wir laufen manchmal den Möglichkeiten hinterher, die das Netz bietet und natürlich geht es immer darum, was der Mensch draus macht.
    Und selbstverständlich ist Deine Frage „Was läuft falsch an einer Gesellschaft, wenn Menschen berechtigte Befürchtungen haben, dass geteilte Daten gegen sie verwendet werden? Wo sind die Vertrauensbrüche genau zu lokalisieren?“ berechtigt. Es ist die Fragestellung auf der soziologischen Ebene, die ich auf der politischen Ebene gestellt habe. Wie Du meine Fragen küchenpsychologisch bewertest, interessiert mich nicht, dafür ist die Diskussion hier zu spannend. Im Übrigen ist Deine sogenannte Antwort keine Antwort auf meine Frage, sondern eine Abhandlung mit Verweisen auf fremde Federn mit zugegebenermaßen interessanten Denkansätzen. Mit dem Statement von Mitchell und Einstein kann ich allerdings gut leben. :)
    Um auf Deine Frage einzugehen: Wie ich in meinem ausgeführten Beispiel versucht habe, darzulegen, gibt es sicher Menschen, die mit wenig Aufwand (max. 10 Dollar und 20 min. Recherche) einen relativ sicheren Bruch machen können. Die Recherche ist durch die schnelle Verfügbarkeit bestimmter Daten einfacher geworden. Das ist ja nur ein Beispiel von vielen und Deine Fragestellung impliziert ja auch, dass es offenbar berechtigte Befürchtungen gibt.

    Bemerkenswert finde ich auch diesen Satz von Dir: „Die ständige Setzung, dass z.B. eine Minderheitsmeinung in einer transparenten Welt zur Diskriminierung ihrer Vertreter führt, ist eine schlichte Bankrotterklärung an das menschliche Sein an sich.“ Korrigiere mich, wenn ich Dich falsch verstehe, aber willst Du damit sagen, in der digitalen Sphäre gäbe es keine Diskriminierung? Dann wärest Du vielleicht auch für den Klarnamenzwang bei Google+?
    Falls dem so sei, würde es Deiner These „Die “allgegenwärtige” Daten-Vernetzung führt weder zu guten noch zu schlechten Gesellschaftszuständen, das macht alles der Mensch selbst.“, die meine völlige Zustimmung findet, widersprechen. Diskriminierung findet nämlich auch in der „analogen“ Welt statt und wir benehmen uns ja im Netz gerne mal ähnlich wie im Leben 1.0.

    Im Ausdruck „ignorabimus“ schimmert ja immerhin ein wenig Demut vor dem Leben und der Zukunft durch. Und wir alle bilden uns ja nur ein Modell von der Welt… welches das „richtige“ ist, darüber lässt sich wohl trefflich streiten.

    @ Reiner: Danke für Deine Denkanregung. Ich finde Deine Beobachtung interessant und ich würde diesen „interessanten Rest Skepsis vor Offenheit“ am ehesten als meine Bedürfnisse nach Privatheit definieren. Das wären dann Dinge, die ich nicht veröffentlichen würde, nicht weil ich Kriminelles im Schilde führe, nein, sie gehen andere Leute einfach nichts an. Punkt. Ich will mich für dieses Bedürfnis nicht rechtfertigen müssen, das Interessante an der ganzen Entwicklung ist aber, dass genau dieser Aspekt sich wandelt. Man gerät zunehmend unter Rechtfertigungsdruck, wenn man irgendwo NICHT Mitglied ist oder Daten NICHT preisgeben will. Die Entwicklung muss ich nicht schrecklich finden oder völlig ablehnen, es ist im Moment erstmal eine Feststellung.
    Ich stimme Johnny in seinem Artikel http://www.spreeblick.com/2011/09/29/die-digitale-kluft-ist-gar-keine/#more-50623 größtenteils zu. Die ganze Auseinandersetzung ist sehr 1.0 und wie Jens richtig sagte, es ist die Frage, was wir draus machen.

    Deine Sicht der Sauffoto_Chef_Sache finde ich interessant und natürlich spielen sich die Konsequenzen aus dem Verhalten im Netz doch wieder im realen Leben ab. Mein o.g. Beispiel kann man durchaus auch in Bezug zu dieser Situation sehen.
    Es geht halt immer wieder um den Ablauf Daten > Daten im Netz > Zugangsmöglichkeiten > Datenfund > Analyse & Verwertung > Gebrauch / Missbrauch / Konsequenz. Und es gibt halt immer mal wieder den dummen User und den bösartigen Verwerter. Und im o.g. Beispiel war kein dummer User am Werk, aber es könnte bösartige Verwerter geben. Und für mich ist diese Sollbruchstelle, die Jens in seiner Frage erwähnt (wenn ich sie richtig verstanden habe), genau der bösartige Verwerter. Er lässt das Vertrauen in eigentlich neutrale Vernetzungsstrukturen kippen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass auf deutschem Boden Menschen wegen „abweichender“ Meinungen eingesperrt wurden.
    Das wäre die dunkle Vision: die Rückkehr in Kontrolle und Überwachung durch eine herrschende politische Klasse, die dem eigenen Volk misstraut. Die andere Vision wäre das Netz mit flachen Hierarchien, in denen dann halt jeder (fast) alles offen legt und sich somit die Balance herstellt, die Jens (glaube ich) mit diesem Abschnitt postuliert: „Ich stelle mich nicht auf die Seite derjenigen, die aus der Resilienz der alten Balance versuchen ihren Vorteil zu ziehen, indem sie sicherstellen, dass die Ungleichheiten gefestigt werden. Insbesondere ist es nicht hinnehmbar, dass irgendwelche profit-getriebenen Elemente durch Datenkontrolle herrschen können. Gesetze, die privatwirtschaftlichen Besitz von Daten schützen, sind zu überwinden. Kapitalistisches Exklusivwissen und darauf beruhende Marktvorteile und Ungerechtigkeiten dürfen nicht mehr Grundlage unseres Gesellschaftwesens sein.“
    Eine Forderung, die ich unterschreiben würde. Ob sie Realität wird, sei dahingestellt. Im Moment sehe ich eher den massiven Zuwachs an privatwirtschaftlichem Besitz von Daten.

    Kein tl;dr. Sorry.

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    curry

    Vernetzt euch dezentral und mit Open Source-Programmen:
    http://blog.diasporafoundation.org/

    Facebook, Google, Twitter sind Firmen, die mit uns Profit machen (wollen). Die Tatsachen liegen auf dem Tisch, die Alternativen auch.
    http://www.youtube.com/watch?v=tbcy_ZxXLl8

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    Siehe auch:

    Die neue ‚Kranken- oder Gesundheitskarte‘.
    Wer diese verliert ist soz. voll am Arsch.

    Hals und Beinbruch

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