38

Apples Elektrobutler: Siri

Als wäre die Enttäuschung darüber, dass es vorerst kein iPhone 5 geben wird (sondern nur ein iPhone 4S, was man lieber nicht englisch aussprechen sollte), nicht groß genug: Jetzt will Apple auch noch, dass wir in unsere Telefone sprechen! Das muss man sich mal vorstellen!

Folgende Dinge fallen mir auf Anhieb zu Siri, dem elektronischen Butler, ein:

1) Der Werbeclip zeigt Menschen in einem Zustand, in dem ich quasi nie bin, nämlich allein (und beim Joggen, aber das meinte ich nicht). Das könnte bedeuten, dass die Gesellschaft vereinsamt oder wenigstens die iPhone-Nutzer. Oder auch nicht.

Ich glaube ja, dass eines der Erfolgsgeheimnisse des modernen Telefons seine stille Verbundenheit mit dem Nutzer ist, die Tatsache eben, dass andere nicht zwingend mitbekommen, was man gerade tut. Man sitzt im langweiligen Meeting, unter dem Tisch aber sendet man eine nette Botschaft an die Liebste am anderen Ende der Welt. Oder im Nebenraum. Mit Siri geht das nicht und das System wird daher, wenn wir uns überhaupt erst einmal daran gewöhnt haben, nur in Situationen zum Einsatz kommen, in denen wir allein sind. Und vielleicht, wenn wir das neue Gimmick unseren Freunden in der Kneipe demonstrieren wollen und es mal wieder nicht so richtig funktioniert (für die Jüngeren unter uns: Kneipen sind so was ähnliches wie ein Google+-Hangout, aber lauter und man muss seine Hosen anlassen, meistens jedenfalls).

2) Die Technik ist natürlich spannend, denn der Kram läuft übers Netz, was vermuten lässt, dass das System dazu lernt und dafür von allen Nutzerinnen und Nutzern gemeinsam trainiert wird. Je öfter viele Menschen absurde Phrasen benutzen und bei Fehlern die gewünschte Korrektur vornehmen, desto besser wird das System auf diese Absurditäten vorbereitet sein. Zumindest vermute ich, dass es so funktioniert, ich habe aber nicht recherchiert. Dieses Cloud-Teaching eines Systems führt zu:

3) Stimmen-Profile, der nächste heiße Scheiß im Datenschutzzentrum. Systeme von Apple, Google etc. können uns an unseren Stimmen erkennen. Bin gespannt, wie Siri mit meiner Stimme nach 23 Uhr umgeht oder vor 7 Uhr früh. Da erkennt mich nicht mal meine Mutter Mutter am Telefon, wie soll das dann ein verdammter Computer schaffen?

4) Wir reden mit Maschinen, und die Antworten gehen mir nach dem Werbeclip jetzt schon auf den Zeiger.

5) Solange Siri es nicht schafft, aus den Sounddateien eines meiner Interviews mit einer englischsprachigen Band vollautomatisch ein anständiges Text-Transkript inkl. Unterscheidung der Personen und toller Übersetzung zu machen, solange bleibe ich unbeeindruckt.

38 Kommentare

  1. 01

    Und du wirst es doch benutzen und es wird sich in den Alltag einschleichen. Schon mal während der Autofahr ne SMS oder Mail getippt? Oder ne Route berechnen lassen? Schon dafür ist es Gold wert. Man braucht es nicht immer, aber manchmal.

  2. 02

    Und Du wirst Dir trotzdem eins kaufen.

  3. 03

    @Armin: Vielleicht, aber ich überlege auch schon länger, auf Android umzusteigen. Die Samsung-Geräte auf der Ifa waren echt flott.

    @Robert Agthe: Ich fahre tatsächlich (r)echt wenig Auto, aber klar, dort ist das sinnvoll.

  4. 04
    Mirko

    Ich rede seit 2 Jahren mit meinem Auto. Primär mit dem Navi. Aber auch Senderauswahl im Autoradio.
    Alles das kann man per Stimme bedienen und es ist praktisch.

    Ich glaube auch nicht, dass ich die Spracheingabe immer benutzen werde, aber im Auto oder in anderen Situationen, wo man die Hände nicht frei hat könnte das sehr sinnvoll sein.

  5. 05
    das

    Yo, wurde schon gesagt, aber: das ist für’s Auto. Im Werbeclip etwas zurückgenommen wegen grün und hip und so, nehme ich an, aber der use case dürfte Autofahren sein. Kann man sich als Berliner ja gar nicht so vorstellen, aber in der Fläche in Amerika ist es wirklich so, dass 2 Stunden pro Tag im Auto (und natürlich alleine) nichts besonderes sind. Und da ist das der Knaller.

    Wenn es funktioniert. Als jemand, der in dem Bereich arbeitet, bin ich gerade ein wenig verwirrt. Entweder die haben etwas, das einen bis zehn Sprünge entfernt ist von allem, was es als Dialogsysteme sonst so gibt, oder die haben ein großes Problem mit recycleten Newton egg freckles Witzen bald.

  6. 06
    Michaela Schanz

    „… sondern nur ein iPhone 4S, was man lieber nicht englisch aussprechen sollte …“

    EN: iPhone Force
    DE: iPhone Fears

    ??

    :-)

  7. 07

    @Michaela Schanz
    „ei fohn for äss“

  8. 08

    @Johnny Haeusler:

    Samsung? Hat Apple die nicht alle verboten? ;-)

    Allerdings haettest Du dafuer nicht auf die Ifa gehen muessen, das haette ich Dir auch so sagen koennen.

    @Philipp:

    Puh, der ist aber etwas bemueht.

  9. 09

    punkt 5 stimme ich voll zu. also das ist auch in meinen augen das mindeste. gerne auch bei einem interview nach 23 uhr und in bar-umgebung.

  10. 10
    das

    … wobei das Offensichtliche (SMS im Auto) ja nur die Einstiegsdroge ist. Wenn das gut läuft, kann Siri der Mittelsmann werden, der es mir erspart, wissen zu müssen, welcher Service jetzt was weiß oder kann. (Wobei ich mir als nicht-ins-Telephon-Reder dafür auch ein Tipp-Interface wünschen würde. Also quasi SMS an Siri.)

  11. 11
    jan

    Fehlt nur noch das rote Auge :-)

  12. 12
    leo

    Ich steuere eure neuen IPhones mit euren Podcasts.

  13. 13
    martin

    Tastatur, wie rückständig! Das war vielleicht in den 80er modern. Aber auch da gab es den wohl ersten Nörgler und Apple hat ihm nach fast 30 Jahren postum ein Geschenk gemacht: http://www.youtube.com/watch?v=Hh3C0vyyttk&feature=related

    THX Scotty :-)

  14. 14
    Don

    Ich musste ein wenig lachen bei dem Teil mit der blinden Frau. Klar auf den ersten Blick (haha) mag es ja richtig erscheinen, dass man als sehgeschädigter Mensch ein Gerät akustisch besser bedienen kann.
    Aber mal ernsthaft: Wer holt sich denn, wenn er (fast) nix sehen ein Smartphone. Mit Touchscreen. Ohne haptisch spürbare Tasten. Nur eine glatte ebene Bildschirmoberfläche.
    Der Clip hin oder her, aber man wird ja wohl kaum das Ding komplett per Stimme steuern können…

  15. 15
  16. 16
  17. 17
    das

    So, nach einer Nacht denke ich jetzt, wenn das nicht in der Praxis irgendwelche Schwächen zeigt, die Apple beim Testen nicht gesehen hat, wird das in der Zukunft als der Tag gelten, an dem Apple (schon wieder) das herrschende Paradigma für Interaktion mit Rechnern umgeworfen hat.

    Und wie immer die gleiche Geschichte: Apple hat das nicht erfunden (in dem Sinne, dass sie die ersten wären), wie bei Maus / GUI oder Tablets / Multitouch, sondern in Ruhe praxisreif gemacht. Und, wie bei den vorherigen Gelegenheiten, Apple hat das aus der Position der Stärke gemacht: der Markt- und Innovationsführer im alten Paradigma, gegen den sie antreten, sind sie selbst.

  18. 18
    cmi

    Ich habe ein altes 3G (ja so richtig alt, ohne S dahinter) und „muss“ mir demnächst ein neues Smartphone zulegen. Da ich so manche App gekauft habe, tut ein kompletter Systemwechsel da schon weh, von daher hatte ich eigentlich auf ein tolles neues iPhone 5 gehofft. Kommt aber wohl dann doch erst nächstes Jahr und alle Welt ist enttäuscht. Hm, anderenfalls heißt das vielleicht, dass man nicht monatelang auf das 4S warten muss. Hm…

  19. 19
    Don

    @Jeriko: Ok, hätte ich mich lieber an Dieter Nuhr gehalten („Wenn man keine Ahnung hat, …“). Ich senke mein Haupt und nehme die Schelte hin.

  20. 20
    Fufu

    Blogger bleiben doch die treusten Apple-Fans.

    :)

  21. 21
    martin0

    mit einem ’normalen‘ handy konnte ich wunderbar während dem laufen (ich mien nicht joggen, einfach zb. zur s-bahn laufen) eine sms sicher schreiben verschicken. und das auch noch mit einer hand.
    das ist mit nem iphone schon komplizierter. ich denke, das ich hier sicher siri (was ist denn das für ein doofer name) eine change geben würde…

    lg m

  22. 22
    martin0

    @Mike: danke für den link.

  23. 23
    martin0

    @cmi: warum soll ein system wechsel weh tun? neues iphone an itunes ran, und updaten. und auf dem neuen sind deine alte progamme mit allen daten. nun noch appstore öffnen alle programme updaten und schon biste wieder da wo du jetzt bist, nur halt alles ‚up to date‘.
    oder bin ich falsch?

  24. 24

    Aus technologischer Sicht ist Sprachsteuerung ja total toll, aber wenn alle Sprachbefehle bei Apple in der Cloud landen um das System zu verbessern, dann warte ich jetzt schon darauf, dass da ein Haufen Leute auf dumme Ideen kommt.

  25. 25
    Micha

    Ich erinnere mich an das Aufkommen der ersten Mobiltelefone. Da war es ähnlich: Es war einfach ungewohnt in der Öffentlichkeit zu telefonieren. Manch Passant dachte, man führe Selbstgespräche.
    Heutzutage ist es völlig normal, wenn jemand im Bus/S-Bahn telefoniert – ja mit einem Handy „spricht“.
    Ähnlich war das nochmal mit den super kleinen Headsets, wo man auf den ersten Blick nicht sieht, ob jemand telefoniert oder Selbstgespräche führt.

    Genauso wird das bei SIRI auch wieder. Spätestens in 6 Monaten hat man sich dran gewöhnt.

  26. 26
    Nico

    Ich finde es interessant, dass nur eine Reaktion auf Mikes Beitrag erfolgt ist. Zeigt ganz gut, wie Leute weggucken, wenn was schiefläuft, das sie nicht direkt selbst betrifft..

    @cmi: Warum musst du dir denn ein neues Smartphone kaufen? Macht es dein aktuelles Handy nicht mehr? Was spricht denn dagegen, ein Handy einfach so lange zu nutzen, bis es nicht mehr funktioniert?

  27. 27

    @Nico:

    Das wuerde ich so nicht behaupten, vor allem da das Thema nun wirklich nicht gerade neu ist. Das geht alle paar Monate durch die Presse und Blogs und wurde auch hier auf Spreeblick bereits Anfang des Jahres thematisiert und diskutiert.

    Irgendwann gibt es dazu halt auch keine neuen Erkenntnisse mehr und etwas zu sagen dann auch nicht mehr.

  28. 28
    Nico

    @Armin: Ah ok, dann ruder ich in dem Punkt mal zurück.

  29. 29
  30. 30
    cmi

    @martin0: mit „systemwechsel“ meinte ich den wechsel auf „nicht-ios“ – nicht ganz klar ausgedrückt, sorry dafür.

    @nico: es ist ein altes 3g (kein 3gs) dessen akku seit geraumer zeit wirklich grenzwertig ist (mit aktiven wlan ca 12h, mit wlan aus und 3g gerade so ein tag), aber damit konnte ich arangieren (wlan halt aus und über nacht laden). eigentlich ausschlaggebend ist aber, das ich es ende des jahres abgeben muss (firmentelefon) und einmal smartphone, immer smartphone, irgendwie ;)

    zu dem anderen thema, was du noch mal ansprichst. es ist ein frontal-beitrag, die nehme ich nur sehr begrenzt ernst. ich verweise nur auf die beiträge zum thema shooter etc. die von massiver polemik und verallgemeinerung zeugten und das bleibt halt hängen. wie in diesem beitrag: apple ist doch nur der aufhänger. meint jemand, dass das bei irgendeiner firma die in china produziert großartig anderes ist?

  31. 31
    Harold

    4S liest sich im Englischen: Four-S. Aber bestimmt nicht „for ass“.
    Die Vokale in S und ass sind ganz unterschiedliche Laute. Peinlicher Pseudo-Witz, der einfach nur mangelnde Sprachkenntnis beweist.

  32. 32
    flubutjan

    @Harold: „peinlich“, „pseudo“, „mangelnd“ – Abstempeln zur Selbstaufwertung ist doch sowas von olt skuhl (auch bei souveränen, originär humorigen Sprachgenies).

  33. 33
    ThL

    Siri ist ein Eremiten Feature. „Ich bin alleine und rede mit meinem Handy.“
    Im Auto: Navi-Software ist ja nicht mal drauf.

  34. 34
    Harold

    @flubutjan
    Eher sind solche „Witze“ grobe Selbstabwertung. Dazu muss man gar nicht erst irgendwen irgendwie abstempeln – muss man ja bspw. Präpubertäre, die über „Satzglied“ lachen, auch nicht, um es zu recht hochgradig peinlich zu finden.

  35. 35
    flubutjan

    @Harold: Mach Dir doch keine Magengeschwüre. Sag einfach: „Ich liebe alle Präpubertären und Peinlichen“. Jedenfalls brachte mich mal ein wirklich extrem kluger Mann dazu, „Ich liebe alle Geländewagenfahrer“ zu sagen. Fiel mir nicht leicht, gibt aber als Zielvorstellung mindestens etwas Orientierung (wenn’s denn mit der Umsetzung nicht gleich klappt).

    Ob man jemals selbst sagen kann, dass eine eigene (negative) Wertung „zurecht“ vorgenommen wird? Schwierig. Eher nicht, glaube ich.

    Man kann sich übrigens als Entwicklungsperspektive wählen, sich den wie auch immer gearteten empfundenen Störungen (durch andere Personen) nicht mehr als nötig in Schmerz und Wut usw. hinzugeben. Das hier (von und mit Albert Einstein) kann dabei helfen: http://www.youtube.com/watch?v=Jlw3NM3ZQMc

Diesen Artikel kommentieren