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Ihr Prepaid-Guthaben: 0,14 Euro [Updates]

ACHTUNG! Bitte lest die Updates am Ende des Artikels und die hilfreichen Kommentare unserer Leserinnen und Leser.

Mir ist die Ironie durchaus bewusst, wenn ich sieben Jahre nach dem Spreeblick-Artikel über Jamba-Klingelton-Abo-Fallen selbst in einer solchen oder einer ähnlichen stecke, und ihr dürft ruhig ein bisschen darüber lachen (um euch sofort einen strengen Blick von mir einzufangen).

Tatsächlich bin nicht ich selbst der Geschädigte, sondern mein ältester, natürlich über sämtliche SMS-Abo-Fallen aufgeklärter Sohn. Aber ich muss den ganzen Kram ja bezahlen.

Die Geschichte: Bereits zum vierten Mal in Reihe ist das Prepaid-Guthaben von je 15 Euro bereits nach einem Tag, quasi über Nacht, verbraucht. Wenn so etwas ein, zwei Mal vorkommt, dann denkt man als Vater: Na gut. Wird er wohl spät Abends heimlich doch noch zwei Stunden gequatscht haben. Wenn es ein drittes Mal passiert, glaubt man trotz Warnungen an ein vielleicht versehentlich abgeschlossenes Abo und versucht gemeinsam nachzudenken, bei welcher Gelegenheit das passiert sein könnte. Und beim vierten Mal ist man sich sicher, dass da was nicht stimmt.

Das Kind kann sich an keine Abos oder Sonder-SMS erinnern (kein juristisch haltbares Alibi, ich weiß), die SMS-Historie zeigt keine Sondernummern an, die Gesprächsliste keine längeren Telefonate. Man kann einzelne Einträge in diesen Listen natürlich löschen, ich gehe aber nicht davon aus, dass ich angelogen werde, denn ich habe erklärt, das so etwas tatsächlich schnell mal passieren kann, und dass auch Erwachsene auf Abo-Tricks hereinfallen, den Kurzen also wahrscheinlich kaum Schuld trifft. Es gibt keinen Grund zur Sorge vor Sanktionen.

Mobiler Datenzugriff ist vom Provider abgeschaltet und funktioniert auch nicht, ich hab’s überprüft. Ich habe außerdem vor wenigen Tagen den Einzelverbindungsnachweis freischalten lassen und hoffe dadurch in den kommenden Tagen auf Klärung der Abbuchungen, ich gehe eigentlich noch immer von irgendeinem Abo aus. Dennoch stelle ich fest, dass ich nicht mehr genug durchblicke, erst neulich las ich davon, dass es auch mobile Websites gibt, die auf die Handynummer zugreifen und Abbuchungen vornehmen können? Stimmt das und weiß jemand mehr darüber? Facebook schließe ich als Schadensquelle aus, denn ohne Kreditkarte oder PayPal geht da eigentlich gar nichts und die Eingabe der Mobilnummer auf irgendwelchen Sites oder bei Spielen wurde von mir sehr deutlich untersagt (auch das muss nichts bedeuten, aber ich vertraue auf die Einhaltung dieser Regel).

Vielleicht war er unachtsam, vielleicht hat er auch einfach nur Mist gemacht, der ihm jetzt peinlich ist (oder Sites aufgerufen, die man nicht so gerne beim Frühstück diskutiert), vielleicht trifft ihn aber tatsächlich überhaupt keine „Schuld“. Für aktuelle Hinweise darauf, wie solche Mobilfunk-Abbuchungen u.U. auch funktionieren könnten, bin ich daher sehr dankbar.

Und egal, was nun der wahre Grund für die Abbuchungen ist: Falls mir jemand sagen kann, wann die Welt endlich von diesen ganzen Arschloch-Geschäftsmodellen befreit wird, an deren Ende man nur „Na dann müssen sie halt das Kleingedruckte richtig lesen, steht doch da alles Schwarz auf Schwarz in 1-Punkt-Schrift“ zu hören bekommt, dann kann er das bitte ebenfalls in die Kommentare schreiben, danke.

UPDATE Gut möglich, dass sowas hier die Ursache ist … Danke an Tobias für den Hinweis! Abhilfe bei solchen Fallen: „Inkasso für Drittanbieter“ beim Mobilfunkbetreiber abschalten lassen. Falls dieser dies anbietet.

UPDATE 2 So, noch mal der Reihe nach und hoffentlich verständlich für möglichst alle. Zunächst die Kurzversion für Nicht-Techniker.

Nach wie vor sind per SMS abgeschlossene Klingelton-, Handy-Spiele- oder Bilder-Abos, wie man sie z.B. auch in Kinder- oder Jugendzeitschriften beworben findet, immer noch oft ein Grund für rasante Abbuchungen von den Mobilfunk-Konten meist junger Menschen. Kann man dies ausschließen, kommt jedoch noch ein anderes Abzocker-Verfahren in Betracht, das über Werbung in Apps funktioniert:

Wer auf einem Android-Smartphone oder einem iPhone eine in den meisten Fällen kostenlose App installiert hat, in der Werbung auftaucht, läuft mit dem Klick bzw. dem Antippen des Werbebanners (das danach eine bestimmte Website aufruft) Gefahr, bereits ein Abo abgeschlossen zu haben. Dieses Abo kann im schlimmsten Fall 2,99 Euro pro Tag kosten, hier gilt wie auch bei Jamba damals beschrieben: Die Kosten werden u.U. auch rückwirkend eingezogen – ist die Karte also tagelang leer, werden nach dem erneuten Aufladen die zwischenzeitlich angelaufenen Kosten für die letzten Tage, Wochen oder gar Monate abgebucht.

Das bedeutet in meinem und vielen anderen Fällen: Ich kaufe dem Sohn am Abend einen neuen Aufladecode im Wert von 15 Euro, dieser wird nach Eingabe ins Gerät auch als neuer Kontostand angezeigt. Und am nächsten Morgen ist die Karte wieder leer, obwohl nicht ein einziges Gespräch geführt wurde.

Ja, das ist Abzockerei im großen Stil und eine Sauerei. Das Technik-Magazin c’t beschrieb das Verfahren im Detail bereits vor zwei Jahren, aber nun kommen ja Eltern kaum zum Lesen, mir war der Kram bisher auch unbekannt. Zu den Unternehmen, die mit dem Verfahren arbeiten, gehören lt. c’t u.a. Ericsson IPX, MyDoo und W2Mobile. Die Anbieter der Apps selbst haben wenig bis nichts mit den Bannern und Abzockern zu tun, da sie die Einblendungen an Werbeunternehmen ausgelagert haben. Die Mobilfunkbetreiber verdienen zumindest kräftig mit, da das Verfahren nur funktioniert, wenn die Abzocker einen Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber haben. Natürlich ist das Ganze vordergründig eine „Micropayment-Lösung“, bleibt aber am Ende eine Makro-Schweinerei.

Was man sofort tun sollte: Den Mobilfunkanbieter kontaktieren und am besten schriftlich das „Inkasso für Drittanbieter“ sperren lassen, dann sollten solche Abbuchungen nicht mehr möglich sein. Zum Zeitpunkt des c’t-Artikels ging das für alle Anbieter generell nur bei T-Mobile und Vodafone, bei E-Plus (Base) immerhin für jeden Abzockerverein einzeln. Per Twitter hat mir O2 vorhin mitgeteilt, dass man auch bei ihnen Drittanbieterdienste sperren lassen kann, falls jemand Hinweise zu den anderen Providern hat: Bitte gerne in den Kommentaren ergänzen!

Wer einen Einzelverbindungsnachweis für die betroffene Rufnummer hat, kann bei seinem Mobilfunkanbieter nachfragen, um welchen Anbieter es sich bei den ausgewiesenen „Mehrwertdiensten“ handelt und diesen kontaktieren. Ich werde das tun und mein Geld zurück verlangen, denn Verträge mit Minderjährigen, noch dazu ohne sichtbare Anzeige von AGB und/oder Widerrufsbelehrungen, dürften kaum gültig sein.

Als hätte man nichts anderes zu tun, als sich mit solchen Arschlöchern rumzuärgern. Und, liebe Mobilfunk-Provider: Bitte nicht so scheinheilig tun. Ihr verdient bewusst ordentlich mit an dem Dreck, wisst durch zahlreiche Kundenbeschwerden Bescheid und könntet den Kram leicht stoppen. Es gibt garantiert sicherere und modernere Micropayment-Systeme als über WAP (ausgerechnet!).

Achja, eines noch: Die Banner mit solchen Fallen werden gezielt in Apps für Kinder und Jugendliche geschaltet. Natürlich.

Vielen lieben Dank an die zahlreichen Hinweise hier und per Mail und Twitter!

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