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London Olympics Calling

blur

Man kann die Textzeilen von „London Calling“ vielseitig deuten. Soweit ich weiß, stammt der Titel aus dem Zweiten Weltkrieg, denn wann immer der BBC World Service andere Länder adressierte, hieß es: „This is London calling“. Den Rest des Textes hat Joe Strummer wohl aus verschiedenen Zeitungsschlagzeilen zusammengetragen – dafür, dass daraus ein herausragendes Stück Zeitgeist-Lyrik entstanden ist, muss man dennoch dem Autor und nicht etwa den Zeitungen danken.

Es bleibt dabei streitbar, ob der apokalyptisch anmutende Song die richtige Wahl für einen Werbesoundtrack der Olympischen Sommerspiele 2012 in London ist, nicht ganz ohne Grund wird es demnächst eine „bereinigte“ Version des Liedes geben, in der gesanglich eigentlich nur noch der Chorus „London calling to the faraway towns“ zu hören sein wird. Den Song (den ich, falls das jemand nicht weiß, für das beste jemals verfasste Stück Rock/Pop halte) aber als „anti-establishment anthem“ zu bezeichnen, halte ich für etwas überintepretiert.

Die Ernennung von „London Calling“ zur olympischen Werbehymne ist trotzdem wenigstens eine bemerkenswerte – und gleichzeitig eine sehr stilsichere. Ganz genauso wie die Tatsache, dass die musikalische Regie der Eröffnungszeremonie an Underworld übergeben wurde – Rick Smith and Karl Hyde werden gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter Danny Boyle drei Stunden Musik für das Ereignis komponieren –, und dass außerdem der Headliner der Abschlussfeier im Londoner Hyde Park keine geringere Band als Blur sein wird, unterstützt von den Specials und New Order (weitere Acts werden noch angekündigt werden).

Ich habe noch nie einen Hehl aus meiner geradezu kritiklosen Verehrung für die britische Popkultur gemacht, vielleicht die einzige, in der ein Punkrocker einen dämlichen Musical-Song aufführen darf, ohne dafür geteert und gefedert zu werden. Allein darüber nachzudenken, wer wohl in Deutschland als Pop-Vertreter für Olympische Spiele auserwählt worden wäre, bereitet mir Bauchschmerzen. Wohl eher Rosenstolz und Unheilig statt Thees Uhlmann und Die Ärzte.

Aber gut. Dann muss ich mich diesen Sommer wohl für Sport interessieren. Wenigstens am Anfang und am Ende.

Und weiß jemand, wer das famose Plakat gestaltet hat?

16 Kommentare

  1. 01

    Für mich ein ganz besonderes Highlight: Als Johnny Haeusler auf der next 2006 in Hamburg anstelle seines Vortrags mit akustischer Gitarre London Calling vorgetragen hat. Gibt es eigentlich einen Mitschnitt?

  2. 02

    @georg: Es gibt einen, ich suche nachher mal, wenn nicht jemand schneller ist …

  3. 03
  4. 04
  5. 05

    danke, aber nee. Das ist nur langweiliges Podium ….

  6. 06
    Mats

    Captain Sensible war Punkrocker… krass, wieder was gelernt. Locker mal 30 Jahre später… Oh Gott, 30 Jahre!!!!!

  7. 07

    Wenn’s um die Lyrics im Detail gehen wuerde muesstest Du bei Eurem Slogan uebrigens auch vorsichtig sein ;-)

    (weiss nicht ob das schon mal erwaehnt wurde)

  8. 08

    @Mats: Na zumindest war er bei The Damned, ich denke, das qualifiziert ihn. :)

    @Armin: Inwiefern?

  9. 09

    @Johnny Haeusler:

    Laut Wikipedia:

    The line „London is drowning / And I live by the river“ comes from concerns that if the River Thames flooded, most of central London would drown, something that led to the construction of the Thames Barrier.

    Allerdings nehme ich an die Flutgefahr bei der Havel ist vergleichsweise gering ;-)

  10. 10

    @Armin: Achso!

    Naja, auch die Spree tritt ja eher selten über die Ufer. Aber wer weiß. Gerade in diesen Zeiten. :)

  11. 11

    Hatten sich New Order nicht letztens irgendwann mal wieder aufgelöst? Ich hab da ja inzwischen die Übersicht verloren.

  12. 12
    GH

    Find the actual state here: http://www.neworderonline.com/

    GvH

  13. 13
    Patrick

    Und dann wählen sie im Jahr 2012 Coldplay auf den Brit Awards zur Best British Band. Auch die Insel hat ihre Rosenstolzs.

    Ich würde mir das im Hyde Park trotzdem sehr gern live ansehen.

  14. 14

    @GH:

    „actual“? Sure you don’t mean „current“?

    @Patrick:

    Bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube Best Band war eine public vote. Und obwohl Coldplay gut zu finden sehr uncool ist haben die trotzdem eine ziemlich grosse Fangemeinde.

  15. 15

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