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Get the balance right

Spätestens nach dem Rant von Sven Regener im Zündfunk und den darauf folgenden Reaktionen könnte man die Debatte ums Urheberrecht und um Unterhaltungsinhalte im Netz als abgeschlossen ansehen. Denn sie tritt auf der Stelle: Die Fronten sind verhärtet, alle haben Recht und die jeweils anderen haben keine Ahnung. Deswegen glaube ich auch sagen zu können, was sich an der aktuellen rechtlichen Situation ändern wird: Sehr wenig.

Hätte ich diese Zeilen schon am Wochenende getippt, wären sie ebenfalls ein Rant geworden. Doch obwohl ich Sven Regener (hier ein Gespräch mit ihm, das ich vor einem Jahr führen konnte) in vielen Punkten seines Statements widerspreche, hätte sich dieser Rant eher gegen die Borniertheit gerichtet, die einem aus Teilen des Netzes entgegen donnert, wenn man sich einzelne Blog-Reaktionen auf Regeners Rant und die Kommentare dazu durchliest. Abgesehen von den üblichen Beißreflexen (Sven Regener hat selbstverständlich „keine Ahnung“; die Musikindustrie ist selbst schuld, weil sie hat ja nicht!) hagelt es Beleidigungen und arrogante Häme. Allein die derzeit 110 Kommentare bei Netzpolitik lesen sich in weiten Teilen wie eine abstruse Mischung aus peinlichem Halbwissen, unterirdischen Beschimpfungen und der ewigen Wiederholung von vagen Allgemeinaussagen ohne Lösungsansätze.

Auch Regener wirft ordentlich durcheinander und schmeißt technische Möglichkeiten, Piratenpartei, Google, kommerzielle Filesharing-Unternehmen sowie sein Publikum in eine Schale und tut sich und der Sache, für die er sich äußert, damit keinen großen Gefallen. Dennoch ist es nicht sonderlich schwer, ihn in seiner Wut zu verstehen – wenn man das will. Will man aber vielerorts nicht, und so wird ein nicht besonders vorbereiteter Rant Komma für Komma derart seziert, dass es einfach keinen Spaß und Sinn mehr macht und bis nichts mehr davon übrig bleibt.

Bei Sven Regener ist recht klar, was er will: Er möchte die Entscheidungshoheit über die Verwertung seiner Arbeit behalten, und das will schließlich auch jeder Creative-Commons-Künstler. Was die Anti-Regener-Kommentare hingegen wollen, bleibt meist unklar. Vielleicht waren sie nur beleidigt.

Das Netz und seine Beteiligungsmöglichkeiten, so reden wir es uns seit vielen Jahren ein, stärke die Demokratie und Meinungsvielfalt. Dass aber viele, deren Meinung vielleicht gerade nicht ins Netz oder ins jeweilige Forum passt, einfach nur noch die Klappe halten, und dass bei ebenso vielen Meinungen, die im Netz stehen, weder Motive noch Absender klar erkennbar sind, unterschlagen wir dabei gerne.

Und so braten wieder alle im eigenen Saft, regen sich in ihren Ecken über die anderen auf und meinen, eine Wahrheit für sich gepachtet zu haben.

Selbige gibt es aber im vorliegenden Fall noch gar nicht, wir nähern uns ihr erst an. Unbestritten ist, dass das Netz vieles verändert, doch wo steht geschrieben, dass diese Veränderungen per se gut sind? Und wenn: Für wen? Und wieso gehen offenbar viele Menschen davon aus, dass sich alles andere an das Netz anpassen muss, seit wann lassen wir uns von Technik diktieren? Immer, wenn ich davon lese, dass das Netz nunmal so und so sei, und dass Technik nun mal dieses und jenes möglich machen würde und man sich daran eben anzupassen hätte, dann frage ich mich, ob diese Meinungen auch für andere Gesellschaftsbereiche gelten. Wie steht es um Mindestlöhne, um Urlaubszeiten, um Elternzeiten, um Sozialabgaben, um Renten? Müssen sich diese auch an die Markt- und Technik-Umstände anpassen, oder lohnt es sich nicht doch, sich für ein möglichst faires System einzusetzen, eines, das eben nicht die äußeren Gegebenheiten als Status Quo akzeptiert, sondern das sich bemüht, einen für alle Beteiligten gangbaren Kompromiss zu finden? Und wenn sich nun doch alles dem Markt unterwerfen muss und das prima ist: Wieso wählt dann niemand mehr die FDP?

Es bleibt schwierig, man kann aber auch sagen: Spannend. Und man braucht bei der ganzen Aufregung nicht so zu tun, als stünde der Untergang der Unterhaltungsindustrie bevor, weder auf der Seite der Künstler oder Rechteinhaber, noch auf der Seite der Konsumenten. Musik wird immer gemacht werden. Sie wird auch immer kopiert und getauscht werden, aber genauso wird strafrechtlich belangt werden, wer dies im großen Stil als Geschäftsmodell ohne Einwilligung der Urheber oder Rechteinhaber tut, alles andere wäre Enteignung. Interessenvertreter und Unternehmen wie die GEMA und YouTube werden sich einigen, und Musik-Dienste wie iTunes, Spotify und weitere schaffen uns als Musik-Konsumenten mehr Möglichkeiten der legalen Musiknutzung und den Urhebern Einkommensquellen. Das alles läuft vielleicht noch nicht komplett rund, und ob jedes einzelne dieser Modelle wirklich tragfähig ist, steht auch noch nicht fest. Man sollte nur nicht so tun, als würde sich gar nichts bewegen.

Die Arbeit ist aber damit natürlich noch nicht getan: Es fehlen Regeln für die juristische Verhältnismäßigkeit, um Abmahnwahnsinn und anderen Unsinn zu stoppen, und es braucht ebenso eine Handhabe, um digitale Inhalte leicht und verständlich als (straf-)frei nutzbar kennzeichnen zu können. Doch das wird passieren, weil es passieren muss.

Anderes ist schon längst passiert, und wer der Musikindustrie (mit der ich mich gerade selbst wieder herum prügele) immer noch vorwirft, sie würde keine neuen Geschäftsmodelle entwickeln, hat in den letzten Jahren nicht sonderlich gut aufgepasst oder denkt, dass Labels früher Plattengeschäfte betrieben haben. Da mit dem Verkauf der Musik nämlich nicht mehr so viel Einnahmen zu erzielen sind wie vor der Mainstreamisierung des Internet, sichern sich Labels schon lange Anteile an anderen Umsatz-Bereichen, wenn sie einen Künstler unter Vertrag nehmen. Waren sie bis vor wenigen Jahren allein an den Umsätzen aus den Tonträgerverkäufen eines Künstlers beteiligt, so bekommen sie heute auch einen Teil der T-Shirt-Verkäufe und Live-Gagen ab. Ob das nun für den Künstler besser ist, sei dahin gestellt, denn vorher gehörten diese Einnahmen allein der Band (und dem Management, falls vorhanden). Und da mehr Leute an einem Shirt verdienen wollen, wird dieses eben auch teurer, gleiches gilt für die Ticketpreise bei Konzerten (wovon wiederum die Urheber wenig haben, wenn sie nicht auch die Interpreten sind). Das Internet verändert in der Tat vieles.

Überhaupt ist es beinahe putzig, wie sich einige um die Anteile der Verwerter an den Künstler-Einnahmen sorgen, diese für unfair halten und deshalb meinen, diese Industrie boykottieren zu müssen. Ich halte die gängigen Beteiligungen der Urheber bei Buch-, Musik- oder Film-Verträgen auch nicht für sonderlich toll, ich finde aber auch, dass der Bauer nicht genug vom Gesamtpreis der Butter erhält. Ich entscheide mich aber als Künstler und/oder Urheber selbst dafür, ob ich einen Vertrag zu bestimmten Konditionen eingehe, denn ich erhalte einen Gegenwert in Form von Vorfinanzierung und anderer Unterstützung bei meiner Arbeit (zudem bewegt sich auch in diesem Bereich einiges, es gibt inzwischen viele Verträge im Musikbereich, die bspw. bei Online-Einnahmen eine fairere Aufteilung zwischen Künstler und Label aufweisen als noch bei den CDs oder gar Vinyl). Und wer wirklich glaubt, dass ein Künstler, der die Sache als mehr als ein Hobby und durchaus auch mit dem Ziel des kommerziellen Erfolgs angeht, wirklich alles alleine finanzieren und stemmen kann, der muss mir unbedingt sein Geheimnis verraten.

Dennoch ist es natürlich nett, wenn sich Musikhörer um die faire Vergütung ihrer Lieblingskünstler sorgen. Etwas merkwürdig wird es nur, wenn die gleichen Menschen die millionenfache Neufinanzierung eines Start-ups durch Venture Capital feiern und dem jungen Unternehmen dazu gratulieren. Obwohl die Investoren nun den größeren Anteil am Unternehmen haben und auf die Inhalte der Software oder die Nutzer des Online-Dienstes pfeifen: Sie wollen nur mit möglichst hohem Gewinn aussteigen, denn niemand außer Papa investiert in ein Unternehmen (und ein solches kann auch Kunst sein), ohne die Chance, seine Investition mit Gewinn wieder zurück zu bekommen. Warum dieser Mechanismus nun im Musikbereich als verwerflich, im Technologie-Bereich hingegen als Erfolg zu bewerten ist … das muss ich vielleicht gar nicht verstehen.

Ach, es ist ein Kreuz mit dieser endlosen Debatte, die mich manchmal nur noch anödet, dann aber auch immer wieder genug aufregt, um selbst mal wieder in die Tasten zu donnern und mich dann beschimpfen zu lassen. Aber ich schreibe ja nicht nur darüber, sondern sammle selbst gerade wieder Erfahrungen im Musikbereich. Unter anderem versuche ich zur Zeit, drei ältere Alben meiner Band erstmals offiziell online zu veröffentlichen. Obwohl ich das Recht, als Urheber daran u.U. auch noch einen Cent zu verdienen, nach Meinung einiger Leute schon lange nicht mehr haben sollte.

Eine Dame spazierte in Paris die Straße entlang, als sie den berühmten Maler Pablo Picasso im Café sitzen sah, wo dieser gerade zeichnete. Die Frau ging zu ihm und fragte, ob er sie nicht zeichnen würde, sie würde auch sofort dafür bezahlen. Picasso stimmte zu. In drei Minuten war das Bild fertig: Ein Original-Picasso! „Was schulde ich Ihnen?“, fragte die Dame. „Fünftausend Francs“ antwortetet Picasso. „Aber Sie haben nur drei Minuten lang gezeichnet!“, fuhr sie auf. „Nein“, sagte Picasso, „ein ganzes Leben lang.“ – (Anekdote, Wahrheitsgehalt fragwürdig)

„A guy walks up to me and says ‚What’s punk‘ and I say ‚This is punk!‘ and kick over a trashcan and he says ‚This is punk?‘ and kicks over a trashcan and I say ‚No, that’s trendy!'“ -Billie Joe Armstrong

95 Kommentare

  1. 01
    Mirko

    Für einen spontanen Rant war das stilistisch doch gar nicht so übel vom Regener und das dann Wort für Wort zu sezieren, ist ungerecht.

    In der Sache hat er dennoch nicht Recht. In keinem Punkt. Deshalb lohnt es sich auch nicht, näher darauf einzugehen.

  2. 02

    @Christian:
    klar, mit dieser befürchtung hast Du vollkommen recht. Und wie ich ja schon selber mit dem Begriff ‚Klickpraktikanten‘ erwähnt habe. Es ging mir ja mehr um eine Denkrichtung als um eine fertige Lösung, die habe ich in der Tat wirklich (noch) nicht ;-)
    Wir haben zum Bespiel lange an unserem Tool auf http://mu42.com gefeilt, bis die Kinderkrankheiten raus waren, die juristische und administrative Seite im Sinne der Künstler und Labels wassrdicht und fair sind und das ganze Tool sauber rund läuft. Von nix kommt nix ;-)
    Aus meiner Erfahrung auf der Entwicklungsebene sollte die Aufagbenstellung in sachen Kulturflatrate und bezahlte Klicks hinzubekommen sein. Aber ich weiss natürlich noch nicht, was da noch für Hindernisse und Fallstricke auf dem Weg herumliegen…
    Das größte Hindernis wird sicherlich die Lobby sein, die vom momentanen System ausgiebig profitiert.

  3. 03

    @#802021: Sehr schöne Clips – wenn auch der von Reid eher humoristisch zu betrachten ist, denn auch er schmeißt des Gags wegen einiges durcheinander. Was er aber sagen will, stimmt: Kommt mal alle aus der Panikwolke runter.

  4. 04

    Chapeau für diesen Artikel – die zeit wird zeigen in welche Richtung sich alles bewegt. Letztendlich ist das Internet eben auch ein neuer Vertriebskanal, den es vorher nicht gab. Also, neben aller nachvollziehbaren Kritik eben auch eine Chance.

  5. 05

    Ich hätte z. B. gerne so etwas wie ein Mäzentum 2.0, angelehnt an Flattr, was ja im Prinzip schon so etwas darstellt.

    Man bezahlt eben kein fertiges Produkt mehr wie bspw. eine Schallplatte oder CD oder einen Song oder ein Bild oder einen Text, sondern gibt quasi einen Vorschuss für weitere Werke.

    Mäzentum 2.0 deshalb, weil es eben kein einzelner Gönner mehr ist/sein muss, der den Lebensunterhalt des Künstlers finanziert, sondern der berühmt-berüchtigte Schwarm – hier: aus Fans.

    Wie gesagt, das gibt es in etwa schon mit Flattr und ja, ich weiß, nach der Anfangseuphorie ist das wieder recht versickert und nicht ganz zu Unrecht sprechen viele davon, daß sich Blogger hier gegenseitig Microbeträge gegenseitig mehr oder weniger in einem Kreislauf zuschieben.

    Ich schiebe dieses Problem auf ein grundlegendes „Mentalitätsproblem“, soll heißen: wir sind alle, auch die Kids und Digital Natives, etc. pp. noch sauber im Marktdenken des Produkts, Erwerbs, Besitzens, usw. verhaftet und die Vorstellung, einen geschätzten Künstler „einfach so“ (im Sinne von: ohne unmittelbare Gegenleistung) zu unterstützen, wirkt (noch?) befremdlich.

    Dabei ist dieses Mäzentum durchaus ein ursprüngliches Modell im Kulturbetrieb, allerdings strukturbedingt auf einige wenige Menschen begrenzt.

    Heutzutage mit weltweiter Vernetzung und Long Tail und Zugehörigkeit nicht so sehr über Nationalität als über Interessen und eben „Fandom“ wäre es möglich, viel mehr Künstler zu fördern, wenn sich die einzelnen Unterstützer summieren. Die Masse machts dann halt wieder.

    Das ist jetzt alles nicht so unbedingt neu und ist ein Amalgamat aus Flattr und Humble Indie Bundle und Radiohead Pay-What-You-Want und alldem – der wichtige Punkt für mich ist hier die „Entlohnung“ vom konkreten Produkt zu entkoppeln und stattdessen das künstlerische Genie (finanziell) zu unterstützen.

    Das kann einmalig sein oder als Abomodell und sollte jederzeit beliebig modifiziert werden können und möglichst technisch niedrigschwellig abzuwickeln sein…

    Das schließt bspw. auch das Zu-Geld-Machen von exklusiven, knappen Gütern (Special Editions, T-Shirts, Treffen mit dem Künstler, Konzerte, Erwähnung im Booklet, wasweißich) nicht aus.

    Ich weiß, das verspricht leider nicht so recht Stabilität für den Künstler und befördert u. U. eher eine unsichere Existenz und daher kann das der Weisheit letzter Schluss nicht sein, sondern nur (noch) eine Idee.

  6. 06
    Oliver

    Ich würde ja gerne das Startup-Modell auf meine Band anwenden: Ich lasse dann einfach mal mehrere Plattenfirmen investieren, ich wäre weiterhin der Geschäftsführer (und nicht die Plattenfirma), behielte mindestens 30% der Anteile an der Band, wahrscheinlich deutlich mehr, würde selbst entscheiden, welcher Promoter für mich arbeitet usw. Würde sicherlich mehr Spaß machen als jetzt.

  7. 07
    Rudy Holzhauer

    @scanlines: wenn du mit mäzentum 2.0 das crowdfunding meinst, bin ich bei dir. finde ich hochspannend.

    die kehrseite hatten wir gestern in der praxis. in einem gespräch wurde von einer jungen künstlerin berichtet, die ihre produktion durch crowdfunding finanziert hat. insgesamt waren es 127 menschen, die ihr geld gegeben haben. also eine sehr demokratische form der anerkennung. allerdings erwartet jetzt eine vielzahl der „funder“, dass sich die künstlerin auch mit ihnen direkt aueinandersetzt, ihnen ständig berichtet, wie weit sie mit dem album ist, usw. sie also massiv vereinnahmt wird. sie muss, wie ein bekannter von mir ausdrückte „127 ärsche küssen“. für ihn als musiker eine grauenvolle vorstellung. die junge künstlerin muss inzwischen jemanden einstellen, der die „funder“ betreut und bespasst…. vielleicht ein einzelfall – ich weiß es nicht – aber nachdenkenswert.

    und noch hat niemand den fundern gesagt, dass in der kombination produktion/promotion/marketing der produktionsanteil selten 10% der gesamtkosten überschreitet…. :-(

  8. 08
    Rudy Holzhauer

    ein weiterer beitrag zum thema streaming und finanzierung. auch wenn die einkünfte mit 0,05cent (nicht euro!!) deutlich zu hoch angesetzt sind. realistisch sind 0,01 cent (nicht euro!!).

    aber wer kauft eine cd seiner lieblingsband, ausser er möchte gern die volle technische qualität haben…. denn ehrlich, wer gibt selbst seinen freunden ohne vermeintliche not einfach 10euro, nur weil er sie lieb hat… ;-))))

    http://bit.ly/GWDDPj

  9. 09

    können wir es nicht einfach so machen, wenn ich mich wieder ärger: ich schreib dann was, dann schick ichs dir, dann sagst du das ich es besser nicht veröffentliche und ich halt mich dann dran. dann muss ich mich nämlich nicht so gedemütigt fühlen, wenn du ein paar tage später den besonneneren und schlaueren text zu einem thema schreibst :)

  10. 10

    @nilz: Ach, schlau popau. Ich habe mir einfach mehr Zeit gelassen, ich wusste, dass nix anständiges dabei heraus kommt, wenn ich gleich los lege. Wenn ich eins vom Bloggen gelernt habe, dann: Geschwindigkeit ist ein Qualitätsgarant.

    Dieses immer alles abwägen nervt ja auch oft, aber ich mochte Svens Ausbruch in einer Hinsicht, weil er nämlich von Herzen kam. Auch wenn er inhaltlich angreifbar war, das ist ja oft so, wenn man einfach loslegt. Und ich kann es einfach nicht ab, wenn dann als Antwort auf eine Meinung kommt, dass derjenige wohl zu viel gekokst habe und sterben gehen soll.

    Als den Blogs vor vielen Jahren unterstellt wurde, dass sie die „Klowände des Internet“ wären, ging ein Sturm der Entrüstung durch diese Blogs … wie es jemand wagen können, so über andere zu urteilen, so über andere zu reden. Erinnern wir uns daran? Manchmal glaube ich: Nein.

    Und jetzt stell‘ dich mal nicht so unter den Scheffel. Oder wie man das sagt. Ich lese dich immer äußerst gerne, egal, ob wir komplett einer Meinung sind oder nicht, und auch, wenn du dich ärgerst. (Aber am allerliebsten, wenn du was toll findest!)

  11. 11

    Räusper

    Erst gestern sagte meine allerliebste wiederholt zu mir:

    „Das mit dem Abwasch gelingt weitaus effektiver, indem
    der Hahn nach links gedreht, warmes Wasser rauslässt.“

    .
    Die Herren reden aufgrund ihrer Explodienz (Unwort)
    aneinander vorbei.

  12. 12

    @#802021: Rob Reid ist witzig-polemisiert aber, für einen Comedian völlig legitim, natürlich auch ordentlich. ich unterstelle aber mal, daß die „$58 billion loss due to copyright theft“ sich nicht nur auf entertainment inhalte beziehen, sondern das wirtschaftlich viel relevantere feld von markenpiraterie bis patentrechtsverletzungen mit beinhalten. Damit steht Rob dann leider wieder exemplarisch für die ganze von der mehrheit demagogisch geführte debatte, in der sich jeder nur und ausschließlich die information pickt, die seine argumentation unterstützt-oder sich garnicht erst die mühe macht, kenntnis auch nur vorzutäuschen, sondern einfach völlig losgelöst von argumenten meinung in die welt hinausposaunt.
    und das nervt gewaltig. umsomehr ein herzliches DANKE an Johnny

  13. 13

    @#801953: Ein guter und interessanter Artikel. Allerdings frage ich mich, warum ein möglicherweise nicht unerheblicher Teil der Einnahmen, nämlich Live-Auftritte, Merchandising und Lizenzen einfach weggelassen wird. So entsteht der Eindruck, dass inklusive dieser Einnahmen die Situation vielleicht gar nicht so schlimm aussähe.
    Das entwertet diesen Einblick aus meiner Sicht doch ziemlich.

  14. 14
    wef

    Ich glaube ja Sven Regener wird der nächste Gunter Gabriel.

  15. 15
    Alex

    1. Das Netz ist nicht die Technik. Es sind Menschen, die das tun, was sie sonst auch tun, z.B. kopieren, tauschen, konsumieren etc. Dazu nutzen sie Technik, aber es ist nicht die Technik, die diktiert, sondern es sind Menschen, die Technik auf eine ihnen eigene Weise nutzen und dadurch Fakten schaffen.

    2. Eine Anpassung an „Markt- und Technik-Umstände“ muss nicht per se unfair sein. Letztendlich passiert sowieso genau dies permanent: alle Gesellschaftsbereiche passen sich auch den Markt- und Technik-Umständen an, leider viel zu wenig. Fairerweise würde es sonst mehr Urlaub, höhere Löhne, vielleicht Maschinensteuern, Grundeinkommen etc. geben. Dass dem nicht so ist, liegt aber ganz sicher nicht an den Märkten oder der Technik.
    Es ist nebenbei bemerkt sicherlich nicht das Verkehrteste, der FDP und Konsorten die Definitionshoheit über Märkte zu entreißen.

  16. 16
    Micha

    @#801953:

    ..und wo sind die Einnahmen aus Merch und Konzerte dargestellt???

  17. 17
    Eugen

    „Überhaupt ist es beinahe putzig, wie sich einige um die Anteile der Verwerter an den Künstler-Einnahmen sorgen, diese für unfair halten und deshalb meinen, diese Industrie boykottieren zu müssen. Ich halte die gängigen Beteiligungen der Urheber bei Buch-, Musik- oder Film-Verträgen auch nicht für sonderlich toll, ich finde aber auch, dass der Bauer nicht genug vom Gesamtpreis der Butter erhält.“

    Du bist der Erste, der da wirklich so direkt auf ein extrem wichtigen Punkt eingeht. Heißt das, dass plötzlich viel mehr Leute eine Mp3 für 0,99€ kaufen, wenn sie wüssten, dass der Künstler mehr Geld bekommt (statt dem Label, Publisher, Verleger etc.)?! dieser Moralaspekt dahinter ist recht neu und wundert mich….

    Und noch was hinterher: kopieren ist nicht stehlen (man nimmt nix weg etc.). Lässt sich dann nur noch durch Mitleid Geld durch digitalen Content verdienen, wenn alle kopieren könnten? oder ist durch den Fortschritt das Geschäftsmodell „Geld für Digitale Musik/Film/Serie/Game“ einfach nicht durchsetzbar?

    danke für euer feedback, mir fehlt noch der letzte Durchblick :o)

  18. 18
    mikro

    @#801950: „diese dummdreiste Arroganz der Digitalnaiven“

    Das ist ganz schön beleidigend…
    Ansonsten ist das Internet, zugegeben vor einiger Zeit, aber doch ziemlich logisch entwickelt worden, damit kollidieren halt manche Konzepte aus der realen Welt.
    Aber niemand hindert Dich etwas anderes zu entwickeln- eventuell musst Du dafür eine andere Art von Computer erfinden, die das Konzept der Kopie nicht kennt, oder Du wartest darauf, dass Apple das bei seinen Produkten schafft.

  19. 19

    @mikro:
    Ja, ich wollte diese Sorte auch beleidigen. Den Rest deines Kommentars habe ich nicht verstanden.

  20. 20

    Ich empfehle an dieser Stelle jetzt mal einen tiefgründigen Essay vom 13.3 zu dem Thema ‚Provider, Apple und andere Nutzniesser von digitalen und künstlerisch mehr oder weniger wertvollen Inhalten‘ von einem Kollegen, der in der Kunst- und Elektronikszene durchaus zu den erfolgreichen Artists gezählt werden kann.

    http://chroma-park.de/the-message.html

    Ich stimme zwar nicht in allen Punkten mit ihm überein, halte die Denkrichtung an sich jedoch für sehr richtungsweisend.

    all best
    Vilas

  21. 21
    Fred

    Der Artikel inklusive der Kommentare beweist, dass es nicht bei den extremen Fronten bleiben muss.

    In der Tat finde ich das vielzitierte Argument erstaunlich, es gäbe kein geistiges Eigentum, da es nicht materiell ist. Schön, denke ich mir, dass wir trotz Öko-Trends und alternativer Attitüde uns wieder in den Materialismus flüchten. Schön, denke ich mir, dass sich immer wieder um den Künstler gesorgt wird und dann man dann aber schnell hinterherschiebt, dass man, gerade weil es Kunst sei, nicht so „raffgierig“ sein solle. Ob diese Leute es wohl auch noch toll finden, wenn wir nur noch Ideen von Hobbykreativen bekommen, weil es auf Dauer auch bei großer Ambition eben nicht toll ist, sich abzurackern um dann einen Bruchteil des angemessenen Verdienstes zu bekommen?

    Kopieren ist nicht stehlen?
    Ja, tolle Erkenntnis. Trägt nur leider nichts zur Sache bei. Wenn ich mein Geld aufgrund kostenloser Verbreitung nicht bekomme, dann kann ich halt meine Brötchen nicht bezahlen. That’s it. Und ab diesem Punkt kann ich als Kreativer auch gar nicht mehr anders, als die Masse hochzuschrauben und die Qualität und Wertigkeit (z.B. in Form von Zeitaufwand) zu senken. Das hingegen registriert der gemeine User ganz empört… dass überall der selbe Mist produziert wird, keine Innovation blablabla… tja… woher kommt das bloß?

    Jaja, und schließlich das Totschlagargument der unangemessenen Preise und der Ausbeutung der User. Lustigerweise hat niemand ein Problem damit 500 Euro für ein multifunktionales elektronisches Spielzeug auszugeben, dass er nach 6 Monaten gegen ein anderes austauscht.

  22. 22
    Thomas

    Was auch immer man zu dieser Debatte sagen will:

    wenigstens unterhalten wir uns mal wieder über das Wie und Warum von Kunst.

    Gabs schon länger nicht mehr in dem Land hier.

    PS @Fred: gute Kunst i.s.t. abrackern. Daran ändern auch zehn Phantasilliarden Taler aus 1kg schwerem Gold nichts.

    Wem Kunst keine Mühe ist, der macht sich keine Mühe mit der Kunst.

  23. 23

    Zitat:

    ‚Auch das islamische Recht der Scharia weist Besonderheiten auf, spielt aber auf der Handelsebene als methodisches, praktisch keine Rolle.‘

    Bin mir sicher, dass keine Vollidioten mitlesen und sofort konvertieren.

    Alles Gute

  24. 24
    Marco

    Ach hier sind schon so viele Kommentare da wird meiner wohl möglich nicht mehr gelesen.

    Ich wollte nur zwei Beispiele von Künstlern geben, die ohne einen Cent an ihrer Musikproduktion zu verdienen hochwertige Musik produzieren.

    The Weeknd – rnb – sehr hochwertige Produktion – oft besser als Majorlabelproduktionen

    BADBADNOTGOOD – death jazz/hip hop – ebenso hochwertig.

    Sagen sie mir jetzt nochmal, dass es unmöglich ist.

  25. 25
    Rudy Holzhauer

    @Marco: dass man auch ohne viel geld tolle musik machen kann, ist unbestritten. man muss dann aber auch aus einem begütertem haushalt kommen. so einfach mal € 10.000 für musik-instrumente bringt nicht jeder auf…

    folgende fragen:

    1. kann man davon leben und u.u. seine familie ernähren – und nicht mehr 22 ist? speziell auch, wenn man nicht weltweit am start ist…?
    2. was macht ein urheber, der nur schreibt und nicht tourt?
    3. was macht ein klassisches orchester? wie bereiten gerade eine produktion mit 45 musikern vor, 14 titel…

  26. 26
  27. 27

    @Thoaster: Danke Thoaster

    Befremdlich ist, wenn Süddeutsche sich in die Belange Berlins einmischen.
    Wobei auch nicht immer klar ist ob es um Kommunal- o. Landespölitik geht.
    Die Bundesverwaltung

  28. 28

    Für alle, die immer noch nicht genug haben, zwei, wie ich finde, sehr interessante Links zum Thema:

    http://www.hotelharakiri.de/bewegungsmelder/
    http://www.heise.de/tp/artikel/30/30586/1.html

    all best
    Vilas

  29. 29
    mikro

    @Rainersacht:
    genau das meine ich- keine Ahnung haben, aber denen, die damit täglich arbeiten vorschreiben wollen, wie ein Computer zu funktionieren hat.
    Niemand will Künstlern etwas wegnehmen (ausser der GEMA) Wir wollen teilen (schon früher hat man coole Kassetten erstellt und auch geteilt), problemlos(nicht kostenlos) an unsere Musik kommen und vll. auch damit verdienen- und das geht!
    http://netzpolitik.org/2012/this-is-how-we-fucking-do-it-we-are-the-media/
    Und auf keinen Fall wollen wir unsere Freiheit aufgeben, damit ein paar GEMA- oppis, an jedem Musikstück ihren Sarg vergolden können.

  30. 30
    Rudy Holzhauer

    @mikro: erklär mir mal den letzten satz in deinem kommentar. welche gema-opis? und wie funktioniert das mit dem vergolden. ich bin auch gema-mitglied und würde gern wissen, wie das funktioniert?

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