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Nachbearbeitung: Das Web zurückerobern

tagesspiegel

UPDATE Hier noch ein Beitrag aus der „Breitband“-Ausgabe von DRadio Kultur mit Stefan Heidenreich, Jens Best und ein paar O-Tönen von mir.

Knapp 300 Trackbacks und Kommentare, die sich auf meinen letzten Artikel beziehen und ihn diskutieren, bezeugen, dass die Blogosphäre alles andere als tot ist, was mich enorm freut. Ihr findet alle Trackbacks auf der Artikelseite (gleich rechts oben), durchklicken lohnt sich nicht nur wegen der verschiedenen Texte, sondern auch und besonders, um neue Blogs kennenzulernen oder mal wieder bei bekannten reinzulesen.

Bei hackr.de zum Beispiel, der meinen Text für zu romantisch hält und Öffentlichkeit (allgemeines Web) vs. Suböffentlichkeit (Facebook etc.) ins Spiel bringt. Oder bei Mathias Richel, der sich über ein öffentlich-rechtliches Web und Public Space Server Gedanken gemacht hat. Und wer es lieber hören mag, der bekommt im Ffluid-Podcast etwas auf die Ohren, wenn es u.a. um die Replik von Martin Weigert geht (Kurzversion: Die alten Säcke kommen nicht damit klar, dass die Jungen das Ruder übernommen haben). Und auch die „klassischen“ Medien bleiben aufmerksam: Der Berliner Tagesspiegel hat den Text in seiner Ausgabe am 5. Januar abgedruckt, DRadio Wissen hat ihn seiner Webschau thematisiert.

Auch auf Facebook wird natürlich diskutiert, u.a. sehr spannend unter einem Posting von Patrick Breitenbach – ich weiß nicht, wer das ohne FB-Account oder einem bestimmten Freundschaftsgrad lesen kann, doch wenn wir es hierbei mit Sub-Öffentlichkeit zu tun haben, möchte ich auch nicht zitieren.

Wie bei jedem Text, den man ins Netz schreibt, gibt es bei den Trackbacks und Kommentaren natürlich auch jede Menge sehr unterschiedlicher Interpretationen (manchmal lesen Menschen halt, was sie lesen wollen, manchmal liegt es aber auch am Text selbst, der vielleicht nicht genau genug ist), weshalb ich folgende Zeilen nachschieben mag:

Es geht mir mit dem Text keineswegs darum, die Zeit zurückzudrehen oder alten Internet-Zeiten hinterher zu weinen. Das Usenet war toll, würde aber heutzutage ob der viel höheren Verbreitung von Internet-Zugängen wahrscheinlich nicht mehr funktionieren; für bestimmte Aktivitäten sind Twitter und sogar Facebook super; ich finde iOS- oder Android-Tablets für die Nutzung einiger Netzbereiche inzwischen angenehmer als Laptops oder gar Desktop-Rechner; und dass eine junge Generation ein ganz anderes Netz auf ganz andere Arten nutzt als ich es tue, sehe ich nicht nur täglich bei meinen Söhnen (schließlich handelt auch unser Buch davon), sondern finde es das auch völlig normal und prima.

Ich glaube auch nicht, dass es mit „wieder mehr bloggen“ getan ist oder dass das etwas wesentliches verändern oder vorantreiben wird. Nebensätze des Artikels wie „(…) mir und vor allem den Leserinnen und Lesern dieser Zeilen fällt sicher noch viel mehr ein, das man tun könnte, um das offene und nicht von Großunternehmen bestimmte Web weiter voran zu treiben (…)“ oder „(…) Wir sollten von ihnen (Anm.: den Web-Unternehmen) lernen (…)“ wurden nicht ganz so oft zitiert wie andere, doch diese waren mir sehr wichtig. Ich stelle mir die Frage, wie die nächsten Schritte im Web aussehen könnten, nach wie vor, und mein Vorhaben, Spreeblick wieder besser zu füttern, kann nur ein klitzekleiner Teil davon sein.

Doch glücklicherweise gab es auch zur Weiterentwicklung einige Reaktionen. Christoph Kappes schrieb auf Facebook (nun zitiere ich doch kurz): „(…) Neue Software wird kommen, irgendeine verteilte Blog-Architektur, und dann bin ich der erste, der umschwenkt“ und wartet somit gelassen auf die nächsten Entwicklungen. Andi Herten zeigt, wie er seine Instagram-Fotos auf den eigenen Webspace und sein Blog holt. Und Steffen Voß wies mich auf diesen Artikel und damit auf die richtige Frage hin, warum man nicht Blog-Systeme wie WordPress (aber auch andere) mit verschiedenen Tools besser miteinander verknüpft und sich dabei teilweise ein Beispiel an der Usability von Facebook nimmt.

Das alles ist Futter fürs Hirn und ich hoffe, dass mich die Euphorie der letzten Tage nicht verlässt, denn es macht mir Spaß darüber nachzudenken, was man tun kann statt abzuwarten – wobei Abwarten auch eine völlig legitime Option ist, denn dass Facebook nicht ewig der Platzhirsch bleiben wird und dass sich auch Blogs (oder wie immer man persönliche Publishing-Tools dann nennen wird) weiterbewegen werden, steht fest.

Und zu guter Letzt: Ja, da war eine Menge Pathos bei, als ich den Artikel schrieb und als eine Art persönliche Neujahrsresolution veröffentlichte. Und warum auch nicht. In einer Welt der Märkte und Strategien, der emotionslosen Ratio und durchdachten Planung kann ein bisschen Pathos nicht schaden. Denn es geht nicht immer nur um Apps, Start Ups und Geschäftsideen, um Nutzerzahlen und Traffic, sondern eben auch um Kultur und Leidenschaft. Bloggen, so sehe ich das immer noch, ist lautes Nachdenken, aber auch ein bisschen Kunst. Ein eigenes Blog zu haben, stunden- oder gar tagelang an einem Text zu feilen, sich um das Design zu kümmern, die Ansprache zu wählen, die Kommentare zu betreuen, das ist wie die eigene kleine Kneipe zu führen und die Musik auszuwählen … und ein Blog-Text kann wie ein Song sein. Inspirierend oder erschütternd, aggressiv oder wohltuend. Oder einfach nur gut.

An dieser Stelle daher noch weiter Vorsätze.

Mehr Pathos.
Mehr Leidenschaft.
Und ich wollte auch weniger so bierernste Texte schreiben, verdammtnochmal!

57 Kommentare

  1. 01

    Mehr Pathos.
    Mehr Leidenschaft.

    Das fehlt ja vielen Blogs und es kann manchmal einfach nicht schaden!

  2. 02

    Wenn bierernste Texte so interessant und informativ sind, solltest du über diesen letzten Vorsatz nochmal gründlich nachdenken.

  3. 03

    „In einer Welt der Märkte und Strategien, der emotionslosen Ratio und durchdachten Planung kann ein bisschen Pathos nicht schaden.“

    Kabummsti. So sieht’s aus. Und ich stelle mal wieder fest, dass und warum das mit dem Bloggen und mir eben bis auf weiteres nichts wird und werden kann. Denn wenn Blogtexte wie Songs sind, sind meine Blogtexte eben genau das.

    Umso besser, Songs wie diese hier lesen zu können.

  4. 04

    Ich ergaenze mal die Liste:

    Mehr Katzenbilder!

    ;-)

  5. 05

    Jetzt schäme ich mich ja fast ein wenig, dass ich auf Facebook verlinkt wurde. Dabei fand ich doch den pathetischen Vorsatz des Bloggens usw. so gut.

  6. 06

    Herrlich, ich bin auch für mehr Pathos. Das führt nämlich zu viel bunteren und schöneren Reaktionen! Und zu mehr Content!
    :)

    Danke für das Feature, hat mich sehr gefreut!

  7. 07

    @Patrick Breitenbach (@breitenbach): Hehe ach Quatsch…nicht schämen…das zeigt halt nur das die anderen Kommentatoren Recht hatten! :) #gemeinsei

  8. 08

    „und sich dabei teilweise ein Beispiel an der Usability von Facebook nimmt.“

    Ich hoffe mal dass das „teilweise“ hier gross geschrieben wird. Usability auf Facebook? Wo?

  9. 09
    David

    Habe mir meine Gedanken dazu gemacht. Ich werde 2013 wieder mehr bloggen. Allerdings habe ich mir dafür auch direkt neue „Software“ geschrieben. Mein kleines Blog verarbeitet nun Mails. So habe ich jederzeit die Möglichkeit zu bloggen. Ein Mailprogramm als Editor reicht auch aus.

    Ich glaube einfach, dass die Einfachheit ein wichtiger Bestandteil für die Motivation ist.

  10. 10

    Ich habe auch nicht das Gefühl dass Blogs tot sind. Im Gegenteil eher…
    Und ja, ich für meinen Teil bin ein Fan von Pathos und Leidenschaft, schliesst ja eine gewisse Bierernstigkeit nicht aus. Auch wenn mehr Bier als Ernst natürlich erbauender ist.

  11. 11

    Blogtexte als Songs … sehr schöner Vergleich.

    T. C. Boyle soll gesagt haben: „Romane sind wie Rockkonzerte: Entweder, du bringst die Leute zum Tanzen, oder sie werfen dir Bierdosen an den Kopf.“

    Facebook ist der öde Vorraum, in dem die Leute rumstehen und die T-Shirts verkauft werden. Die Musik spielt aber woanders.

  12. 12
    Stephan (Der Echte)

    Wäre ja schön, wenn das Online-Leben meiner Bekanntschaft/Verwandschaft/Freunden nicht mehr (fast) ausschließlich auf FB und WhatsApp stattfinden würde. Gerade letzteres finde ich eine lächerliche Sache, weil der Dienst dahinter viel länger und auch kostenlos existiert. Jeder mit gmail, web.de oder gmx hat das schon… Muss ich nicht verstehen.

    Da sind wir dann auch schon bei meinem eigentlichen Gejammer: Ich will nicht in so einen umzäunten Garten, wie es Facebook ist. Aber anders kann ich kaum Kontakt zu den deutschlandweit verstreuten halten. Schade. So bleibt’s bei der Weihnachtskarte und dem Geburtstagsanruf. Von der „Offenheit des Netzes“ merke ich gerade nullkommanix.

  13. 13
  14. 14
    Jan!

    @Martin – Stephan (Der Echte) Welche Funktion/Dienst von web.de/gmx/gmail meinst du?

    Und dieses Gejammer, ich kann kein Kontakt zu meinen Freunden halten, nervt! Es ist einfach nur etwas aufwendiger jedem persönliche eine Mail/Brief/SMS zu schreiben oder einfach mal anzurufen. Es ist reine Faulheit. Wenn mir Freunde wichtig sind, dann kümmere ich mich auch um diese.

    Und ja, bitte weg von Sub-Öffentlichkeiten wie Sozialen Netzwerken. Mehr Blogs, mehr eMail. Die Daten gehören uns und nicht Firmen wie FB. Ich kann die Unternehmen auch nicht verstehen, die nicht ihren eigenen Webauftritt stärken und lieber bei FB ihre Daten hinterlassen.
    Und „besuchen Sie uns bei FB“ nervt zunehmend!

  15. 15

    @Jan Volle Zustimmung.
    Ich kann es auch überhaupt nicht verstehen. Und sehe da auch die Rolle manches social media „Beraters“ kritisch…

    Einige meiner Kunden waren sehr erstaunt darüber, dass ich Ihnen abrate von facebook. Haben es nach Abwägen von FÜR und WIDER jedoch sehr gut verstanden.

    Ich empfehle neben der Internetseite ein eigenes Blog plus twitter zur vernetzen Kommunikation. Das funktioniert + ergänzt sich richtig gut.

    Manche denken immer noch, man müsse bei Facebook präsent sein – ich halte das für eine Unkultur…. und bin genervt von all den “Besuchen Sie uns bei FB-Firmen”…und entsprechender Werbung.

  16. 16

    Auch ich sehe nicht, dass Blogs untergehen werden. Eines hat sich geändert und macht auch durchaus Sinn. Es geht um Qualität und Herzblut, also Emotionen, die in einen Blog gesteckt werden. Und da wird es immer eine Leserschaft geben.

    Mein Multiuser Blog ist nichtkommerziell und es ist auch nicht meine Absicht damit Geld zu verdienen. Mir geht es um die Umsetzung einer Idee, die ich in früheren zeiten so nie hätte umsetzen können. Das reicht mir der Stammleserschaft anscheinend.

  17. 17

    Ein eigenes Blog zu haben, stunden- oder gar tagelang an einem Text zu feilen, sich um das Design zu kümmern, die Ansprache zu wählen, die Kommentare zu betreuen, das ist wie die eigene kleine Kneipe zu führen und die Musik auszuwählen … und ein Blog-Text kann wie ein Song sein. Inspirierend oder erschütternd, aggressiv oder wohltuend. Oder einfach nur gut.

    Danke für diese Sätze, Johnny. Sie fassen sowohl die Faszination als auch die resultierenden Probleme in einer gelungenen Metapher zusammen, an der man weiter entlangdenken kann, um vielleicht neue Ideen zu entwickeln: was sind die Vorzüge und die Nachteile einer eigenen kleinen Kneipe? Welchen Nutzen, welche Macht, welche Bedeutung hat eine Institution wie eine kleine Kneipe?
    Nicht umsonst haben Merkmale dieser Institution Eingang in den Sprachgebrauch gefunden und auch wenn der sprichwörtliche Stammtisch in der physischen Welt sicher sehr selten geworden ist, so scheint diese Form des lokalen oder virtuellen offenen Kleingruppengesprächs in einer Quasi-Öffentlichkeit doch etwas kulturell zutiefst verwurzeltes zu sein. Das gibt Grund zu Optimismus, denn diese Art des Austauschs wird nicht durch die Verabredungen von Jugendlichen in den kalten Einkaufsstraßen beeinträchtigt.
    „Der“ öffentliche Raum ist viel größer, als wir uns alle vorstellen können…

  18. 18

    Leidenschaft ist keine Sache der Deutschen.

    Was tatsächlich gut wäre, wäre eine Verbesserung des RSS-Ansatzes. Das ist zu kompliziert, das wird so nicht angenommen. Dann könnte sich wirklich jeder sein eigenes Magazin zusammen mit Teasern und Links seiner Lieblingsblogs zusammenstellen. Sich regelmäßig durch diverse Blogs zu arbeiten, funktioniert jedenfalls nicht. Man möchte seine reguläre ein bis drei Medien haben, alles andere ist Extra.

    Warum eigentlich sollen die Leute ständig im Internet auf der Suche nach Informationen aktiv herumsurfen, such such such? Ist dieses Bild an sich nicht etwas merkwürdig? Die meisten Menschen wollen nicht dauern vor dem Computer hocken. Gönnen wir Ihnen die Freude.

  19. 19

    Schaut mal hier, lesenswert: „Soziale Netze werden sich in Langeweile auflösen“

    http://t3n.de/magazin/zucker-zuckerberg-230187/

    Zum Thema echter „Stammtisch“: einfach selber einen gründen, wenn es nicht den richtigen für Euch gibt…

    Habe letztes Jahr mit einer Autorin und einer Fotografin den Kultur- und Medienstammtisch Elbe Süd initiert. Wir laden per mail ein und treffen uns ca. alle 2 Monate südlich der Elbe in der Nordheide. Es sind immer so 15 bis 20 Kultur- und Medienschaffende dabei. I like it real… I really like it.

  20. 20
    Zensur

    Ich gebe dem Autor vollkommen Recht – allerdings meine ich, dass insbesondere auch die politik ein gutes Stück Verantwortung an dieser Entwicklung hat: Wenn jeder Mist abgemahnt und juristisch verfolgt werden kann, dann bewegt man sich als öffentlich schreibender Blogger permanent mit einem Bein im Gerichtssaal. Jeder Kritiker (von was auch immer) wird bestätigen, dass öffentlich geäusserte Kritik mehr Probleme verursacht, als Einkommen kompensieren kann.
    Deswegen stellt das aktuell geltende Recht in meinen Augen eine privatisierte Zensur dar, welche unliebsame Berichte mit der Macht des Geldes und der Juristerei unterdrückt.

  21. 21
    Stephan (Der Echte)

    Ich glaube, wir haben uns missverstanden @Jan!: Mail ist so neunziger – also nicht bei mir, aber bei den FBlern. Da kann ich’s auch gleich nach /dev/null schicken. Es wird kaum beantwortet – zu kompliziert. Bei manchen vermute ich, dass die nicht mal mehr Emails lesen… Kontakt ginge mit mir auch per ICQ, wird aber nicht benutzt (obwohl vorhanden). Schlimmer noch: Eine web.de/gmx/gmail-Adresse ist nicht nur Email sondern auch XMPP (aka Jabber) – und sowas hat eigentlich jeder. WhatsApp ist die geschlossene Variante davon, an einen WA-Benutzer kann man nur als WA-Benutzer etwas senden. Das haben sich da wieder alle gekauft… Schöner Scheiß!

  22. 22
    mlths

    Was eMail so von gestern macht: Gruppennachrichten. Der Vorteil an Facebook/WhatsApp.
    Was von gestern so viel schöner ist: RSS-Feeds. Wie praktisch, wenn ich chronologisch die Inhalte der Seiten lesen kann, die mich interessieren, und mich nicht durch verquere Timelines scrollen muss.

  23. 23

    Mit dem Jetpack Plugin lassen sich selbst gehostete WordPress Blogs etwas an die WordPress Infrastruktur ankoppeln: http://wordpress.org/extend/plugins/jetpack/

    So kann der Leser Blogs abonnieren und die Benutzerdaten für Kommentare sind blogübergreifend gespeichert plus einiges mehr.

  24. 24

    Nö, mach mal mit den bierernsten Texten. Ab und zu so ’n Weckruf zwischen die Augen ist hilfreich.

  25. 25

    Wenn Dein Blog sozusagen eine kleine Kneipe ist …

    … dann nehm ich noch ein Bier.
    Denn in dieser Kneipe gefällt es mir und ich komme sicher noch öfter vorbei ;-)

  26. 26
  27. 27

    Ich betrachte das so:
    Johnny H., er Betreiber eines Blogs, verurteilt 24 Mio Autoren anderer Medien, weil sie eine andere Entscheidung treffen, und kündigt an, wieder mehr in seinem eigenen Blog schreiben zu wollen.
    Was tue ich denn hier, wenn ich kommentiere? Ist das weniger als ein Autor, ein „Blogger“ zu sein? Hat Spreeblick jetzt keine Nutzungsrechte an diesem Kommentar ? Garantiert mir Spreeblick irgendwas? Was ist mit diesem Text, wenn Du dieses Blog schliesst, garantiert Spreeblick da was?
    Ich denke, da stimmen die Maßstäbe nicht. Wenn Du ganz streng die Maßstäbe an Blog ansetzt, die Du an Facebook & Co ansetzt, dann stehen Blogs nicht besser da.
    Das „wir“, das sind die 99,9%, die keine (Blog-)Stimme haben. Und die haben nun Facebook. Ich halte das für „demokratischer“ als vorher, weil nun jedermann publizieren kann, sofort und ohne Kosten.

  28. 28

    @Christoph Kappers:
    Das Risiko bei den Blogs ist doch gestreut. Natürlich kann Spreeblick genauso geschlossen werden, aber wenn Du bei Spreeblick, Stadt Bremerhaven und anderen Blogs kommentierst, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass alle von dir kommentierten Blogs offline gehen.
    Allerdings gebe ich Dir Recht, dass Social Media im Allgemeinen gerade für kleine Blogger eine höhere Reichweite hat.

  29. 29

    Was ich zum Thema Bloggen gern noch loswerden möchte es hat mir persönlich die Chance eröffnet, zu mir zu finden.

    Ich interessiere mich seit meiner Jugend für vielfältige Dinge – bin aber irgendwie (und das erkenne ich jetzt im „reifen“ Alter erst) eigentlich immer ein Mitläufer gewesen. Nicht, dass ich nicht zu meiner Meinung stand, aber ich fand Dinge toll, die andere auch toll fanden, auch wenn sie manchmal recht ungewöhnlich waren (Beispiel: mein Lieblingsbuch in meiner Jugend war „die Töchter Egalias“). Aber eben: ich habe mitgezogen.

    Heute bin ich in meinem Bekannten- und Kollegenkreis ein Außenseiter, ein Alien, weil ich Social Media Kanäle intensiv nutze, das „böse“ Internet unterstütze und sogar auch noch blogge.

    Aber auch beim Bloggen habe ich mich anfänglich mitreißen lassen… ich habe diverse Blogs über Produkttests, Gewinnspiele etc gesehen und mir gedacht, „was die können, kann ich auch“ und dazu noch in mehr oder weniger korrekter Grammatik und Rechtschreibung :-) Also habe ich genauso gestartet und siehe da: auch ich durfte Produkte testen und darüber berichten.

    Dann wurden mir diese Blogs aber immer suspekter, weil sie alles das Gleiche geschrieben haben. Und wenn ich eines nie wollte und will: ich möchte keinesfalls in die Schublade „Hausfrauen-Mafia“ geschoben werden (geht aber eigentlich auch nicht, da ich erstens nicht Mitte 20 bin, keine Kinder habe und Hausfrau schon gar nicht).

    Also habe ich angefangen, persönliche Dinge zu schreiben. Über Hamburg, meine Heimatstadt, Ausflüge in Hamburg, Erinnerungen aus meiner Jugend oder einfach nur so. Ab und zu weiterhin auch Produkttests, aber das rückt in den Hintergrund.

    Heute möchte ich das Bloggen nicht mehr missen. Selbst im Büro habe ich es durchgesetzt. Wenn ich heute für meinen Chef etwas recherchiere, dann bekommt er das Ergebnis als Link. Denn für uns beide habe ich einen Blog auf WordPress, der nur für uns beide zugänglich ist. Allerdings müssen wir Zwei uns ein wenig zurückhalten mit unserer Begeisterung, weil das Neider weckt.

    Aber in der Hinsicht bin ich gern Alien und fühle mich gut so. Das war die beste Entscheidung meines Lebens, das Bloggen (und social media allg.) für mich entdeckt zu haben.

    Sorry für das Ausschweifen … Ihr seht, ich habe heute Zeit

  30. 30
    c0r3nn

    Die Herausforderung ist eigentlich folgende: Das Netz so offen zu halten, dass sich jede Generation „ihr“ Internet nach ihren Interessen und Neigungen neu gestalten kann bzw. neue Räume, neue Etagen oder neue Flügel anbauen kann.
    Wir können doch heute gar nicht wissen, wie die nächsten Generationen das Internet nutzen werden und mit welchen Inhalten und sollten uns dieses Wissen auch nicht anmaßen.

  31. 31
    Rudi

    Ich fand den Beitrag von Jens Best treffend, der zu einem differenzierten Bild über unsere „Digitale Öffentlichkeit“ aufruft. Er hat das auch in „Breitband“ im Deutschlandradio Kultur länger ausgeführt.

    Zum öffentlich-rechtlichen Internet:
    http://jensbest.net/2013/01/02/die-offentlich-rechtliche-echokammer-unserer-demokratie-und-was-das-internet-damit-zu-tun-hat/

    Zur Digitalen Öffentlichkeit:
    http://jensbest.net/2012/12/29/sind-wir-alle-idioten/
    http://breitband.dradio.de/bb130112/

  32. 32

    Schade, ich hatte gehofft, dass die Web-Zurückeroberung einher geht mit mehr Artikeln von dir. Ich würde ja Spreeblick gerne wieder so wie früher haben, als es ein kleines feines Magazin war, voll mit Beiträgen von vielen verschiedenen Leuten, statt den zwei, drei Beiträgen pro Monat im Moment.

  33. 33

    Mehr Pathos finde ich auch gut. Und habe dann kurz nach Deinem Artikel (koinzident, aber nicht kausal) auch mit etwas Pathos ein neues Blog aufgemacht: http://kinderfilmblog.de/?p=77 Weil, mehr bloggen!

  34. 34

    interessantes zum Lesen hier

  35. 35

    Was ich neuerdings technologisch ganz faszinierend finde sind F2F Netzwerke, das schaust Du Dir an und denkst, na, das ist ja ähnlich wie Facebook mit Potenzial in Richtung besser, na gut, an der Usability muss noch gewaltig geschraubt werden. Es ist ja gar nicht ausgeschlossen, dass es irgendwann Netzwerke gibt ohne diese Intermediäre, ohne diese Plattformbetreiber. Es ist eher wahrscheinlich. Wie immer fehlt der Scheich mit Geld. Mal davon abgesehen, die populären Kernblogs kann man locker über die Krümel vom Rundfunkgebührenkuchen nachhaltig finanzieren.

  36. 36

    @Rudi:
    Zuerst mal Danke!

    Wie wir mittlerweile wissen, ist die ehem. GEZ-Gebühr passee.
    Nun nennt sich dies (Zwangsweise) ‚Medienabgabe‘, die bequem
    abrufbar ist. Vorausgesetzt, man verfügt, und ist in der Lage das
    für sich zu orten.

    Breitband ist nicht schlecht.

  37. 37

    @Christopher: Da haben Sie das Problem tatsächlich erkannt. Sie kommentieren auf einer Plattform (diesem Blog), die nicht ihnen gehört und haben wenig zu dessen Beeinflussung zu sagen. Das gleiche passiert bei Facebook.

    Der Mainstream ist bei Facebook und schreibt dort über ihr Mittagessen. Wenn das bloggen ist, dann schmeiße ich jetzt meinen Router weg. Die 99,9% ohne Blog, brauchen auch keinen Blog, um ihre „Meinung“ zu posten. Jeder der sich für relevant und archivierendswert hält, landet so oder so bei einem eigenen Blog, spätestens wenn Facebook am Design oder Reichweite schraubt oder deine Posts löscht/filtert.

    Diese Abhängigkeit fällt vor allem dann auf, wenn etwas schief läuft oder man etwas Weitsicht mitbringt.

    Grüße, Alex.

  38. 38

    Bin auch gespannt, wie sich die ganze Sache entwickelt. Auch in Hinblick auf die Streitigkeiten Google ./. Verlage.

  39. 39

    Ich hole mir jetzt auch „mein“ Internet zurück!

    http://macandcam.com/back-to-the-roots-zurueck-zum-wesentlichen/

    2013 wird es wohl viele Relaunchs geben und neue Blogs. Auch dank des Denkanstosses hier.

  40. 40

    ich finde, man kann ruhig noch ein bißchen phantasievoller in die zukunft blicken. ich bin ein großer fan der one-server-per-person-utopie, falls man das überhaupt so nennen sollte (http://ostatic.com/blog/one-server-per-person). vielleicht schreib ich mal einen blogeintrag darüber ;)

  41. 41

    Die Idee von dem Artikel finde ist spitze.

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