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#aufschrei

Drei Tage lang war hier der unkommentierte Twitter-Stream zum Hashtag #aufschrei zu sehen, denn ich hielt es im Rahmen der Debatte speziell als Mann für sinnvoll, einfach mal die Klappe zu halten und zuzuhören bzw. zu lesen.

Immerhin: Seit drei Tagen denke ich mal wieder konzentrierter über das Thema nach, stelle mein eigenes Verhalten und das meiner Freunde und Bekannten auf den Prüfstand, rede über Sexismus im Alltag – in erster Linie mit Tanja, aber auf einer Party auch mit anderen, Männern wie Frauen. Und ich beschäftige mich auch mal wieder mit der Frage, wie wir unsere Söhne so erziehen können, dass sie anderen Menschen mit dem nötigen Respekt begegnen und vor Stereotypen auf der Hut sind. Was so ein Hashtag doch bewirken kann.

Der #aufschrei sei sinn- und wirkungslos, las man an einigen Stellen. Nichts könnte falscher sein. Und ein weiterer Vorwurf, die Debatte sei überflüssig, wurde von der Jauch-Ausgabe am Sonntag Abend in der ARD bravourös widerlegt, als einmal mehr die Chance des Zuhörens, möglicherweise sogar der Suche nach Lösungen vertan wurde und die Generation Schenkelklopfer in Person von Günther Jauch, Hellmut Karasek und Wibke Bruhns versuchten, ein wichtiges gesellschaftliches Thema ins Lächerliche zu ziehen, während Silvana Koch-Mehrin, eine überraschend ruhige Alice Schwarzer und Anne Wizorek alias @marthadear („Wir sind doch nicht von den Bäumen heruntergekommen, um uns wieder dorthin zurückzuziehen“) wahrscheinlich am liebsten einen Facepalm-Zirkel gebildet hätten ob der Ahnungslosigkeit, Ignoranz, Arroganz und reaktionären Haltung des Moderators und einem Teil seiner Gäste.

Erstaunlicherweise sagte dann Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn noch etwas, das weit mehr Applaus aus dem Publikum verdient hätte, als im TV zu hören war: „Wir Männer sollten uns so verhalten, wie wir uns wünschen, dass man unseren Frauen und Töchtern begegnet.“

Denn so einfach kann es manchmal sein, obwohl es – wie immer – viel komplizierter ist.

46 Kommentare

  1. 01
    Florian

    Analog hierzu hat im englischsprachigen Ausland – besonders in GB – @EverydaySexism in den letzten Monaten einiges oeffentliches Aufsehen erregt und ist ebenfalls sehr lesenswert. Gut zu sehen, dass sich auch im deutschsprachigen Netz was tut.

  2. 02
    Mister T

    Tausendmal besser als jeder Kommentar, den ich schreiben könnte:
    http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer

  3. 03

    Das Wiederaufkeimende Thema

    Unterdrückung Willkür Machotum … Abhängikeitsverhältnis

    Ist es in unserer modernen Gesellschaft immer noch allgegenwärtig, dass
    sich in unserer modernen Kultur Menschen erniedrigen lassen müssen?

    @PiPi

  4. 04
    admin

    Endlich gibt es keinen Schutzraum für Täter mehr. Denn jetzt werden ihre Namen genannt – nicht nur bei Spitzenpolitikern, sondern auch beim Exfreund oder Chef:

    [Anmerkung von Johnny: Ich habe den Link, der hier stand, vorerst gelöscht. Im verlinkten anonym geführten Blog wird mit Namen eine Vergewaltigung vorgeworfen. Sollte der Inhalt wahr sein, gehört der Fall angezeigt. Sollte er nicht wahr sein, wäre der Text Rufmord. Da ich die Richtigkeit der Angaben nicht überprüfen kann, bitte ich um Verständnis für meine Entscheidung. Danke.]

    [UPDATE: Ich bleibe bei der Löschung, denn von der Beteiligten wird der Vorwurf in dem vormals verlinkten Blog als „Bullshit“ bezeichnet.]

  5. 05
    admin

    Johnny: Die Entscheidung respektiere ich.

    Aus purer Neugierde: Findest Du es richtig, dass in zahllosen Artikeln und Tweets der Name des übergriffigen FDP-Spitzenpolitikers genannt wird? Von Leuten, die allesamt in der Hotelbar nicht dabei waren? Falls die Schilderung (die bisher nur auf einer einzigen Quelle basiert) sich als falsch herausstellt, dann wär’s ja ebenfalls Rufmord.

  6. 06

    @#811083: Stammt das Blog von dir? Ich meine das Blog, in dem jemandem – ohne Absender – eine Vergewaltigung vorgeworfen wird.

  7. 07
    Andy Fuchs

    @#811083: a) wird da niemand ‚angeprangert‘
    b) handelt es sich dabei um keine Straftat
    c) sind Namen der Autoren/Verleger bekannt

  8. 08

    Danke für Deine Empathie und den reflektierten Beitrag!
    Wir stehen erst am Anfang dieser wichtigen gesellschaftlichen Debatte.

    Habe gerade einen Beitrag geschrieben zum Thema:
    Zeit ist reif für #Ypsilon Männer + Frauen – Plädoyer für menschliche #Gesellschaft #Humanismus

    und würde mich auch dort über Eure Kommentare sehr freuen: http://kulturplanet.wordpress.com/2013/01/28/zeit-reif-fur-ypsilon-manner-frauen-pladoyer-fur-menschliche-gesellschaft-humanismus-aufschrei/

  9. 09

    Der fehlende Mut in der Sendung nicht zu erwähnen, dass #aufschrei es auch in andere europäische Länder geschafft hat, gleiche Tweets auszulösen.

  10. 10

    Super auf den Punkt gebracht. Ich mag solch einen unaufgeregten Umgang mit dem Thema. Den Jauch-Abend habe ich ähnlich gesehen, richtig, Alice Schwarzer war gestern so aushaltbar wie selten; bin sehr enttäuscht vom „sympathischsten Moderator im deutschen Fernsehen“ – da haben sich so manche um Kopf und Kragen gequatscht gestern.
    Musste natürlich auch was dazu schreiben. http://floetenfrosch.wordpress.com/2013/01/25/aufschrei/

  11. 11

    Was Ich toll finden würde: wenn wenige bis keine männlichen Autoren dazu ellenlange Artikel schreiben würden, wenn Männer in diesem Fall einfach den Rand halten und sich nicht immer panisch und selbst-bedrohend nach Außen wenden würden, um zu verkünden „Nein, ich mache sowas nicht, würde ich nie machen, so jemandem würde ich [stark sado-sexuelle Gewaltfantasie]“.

    Das sieht nicht nur danach aus, dass Männer den Frauen, die über solche Dinge berichten, nicht zutrauen den Unterschied zwischen Sexismus, sexueller Belästigung und Straftaten zu erkennen, sondern ist genau dies und ist nichts anderes als folgende Aussage „den Frauen können und dürfen wir den Feminismus nicht überlassen, sonst bordet der über und deswegen beziehen wir jetzt alle als Männer sofort Stellung dazu, um dem blind wuchernden Feminismus Einhalt zu gebieten“.

    Männer sollten da den Ball flach und den Mund fest geschlossen halten. Man will ja nicht die Stimmung vermiesen.

  12. 12

    Ich habe ein kleines Problem mit Osterkorns Satz, dass man sich so verhalten solle, wie man es sich gegenüber seiner Tochter wünschen würde. Also den Effekt finde ich natürlich richtig, ich erkenne schon, worauf er hinaus will. Aber so tut man das richtige, nur aus dem falschen Grund. Man sollte sich doch der Person gegenüber respektvoll verhalten, weil diese es verdient, weil sie ein eigenständiges Wesen ist und nicht auch jemand anders sein könnte oder sie nun auch mal einen Vater hat.

    Andererseits, wenn manche Männer diese Eselsbrücke brauchen. Sei’s drum.

    @#811102: Grundsätzlich ist „Männer sollten da den Ball flach und den Mund fest geschlossen halten.“ natürilch völliger Quatsch. 50 Prozent der Bevölkerung von einer Debatte ausschließen, die 50 Prozent der Bevölkerung betrifft, geht irgendwie nicht auf. Die zur Schau getragene Verteidigungshaltung nervt aber, das stimmt.

  13. 13

    @#811103: Und genau deswegen habe Ich diese Haltung, weil Ich es nicht leiden mag, dass man obwohl man eine bestimmte Meinung zu einem Thema hat, gesagt bekommt, was an dieser Meinung laut der Meinung einer anderen Person nun richtig ist und was nicht.

    Wortbauten wie „natürlich völliger Quatsch“ und dann die spätere Erwähnung, dass ein Teil meiner Meinung seltsamerweise dann wieder „stimmt“, sind dabei eben nicht eine Meinungsäußerung zweiter Instanz, sondern lassen auf ein sehr umfangreiches und gefährliches internalisiertes Wertesystem schließen, dass den Umgang mit den Erfahrungen und „Werten“ anderer Menschen auf das Ausfüllen eines Fragebogens zur medialen Rezeption und Darstellung reduziert, und die Relativskala von „Stimme nicht zu“ bis zu „Stimme zu“ durch „falsch“ und „richtig“ ersetzt.

    Du teilst meine Meinung nicht. Nimm sie dennoch ernst (das ist nämlich der Grund, weswegen Ich von Männern zu diesem Thema gar nicht erst auch nur irgendetwas lesen will). Danke.

  14. 14
    KLAUS lUTZE

    Eine andere Meinung zu haben, wäre ja schon verwerflich, aber die Realität,
    seid Adam und Eva, einfach zu ignorieren, ist auch keine Lösung.
    Mit ein wenig Lebenserfahrung ist es auch möglich, aufrecht durchs Leben zu kommen, da helfen mir spektakuläre und gewinnbringende Artikel im Stern nicht weiter. Besser den Stern nicht kaufen, dann brauche ich mich nicht mit hunderten nackten Fotos beschäftigen.Danke den drei Stimmen in der Runde, dass sie auch eine andere Meinung gewagt haben zu äußern.
    Doppel-Moral ist scheinheilig !
    K.L

  15. 15
    Gisela

    Danke Johnny und Tanja für Euren Kommentar zum Jauch-Talk, mit dem ich völlig übereinstimme! Ich habe leider kürzlich die Sexismus-Problematik selber erlebt und die Konsequenzen gezogen – erstmalig in meinem Berufsleben – und finde diese Diskussion total wichtig und längst überfällig. Ja, es fängt schon bei der Erziehung von Söhnen UND Töchtern an, wie geht Mann mit Frau respektvoll um und wie tritt Frau so selbstbewusst/-reflektiert auf, dass kein Mann irgendwelche „Machtgelüste“ bekommt, um diese gegen Frauen auszuspielen. Ich bin gespannt, ob sich doch (vermutlich langsam) was ändert. LG GK

  16. 16
    roarschaaach

    Also ich habe von Anfang an nicht viel von #aufschrei gehalten. Zum Einen kann es keine Debatte geben, in denen Männer den Mund halten und zuhören, zum Anderen hält nichts lange, was auf Scheinheiligkeit aufgebaut ist. Dennoch halte ich eine Debatte über Sexismus für wichtig. Aber nicht so.

    Schon in den ersten Stunden, als #aufschrei unter den trending Tops stand, nutzten reine Männerhasserinnen den Hashtag, um ihre hetzerischen Publikationen zu bewerben. Eine davon trieb es sogar so weit, dass ich sie letztendlich wegen Volksverhetzung angezeigt habe. Die Frau ist, meiner Ansicht nach, nicht mehr ganz dicht. Sie hält Homosexualität und Analsex für geisteskrank und publiziert das auf ihrem Blog und verkauft Bücher darüber. Sie erhielt von mir und anderen Männern Kontra, aber die Frauenwelt hielt sich mit Kontra hier sehr deutlich zurück. Andere Männer wurden im Hashtag zerrissen, während die Männerhasserinen scheinbar nur mit kritischen Stimmen einiger Männer zu tun hatten. Daneben wurde der Hashtag lebhaft dazu gebraucht, Vergewaltigungen öffentlich zu machen. Das macht man nicht öffentlich, sondern zeigt es an. Zudem hat das nichts mit dem Thema zu tun. Der Eindruck, dass Mann sich nun durch die massenhaften Vorwürfe, die sich gegen die Männerwelt richteten, angegriffen fühlt, bestätigten dann die Vorfälle, in denen Männer sich in #aufschrei einbrachten und nur Kontra von von Frauen erhielten. So schaukelte sich das dann immer weiter hoch, sodass nun zahlreiche Hate-Accounts im Hashtag ihr Unwesen treiben. Viele Frauen argumentieren jetzt so, als sei das der Beweis dafür, wie notwendig #aufschrei ist. Ist es ganz und gar nicht. Spinner gibt es in jeder Meme. Nur in dieser Meme werden offensichtlich die Spinner dazu benutzt, das Thema weiter hochkochen zu lassen. Verärgert hat mich die Vielzahl an Lapalien, die unter #aufschrei gemeldet wurden. So wurde es bereits als sexistisch empfunden, wenn ein Mann eine Frau in einer Disko fragt, ob sie single sei. Das hat überhaupt nichts mit Sexismus zu tun, sowie sehr viele andere Tweets ebenso nicht. Es ist augenscheinlich, dass der Sexismus gegen Männer in dieser Meme keine Beachtung fand. Dazu sieht man sich mal die Tweets der Männer und die der Frauen an. Die Männer bekamen nur von anderen Männern RTs und Favs. Bei den Frauen wurde fast schon jeder Unsinn ins unermessliche retweeted und gefavt. Meiner Meinung nach hat #aufschrei die Situation nur angespannt und einen neuen Geschlechterkampf begünstigt. Der Aufruf: „Männer sollten nun zuhören und sich zurückhalten“ habe ich oft gelesen. Sixtus sprach sogar den Ironikern seine tiefste Verachtung aus. Also wenn es eins ist, was Frauen in der heutigen Zeit nicht brauchen, dann sind es weitere Tarzane, die zur Ordnung brüllen. Man kann auch zuhören und sich an einer Meme beteiligen. Andernfalls könnte man jedem der sich an einer Meme beteiligt zugleich ja vorwerfen, dass er nicht zuhören würde. Das ist in sich schon nicht schlüssig. Der #aufschrei hat jedoch die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Das ist immer gut, um sich Gehör zu verschaffen, aber die Medien haben es genau so verbraten, wie sie es bei jeder Meme tun. Da kommt irgendwann nichts mehr.

    Bereits heute erschienen schon die ersten kritischen Artikel gegen #aufschrei. Es dauert nicht mehr lange und das Thema versickert im Sand. Schuld daran ist, dass #aufschrei von Anfang an ein reines Frauen-Ding war. Männer hatten da offenbar nichts zu suchen. Sexismus geht aber beide Geschlechter etwas an. Jungs werden in der Schule schlechter benotet als Mädchen. Mädchen werden in der Schule immer noch besonders gefördert, während Jungs immer weiter mit Noten und Leistungen absinken. Das ist echter Sexismus und nicht jeder dumme Spruch. Zudem liegt auch vieles in der Erziehung. Sowohl die Männer, die sexistische Sprüche bringen, als auch Frauen, die das kommentarlos mit sich machen lassen, sollten sich überlegen, ob in ihrer Erziehung nicht etwas gefehlt hat.

    Letztendlich ist es doch äußerst fragwürdig, warum Frau Himmelreich erst nach einem Jahr damit um die Ecke kommt. Jetzt wo Brüderle ins Licht rückt, wurde die Sache auf einmal wichtig? Ja, denn der Stern schreibt, was sich am besten verkauft. Um Frauenrechte und Feminismus ging es der Frau Himmelreich nicht. Das kann sie mir nicht glaubhaft machen. Und so wurde ein wichtiges Thema verkauft und verraten.

  17. 17
    Peter

    Hallo Johnny,
    ich fände es ja schön wenn du deine Erkenntnisse aus dem #aufschrei tweet teilst, statt auf Jauch etc. rumzuhacken. Was würdest du denn jetzt anders machen in der Erziehung deiner Söhne? Oder hat sich doch nix geändert? Hättest du vorher deine Kinder zu sexistischen Machos erzogen? Wohl kaum.
    Viel spannender ist doch wie du ihnen zeigst mir ihrer sexuellen Identität umzugehen. Wie können sie sexuelles interesse zeigen ohne dabei eins auf den Latz zu bekommen? Darf man an einer Frau ihr Äusseres nicht mehr mögen, bzw. es ihr sagen? Darf man sexuelles interesse gar nicht mehr signalisieren? Wie können sie damit umgehen wenn bei den ersten Versuchen ihre sexuelle Energie zu kanalisieren mal was schief geht? Oder sie sich ungewollte im Ton vergreifen?
    Bringst du ihnen wirklich bei wenn Frau aufschreit, „einfach mal die Klappe zu halten“? Danke für alle konkreten Antworten.

  18. 18
    Christian Schulz

    Das ganze Thema hat eine deutliche Ungleichheit in der Frage des Blickwinkels und damit des Geschlechts. Darin liegt auch die Problematik.
    Es kommt eben bei dem Satz auf die Richtung an, um ihn sexistisch zu sehen. Damit auch mit den erlernten Wahrnehmungen. Es hängt eben doch damit zusammen, das Frauen und Männer anders sind, es ist keine Frage der Gleichstellung, sondern der Beachtung und Würdigung der Unterschiede.

    In einem Artikel der FAZ steht folgender nachdenkenswerter Satz:
    „Wie finden Sie es, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen?“

    Einem 28-jährigen Mann, der eine solche Frage einer 66-jährigen Frau stellte, würde man heimlich ein paar hinter die Löffel wünschen, und sagen würde man zu ihm: Halt die Klappe, Grünschnabel, und lern erst mal, dich zu benehmen!“

  19. 19
    Becker T.

    @oarschaaach: „Verärgert hat mich die Vielzahl an Lapalien, die unter #aufschrei gemeldet wurden“

    Der Sender kann kaum den Verletzungsgrad des Empfängers beurteilen – ob es eine Lappalie ist oder nicht, ist demjenigen zu überlassen, der von einer Verletzung getroffen wird, denn der Sender kann in aller Regel nicht den Erfahrungshorizont des Empfängers überblicken. (Siehe PTBS – lässt sich auch schlecht von außen beurteilen)

    Wenn ich mir beispielsweise die öffentlichen Foren der Piratenpartei ansehe und die oft passiv-aggressiven Vorwürfe überwiegend männlicher Schreiber lese („ich werde benachteiligt, weil ich dies und das bin – warum tut ihr nichts dagegen?“, bei denen ich häufig das Gefühl habe, dass Demokratie von vielen nur deshalb erwünscht ist, weil man sich selbst bedienen will, doch völlig vergisst, dass in einer Demokratie jedem/jeder dasselbe Recht zugestanden werden muss wie einem selbst), dann sehe ich dieselbe Empfindlichkeit bei Männern, wenn es um sie persönlich geht. Nur dass Männer die Piratenpartei haben, um sich auszuweinen – und die Frauen eben jetzt #aufschrei

    Das Problem, das von vielen Frauen hier einfach beklagt wird, ist doch nur mangelnder Respekt, dass sie als Steigeisen für Männer dienen müssen, die selbstherrlich ihre weibliche Umgebung benutzen, um sich selbst zu erhöhen, weil Frauen meist so praktisch still sind und höchstens lächeln. Da ist schließlich keine Gegenwehr zu erwarten wie bei Männern mit vielleicht noch Ambitionen, wie heroisch – der Weg des geringsten Widerstandes, um wenigstens scheinbar die Leiter ein wenig aufzusteigen, weil man sich so gut wie sicher sein kann, dass die Frau sich nicht wehrt und wenn, dann schon keine Hilfe bekommen wird.

    Selbstherrlichkeit ist aber immer eine Sache, die im Umgang mit Menschen schon alleine aus Anstand unterlassen werden sollte. Denn wenn ich erfolgreich bin, brauche ich nicht selbstherrlich zu sein, dann brauche ich nicht auf anderen herumzutrampeln und wenn ich es nicht bin, dann fällt auch niemand, der wirklich Erfolg hat, darauf herein – also ist Selbstherrlichkeit sowieso immer nur eine Sache, um mir selbst etwas zu beweisen (gilt übrigens für beide Geschlechter)

  20. 20
    roarschaaach

    @#811131: Ich habe in meiner Kommentar ein Beispiel für eine Lapalie genannt. Natürlich kann nur der Empfänger beurteilen, was eine Lapalie ist und was nicht. Ich kann aber beurteilen, ob es in Hinblick auf das Thema Sexismus eine Lapalie ist. Das ist es dann, wenn es mit Sexismus gar nichts zu tun hat und reine Unhöflichkeit darstellt. Sexismus ist die Ungleichstellung eines Geschlechts zum anderen. Daher ist auch nicht jeder dumme Spruch, welcher an eine Frau gerichtet ist, Sexismus. Den fehlenden Respekt gegenüber der anderen Person will ich gar nicht abstreiten. Wenn mich eine Frau ohne weiteres fragt, ob ich single bin, empfinde ich das ein wenig respektlos. Ich werde durch diese Frage aber nicht auf mein Geschlecht reduziert. Und darum geht es ja. So weit muss man unterscheiden, wenn man über Seximus debattieren möchte. Die fehlende Unterscheidung hat zumindest in meiner Twitter-Timeline und auch bei den Männern in meinem Freundeskreis für Verunsicherung gesorgt. Das häufigste Kommentar, was ich dazu hörte war: „Dann darf ich ja als Mann bald gar nichts mehr sagen“. Diese Verunsicherung sorgt mit dafür, dass Männer sich gar nicht trauen, offen in diese Debatte einzusteigen. Ohne Männer kann das Problem aber nicht gelöst werden.

    Ein weiteres Beispiel ist der „anzügliche Blick“. Der wurde sehr oft unter #aufschrei getwittert. Was soll denn das genau sein? Das ist auch wieder eine rein subjektive Empfindung des empfängers. Wenn ich als Mann Freitags mit einem Kumpel um die Häuser ziehe, und die Absicht habe eine Frau kennen zu lernen, dann schaue ich mir die Frauen doch erst mal aus „sicherer“ Entfernung an. Dann kommen wir auch wieder zu der ewigen Diskusion „Innere Werte vs. Optik“. Für mich zählt beides und wer mir optisch ganz und gar nicht zusagt, mit dem flirte ich nicht. Und auch wenn mir optisch eine Frau zusagt, heißt das ja noch lange nicht, dass mir ihre inneren Werte passen. Wenn man es mal so sieht, dann muss ich mir die Frau wohl vorher mal angesehen haben. Ich mache das natürlich dezent, sodass es nicht gerade so auffällt. Aber was wenn doch? Bin ich dann jemand der abschätzig oder anzüglich guckt und damit ein Sexist?
    Außerdem suche ist zuerst auch immer einen Blickkontakt: „Die sich treffenden Blicke“. Dann gucke ich die Frau ja auch an. Wie die das in dem Moment empfindet bzw. bewertet weiß ich nicht und kann ich nicht wissen. Trotzdem besteht dann hier auch die Gefahr, dass ich des anzüglichen Blickes bezichtigt werden könnte. Offensichtlich ist also hier genug Raum für Missverständnisse. Und obwohl ich die Frau im Moment des Blickes auf ihr Geschlecht reduziere, weil einen Mann gucke ich mir so nicht, ist es für mich ganz und gar nicht sexistisch. Sexistisch hat für mich immer einen negativen Touch, obwohl es auch neutral sein kann. So versteht es aber heutzutage keiner mehr.

  21. 21
    Tijuana

    Ist Thomas „unsere Freunde mit Migrationshintergrund“ Osterkorn wirklich der Chefredakteur vom Stern, musste ich mich plötzlich während der Jauch-Sendung fragen.

  22. 22
    Sergej

    “Wir Männer sollten uns so verhalten, wie wir uns wünschen, dass man unseren Frauen und Töchtern begegnet.”
    Ich hoffe nicht, dass dass irgendein Mann beherzigt, denn sonst würde es auf dieser Welt bald nur noch Kinder von Perversen geben.

    Irgendwie ist diese ganze Diskussion sehr lächerlich, weil dafür alle Männer herhalten müssen. Ich habe noch nie eine Frau ausgebeutet, belästigt oder ähnliches. Trotzdem muss ich mir hier den ganzen Tag dieses dümmliche Gewäsch irgendwelcher wild gewordenen Feministinnen anhören, die in der Frau als Solches das pure Gute und Unschuldige sehen. Und da muss ich einfach widersprechen. Einige Frauen auf dieser Welt sind einfach böse. Genauso wie einige Männer auf dieser Welt einfach böse sind. Und wer einen schlechten Charakter hat, wird sich durch diese Diskussion sowieso nicht ändern.

    Henry Ford: „Wenn eine Ente ein Ei legt, dann tut sie das still und zurückgezogen in einem Busch. Wenn jedoch ein Huhn ein Ei legt, so gackert es laut und flattert herum. Und der Erfolg? Die ganze Welt isst Hühnereier!“

    Vielleicht sollten sich einige Feministinnen mal darüber Gedanken machen.. ;) Ich sage bewusst nicht, dass sich Frauen darüber Gedanken machen sollten.

  23. 23
    Sergej

    @#811145: ich weiß schon, dass das „Wir Männer sollten uns so verhalten, wie wir uns wünschen, dass man unseren Frauen und Töchtern begegnet.” etwas anderes meint, aber letztlich ist die Beziehung zu fremden Frauen wohl immer etwas ganz anderes als zu der eigenen Frau oder gar zu seinen Kindern. Daher finde ich diesen Vergleich nicht hilfreich. Die Grundidee, Frauen gegenüber respektvoll zu sein, finde ich dagegen natürlich gut. Wobei ganz klar sein muss: Respekt muss beiderseitig vorhanden sein. In der aktuellen Debatte kann ich das oft nicht erkennen. Vielleicht liegt es daran, dass im Internet eine Minderheit den Anschein erwecken kann, eine Mehrheit zu sein…In Wahrheit ist die Welt vielleicht doch ganz schön!?

  24. 24
    roarschaaach

    @#811145:

    Die Twitter-Userin „fraeulein_tessa“ schrieb:

    „Was die Männerlobby in den letzten Tagen nicht geschafft hat: einen ihrer intelligenten Vertreter ins Fernsehen zu schicken. #zdflogin“

    Seit wann haben Männer eine Lobby? Hier wird auch wieder deutlich, dass es offensichtlich nicht nur um einzelne Idioten geht, sondern um Männer allgemein. Die aufschreienden Frauen brauchen sich daher nicht zu wundern, wenn ihr Thema in der Öffentlichlichkeit nicht wirklich ernst genommen wird.

    Gestern schrieb dann die Twitter-Userin und Hashtag-Mutter Anne Wizorek:

    „die mails, die mir sagen, ich würde alles nur schlimmer machen und gehörte einfach mal wieder ordentlich durchgefickt. #aufschrei“

    Es wird häufig die Meinung von Vollidioten veröffentlicht, die Stimmen der „anständigen“ Männer aber nicht. Auf so versucht eine Debatte zu führen, hat von Anfang an verloren. Auf dem Niveau möchte ich als Mensch nicht diskutieren. Da hat etwas von Schlammschlacht, weniger von einer lösungsorientierten Debatte.

  25. 25

    „Wir Männer sollten uns so verhalten, wie wir uns wünschen, dass man unseren Frauen und Töchtern begegnet.“

    Mit dieser Aussage habe ich ein Riesenproblem. Diese Aussage beschreibt ganz genau den Kern dieser ganzen Sexismusscheiße. Menschen, die in unserer Gesellschaft als das weibliche Geschlecht betrachtet werden, werden durch das Possessivum „unseren“ als Eigentum der Männer angezeigt.

    Dieses komische Denken, Mann solle sich nicht so verhalten, wie Mann auch nicht wollen würde, dass sich anderer Mann gegenüber der „eigenen“ Mama verhalten könnte, bringt exakt das Machogehabe zum Ausdruck, dass endlich beerdigt gehört.

    ES GEHT NICHT UM „UNSERE“ TÖCHTER, ES GEHT NICHT UM „UNSERE“ FRAUEN – VERDAMMTE HACKE, ES GEHT DARUM, DASS FRAUEN GENAUSO BEHANDELT WERDEN SOLLEN, WIE WIR SELBST ALS MENSCHEN BEHANDELT WERDEN WOLLEN. PERIOD!

    Mann muss keine Frau sein, um zu verstehen, wie EKELHAFT es ist, wenn man am Arbeitsplatz, in der Kneipe, in der U-Bahn, am Hermannplatz oder sonstwo auf seine rein physische Sexualität reduziert wird!

  26. 26
    Sergej

    @#811147: Wohl wahr. Ein Grundproblem unserer Internet-Gesellschaft. Nur derjenige, der provoziert, wird wahrgenommen. Schreibt man etwas normales, bodenständiges, wird nicht darauf eingegangen. Das mit dem „durchficken“ ist natürlich grober Unsinn, wobei ich Anne Wizorek nach dem, was ich bisher gelesen habe, einfach nicht als Persönlichkeit schätzen mag. Allein die Wahl des Wortes „Aufschrei“ geht mir gegen den Strich. Ich kann auch nur diesen Blog hier empfehlen (wie schon Mister T): http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/

    Mir scheint das Ganze eine sehr einseitige Diskussion zu sein, welche Männer im Allgemeinen angreift. Das erzeugt bei mir eher das Gegenteil dessen, was ich eigentlich gut finde. D.h. wenn ich jetzt durch die Straße laufe, schaue ich Frauen nicht an, weil ich fürchte, es mit einer Feministin zu tun zu haben. D.h. ich stigmatisiere Frauen nun, was ich vorher nicht getan habe. Das wird sich sicher die nächsten Tage wieder legen und mir spätesten in 1 Woche wieder völlig egal sein, aber eines zeigt es mir: Diese – nennen wir es mal – „Aufschrei-Bewegung“ erzeugt bei mir – wenn auch nur temporär – das glatte Gegenteil von dem, was sie will. Zum Glück kenne ich genügend Frauen, um zu wissen, dass es durchaus auch andere gibt als Anne Wizorek.

  27. 27
    roarschaaach

    @#811148: Nein, es geht darum, niemanden wegen seines Geschlechts zu benachteiligen oder auf sein Geschlecht zu reduzieren. Sexismus betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer.

  28. 28

    @#811150: so meine ich es auch.

    Fakt ist, dass es in der #Aufschrei-Debatte gerade um sexuelle Gewalt (verbal und physisch) an Frauen geht. Die meisten Männer, die der Meinung sind, sie würden unter Sexismus ebenso leiden, wie Frauen es tun, sind entweder unglaublich ignorant oder dumme oder fiese oder dumme und fiese Arschlöcher!

    Sorry, aber das Thema macht mich wahnsinnig wütend.

    Ich hatte mir überlegt, ob ich Tweets raussende, über das, was ich schon am Arbeitsplatz erlebt habe. Als Mann. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich der Meinung bin, dass es momentan mal ausnahmsweise NUR um die Belange der Frauen gehen sollte.

    Ich habe nämlich noch nicht erlebt, dass mir fünf Frauen an der Ampel hinterhergepfiffen haben.

    Ich habe auch noch nicht erlebt, dass mir eine Frau in der U-Bahn an den Po gegriffen hätte.

    Ich habe noch nicht erlebt, dass mir eine Gruppe Frauen unentweg auf den Pimmel starrt, während ich in der Bahn sitze.

    Ich habe noch nicht erlebt, dass mir die Kellnerin im Restaurant heimlich über die Hand streicht, als ich ihr das Geld gebe.

    Ich habe noch nicht einmal gewusst, dass Männer ALLEN Frauen hinterherpfeifen, die alleine unterwegs sind. Warum? Weil Frauen nicht darüber reden und diese pfeifenden Männerschweine das schön bleiben lassen, wenn ein anderer Mann mit dabei ist.

    Usw. usw. usw. ich könnte noch stundenlang Beispiele finden, die alle von Frauen aus meinem Bekanntenkreis stammen.

  29. 29

    @#811149: Du kannst doch Frauen angucken so viel Du willst! Du kannst flirten so viel Du willst!

    Es geht doch nicht darum, dass wir unsere menschliche Sexualität aufgeben sollen oder verdrängen oder sonstwas.

    Du sollst eben nur die Menschen, die Du anflirtest, mit echtem menschlichem Respekt behandeln. Das ist doch weiß Gott nicht so schwer! Willst Du, dass Dir täglich zig Frauen hinterrufen: „Ssst, Du geiler Hengst, willste mal lecken?“ (wohlgemerkt: nicht Eine, da könnte mann sich ja durchaus noch geschmeichelt fühlen, sondern ständig, Jahre, Jahrzehnte lang)

    Willste bestimmt nicht.

    Aber wenn man flirtet, dann flirtet man (und eben frau). Das merkt doch ein gesunder Mensch mit, was cool ist und was uncool.

    Dieses Gejammere, dass Mann jetzt gar nichts mehr dürfe, kotzt genauso an, weil es genau derselbe Scheißsexismus ist!

  30. 30
    Sergej

    Wie oft hast du es denn erlebt, dass dich eine Frau angesprochen hat?

  31. 31

    @#811153: Ich habe nur drauf gewartet, dass diese Frage kommt…

  32. 32
    Sergej

    bitte! ;) ist ja nicht böse gemeint, aber irgendwie spielt diese Thematik ja doch eine gewisse Rolle bei der Diskussion, oder etwa nicht? vielleicht existieren einige Probleme nur, weil Mann und Frau verlernt haben, auf natürliche Weise zu interagieren. Immerhin hat die Menschheit der Tierwelt doch immer noch einiges an Zivilisation voraus.

  33. 33
    roarschaaach

    @#811151: Also wenn du so argumentierst, disqualifiziert dich das für jede weitere Diskussion. Selbstverständlich leide ich als Mann genauso wie Frauen unter Sexismus. Wohl kaum lasse ich mich von dir – wer bist du überhaupt? – als Ignorant oder „fieses Arschloch“ abstempeln, weil ich der Meinung bin, dann ich unter Sexismus ebenso leide, wie eine Frau in der heutigen Zeit. Wenn du mit solchen Kraftworten losballerst, dann wunder dich nicht, dass man dich nicht ernst nimmt.

    Es geht nicht nur um Tweets über dumme Sprüche. Wie mächtig und wie tiefreichend Sexismus noch sein kann, belegen alleine Studien zur Benotung von Jungen und Mädchen in der Schule. Jungen werden schlechter benotet als Mädchen. Mädchen werden besonders gefördert (es gibt für Mädchen besondere Förderprogramme), während die Jungen erwiesenermaßen in ihren schulischen Leistungen immer schlechter werden (Mal ein Beispiel: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/grundschullehrer-vorurteile-kevins-bekommen-schlechtere-noten-a-712948.html).

    Wenn es um die sexistischen Sprüche einiger Männer geht, finde ich, liegt das Problem in der Erziehung von Männern UND Frauen. Die Einen tun es und die Anderen lassen es mit sich machen. Menschen mit einem schwachen Charakter werden sich nicht nach #aufschrei ändern. Während meines Jurastudiums habe ich in der Human Resource-Abteilung einer großen Bank und in der einer großen Versicherung gearbeitet. Ich nahm auch ein Betriebsratssitzungen und Mitarbeitergesprächen teil. Fälle von Männern, die sich sexistische Sprüchen von Frauen anhören mussten, gab es auch und nicht gerade wenig. Insgesamt ging es meistens jedoch um Mobbing allgemein. Also gegen Männer und Frauen gleichsam. Der respektvolle Umgang am Arbeitsplatz ist ein Problem für sich, denn den scheinen ein paar Mitmenschen nicht zu kennen und verpesten damit das Klima ganzer Abteilungen.

  34. 34
    Sergej

    @#811152: wenn man sich so manche twitter-posts ansieht, könnte man allerdings etwas irritiert sein.

  35. 35

    @#811172: Erstmal hast Du Recht: Wenn ich hier mit Kraftausdrücken um mich werfe, dann ist das der Debatte nicht zuträglich. Also möchte ich „fies“ und „dumm“ und „Arschloch“ gerne gestrichen wissen – zurücknehmen kann ich es ja schlecht. Ich sagte ja, dass mich das Thema wahnsinnig wütend macht – im Eifer des Gefechts haue ich in dann manchmal etwas auf den Putz. Vielleicht kennst Du das ja. :-)

    Zweitens bleibe ich dabei: es ist meines Erachtens ziemlich ignorant von Dir, wenn Du behauptest, dass Du unter Sexismus ebenso zu leiden hättest wie Frauen.

    Ja, auch Männer und Jungen werden in unserer Gesellschaft manchmal diskriminiert. Wobei Dein Beispiel – der Spiegel-Artikel – ein anderes Thema hat. Da geht’s primär um Vornamen, nicht um den Geschlechterunterschied.

    Aber um beim Beispiel Schule zu bleiben: Wir hatten einen ganz „netten“ Geschichtslehrer, der hat einem Mädchen, einem blonden, blauäugigen, im Unterricht des Öfteren die Hand um die Schulter gelegt, ist ihr mit seinem widerlichen Schädel ganz nahe gekommen – man bedenke: während des Unterrichts – und hat gesagt: „Na, was sagt denn mein Goldlöckchen dazu?“

    – Hand auf’s Herz: Bist Du wirklich der Ansicht, dass ein solches Verhalten, das Männer gegenüber Frauen an den Tag legen, qualitativ vergleichbar ist mit der Überzeugung bestimmter Personen, dass Jungen dümmer wären als Mädchen? Außerdem: die allerallerallermeisten Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind nach wie vor, dass Jungen als besser in Mathematik gelten, dass Mädchen klassisch vielleicht besser in Deutsch seien, weil „die ja eh so gerne quatschen und ein Händchen für Wörter haben“, dass Mädchen bzw. Frauen keine Naturwissenschaften studieren sollten, weil sie nicht logisch-rational dächten und so weiter und so fort.

  36. 36
    roarschaaach

    @#811210: Warum ist das ignorant von mir? Wer legt denn fest, für wen es schlimmer ist? Niemand, also sind erstmal, bis das Gegenteil bewiesen ist, beide Geschlechter gleichsam davon betroffen. Im Übrigen muss man auch nicht darüber streiten, wer nun stärker von Sexismus betroffen ist. Eine Debatte über Sexismus hat einfach beide Geschlechter einzubeziehen oder gar nicht statt zu finden. Man könnte die Sache nun „Gewalt gegen Frauen“ nennen und dann die Männer schon vom Thema her als direkt betroffene ausschließen. Aber das wurde ja nicht gemacht. Das Schlagwort heißt „Sexismus“.

    Oh, da habe ich dir einen ganz falschen Link gegeben. Das mit den Vornamen war für eine andere Debatte gedacht. Ich bitte um Entschuldigung. Ich meinte den Artikel in der Welt (
    http://www.welt.de/politik/bildung/article3336003/Warum-Jungen-in-der-Schule-Problemfaelle-werden.html). Aber es ist ja schon länger bekannt, dass Jungen als Verlierer unseres Bildungssystems gelten. Da wurde auch bis heute kein Schlag geändert. Auch wenn es nun zum Nachteil der aktuellen Debatte geht, finde ich, dass solche grundlegenden Belange der Kinder grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit verdienen, als Probleme mit dem Respekt. Respekt ist ja auch keine reine Höflichkeit, sondern ist entweder vorhanden oder nicht vorhanden. Respekt zeigen und Respekt haben sind unterschiedliche Kisten. Geht es aber nun darum, dass Jungen grundsätzlich im Bildungssystem versagen oder stark benachteiligt sind, wirkt sich das nicht nur auf ihre Psyche, sondern auch auf ihren gesamten späteren Lebensweg negativ aus.

    Mit keinem Wort habe ich derartige Vorfälle, wie du im Beispiel des Geschichtslehrers geschildert hast, beschwichtigt. Wäre ja auch nicht schlüssig, denn ich habe für meine Äußerungen konkrete Beispiele genannt. Ich bin mir nicht wirklich sicher ob dein Geschichtslehrer hier einen Mangel an Respekt zeigt oder vielmehr gewisse Neigungen. Indes hatte ich aber auch eine Lehrerin, die ihre Jungs als „Goldschätzchen“ bezeichnete. Daneben habe ich in meiner schulischen Laufbahn immer wieder von den unterschiedlichsten Lehrerinnen gehört, dass Jungen nicht zu weinen haben und dass die den Müll rausbringen, weil Frauen „nicht zum Tragen“ geboren sein sollte. Ich persönlich habe das nicht als störend empfunden, aber es ist sexistisch. Vielleicht sind es auch genau jene Vorfälle, die manche Männer in diese Rolle als Macho hineinwachsen lassen. Die Erziehung findet auch nicht nur im Elternhaus statt. Kindergärtnerinnen und Lehrer sind damit in einem erheblichen Umfang betraut. Jungs die sich also deinen Geschichtslehrer als Vorbild nehmen, könnten also von diesem ebenso beeinflusst werden und sie zu genau diesen Idioten machen, die als Erwachsene dann eine Frau so sehen, wie sie der Geschichtslehrer sah. Ich halte die bisher geführte öffentliche Debatte über Sexismus für plump und oberflächlich.

    Ja, ich bin absolut dieser Ansicht. Leute die denken, Jungen seien dümmer als Mädchen und diese nach dieser selbst zurecht gelegten Maxime auch noch benoten, tragen einen erheblichen Beitrag dazu bei, dass Männer die wir alle hier bisher kritisierten, überhaupt zu solchen heranwachsen. Kein Mensch wird als Sexistin oder Sexist geboren. Genauso wie Kinderschänder nicht von Grund auf immer schlechte Menschen waren. Etwas hat sie zu dem gemacht was sie sind. Das nachher rückgängig zu machen ist sehr schwer oder in einigen Fällen unmöglich. Daher finde ich, sollte man das Problem an den Wurzeln packen und nachsehen, wo läuft die Erziehung falsch, wo versagt unser Bildungssystem. Eine andere Möglichkeit wird es wohl kaum geben. Einen schief gewachsenen Baum kann man fällen; einen schief gewachsenen Menschen nicht.
    Deine allermeisten Erfahrungen mit den schulischen Stärken und Schwächen der Mädchen und Jungs sind leider aber nicht das was uns die Studien dazu berichten. Es mag ja sein, dass Jungs „in ihren Fächern“ stark sind. Ohne besondere Förderung scheinen diese Stärken aber eingefroren zu sein. Jungs haben, den Studien zufolge, auch ein grundsätzlich unterschiedliches Verhältnis zur Schule im Allgemeinen.

  37. 37

    Vor Stereotypen auf der Hut zu sein?
    Was soll damit gemeint sein? Und gleichzeitig Jauch, Karasek und Bruhns im Text in ein solches einpassen?

    Kann ich alles nicht nachvollziehen.

    Ich bin Vater einer Tochter. Wir versuchen, sie in die Lage zu versetzen, dass sie sich später wehren und abgrenzen kann. Und dass ihre Integrität und Würde wichtiger sind, als ihr Job. Gewalt gegen Frauen und Unterdrückung in Job und Familie DAS sollte das eigentliche Thema sein.

    Bei der Diskussion (auf Twitter. Es sollen übrigens 16.000 Leute sein, also 0,002 % der Bevölkerung) gehts es offenbar eher um Traffic, Aufmerksamkeit, Quote und Absatz. Es fehlen nur noch die Hetzjagten. Aber die sind unter Hashtags und in den Social Networks in allen Richtungen akzeptiert.

    Ich bin schon ein wenig angeekelt.

  38. 38
    Peter

    @nonliner: ging mir auch so. Als ich merkte wie aus Brüderles Kommentar ein angebliches Thema gemacht wurde dachte ich die deutsche Presse ist auf einem neuen Tiefpunkt angekommen.
    Offensichtlich ging es dem auch Stern nicht um Sexismuss, sonst hätte er den Artikel auch so aufgemacht, sondern um die Person Brüderle.
    Dann kam eine Studentin daher, die einen Tweet zum „alltäglichem sexismuss“ unter „#aufschrei“ startet und wahrscheinlich dank ihrer Fähligkeiten als „freie Beraterin für digitale Strategien und Online-Kommunikation“ viel Aufmerksamkeit findet… 15 Minuten Ruhm und wahrscheinlich gute Jobaussichten!
    Jetzte fehlt nur noch ein Journalist einer grossen Deutschen Zeitung oder Zeitschrift, der das ganze Sexismussdebatte nennt und voila, wir haben den Selbstläufer: Alle geben ihre Kommentare, die Zeitungen greifen es wieder auf und so weiter. Jauch kann eine Sendung produzieren, der eine oder andere Politiker sich mit dem angeblichen Thema positionieren, Frau Schwarzer ihr Blatt verkaufen, alle sind zufrieden.
    Aber was hat sich geändert? nix.
    Deshalb verstehe ich auch Johnnys Haltung nicht, der ich sach mal „das Maul aufreisst“ nur um uns zu sagen wir „sollten mal die Klappe“ halten. Interessanter Punkt, evtl sogar sexistisch ;)
    Aber die Frage ist wirklich wie man damit umgeht.
    Ich fand die letzten Kommentare hier im Blog – mit wenigen Ausnahmen – sehr angenehm, weil rücksichtsvoll geschrieben und bemüht Dinge vernünftig und in Ruhe zu erklären, ohne auf Leuten rumzuhacken, hysterisch zu werden, ungeprüfte Unterstellungen zu machen oder dumm zu verallgemeinern. Wenn sich das ansatzweise durchsetzen würde wäre schon viel erreicht. Egal bei welcher Diskussion.

  39. 39

    Hey, ich finde auch, dass das hier eine ziemlich gute Diskussion ist (obgleich männerdominiert!! ;)

    ich glaube, das mit dem gleichgewicht bzw die frage: werden beide geschlechter ähnlich viel oder eines ungleich mehr diskriminiert ist ziemlich zentral für die debatte. wichtig ist auf jeden fall zu sehen, dass die formen der diskriminierung unterschiedlich sind. klar wird den männern nicht so viel hinterhergepfiffen; dafür haben frauen in der regel weniger probleme, wenn es zB darum geht, ob sie ausreichend kontakt zu ihrem kind bekommen

    als mann den mund zu halten finde ich ok; die frage ist nur: wie lange? wann darf ich wieder anfangen, was zu sagen? und was darf ich sagen? darf ich mich auch beklagen oder ist das dann gleich wieder eine respektlosigkeit den frauen gegenüber?

    ich finde, die männer sollten viel mehr reden (sinnvoll und fair wohlgemerkt, so wie hier); ich finde, ein großer teil des problems besteht darin, dass sie in der vergangenheit den diskussionen weitgehend ausgewichen sind. von daher ist auch der aufschrei verständlich. wer ignoriert wird, fängt halt irgendwann zu brüllen an. vielleicht sollten die männer einfach mal in ruhe sagen: ok; das ist ein problem; wir lassen euch in ruhe. einerseits.

    andererseits wurden in der #aufschrei-timeline wirklich eine ganze reihe von lappalien aufgeschrieben und ich finde überhaupt nicht, dass die definition davon subjektiv ist; wenn ich zb einer frau nicht den vortritt in ein zimmer lasse, dann ist dass eine lappalie und ich lasse es mir von niemandem als sexistisch auslegen (dass es mir, wenn ich sie vorlasse und ihr die tür aufhalte ebenfalls als sexismus ausgelegt werden kann, man die sache nicht besser)

    gebe zu, das beispiel ist extrem. trotzdem. wenn von frauen immer wieder solche fälle berichtet werden, dann fällt es mir als mann schon schwer, mich nicht aufzuregen: ich weiß wirklich nicht, wie das leidensverhältnis am ende genau verteilt ist, aber bei manchen tweets verspürt man schon das gefühl zu sagen: hey, ihr seid nicht die einzige menschen, denen unverschämtheiten und ungerechtigkeiten widerfahren.

    ein problem ist auch, dass männer, wie schon erwähnt, grade ihre eigenen opfersituationen viel zu selten thematisieren; eben weil es als unmännlich gilt; dadurch kann man sich oft gar nicht vorstellen, was ihnen so passiert und wie sie sich so fühlen. das gilt sowohl für die frauen, aber auch für männer, anderen männern gegenüber. entsprechend düster sieht es mit der öffentlichen empathie aus.

    @roarschaaach du hast schon geschrieben, dass die tweets, in denen männer von sich geschrieben haben, abgetan und weitgehend ignoriert wurden. auf der website alltagssexismus.de , die aus der #aufschrei-debatte hervorgegangen ist, ist es noch schlimmer: dort werden die beiträge von männern systematisch herausgefilert.

    ich habe deshalb (dachte eigentlich, das würde sofort automatisch entstehen, aber nix wars) selbst eine seite eingerichtet, auf der frauen UND männer ihre erlebnisse aufschreiben können. habe am anfang selbst gezweifelt, wurde aber schon durch den zweiten beitrag eines besseren belehrt. und die meisten anderen beiträge sind auch gut. musste bis jetzt nur einen ablehnen.

    die seite heißt mehrrespekt.com vielleicht kann man den link ausnahmsweise drin lassen. ist ja keine kommerzielle seite, sondern der versuch, verständigung zu ermöglichen. evtl. könnte man sogar noch ein kleines forum dazu bauen (krasserweise scheint es da so gut wie nichts brauchbares zu geben!!!), mal sehen, ist alles noch im entstehen

  40. 40
    Fred

    Ihr in Deutschland tut mir wirklich leid.

    Das muss ich wohl noch ausführen.

    Die ganze Geschichte der letzen Jahrhunderten. Ihr habt nur Scheisse gebaut. Und das Schlimme an der Geschichte ist, dass sie nie aufhört.

    Das sind zwar keine Argumente, aber meine Perspektive.

    Mein Mitleid
    Gruss Fred

  41. 41
    Peter

    @Fred:
    Es stimmt schon, wir haben viel Scheisse gebaut. Einer der grössten Fehler war die Erfindung des Namens „Fred“, unter dem heute noch immer einige Besitzer leiden. Und das Schlimme an einem Namen ist ja, dass man ihn nicht ändern kann.
    „Fred“ kommt ursprünglich von „Manfred“ und bedeutet so viel wie „Mann des Friedens“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Fred]. Heute wird der Name eher abwertend benutzt, vergleichbar mit „Horst“, was umgangssprachlich so viel bedeuted wie „der Ahnungslose“.

    PS. danke für’s Mitleid!

  42. 42

    Well, well, well. Man kann schon Mitleid mit Deutschland haben – mit allen anderen Ländern und seinen Bewohnern aber auch. Möglichkeiten glücklich zu werden, gibt es überall. Meine Lösung für Deutschland: http://jonathanwidder.de/flirten-in-zeiten-des-sexismus/ ;)

  43. 43
    Banjo Hansen

    Ich möchte an dieser Stelle an alle Mütter apellieren, ihre Söhne zu Männern zu erziehen, von denen sie selbst angesprochen werden möchten.

  44. 44

    Wir hoffen, die Diskussion mit unserer Analyse ein klein wenig bereichern zu können:

    http://www.online-software-development.de/de/blog/post/aufschrei-anspruch-und-die-verzerrte-wirklichkeit

  45. 45

    Ich halte es für sinnvoll über dieses Thema zu reden. Jedoch sollte man dann nicht nur über einen Aspekt von Sexismus reden, denn natürlich gibt es den auch von Frauen in höheren Positionen Männern gegenüber. Es wird zwar immer so dargestellst, dass der Mann eh jederzeit überall an Sex denkt, es deshalb nicht schlimm sei wenn die Frau dem Mann gegenüber sexistisch ist. Das ist aber ein Irrtum. Das Problem ist nur, dass dieses Thema präventiv hilft, den jungen Generationen zu zeigen was daran verwerflich ist, denn Männer im Alter die ihr LEben lang Dinge so gehandhabt haben, lassen sich durch so einen #aufschrei nicht mehr überzeugen.

  46. 46

    Ich habe die Sendung von Günther Jauch auch gesehen . Die Geschichte zieht sich doch wie ein Kaugummi und ist schön längere Zeit ein Thema, wo die Meinungen der Leute weit auseinandergehen.

    Für mich wurde mit dieser Sendung vieles klar.