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#wmwmwm – Ein flattr-Experiment (Update)

ACHTUNG! Update des Artikels am Ende.

Als sich David Nießen vor einigen Wochen mit der Idee zu einer WM-Serie und der Frage, ob man das nicht auf Spreeblick machen wolle, an mich wandte, war ich sofort begeistert, fand den Hashtag #wmwmwm für „WM: Was man wissen muss“ irre gut, bremste ihn aber trotzdem aus. Denn ich wusste, dass ich David nicht bezahlen konnte. 25 Spieltage, jedes Mal direkt nach dem Abpfiff eine kurze Zusammenfassung als Service für die Leserinnen und Leser: Ganz schön viel Arbeit, die ich von David nicht einfach so in Anspruch nehmen wollte, obwohl er wusste, dass ihm die Idee auf einem Blog nicht viel einbringen würde.

Also dachten wir uns zusammen etwas aus. Wir platzierten einen Paypal-Spendenbutton unter jedem Artikel der Serie, der direkt zu Davids Paypal-Konto ging, und ich sagte ihm die kompletten flattr-Einnahmen aus seinen Posts zu. Mit einem kurzen Text wiesen wir am Ende eines jeden Beitrags außerdem darauf hin, dass Leserinnen und Leser die Honorierung von David selbst in der Hand hätten. Kein großes Gebettel, aber eben ein klarer Hint.

Nun haben wir die Ergebnisse des Experiments, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Die Zahl in Klammern gibt die Anzahl von flattr-Klicks an.

Beiträge der #wmwmwm-Serie und ihre flattr-Klicks

0.9 (5) (7)
Infotext (3) (3)
01 (3) (5)
02 (5) (7)
03 (1) (3)
04 (1) (3)
05 (2) (4)
06 (1) (3)
07 (1) (3)
08 (0) (2)
09 (1) (3)
10 (0) (2)
11 (2) (4)
12 (1) (1)
13 (1) (3)
14 (3) (5)
15 (4) (6)
16 (3) (5)
17 (1) (3)
18 (2) (6)
19 (1) (5)
20 (1) (5)
21 (2) (6)
22 (4) (10)
23 (1) (7)
24 (0) (8)
25 (5) (18)

Insgesamt hat David also 54 flattr-Klicks für seine Arbeit erhalten. Auf Grundlage meiner letzten flattr-Abrechnung macht ein flattr-Klick derzeit bei uns etwa 30 Cent aus, macht zusammen 16,20 Euro. Hinzu kamen 10 Euro, die durch eine (!) Spende via Paypal bei David eingegangen sind.

Zum Vergleich: Mein Artikel über das Tempelhofer Feld hatte 37 flattr-Klicks, der über Musikverdienste im Netz hatte 11.

Man könnte sich jetzt darüber echauffieren, dass „die Leute“ einfach nicht bereit sind, freiwillig für Artikel in einem Blog zu bezahlen, immerhin wurde jeder von Davids Artikeln zwischen 1.000 und 6.000mal aufgerufen. Aber das greift natürlich viel zu kurz.

Die Gründe für die kargen flattr-Klicks sind, glaube ich, stattdessen an mehreren verschiedenen Stellen zu finden. Zunächst ist flattr immer noch ein nicht besonders weit verbreitetes Tool, das wenig von „Gelegenheitsleserinnen“ genutzt wird. Obwohl das Zahlungssystem eine schöne Idee ist, die auch an vielen Stellen ganz gut funktioniert, hat es sich bisher nicht massenhaft durchgesetzt. Zudem fällt es, glaube ich, schwer, für eine Serie von kurzen Artikeln zu zahlen, also eher für eine Serviceleistung. Bei einem längeren Post fällt einem das vielleicht leichter, siehe Vergleichswerte oben. Und nicht zuletzt habe ich mit meinen eigenen Artikeln die Erfahrung gemacht, das ein flattr-Klick eher eine Zustimmung zum Inhalt des Textes ist (eine Art „Danke, dass das mal jemand so aufgeschrieben hat!“), als die freiwillige Zahlung für eine Dienstleistung oder einen Arbeitsaufwand. Ich kann mich hier irren, aber bei mir galt in den letzten Jahren: Je klarer ein Text positioniert war, je deutlicher er eine Haltung vertreten hat, desto mehr flattr-Klicks hat er erhalten im Vergleich zu Texten, die vielleicht sogar viel mehr Arbeit waren, die aber eher weniger polarisiert haben. Und nicht zuletzt haben wir vielleicht einfach nicht genug „getrommelt“. Wer Aufmerksamkeit (und das Geld!) von Menschen will, muss laut sein. Sehr laut. Wir hätten vielleicht ein Video produzieren sollen …

Ich werfe also niemandem etwas vor. Aber, zugegeben, ein bisschen enttäuscht bin ich schon.

Ich biete Euch daher hier noch einmal die Gelegenheit, David ein gar nicht so virtuelles Dankeschön per flattr zukommen zu lassen und werde nach meiner Rückkehr aus den Ferien in ca. zwei bis drei Wochen die gleiche Summe, die dann über diesen Artikel hier per flattr reingekommen ist, aus eigener Tasche drauflegen, die Einnahmen also verdoppeln. Obwohl dieser Artikel hier also von mir, Johnny, verfasst wurde, gehen die flattr-Einnahmen an David. Und der Paypal-Spendenknopf funktioniert natürlich auch noch.

Kann doch nicht sein, dass ihr unseren WM-Dauerschreiber mit nicht einmal 30 Euro nach Hause schicken wollt, wir sind schließlich alle Weltmeister!

UPDATE 28.8.2014 Vielen Dank an alle! Dieser Artikel hat dann doch noch mal eine ganze Menge gerissen – die Gründe, warum viele den flattr-Aspekt gar nicht mitbekommen hatten, findet ihr in den Kommentaren. Dieser Text hier hat insgesamt 59 flattr bekommen, aber auch die alten Postings haben noch mal ganz gut zugelegt, die neuen Zahlen sind die zweiten in Klammern hinter den Text-Nummern.

David kommt jetzt also auf 196 flattr-Klicks, bei 30 Cent pro Klick macht das 58,80, zzgl. meiner versprochenen Zulage sind das gerundet 120 Euro. Immer noch kein halbwegs anständiges Honorar für die Arbeit (das hat auch David nicht durch ein flattr-Experiment erwartet), aber auf jeden Fall eine schöne Geste und weitaus mehr als vor diesem Artikel. Wir danken für eure Klicks, das Feedback und natürlich fürs Lesen!

HINWEIS

Die Einnahmen aus den Spenden- und flattr-Buttons
unter diesem Artikel gehen direkt an den Autor.
Mehr Info gibt es hier.

19 Kommentare

  1. 01

    Hab ehrlich gesagt den Flattr-Button gar nicht gesehen, weil ich die Beiträge über RSS lese und die Kürze mich weniger dazu verleitet hat die Seite selbst nochmal in groß aufzurufen.
    Ansonsten fand ich das Angebot ganz gut, gerade für die Spiele, die ich selbst nicht sehen konnte / wollte. Dann drücke ich wohl nochmal nachträglich drauf.

  2. 02
    Marcel

    Ging mir genauso wie TCM1003, jetzt nachträglich geflattred.

  3. 03

    Guter Hinweis, daran habe ich gar nicht gedacht!! Danke!

  4. 04
    chaosbit

    Bei mir liegt es in den meisten Fällen auch daran, dass ich keinen RSS-Reader habe der das automatisch macht. Bei Podcasts klappt das ja eigentlich ganz wunderbar alles gehörte zu flattern; das bräuchte man halt für Text auch entsprechend…

    Ansonsten von mir auch noch ein Klick und ein großes DANKE für die Zusammenfassung in genau der richtigen Länge.

  5. 05
    Manu

    Ist das nicht ein gängiges Problem von flattr (sowie den anderen social media buttons), dass sie in der Regel nicht Teil des Feeds sind?

  6. 06

    Dann spiele ich jetzt mal den Miesepeter und werfe noch einen Grund in den Raum: die Beiträge waren einfach nur okay, sie boten aber nichts, was Zuschauer der WM (und eigentlich auch sonst jeder) nicht auch bei Twitter, Facebook und eigentlich überall bekamen. Es tut mir leid wenn das so direkt sage, aber ich habe mir zum Vergleich nochmal die Beiträge von Fréderic Valin zur WM 2010 angesehen, die boten – auch für Zuschauer der WM – neben Mehrwert auch wirklich Unterhaltung.

  7. 07

    Zwei Punkte:

    (1) Der taz-Artikel ist bekannt, oddr?
    http://blogs.taz.de/hausblog/2014/04/21/flattr-der-button-fuer-haeme-und-schadenfreude/

    (2) Ich nutze flattr eigentlich nur mit Subscriptions, d.h. aktuell sechs Webseiten/ Services teilen sich monatlich 3 Euro. Alles andere als Subscriptions ist mir zu unpraktisch (lesen im RSS-Reader, Podcasts oder twitter-Autoren flattern) und erscheint mir zu willkürlich.
    Ich halte das Subscription-Modell für eine sehr schön Sache – jeder kann einstellen, wie viel ihm/ ihr Netzinhalte im Monat wert sind und an wen man dieses Geld verteilen möchte. (Was nicht nur mit Qualität sondern auch mit anderen Aspekten, etwa gefühlte ‚Bedürftigkeit‘ oder auch politischen Erwägungen zu tun haben mag.)
    In diesem Fall gab es die Ausnahme von der Regel – aber auch da dann erste wieder flattr-Login raussuchen, anmelden, Ärger mit Adblocker (oder was immer es war), anderen Browser starten… Dann doch lieber meine persönliche Netz-GEZ. ;)

  8. 08

    @Christoph: Auch Kritik an den Texten selbst ist natürlich okay. Die Absicht war von Anfang an eine andere als damals bei den Texten von Fred – wenn man dabei zu wenig Mehrwert empfand, klickt man natürlich auch nicht, das ist klar.

  9. 09

    @kornecke: Danke, auch für den taz-Link, den kannte ich noch nicht.

  10. 10
    chaosbit

    @Christoph:

    Das ist genau das, warum es es für meine Bedürfnisse gestimmt hat.

    Ich konnte die WM auf Twitter, Facebook, etc. ausblenden und bekam einmal am Tag eine kurze Zusammenfassung auf einer Seite.

  11. 11

    Vielen lieben Dank an euch alle, ihr seid echt cool. Nicht nur dieser Artikel, sondern auch die älteren der Serie bekommen jetzt doch noch ordentlich flattr-Zulauf, das ist sehr nett und freut mich sehr (und David erstmal! :)).

  12. 12
    Randolf Balasus

    Hallo, habe eben das flattrn nachgeholt. ich habe alle artikel ueber RSS gelesen, und nirgneds wo einen flattr button oder eine flattr „Einladung“ gesehen, sonst haette ich das schon vorher aktiver getan.

  13. 13
    Quacki

    WTF is flattr??

  14. 14
    Quacki

    Will sagen: Ich habe einen Wahrnehmungsfilter, mit dem ich diese ganzen Buttons am Ende des Beitrags nicht mehr sehe. Geblockt! Außerdem musste ich eben erst nachschauen, was flattr überhaupt ist.

  15. 15
    TicTac

    @ kornecke: danke auch für den taz-Link :) Das mit flattr ging mir genau wie Quacki. Habe davon gerade das erste Mal gelesen.
    Das mit der Werbetrommel rühren wäre vielleicht gut gewesen, leider bin ich gerade nur durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen…

  16. 16
    Thorbjoern

    Es wurde hier ja schon beschrieben, auch ich lese Blogs nahezu ausschließlich per RSS-Feed, also per „Feedly“ auf dem iPhone und am Rechner. Habe die Serie sehr genossen und mich jeden morgen drauf gefreut. Da mein paypal-Konto leer war, mußte ich das erstmal auffüllen. Man weiß, dass das etwas dauert, deswegen gibt’s dann heute auch was von mir. In Zukunft gucke ich auch auf den Blogs selbst wieder verstärkt nach dem flattr-Button, sorry ‚bout that!

  17. 17
    Sarah

    Super gute Aktion, bei der leider viel zu wenig Leute mit machen. Von mir hat David auf jeden Fall schon einen Klick. Ich sehe das so wie du, Blogarbeit wird nicht als Arbeit geschätzt. Als Bloggerin weiß ich selber, wie viel Mühe und Arbeitsaufwand ein Artikel ist. Zum Glück macht man das Ganze nicht nur fürs Geld.

  18. 18
    Hannes

    Gründe für die kargen flattr-Klicks? „Give back to creators
    Give microdonations when you Like, Favorite & Star.“ = wird immer eine Nischensache bleiben, solange keine Lokalisierung vorliegt. Jeder, der nicht des Englischen mächtig ist, ist außen vor; und das sind beim Thema Fußball nicht wenig…

  19. 19
    Sebastian

    …dann bindet doch mal ein etwas verbindlicheres System als flattr ein (auch wenn die Freiwilligkeit natürlich schön ist), etwa Laterpay, dann gibt es immer noch keine Zwang, aber einen für alle Leser sichtbaren, erwarteten Preis. Oder eben nur einen Preis für vertiefenden Infos oder längere Artikel, nicht aber für kürzere Service-Themen.

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