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The Libertines in Berlin und ein sehr, sehr junger, sehr, sehr süßer und sehr, sehr cleverer Pete Doherty

doherty

Eigentlich wollte ich nur das weiter unten folgende, tolle Video des sehr, sehr jungen, sehr, sehr süßen und sehr, sehr cleveren Pete Doherty posten, den man übrigens „Dockerty“ ausspricht, wie man in diesem gemeinen (aber gar nicht gemein gemeinten) Song der Indelicates hören kann. Beides, also das Video der Indelicates und den Clip des jungen Dohertys und auch noch den Link zu dieser Doku hat mir unsere Freundin Martina C. geschickt, mit der wir uns am Samstag The Libertines angeschaut haben, und wenn wir schon beim Thema sind, kann ich ja noch ein paar Zeilen dazu tippen.

Denn ich hatte mich nach den grandiosen Babyshambles-Gigs sehr auf The Libertines gefreut, zumal das Konzert in der Berliner Columbiahalle angesetzt war, die ich als Konzerthalle sehr mag. Da dann aber rund 8.000 Menschen die wiedervereinte erste Band von Pete Doherty live in Berlin sehen wollten, wurde der Gig in die Arena verlegt, die ich als Rockkonzerthalle des Sounds wegen eher nicht so prickelnd finde.

Ich stand also schon vor Konzertbeginn mit gemischten Gefühlen in der Arena, hörte nicht auf, mich über die Masse an Menschen zu wundern (wieso wollen plötzlich alle die Libertines sehen, die natürlich eine tolle Band waren und sind, aber woher kommen diese ganzen jungen Menschen, haben die Libertines etwa einen Song in einer Mobilfunkwerbung gehabt?) und fühlte mich wie immer etwas unwohl in dem an sich tollen ehemaligen Busbetriebshof. Ich habe in den letzten Jahren einfach eine Aversion gegen große Rockkonzerte in großen Industriehallen entwickelt. Ich darf das. Ich bin Ü50.

Immerhin: Die Libertines waren bestens gelaunt, spielten fast zwei Stunden lang alle Hits und Fasthits, dudelten zwischen diesen immer mal wieder rum, als stünden sie vor drei Leuten in einer Fußgängerzone und lieferten einen sehr guten Gig ab. Glaube ich. Denn meine Befürchtungen in Sachen Sound wurden leider wieder wahr, und damit meine ich nicht, dass ich CD-Qualität hören wollte. Ich mag’s schon, wenn es kracht, laut und vor allem anders als bei Album-Aufnahmen ist, aber ich möchte irgendwie „drin“ sein im Sound und das klappt in solchen Hallen einfach nicht. Soundleute haben es schwer, an jeder Ecke der Halle klingt es anders, die Drums müssen mit wahnsinnigen Gates belegt werden, so dass eigentlich nur noch Bassdrum und Snare durchkommen, der Bass kann eh nur irgendwo unten rumwummern, die Gitarren müssen da irgendwie drüber passen und die Gesänge quetschen sich zwischen alles. Die sehr clean und höhenlastig gespielte Gitarre von Carl Barât schien mir viel lauter zu sein als die von Doherty, und so klang das alles an den drei verschiedenen Standpunkten, die wir getestet haben, nicht so richtig toll.

Soll heißen: Ich bin nicht reingekommen in den Gig, aber daran hatte niemand wirklich schuld. Ist halt so, manchmal. Die Libertines sind trotzdem toll.

Und hier jetzt endlich der sehr, sehr junge, sehr, sehr süße und sehr, sehr clevere Pete Doherty, der die Frage nach einer kurzen Beschreibung von Oasis frei übersetzt so beantwortet:

„Ich bin da ganz bei Umberto Eco: Noel ist ein Poet und Liam ist der Marktschreier. Ich halte das für eine perfekte Kombination.“*

Auf die Frage, wie der sehr, sehr junge, sehr, sehr süße und sehr, sehr clevere Pete Doherty Oasis in einem Wort beschreiben würde, antwortet selbiger mit „Trousers“ („Hosen“, was aber auch auf „Dicke Hose machen“ o.ä. hinweisen könnte …). Worauf der beeindruckte MTV-Moderator ihm Großartigkeit attestiert und ihn fragt, ob er mal Moderator werden will. Doherty nickt, entscheidet sich dann aber später zu unserer aller Glück für die Karriere als Musiker.

Ich halte Doherty übrigens für einen der besten Songschreiber unserer Zeit und es tut oftmals sehr weh, so viel Talent im Alkohol- und/oder Drogenwahn untergehen zu sehen. Ich hoffe wirklich, dass der Kerl den Absprung noch schafft und uns noch viele tolle Songs liefert. Ein so tragisches und trauriges Ende wie das eines weiteren großen (und mit ihm befreundeten) Talents, Amy Winehouse nämlich, wäre wirklich furchtbar.

* Man braucht, glaube ich, nicht lange nach den Gründen für die Erwähnung von Umberto Eco zu suchen. Ich denke, Doherty erwähnt ihn, um schlau zu wirken. Oder absurd. Oder beides. Und ich denke, das ist ihm auch gelungen.

12 Kommentare

  1. 01

    Ich glaube du solltest mal pants im urban dictionary nachschlagen.

  2. 02
    1ng0

    indelicates sind eh soo so gut und „we hate the kids“ einer der besten songs aus uk der letzten 10 jahre.

  3. 03
    Marcus

    Thumbs up für den letzten Absatz!

  4. 04

    Diie Indelicates sind großartig! Schade, daß die nie einen Bruchteil der Zuschauer eines Libertines-Konzerts anlocken werden! Unfaire Musikwelt!

  5. 05

    @Armin: Er sagte aber „Trousers“. Hat das die gleiche (Neben-)Bedeutung wie „Pants“?

  6. 06
  7. 07

    @Johnny Haeusler: muss zugeben dass ich das Video noch nicht gesehen habe (und deswegen pants erwartet hatte).

    Aber, ja, auch trousers kann so benutzt werden (im Sinne von „nonsense“, weniger von „rubbish“). Vielleicht nicht so ganz wie pants, aber es geht in die Richtung. Ist auch nicht ganz so gelaeufig.

  8. 08
    Jane

    Mensch wo hast du denn das Video „ausgegraben“ ? Das hat mir jetzt ech ein Schmunzeln abgejagt :-)

  9. 09

    Who the f*ck is Pete Doherty?

    https://www.youtube.com/watch?v=APw57bchkTI

    Schöne Doku ;-)

  10. 10
    ber

    Wenn durch seinen Junkie Lifestyle wenigstens ansatzweise neue, interessante Musik/Kunst entstehen würde, hätte ich damit weniger Probleme. So ist das leider nur der x-te Aufguss des sich wegschiessenden Rock-Deppen, der Gossip für die Medien liefert.

  11. 11

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