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The Clash New Year’s Day 1977

clash roxy

Am 1.1.2015 zeigte die BBC die von Julien Temple gefilmte Dokumentation des Auftritts von The Clash im Londoner Roxy am Neujahrstag 1977, derzeit ist sie noch auf YouTube verfügbar. Die jetzt zum ersten Mal veröffentlichten Aufnahmen des Gigs hat Temple mit TV-Schnipseln, Interviews und Statements zusammengeschnitten, so dass sich ein spannendes Bild des beginnenden Jahres ergibt, das als Startschuss für den britischen Punk gilt.

Das Konzert selbst, bei dem u.a. der blutjunge Shane McGowan im Publikum zu sehen ist und Rob Harper am Schlagzeug sitzt, ist auch mit den wenigen mitgeschnittenen Songs für Fans ein Juwel. Nicht nur, dass viele Songzeilen noch andere waren als bei den Aufnahmen später – die Leidenschaft, Dringlichkeit und Wut, welche die Band transportiert, zeigen, wieso Punk passierte, passieren musste. Und, das behaupte ich jetzt mal, warum es mit dieser Energie auch jederzeit wieder passieren könnte.

Es gibt derzeit jede Menge Bands, die tolle und auch wichtige Songs und Texte schreiben, den Weg „nach draußen“ und zu einer über den eigenen Fankreis hinausreichenden Relevanz finden jedoch die wenigsten davon. Mit Ausnahme des Hiphop, bei dem die Botschaften zwar aus Gründen, aber dennoch leider zu oft selbstdestruktiv und zu selten gesellschaftspolitisch sind, bäumt sich kaum ein Stil zu einer Subkultur mit eigener Mode und Symbolik auf, Provokationen münden allerhöchstens in BILD-Schlagzeilen über das Privatleben der wenigen Namen, die auf dem Boulevard bekannt sind.

Punk war vielleicht nur deshalb die letzte Musik- und Moderichtung, die gleichermaßen für Empörung in der Gesellschaft als auch für Hoffnung bei Anhängerinnen und Anhängern gesorgt hat, weil es Empörung und Hoffnung überhaupt noch gab. Schaut man sich aber diese Aufnahmen an, fragt man sich schon, ob es nicht wieder Zeit für beides wäre.

2 Kommentare

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    „Es gibt derzeit jede Menge Bands, die tolle und auch wichtige Songs und Texte schreiben, den Weg “nach draußen” und zu einer über den eigenen Fankreis hinausreichenden Relevanz finden jedoch die wenigsten davon.“
    Dafür gibt es sicherlich viele Gründe. Einer wird sein, dass sich mit der zunehmenden Ausdifferenzierung unterschiedlicher Musikstile und Bands auch jeweils eine entsprechende Teilöffentlichkeit für diese unterschiedlichen Kapellen und ihre Musik herausbildet, die unter sich bleibt. Hinzu kommt noch, dass es nur ganz wenigen Musikern gelungen ist über lange Zeit ihre Authentizität zu bewahren. Viele werden schlicht und einfach vom Musikgeschäft gefressen und beginnen ihre beiden – vertraglich vereinbarten – Alben pro Jahr abzuliefern. Hinzu kommt, dass der Zeitgeist reif sein muss für die Authentizität seiner musikalischen Botschaften. Was für die einen The Clash gewesen zu sein scheint, waren für die anderen vielleicht Ton Steine Scherben. Möglicherweise gibt es Zeiten, in denen für authentisches Aufbegehren in der Musik kein Raum ist.

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